Lenovo

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Lenovo Group Ltd.
聯想集團有限公司 / 联想集团有限公司
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Rechtsform Limited
ISIN HK0992009065
Gründung 1984
Sitz Hongkong
Leitung Yang Yuanqing (Vorsitzender und CEO)
Mitarbeiter 33.000 (2013)[1]
Umsatz 33,87 Mrd. US-Dollar (Geschäftsjahr 2013)

Gewinn: 635 Mio. US-Dollar (2013)

Branche Informationstechnik
Website www.lenovo.com

Lenovo [lɛˈnɔvo] („Le“ von englisch legend ‚Legende‘, „novo“ von lateinisch novum ‚neu‘; früher Legend Group) ist der größte Personal-Computer-Hersteller der Volksrepublik China und liegt nach Zahl der weltweit verkauften PCs 2014 mit einem Marktanteil von 19,8 % vor HP an der Spitze.[2] Sein wichtigster Aktionär sind die Legend Holdings (34 % Anteil)[3], die wiederum zu 65 % der staatlichen Chinesischen Akademie der Wissenschaften gehören. Das Unternehmen übernahm 2005 die PC-Sparte von IBM.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1984 gründete eine Gruppe junger chinesischer Wissenschaftler das Unternehmen. Dabei beschränkten sie sich zunächst auf den Vertrieb von Computern und Druckern der Marken IBM, ACT und Hewlett-Packard. Eigene Geräte brachte Lenovo Ende der 1980er Jahre auf den Markt.[4]

2004 war das Unternehmen Marktführer auf dem chinesischen Markt. Der Weltmarktanteil betrug zugleich 2,3 %. Anfang Dezember 2004 gab Lenovo bekannt, die PC-Sparte von IBM für 1,75 Mrd. US-Dollar übernehmen zu wollen. Deren Weltmarktanteil betrug 6 %. Am 9. März 2005 genehmigten die Behörden der Vereinigten Staaten die Übernahme, die am 1. Mai 2005 offiziell abgeschlossen wurde. Der Hauptsitz des Unternehmens wurde daraufhin nach Raleigh in North Carolina verlegt, mit Hauptniederlassungen in Peking und Singapur.[5] Stephen Ward, früherer Chef der PC-Sparte von IBM, wurde zum CEO des Gesamtunternehmens ernannt. Yang Yuanqin, früherer CEO von Lenovo, übernahm den Posten des Chairman of the Board.[4] Der Umsatz der Lenovo Group stieg mit der Fusion von 2,9 Mrd. US-Dollar im Jahr 2005 auf 13,3 Mrd. US-Dollar im Jahr 2006.

Logo bis Ende Mai 2015[6]

Im Januar 2011 wurde bekannt, dass NEC und Lenovo im PC-Geschäft fusionieren. Durch gemeinsame Entwicklung, Produktion und Materialbeschaffung sollen Synergie-Effekte entstehen, die beiden Unternehmen helfen sollen, die Lücke zum Marktführer HP zu verkleinern. Das neue Gemeinschaftsunternehmen gehört zu 51 % Lenovo und zu 49 % NEC. Des Weiteren sollen die Endprodukte weiterhin unter den bisherigen Markennamen verkauft werden.[7]

Lenovo bot Anfang Juni 2011 629 Millionen Euro für einen Mehrheitseinstieg bei dem Aldi-Lieferanten Medion AG.[8] Die EU-Kommission gab am 26. Juli 2011 grünes Licht für die Übernahme, nachdem ihre Experten insbesondere die Aktivitäten beider Firmen bei Desktop-Computern, Laptops, Computermonitoren sowie Zubehör untersucht hatten. Im Mittelpunkt stand dabei der PC-Markt in Deutschland und Dänemark, auf den der Zusammenschluss die größten Auswirkungen hat. Zur Begründung gab die Kommission an, das Unternehmen werde starken Konkurrenten wie zum Beispiel Acer, HP oder Asus gegenüberstehen, so dass es weiter ausreichend Wettbewerb gebe. Sie kam zu der Schlussfolgerung: „Die gemeinsamen Marktanteile von Lenovo und Medion sind allgemein relativ gering.“ Alle 1000 Medion-Mitarbeiter sollen übernommen werden.[9]

Lenovo-Campus in Peking

Anfang 2014 kaufte Lenovo den Mobiltelefonhersteller Motorola Mobility von Google für 2,91 Mrd. US-Dollar.[10] Den Markenname Motorola will Lenovo in entwickelten Märkten (z. B. den USA und Europa) beibehalten, während in Entwicklungs- und Schwellenländern eine Zwei-Marken-Strategie angewendet werden soll.[11] Mit der Motorola-Akquisition steigt Lenovo zum drittgrößten Smartphone-Anbieter weltweit auf – hinter Samsung und Apple (Stand Okt. 2014). Bei einer Online-Umfrage im September 2015 wurde Lenovo vor Huawei zur beliebtesten chinesischen Marke in Deutschland gewählt.[12]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lenovo-Notebook G500s

Lenovo produziert eine Vielzahl an Geräten aus dem Bereich Informationstechnik für den weltweiten Verkauf: Notebooks, Tablet-PCs, Ultrabooks, Desktop-Computer, Workstations, Server und Peripheriegeräte wie z. B. Computermonitore. Außerdem werden in etlichen Ländern Asiens Smartphones angeboten. Hier erreichte Lenovo im 4. Quartal 2015 den 4. Platz weltweit mit 20,2 Millionen verfrachteten Smartphones, im Vergleich zum 4. Quartal 2014 war dies ein Anstieg um 43,6 Prozent.

Der weltweite Marktanteil stieg somit von 3,7 auf 5,1 Prozent. Es wurden 399,5 Millionen Smartphones weltweit im 4. Quartal 2015 verfrachtet. Des Weiteren hat Lenovo eine Partnerschaft mit Motorola. Hier wurden ebenfalls 20,2 Millionen Smartphones verfrachtet, allerdings waren es im Jahr zuvor noch 24,7 Millionen.

Die Partnerschaft mit Motorola verkauft die Smartphones in den USA nur als Motorola, besonders erfolgreiche Modelle sind das "Moto G und Moto X". Da Lenovo in westlichen Staaten praktisch unbekannt ist, konzentriert man sich auf dem chinesischen bzw. asiatischen Markt und bietet dort günstige bis sehr günstige Smartphones an.[13]

Eine Vereinbarung, die es Lenovo erlaubt, Notebooks und PCs unter der Marke IBM zu verkaufen, endete mit dem Geschäftsjahr 2010.[14] Anfang 2011 hat IBM den Rest seiner Lenovo-Aktien verkauft.

Lenovo gehört zu den ersten Hauptmitgliedern der FIDO-Allianz, die den Industriestandard Universal Second Factor (U2F) für eine allgemein anwendbare Zwei-Faktor-Authentifizierung entwickelt hat.

Marktanteil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut dem Marktforschungsunternehmen IDC war Lenovo im zweiten Quartal 2013 mit 16,7 Prozent Marktanteil vor HP (16,4 %) und vor Dell (12,2 %) der größte PC-Hersteller weltweit.[15] Verglichen mit dem Vorjahresquartal ergab sich damit eine Steigerung des Marktanteils um 1,7 Prozentpunkte. HP steigerte seinen Marktanteil gegenüber dem zweiten Quartal 2012 ebenfalls (+0,7 Prozentpunkte).[15]

Sponsoring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lenovo war ein Hauptsponsor von Formel-1-Rennteam Williams F1 und ist seit 2009 Förderer des Rennteams McLaren F1.

Olympische Sommerspiele 2008 Lenovo war Hauptsponsor der Olympischen Sommerspiele 2008. Ihnen stellte das Unternehmen eine komplette Informationstechnik mit mehr als 30.000 Desktops, Notebooks, Bildschirmen und Server bereit. Diese Infrastruktur war verantwortlich für das Sammeln von Teilnehmerdaten bis hin zur Anzeige der Spielergebnisse im Nationalstadion, im Schwimmzentrum sowie über TV.

Außerdem hatte Lenovo sechs voll ausgestattete Internet-Lounges, sogenannte iLounges, in den Olympischen Dörfern eingerichtet. Diese ermöglichten es den Teilnehmern der Olympischen Spiele, mit Freunden und der Familie über Internet Kontakt zu halten. Weitere Lounges hatte Lenovo für die nationalen Organisationskomitees sowie in den Hauptquartieren der Sponsoren aufgebaut.[16]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2015 erhielt Lenovo Kritik für die Installation von Adware auf Laptops mit Ausnahme der ThinkPad-Reihe, die zwischen Oktober und Dezember 2014 produziert worden waren.[17] Die Anwendung Superfish platziert dabei Anzeigen in Suchergebnissen von zum Beispiel Google. Superfish installierte jedoch zusätzlich ein SSL-Zertifikat, mit dem es möglich ist, SSL-verschlüsselte Seiten zu manipulieren, wie bei einem Man-in-the-Middle-Angriff. Nach öffentlicher Kritik äußerte sich Lenovo und erklärte, alle serverseitigen Aktionen bereits im Januar deaktiviert zu haben, zusätzlich sei die Software ab Januar bei keinem Laptop mehr vorinstalliert worden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zhijun Ling: The Lenovo Affair: The Growth of China’s Computer Giant and Its Takeover of IBM-PC. Ins Englische übersetzt von Martha Avery, Verlag John Wiley & Sons, August 2006, ISBN 0-470-82193-0
  • Shan Feng, Janet Elfring: The Legend Behind Lenovo. Verlag Asia 2000, Singapur 2004, ISBN 962-8783-31-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. About Lenovo. In: lenovo.com. Abgerufen am 7. Februar 2014.
  2. Wirtschaftswoche: Die größten Computerhersteller der Welt
  3. http://www.ftd.de/it-medien/computer-technik/:liu-chuanzhi-der-mann-hinter-lenovo/70062630.html (Memento vom 15. Juli 2012 im Internet Archive)
  4. a b Charles W. L. Hill: Negocios Internacionales – Competencia en el Mercado Global. Aus dem Englischen von Francisco Javier Dávila Martínez und Birgit Nudiug, 6. Auflage, McGraw-Hill, México, D.F. 2007, ISBN 978-970-10-6235-7, S. 23.
  5. Auflistung der weltweiten Niederlassungen des Unternehmens auf der offiziellen Website
  6. designtagebuch.de: Neues Markenlogo für Lenovo
  7. http://www.heise.de/newsticker/meldung/NEC-und-Lenovo-fusionieren-PC-Geschaeft-1178565.html
  8. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Lenovo-bietet-629-Millionen-Euro-fuer-Medion-1253273.html
  9. Tagesschau: Lenovo darf Aldi-Zulieferer Medion kaufen 26. Juli 2011, abgerufen am 4. September 2011
  10. Google bestätigt: Lenovo kauft Motorola, Heise online, 29. Januar 2014, abgerufen: 30. Januar 2014
  11. Advertising Age: Lenovo Takes the Anti-Microsoft Approach to Its New Smartphone Company, 30. Oktober 2014, abgerufen: 12. Februar 2015
  12. Online-Umfrage von ChinaContact, German People’s Daily und Expat News
  13. Top 5 Smartphone Shipments for 4Q 2014 and 4Q 2015
  14. http://www.pc.ibm.com/ww/customerqa.html
  15. a b Lenovo überholt HP als größten PC-Hersteller. 11. Juli 2013, abgerufen am 11. Juli 2013.
  16. „Lenovo stellt die IT-Basis der Olympischen Spiele 2008 in Peking bereit!“ Unterseite der offiziellen Website
  17. Superfish: Lenovo verkaufte Laptops mit gefährlicher Software. 19. Februar 2015. Abgerufen am 10. Februar 2015.