Leo S. Kopp

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Leo S. Kopp
Das dauernd geschmückte Grab von „Don Leo“ auf dem Zentralfriedhof Bogotá.

Leo Siegfried Kopp (* 14. August 1858 in Offenbach; † 15. September 1927 in La Esperanza, Cundinamarca), war ein deutscher Südamerika-Auswanderer, Wohltäter und Gründer der heute größten Brauerei Kolumbiens, die Bavaria S.A.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Offenbach am Main, Frankfurter Straße 62, war der Geburtsort von „Don Leo“, dem beliebtesten „Heiligen“ Kolumbiens, Freimaurer jüdischen Glaubens. Leo S. Kopp war der Sohn von dem Kleiderfabrikanten Leopold Kopp und seiner Frau Johanna Koppel. Die Familie lebte zunächst in Offenbach, zog aber 1877 nach Frankfurt am Main und eröffnete ein Textilfachgeschäft. 1886 entschied sich Leo mit seinem Bruder Emil nach Kolumbien auszuwandern. Dort lernte er bald seine kolumbianische Frau Maria Juana Castello González kennen. Mit ihr hatte er fünf Kinder: Cecilia Kopp Castello, Juanita Kopp Castello, Leopoldo Kopp Castello, Guillermo Kopp Castello und Margarita Kopp Castello.

Geschäftliche Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Don Leo“ und sein Bruder Emil kamen angeblich über Venezuela und Ostkolumbien 1886 nach El Socorro, ein historisches Kolonialstädtchen 290 Kilometer nördlich von Bogotá. El Socorro galt damals als wichtiges Handelszentrum. Leo Kopp heiratete hier Doña Maria Juana Castello Gonzalez aus Bogotá, deren Familie mit den Brüdern Kopp das Handelshaus Fenicia und später die Brauerei Cervecería Kopp y Cía. gründete. Doch der Erfolg blieb aus. Im Juni 1890 wurde die Partnerschaft mit der Familie Castello wegen Misserfolgen aufgelöst. Danach verlegten die Kopps die wirtschaftlichen Aktivitäten nach Bogotá, kauften ein Grundstück und ließen die Sociedad Kopp y Castello eintragen. Auf dem Anwesen der ehemaligen Brauerei in Bogotá, dem heutigen Finanzdistrikt, sind jetzt große internationale Unternehmen, Banken, Hotels und Kultureinrichtungen beheimatet.

Mit 31 Jahren und mit einem Startkapital von 1200 Pesos versorgt, gründete „Don Leo“ am 4. April 1889, unter dem Namen „Kopp's Deutsche Brauerei Bavaria“ seine Firma in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, im Barrio San Diego, heute Stadtbezirk Santa Fe, zwischen Carrera 7 und Calle 28, gegenüber dem Museo Nacional de Colombia.[1] Innerhalb weniger Jahre schaffe es Leo Kopp, die an Chicha (Maisschnaps) und Guarapo (gegorener Zuckerrohrsaft) gewöhnten Kolumbianer, zum Biertrinken mit der Marke La Pola zu bekehren. So kam es auch daß der Begriff „Pola“ in Kolumbien allgemein, vor allem bei der ärmeren Bevölkerung, sich als Synonym für Bier als Getränk etablierte.[2]

Von Kopp's Brauerei zu SABMiller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus den Anfängen Kopps als Brauer wurde die große Cervecería Bavaria, die heute als Grupo Empresarial Bavaria fungiert,[3] die einzige kolumbianische Firma, die das 19. Jahrhundert überlebte. Im Zweiten Weltkrieg wurden, als Folge der Kriegserklärung Kolumbiens an das Deutsche Reich, 1943 alle deutschen Firmen verstaatlicht. „Don Leos“ Familie wurde enteignet, wovon der Firmengründer glücklicherweise nichts mitbekommen hatte, denn er war schon 1927 verstorben und sein Sohn Guillermo Kopp Castello hatte inzwischen die Brauerei übernommen. Das Unternehmen mit den Produktionsstätten wurde von der damals reichsten Familie Kolumbiens, Santo Domingo, mit dem kolumbianischen Geschäftsmann Julio Mario Santo Domingo, übernommen. Ob die Familie Kopp jemals entschädigt wurde, ist nicht bekannt und es gibt auch keine Aufzeichnungen.

Hier beginnt die Geschichte von 6,6 Milliarden Euro. 116 Jahre nach dem Bau dieser kleinen Brauerei durch Leo Kopp wurde im Juli 2005 die Bavaria S.A., mittlerweile die größte Brauerei in Lateinamerika, zu diesem Wahnsinnspreis an den zweitgrößten Bierkonzern der Welt SABMiller verkauft.[4] Somit besitzt Alejandro Santo Domingo, Spross von Kolumbiens reichster Familie, Anteile an SABMiller im Austausch für Aktien. Der Deal ließ die Familie vom Besitzer einer regionalen Brauerei zum zweitgrößten Aktionär des weltweit zweitgrößten Bierherstellers aufsteigen mit einer Beteiligung von 14 Prozent und zwei Sitzen im Aufsichtsrat.[5]

Idol vieler Kolumbianer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Don Leo“ war überaus bekannt für seine Großzügigkeit und die Leute kamen zu ihm und baten um seine Unterstützung. Leo Kopp sorgte u. a. dafür, dass die arme Bevölkerung sauberes Trinkwasser zur Verfügung hatte. Er ließ Brunnen und Wasserleitungen bauen, außerdem errichtete er ein neues Stadtviertel, La Perseverancia, für Mitarbeiter und Angehörige seiner Brauerei. Dafür hält man ihn in Bogotá auch heute noch in Ehren. Sein Grab im Zentralfriedhof von Bogotá (Cementerio Central) bekommt täglich die allermeiste Anzahl von Besuchern, inmitten einer Metropole mit acht Millionen Einwohnern und unzähligen Mausoleen, die großen Dichtern, Ex-Präsidenten und berühmten Politikern gehören. Menschen von überall her und aus allen Lebensbereichen stellen sich reihenweise vor sein Grab, um seine Gebete zu rezitieren, die von den Straßenverkäufern am Eingang des Friedhofs verkauft werden und flüstern ihre Wünsche in „Don Leos“ Ohr. Es ist eine Statue nach dem Vorbild von Auguste Rodin's „Der Denker“. Er wird von vielen als ein Heiliger betrachtet.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Acerva de nuestra Historia. bavaria.co. Abgerufen am 30. März 2017 (es)
  2. La cervecería de los alemanes Kopp y su huella en Santander. vanguardia.com. Abgerufen am 30. März 2017 (es)
  3. Grupo Empresarial Bavaria (SABMiller). ratebeer.com. Abgerufen am 30. März 2017
  4. Großbrauerei SAB Miller kauft die Nummer zwei in Südamerika. welt.de. Abgerufen am 30. März 2017
  5. Wie Bavaria-Bier eine Familie zur reichsten in Kolumbien machte. handelsblatt.com. Abgerufen am 30. März 2017
  6. Leo Sigfried "Don Leo" Kopp. findagrave.com. Abgerufen am 30. März 2017 (en)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]