Leo Weisz (Historiker)

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Leo Weisz (* 19. Juni 1886 in Barcs, Österreich-Ungarn (heute Ungarn); † 24. Dezember 1966 in Zürich; aus Siklós (Österreich-Ungarn, heute Ungarn), ab 1946 heimatberechtigt in Zürich) war ein Schweizer Wirtschaftswissenschaftler und Historiker ungarisch-siebenbürgischer Herkunft.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weisz wurde 1886 als ältester Sohn des vermögenden Holzindustriellen Moritz Weisz und der Franziska geborene Mauthner geboren. Die Familie stammt vom Vater des Kronstädter Stadtrichters Michael Weiss ab; die Magyarisierung des Namens zu «Weisz» erfolgte erst beim mit einer Ungarin verheirateten Vater von Leo Weisz.[1] Leo Weisz wuchs zusammen mit einem Bruder und einer Schwester in Kronstadt und ab 1890 in Budapest auf. Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahr 1891 kümmerten sich zwei Onkel um ihn, die ihn vorzeitig mündig erklären liessen, damit er mit nur 16 Jahren die Leitung der väterlichen Unternehmungen übernehmen konnte. Trotzdem machte er, selbst reformierter Konfession, eine Gymnasialausbildung am Zisterzienserkollegium in der ungarischen Bischofsstadt Pécs. Danach studierte er Forstwissenschaft und Nationalökonomie in Budapest, Wien, München, Nancy, Paris und Grenoble.[2] Von 1910 bis 1913 studierte er Rechtswissenschaften und Nationalökonomie zuerst an der ETH Zürich, dann an der Universität Zürich bei Heinrich Sieveking und Gottlieb Bachmann.[3] 1914 wurde er dort mit einer Dissertation über die Forstwirtschaft in Ungarn in Wirtschaftswissenschaften promoviert.[4]

Im Ersten Weltkrieg leistete er als Sappeur-Leutnant Kriegsdienst in Österreich-Ungarn, zuletzt im Stab von Generalfeldmarschall August von Mackensen. Er wurde im März 1915 in Galizien an der russischen Front schwer verwundet und geriet gegen Ende des Krieges in französische Gefangenschaft, aus der er entfliehen konnte.[2] Im April 1919 wurde er als Ingenieur-Hauptmann demobilisiert.

Da er wegen der politischen Umwälzungen, in der seine Heimat an Rumänien gefallen war, die ihm zugedachte forstwirtschaftliche Lebensaufgabe nicht übernehmen konnte,[5] kehrte er 1919 nach Zürich zurück und studierte von 1920 bis 1922 Mathematik an der Universität Zürich (ohne Abschluss). Gleichzeitig war er als freier Journalist und ab 1922 als freier Mitarbeiter der Neuen Zürcher Zeitung tätig. Als Privatgelehrter publizierte er zur Schweizer und Zürcher Geschichte, v. a. zur Zürcher Reformation, zur Kartographie sowie zur Wirtschafts- und Industriegeschichte.[4]

Die angestrebte Habilitation an der ETH Zürich schlug aus undurchsichtigen Gründen fehl.[6] Weisz schlug drei Berufungen an osteuropäische Universitäten aus. Er war Mitglied des Zwinglivereins, in dessen Zeitschrift Zwingliana er häufig publizierte, und Redaktor der Rosa-Ritter-Zweifel-Stiftung.[2]

Ab 1953 war er wegen einer schweren Arthritis, die er seiner Kriegsverletzung zuschrieb, vollkommen an sein Arbeitszimmer gebunden, forschte aber trotz zunehmenden Schmerzen unentwegt weiter. Am Morgen des Heiligen Abends 1966 wurde er, ein halbes Jahr nach seinem achtzigsten Geburtstag, erlöst.[4]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gründliche Bibliographie Verzeichnis der Arbeiten von Leo Weisz (1886–1966) von Marianne Müller, 1970 herausgegeben von der Forschungsstelle für Rechtsgeschichte an der Universität Zürich, listet 21 selbständige Publikationen, 584 in der NZZ, 23 in anderen Tages- und Wochenzeitungen sowie 75 in Zeitschriften und Jahrbüchern erschienene Beiträge auf, somit über 700 Publikationen. Dazu kommen elf Publikationen als Herausgeber und 55 Besprechungen seiner Werke.

Weisz verfasste auch umfangreiche Jubiläumsschriften zu Unternehmen,[3] z. B.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weisz war seit 1923 mit Cécile geborene Cachin (1885–1967) verheiratet, die nur einen Monat nach ihm, am 31. Januar 1967, starb, und hatte mit ihr eine Tochter (Anny Nabholz-Weisz) und einen Sohn (Heinz Weisz-Prytz).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leonhard von Muralt: Leo Weisz. Zum 70. Geburtstag. In: Neue Zürcher Zeitung. 19. Juni 1956, Morgenausgabe, Blatt 2.
  • Kurt Müller: Prof. Leo Weisz 80 Jahre alt. In: Neue Zürcher Zeitung. 19. Juni 1966, Sonntagausgabe, Blatt 7.
  • Edmund Richner: Leo Weisz. Zum Tode des Zürcher Historikers. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. Dezember 1966, Morgenausgabe, Blatt 5.
  • Wilfried Spinner: Trauerfeier für Prof. Dr. Leo Weisz. In: Neue Zürcher Zeitung. 29. Dezember 1966, Morgenausgabe, Blatt 2.
  • Karl Reinerth: Professor h. c. Dr. Leo Weisz †. In: Siebenbürgische Zeitung. 15. März 1967, S. 6.
  • Hanno Helbling: Gedenkblatt für Leo Weisz. In: Neue Zürcher Zeitung. 24. Dezember 1967, Weihnachtsausgabe, Blatt 4.
  • Heinrich Grossmann: Prof. Dr. Leo Weisz †. In: Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen. Bd. 118, 1967 (archiviert in E-Periodica der ETH Zürich).
  • Conrad Ulrich: Leo Weisz, 19. Juni 1886–24. Dezember 1966. Zürcher Taschenbuch auf das Jahr 1969, S. 1–7.
  • Marianne Müller: Verzeichnis der Arbeiten von Leo Weisz (1886–1966) (mit einem Vorwort von Karl Siegfried Bader). Forschungsstelle für Rechtsgeschichte an der Universität Zürich (Hrsg.), Zürich 1970.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Reinerth: Professor h. c. Dr. Leo Weisz †. In: Siebenbürgische Zeitung. 15. März 1967, S. 6.
  2. a b c Wilfried Spinner: Trauerfeier für Prof. Dr. Leo Weisz. In: Neue Zürcher Zeitung. 29. Dezember 1966, Morgenausgabe, Blatt 2.
  3. a b Leonhard von Muralt: Leo Weisz. Zum 70. Geburtstag. In: Neue Zürcher Zeitung. 19. Juni 1956, Morgenausgabe, Blatt 2.
  4. a b c d Edmund Richner: Leo Weisz. Zum Tode des Zürcher Historikers. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. Dezember 1966, Morgenausgabe, Blatt 5.
  5. a b Eduard Briner: Das Lebenswerk von Leo Weisz. Bibliographische Uebersicht. In: Neue Zürcher Zeitung. 29. April 1975, S. 34 (Rezension).
  6. Marianne Müller: Verzeichnis der Arbeiten von Leo Weisz (1886–1966) (mit einem Vorwort von Karl Siegfried Bader). Forschungsstelle für Rechtsgeschichte an der Universität Zürich (Hrsg.), Zürich 1970.