Leo Express

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
LEO Express a.s.
Basisinformationen
Unternehmenssitz Prag
Webpräsenz https://www.leoexpress.com/de
Bezugsjahr 2016
Eigentümer RENFE 50%
Leoš Novotný jr. (40 %)
Martin Burda (7 %)
weitere
Rechtsform akciová společnost
Geschäftsführung Peter Köhler
Mitarbeiter 216[1]
Umsatz 295 Mio. CZK[2][1]dep1
Tochtergesellschaft

Leo Express Transportation Inc.
Leo Express Tenders s.r.o.
Leo Express Slovensko s.r.o
Leo Express Polska Sp z.o.o.
Smile Car a.s.

Linien
Eisenbahn 2 (div. Ziele)
Bus 12 (div. Ziele)
Anzahl Fahrzeuge
Triebwagen 5 (8 ab 2018)[1]
Omnibusse ja
Statistik
Fahrgäste 1,4 Mio. (2016)[1]
Einzugsgebiet Zentraleuropa, USAdep1

Leo Express a.s. (Eigenschreibweise: LEO Express) ist ein privates tschechisches Transportunternehmen, das hälftig zum staatlichen spanischen Eisenbahnverkehrsunternehmen RENFE gehört. Die Geschäftsfelder liegen dabei im Transport von Personen auf der Schiene (subventioniert und eigenwirtschaftlich) sowie auf der Straße mit Bussen und Minibussen und dem Carsharing. Die Gesellschaft fungiert in Tschechien als Eisenbahnverkehrsunternehmen und als Fernbusunternehmen; angeschlossen sind über Mehrheitsbeteiligungen die Unternehmen Leo Express Transportation Inc. (USA), Leo Express Tenders s.r.o. (Slowakei), Leo Express Slovensko s.r.o. (Slowakei), Leo Express Polska Sp z.o.o. (Polen) und Smile Car a.s. (Tschechien).[1]

Linien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Routen und Halte der Leo Express Fernzüge (schwarz)

Auf der Achse PragOstrava verkehren bis zu 11 Zugpaare täglich:[3]

Daneben gibt es diverse Busverbindungen, die von firmeneigenen Bussen (Leo Express und Leo Express Easy) bedient werden. Diese verkehren unter anderem innerhalb Tschechiens zwischen Prag, Brünn, Budweis, Český Krumlov, Klatovy, Pilsen und Zlín. Teilweise besteht direkter Anschluss zu den Zügen von Leo Express. Weiterhin bietet Leo Express Fahrkarten für Fernbusverbindungen von und nach Deutschland, Österreich, Polen, Slowakei und in die Ukraine an.

Ab 24. August 2017 betrieb das deutsche Tochterunternehmen den aus der Insolvenz erworbenen Fernzug Locomore in Deutschland auf der Strecke Berlin – Stuttgart im Auftrag von Flixmobility (Flixtrain). Nachdem dieses Unternehmen wegen der Corona-Pandemie die Leo Express GmbH im März 2020 zur Einstellung des Verkehrs aufforderte und danach weitere Zahlungen ausblieben, musste auch das deutsche Tochterunternehmen von Leo Express Anfang Oktober 2020 Insolvenz anmelden.[4]

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leo Express in Praha hl.n.
Innenraum (Premium)
Innenraum (Economy)

Stadler Flirt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leo Express besitzt fünf elektrische Triebzüge vom Typ Stadler Flirt mit je 237 Sitzplätzen. Die 160 km/h schnellen Fünfteiler verfügen über vier Wagenklassen: Economy (2. Klasse), Economy plus, Business (1. Klasse) und Premium (Luxusklasse).[5]

CRRC Sirius[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2016 schloss Leo Express mit dem chinesischen Schienenfahrzeughersteller CRRC einen Vertrag über die Lieferung von 3 sechsteiligen Elektrotriebzügen mit Zweisystemausrüstung (3 kV Gleichstrom und 25 kV Wechselstrom).[6] Für CRRC ist dies der erste Auftrag in der Europäischen Union.[7] Es besteht eine Option auf weitere 30 Fahrzeuge. Die Fahrzeuge befanden sich im Dezember 2020 in der Zulassungsphase.[8] Die Indienststellung wird für 2021 erwartet.[9]

CRRC Sirius auf dem Versuchsring in Velim

Alstom LINT[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte 2018 schloss Leo Express einen Mietvertrag für elf LINT-41- sowie vier LINT-27-Triebwagen ab, die seit Mitte 2019 zur Verfügung stehen.[10] Diese wurden bis Dezember 2018 beim Harz-Elbe-Express eingesetzt und anschließend für den Betrieb in Tschechien angepasst.[11]

Vertrieb und Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahrscheine sind über das Internet, eigene und fremde Verkaufsstellen sowie beim Zugpersonal erhältlich. Das Unternehmen verwendet Steuerungspreise (Yield Management) mit Zugbindung.

Auf der Magistrale Prag–Ostrava liefert sich Leo Express nach Angaben der Fachzeitschrift Eisenbahn-Revue International einen „ruinösen Preiskampf[12] mit der Staatsbahn České dráhy (ČD) und dem privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen Regiojet. Billete für die 356 km lange Strecke waren 2015 bei Leo Express ab 99 CZK[13] (etwa 3,88 €, entsprechend 1 Eurocent pro Personenkilometer) erhältlich.

Marktposition und Ergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Marktanteil von Leo Express auf der Hauptroute Prag–Ostrava lag 2013 nach Angaben des Unternehmens bei 30 Prozent. Die Konkurrenten ČD und Regiojet kamen demnach auf 25 bzw. 45 Prozent.[14]

2013 verkaufte Leo Express etwa 800.000 Fahrscheine und produzierte rund 500 Mio. Personenkilometer. Die Einnahmen aus Personenverkehr lagen bei 158,3 Mio. CZK, was einem extrem niedrigen Durchschnittserlös von umgerechnet etwa 1,2 Eurocent je Personenkilometer entspricht; 2016 erwirtschafte das Unternehmen einen Umsatz von 95,4 Mio. CZK[1][2] (etwa 10,9 Mio. Euro).

Eigentümerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Einstieg der RENFE besaß der Vorstandsvorsitzende Leoš Novotný jr. 80,55 Prozent der Anteile. Weitere Eigentümer waren Martin Burda mit 14 Prozent, Geschäftsführer (CEO) Peter Köhler mit 2,19 Prozent, Rockaway Rail s.r.o. mit 1,47 Prozent und weitere Personen mit zusammen 1,8 Prozent.[1] Ende August 2021 übernahm das staatliche spanische Eisenbahnverkehrsunternehmen RENFE 50 Prozent der Anteile an dem in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Leo Express durch eine Kapitalerhöhung. Dadurch soll der Internationalisierungsprozess des spanischen Betreibers verstärkt werden.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Leo Express – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g LEO Express: Annual Report 2016 (Memento vom 15. August 2017 im Internet Archive)
  2. a b „Revenues from principal operations“
  3. TRAIN CONNECTIONS FROM PRAGUE. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 30. August 2016; abgerufen am 30. August 2016.
  4. LEO Express Deutschland meldet Insolvenz an. Maximilian Kemmerzell, Oktober 2020, abgerufen am 12. Oktober 2020.
  5. Internetseiten von Leo Express, abgerufen am 1. März 2015
  6. LEO Express orders Chinese EMUs. Railway Gazette, 27. September 2016. railwaygazette.com
  7. Spuhlers Stadler verliert gegen Bahnbauer aus China. Tages-Anzeiger, 5. Oktober 2016. tagesanzeiger.ch
  8. LOK Report - Leo Express: Sirius könnte in Deutschland verkehren. Abgerufen am 7. Dezember 2020 (deutsch).
  9. Leo Express CRRC EMUs authorisation progresses. In: International Railway Journal. 7. Dezember 2020, abgerufen am 7. Dezember 2020 (englisch).
  10. Jednotky LINT pro společnost LEO Express. Abgerufen am 18. September 2019.
  11. Tschechien: Leo Express erweitert die Flotte um 15 moderne Motoreinheiten. In: lok-report.de. 3. August 2018, abgerufen am 9. November 2018.
  12. Preiskrieg in Tschechien. Eisenbahn-Revue International 4/2013, S. 186
  13. „Top-Preis“ laut Internetseiten von Leo Express, abgerufen am 28. Februar 2015
  14. LEO Express: Annual Report 2013 (Memento vom 17. Februar 2015 im Internet Archive)
  15. Renfe adquiere el 50% del capital de la compañía privada checa Leo Express. RENFE, 20. August 2021, abgerufen am 22. August 2021 (spanisch).