Lenka von Koerber

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Lenka von Koerber, ca. 1934

Lenka von Koerber, geb. Helene Irmgard Louise von der Leyen (* 16. März 1888 in Niedeck/Westpreußen; † 21. Juli 1958 in Leipzig) war eine deutsche Journalistin und Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helene Irmgard Louise von der Leyen wurde als Tochter eines Rittergutsbesitzers geboren. Sie studierte Malerei in Berlin, heiratete im Juli 1914 und zog dann mit ihrem Ehemann Egbert von Koerber nach London. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 sahen sich beide aus familiärer Rücksichtnahme gezwungen, nach Deutschland zurückzukehren. Egbert von Koerber fiel bereits 1916 in der Schlacht an der Somme. Nach dem Ersten Weltkrieg schloss sie sich der Friedensbewegung und von 1918 bis 1930 der Deutschen Demokratischen Partei an. "Als die Weimarer Verfassung 1919 den Frauen die formale Gleichberechtigung brachte, war sie eine der ersten, die Schöffin und Geschworene wurde."[1]. Lenka von Koerber war als ehrenamtliche Bewährungshelferin tätig und trat für eine grundlegende Reform des Strafvollzugs ein. Ihre Erfahrungen in der Gefangenenfürsorge publizierte sie in Zeitungsartikeln und Büchern. Die literarischen Schwächen der autodidaktischen Schriftstellerin Lenka von Koerber, die lediglich vier Schuljahre absolviert hatte, und ihr damaliger Glaube an den Reformwillen im deutschen Strafvollzug brachten ihr eine scharfe Kritik von Kurt Tucholsky ein.[2]

Lenka von Koerber unternahm eine Reise nach Palästina, um über die jüdischen Siedlungen zu berichten; und fuhr 1932 mit Unterstützung von Clara Zetkin und Nadeschda Konstantinowna Krupskaja für sieben Monate in die UdSSR, um sich über die neuen Methoden des Strafvollzugs in der Sowjetunion zu informieren. Sie war die erste ausländische Journalistin, die Zugang zu den Gefangenenlagern und Gefängnissen erhielt. Vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen mit dem deutschen Strafvollzug war sie sehr beeindruckt von den Erfolgen bei der sozialen Wiedereingliederung von Strafgefangenen in der Sowjetunion auf der Grundlage von Methoden, die durch Anton Semjonowitsch Makarenko entwickelt wurden. Noch 1933 erschien ihr Buch "Sowjetrußland kämpft gegen das Verbrechen" beim Rowohlt-Verlag. Das Werk wurde kurz darauf verboten und verbrannt. Sie selbst hatte trotz Hausdurchsuchung und kurzer Inhaftierung durch die Gestapo, aus der sie durch Eingreifen des damaligen Oberbürgermeisters von Leipzig Carl Friedrich Goerdeler befreit wurde, engen Kontakt zu Kreisen des Widerstandes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Lenka von Koerber Mitglied des Deutschen Schriftstellerverbandes und setzte ihre Tätigkeit als Journalistin, Fotografin und Schriftstellerin in Leipzig fort, wo sie 1954 ein Porträt-Buch über den Thomanerchor und deren damaligen Thomaskantor Günther Ramin veröffentlichte.[3][4] Sie engagierte sich in ihren Publikationen in der DDR für straffällig gewordene Jugendliche und schrieb viel beachtete Bücher, so etwa über Käthe Kollwitz.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Meine Erlebnisse unter Strafgefangenen (Stuttgart, 1928)
  • Menschen im Zuchthaus (Frankfurt/Main, 1930)
  • Sowjetrussland kämpft gegen das Verbrechen (Berlin, 1933, kurz danach verboten)
  • Wir singen Bach - Der Thomanerchor und sein Kantor (Berlin, 1954)
  • Verirrte Jugend (Berlin, 1955)
  • Agnes geht den schmalen Weg (Schwerin, 1956)
  • Erlebtes mit Käthe Kollwitz (Berlin, 1957)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieter Götze http://www.sopos.org/aufsaetze/488768a24aa7a/1.phtml
  2. Kurt Tucholsky http://www.textlog.de/tucholsky-lenka-von-koerber.html
  3. DNB 574392262
  4. DNB 452503159