Lencouacq

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Lencouacq
Lencoac
Wappen von Lencouacq
Lencouacq (Frankreich)
Lencouacq
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Landes
Arrondissement Mont-de-Marsan
Kanton Haute Lande Armagnac
Gemeindeverband Landes d’Armagnac
Koordinaten 44° 6′ N, 0° 24′ WKoordinaten: 44° 6′ N, 0° 24′ W
Höhe 75–128 m
Fläche 96,62 km2
Einwohner 388 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 4 Einw./km2
Postleitzahl 40120
INSEE-Code
Website lencouacq.levillage.free.fr

Rathaus von Lencouacq

Lencouacq ist eine französische Gemeinde mit 388 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Landes in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Mont-de-Marsan und zum Kanton Haute Lande Armagnac (bis 2015: Kanton Roquefort).

Der Name lautet in der gascognischen Sprache Lencoac.[1] Er leitet sich vom lateinischen locus aquarum ab mit der Bedeutung „Ort der Quellen“.[2]

Die Einwohner werden Lencouacquais und Lencouacquais genannt.[3]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lencouacq liegt ca. 25 km nördlich von Mont-de-Marsan in der historischen Provinz Armagnac der historischen Provinz Gascogne an der nördlichen Grenze zum benachbarten Département Gironde.

Umgeben wird Lencouacq von den Nachbargemeinden:

Luxey
Callen
Lucmau (Gironde)
Captieux (Gironde)
Le Sen Nachbargemeinden Retjons
Cachen Arue

Lencouacq liegt im Einzugsgebiet des Flusses Adour.

Die Gemeinde wird durchquert von der Gouaneyre, einem Nebenfluss der Douze, und ihren Zuflüssen, dem Ruisseau de Lucpaoumé und dem Ruisseau de Lajus, der in Lencouacq entspringt.

Außerdem bewässern der Ruisseau Grand Canal und die in Lencouacq entspringenden Flüsse, der Ruisseau de Piulet und der Ruisseau de Ribarrouy, das Gebiet der Gemeinde.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Bahnhofsgebäude in Lencouacq

Lencouacq besaß Haltepunkte an der Eisenbahnlinie der Compagnie des voies ferrées des Landes, die Roquefort mit Lencouacq verband und am 1. Oktober 1907 eröffnet wurde. Aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit wurde ab 2. Februar 1929 der Personenverkehr auf der nicht elektrifizierten, einspurigen Strecke nur noch an Markttagen betrieben und am 7. Mai 1934 der Personen- und Güterverkehr eingestellt.[5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Lencouacq

Das Wappen ist von Francine Belala entworfen worden. Es zeigt den Glockenturm der Pfarrkirche von Lencouacq, Kraniche und den Eingang der Kommenden von Bessaut. Das Gebiet der Gemeinde bietet einen Rastplatz für Kraniche bei ihren Vogelzügen.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Beginn der Aufzeichnungen stieg die Einwohnerzahl bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf einen Bereich zwischen 1.100 und 1.200. Nach den 1910er Jahren sank die Größe der Gemeinde bis zur Jahrtausendwende auf ein Niveau von rund 400 Einwohnern.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2010 2016
Einwohner 657 581 503 467 439 403 397 398 388
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 1999,[6] INSEE ab 2006[7][8]

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lencouacq unterhält eine Partnerschaft mit Kembs im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est.[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Saint-Jean-l’Evangéliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glockenturm

Die dem Evangelisten Johannes geweihte Kirche hat zweifellos ihren Ursprung in der Romanik und ihr erster Bau datiert aus dem Ende des 11. oder dem Beginn des 12. Jahrhunderts. Im Jahre 1569 wurde sie im Rahmen der Hugenottenkriege von protestantische Truppen unter der Führung des Hauptmanns Thoiras verwüstet und in Brand gesteckt. Als der Friede eintrat, wurde die Kirche teilweise wiederhergestellt und zwischen 1770 und 1785 vollständig neu gebaut. 1866 verschönerte der Maler Duval aus Mont-de-Marsan den Chor durch seine Wandmalereien. Die viereckige Apsis ist aus mittlerem Mauerwerksverband errichtet, der Rest des Kirchengebäudes aus Bruchstein aus Kalkstein. Innen ist der Chor halbrund mit einer Apsiskalotte und wird im Süden von einer Sakristei gesäumt. Das Hauptschiff des Langhauses öffnet sich zu den gleich langen Seitenschiffen mit Tonnengewölben durch große Rundbogenarkaden, die auf quadratischen Pfeilern im Westen und auf rechteckigen Pfeilern im Osten ruhen. Das nördliche Seitenschiff ist hierbei erst 1856 angefügt worden. Eine Empore erhebt sich im Langhaus. Die westliche Fassade ist geprägt von einem Frontspieß mit Pilastern ionischer Ordnung und einem Giebel, der von einem Okulus unterbrochen wird. Südlich ragt der Glockenturm neben dem Kirchengebäude empor. Das Langhaus besitzt einem Satteldach mit Hohlziegeln, die Apsis ist mit einer großen Kuppel mit einem Dachreiter und der Glockenturm mit einem flachen Zeltdach gedeckt, obwohl ein Helm ursprünglich vorgesehen war. Die Kirche ist seit dem 11. Mai 2015 als Monument historique eingeschrieben.[10][11]

Die Kirche konnte einen Teil der Einrichtung bewahren, mit der sie nach dem Neubau im 18. Jahrhundert ausgestattet wurde, beispielsweise die Drehtür, die Kanzel, ein Weihwasserbecken und drei 100 cm große Statuen mit den Darstellungen des heiligen Lupus von Troyes, des Johannes und des Erzengels Michael. Der heilige Lupus ist der Schutzpatron der Pfarrgemeinde von Lencouacq. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs fanden alljährlich am 1. September Prozessionen zu einer einen Kilometer vom Zentrum der Gemeinde befindlichen Quelle statt. Der Heilige wurde wegen der heilenden Wirkung ihres Wasser bei Rheuma und Augenkrankheiten angerufen. Der Erzengel Michael ist der sekundäre Schutzpatron der Pfarrgemeinde. Die Ausstattung des Chors ist häufig verändert worden. Der Schreiner Flocher aus Roquefort hat 1785 für 180 Francs einen Altar geschaffen, der 1831 durch einen Altar aus Marmor ersetzt wurde und vor 1887 wieder aufgestellt wurde, bevor er Ende des 19. Jahrhunderts endgültig entfernt und durch den heutigen Altar ersetzt wurde. Dieser ist aus rotem Marmor aus den Pyrenäen gefertigt, die Kapitelle der kleinen Säulen des Tabernakels hingegen aus weißem Marmor. Der halbrunde Baldachin über dem Altar besitzt eine Höhe von acht Metern und eine Breite von 5,60 m. Sein Gesims mit einem Fries mit Zahnschnitt und Konsolen wird von sechs Säulen getragen. Deren Schäfte sind aus leuchtendem rosa Marmor aus den Pyrenäen, das Stylobat aus bemaltem, rosa und grünem Marmor nachempfundenen Stuck, die Kapitelle der Säulen aus vergoldetem Stuck. Die Bekrönung ist aus bemaltem und vergoldetem Holz ebenso wie der Strahlenkranz auf dem Gesims. Inmitten des Strahlenkranzes ist das Herz Jesu aus vergoldetem Kupfer angebracht. Gemäß der örtlichen Überlieferung stammt der Baldachin aus der ehemaligen Kathedrale in Bazas. Das Retabel wird durch ein Ölgemälde komplettiert, ein Werk des Malers Louis-Anselme Longa aus Mont-de-Marsan aus dem Jahr 1840 oder 1850. Es zeigt die Kreuzigungsszene mit Maria, Maria Magdalena und dem Apostel Johannes. Jesus Christus wird lebend im Moment der Anrufung seines Vaters dargestellt, die Augen gegen den Himmel gerichtet. Die Ausstattung der Seitenschiffe erfolgte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zwei Glasfenster sind Werke des Glasmalers Gustave Pierre Dagrant aus Bordeaux, die 1904 entstanden sind. In vielpassförmigen Medaillons werden die Notre-Dame von Buglose und der heilige Vinzenz von Paul vor geometrischen und pflanzlichen Ornamenten im Hintergrund dargestellt.[12][13][14][15][16][17][18]

Ehemalige Komturei Sainte Madeleine von Bessaut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Komturei Sainte Madeleine von Bessaut Ehemalige Komturei Sainte Madeleine von Bessaut
Ehemalige Komturei Sainte Madeleine von Bessaut

Die Komturei wurde im 12. Jahrhundert durch den Santiagoorden gegründet, um Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela zu empfangen. Ihre Ruine befindet sich ca. 10 km nordöstlich des Zentrums der Gemeinde. Im 14. Jahrhundert wurde die Bestimmung auch auf die Pflege von Kranken und die Aufnahme von Armen und Behinderten ausgedehnt. Sie wechselte mehrfach den Besitzer und wurde in den Hugenottenkriegen von protestantischen Truppen geplündert. Während der Französischen Revolution wurde sie als Nationalgut verkauft und größtenteils abgerissen, um das Baumaterial für andere Gebäude in der Region zu verwenden.[19]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handel und Dienstleistungen bilden den Schwerpunkt der wirtschaftlichen Aktivitäten der Gemeinde.

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[20]
Gesamt = 32

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Grundschule mit 24 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2017/2018.[21]

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lencouacq liegt im Regionalen Naturpark Landes de Gascogne.[22]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lencouacq ist erreichbar über die Routes départementales 9, 53 und 428.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lencouacq – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lencouacq (fr) Gasconha.com. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  2. a b Le village. Gemeinde Lencouacq. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  3. Landes (fr) habitants.fr. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  4. Ma commune : Lencouacq (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  5. Roquefort/Lencouacq-Jourets (fr) Voies ferrées des Landes. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  6. Notice Communale Lencouacq (fr) EHESS. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  7. Populations légales 2006 Commune de Lencouacq (40149) (fr) INSEE. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  8. Populations légales 2015 Commune de Lencouacq (40149) (fr) INSEE. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  9. Liens utiles (fr) Gemeinde Kembs. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  10. église paroissiale Saint-Jean-l’Evangéliste (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  11. Eglise paroissiale Saint Jean-l’Evangéliste (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  12. le mobilier de l’église paroissiale Saint-Jean-l’Evangéliste (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  13. statue : Saint Loup (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  14. statue : Saint Michel (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  15. autel, 2 gradins d’autel et tabernacle du maître-autel (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  16. baldaquin du maître-autel (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  17. tableau du maître-autel : Christ en croix entre la Vierge, sainte Madeleine et saint Jean (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  18. ensemble de 2 verrières : Notre-Dame de Buglose, Saint Vincent de Paul (baies 3 et 4) (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  19. L’histoire en image >> Commanderie de Bessaut. Gemeinde Lencouacq. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  20. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune du Lencouacq (40149) (fr) INSEE. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  21. École élémentaire (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  22. 51 communes du Parc naturel régional des Landes de Gascogne (fr, PDF) Parc Naturel Régional des Landes de Gascogne. Archiviert vom Original am 3. März 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ecotourisme-landes-de-gascogne.fr Abgerufen am 23. Juni 2018.