Leonard Nimoy

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Leonard Nimoy (2011)

Leonard Simon Nimoy (* 26. März 1931 in Mattapan, Boston, Massachusetts; † 27. Februar 2015 in Bel Air, Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Schauspieler, Regisseur, Filmproduzent, Autor, Musiker und Fotograf. Internationale Bekanntheit erlangte er mit Star Trek in der Rolle des Mr. Spock, in der er zwischen 1965 und 2013 mit Unterbrechungen über einen Zeitraum von fast fünfzig Jahren in Raumschiff Enterprise und mehreren darauf basierenden Film- und Fernsehproduktionen zu sehen war.

Leben[Bearbeiten]

Nimoy wurde als Sohn von Max Nimoy und Dora Spinner, zweier jüdisch-orthodoxer, jiddisch sprechender Einwanderer aus Isjaslaw im Westen der heutigen Ukraine, geboren. Der Vater betrieb einen Friseursalon, die Mutter war Hausfrau. Nach seinem Schulabschluss studierte er Schauspiel am Boston College und am Pasadena Playhouse. Bei Robert Heinecken studierte er 1971 Fotografie an der University of California, Los Angeles.[1] Er absolvierte außerdem ein Masterstudium in bilingualer Erziehung am Antioch College; später wurde ihm von der Antioch University die Ehrendoktorwürde verliehen.[2] Einen weiteren Ehrendoktor erhielt er von der Boston University.[3]

1953 trat Nimoy der United States Army Reserve bei und schaffte es bis zu seinem Ausscheiden nach 18 Monaten im Jahr 1955 bis zum Sergeant. Obwohl seine Militärunterlagen bei einem Brand 1973 zerstört wurden, konnten einige Details rekonstruiert werden. So verbrachte er die meiste Zeit im Fort McPherson in East Point, Fulton County, Georgia und diente, gemeinsam unter anderem mit dem späteren Schauspieler und Tänzer Ken Berry, in einer Einheit der Special Services, die sich auf die Unterhaltung der Truppen konzentrierte.[4]

Nimoy war zweimal verheiratet. Die erste Ehe mit der Schauspielerin Sandra Zober hielt von 1954 bis 1987. Mit ihr hatte er zwei Kinder. Sein Sohn aus dieser Ehe ist der Regisseur Adam Nimoy.[5] Mit der Schauspielerin Susan Bay war Leonard Nimoy vom 1. Januar 1989 bis zu seinem Tode verheiratet.

Am 6. Februar 2014 erklärte Nimoy über Twitter, dass er an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) erkrankt sei; seinen 808.000 Followern bei Twitter riet er, mit dem Rauchen aufzuhören.[6] Nimoy starb am 27. Februar 2015 in seinem Haus in Los Angeles an den Folgen seiner Lungenerkrankung im Alter von 83 Jahren.[7]

Karriere[Bearbeiten]

Leonard Nimoy (2012)

Erste Schauspielerfahrungen sammelte Nimoy bereits während seiner Jugend als Kinderdarsteller. 1951 bekam er eine erste kleine Rolle in dem Film Queen for a Day und spielte danach in diversen Filmen und am Theater. Einem breiten Publikum wurde er vor allem durch seine Rolle als der Vulkanier Mr. Spock im Franchise Star Trek bekannt, für die er dreimal für einen „Emmy“ nominiert war. Daneben spielte er Rollen in Fernsehserien wie Columbo und T.J. Hooker.

Außerdem war Nimoy auch als Regisseur tätig. So erhielt er 1987 den „ShoWest Award“ für Noch drei Männer, noch ein Baby, die US-amerikanische Neuverfilmung des französischen Spielfilms Drei Männer und ein Baby. Sein Regiedebüt gab er 1973 mit einer Folge der Serie Night Gallery. Es folgen weitere Fernsehproduktionen, bis er 1984 mit Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock seinen ersten Spielfilm realisierte. Zwei Jahre später übernahm er auch bei der Fortsetzung Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart die Regie. In den folgenden Jahren wandte er sich als Regisseur anderen Projekten jenseits von Star Trek zu, u. a. drehte er einige Komödien. Zuletzt trat Nimoy 1995 als Regisseur in Erscheinung. Nimoy war selten auch als Drehbuchautor tätig, hier arbeitete er zuletzt an der Storyentwicklung für Star Trek VI: Das unentdeckte Land mit.

Nach der Absetzung von Star Trek spielte Nimoy in der Geheimagentenserie Kobra, übernehmen Sie als Paris mit. Er löste dort Martin Landau ab, der eine zu hohe Gage gefordert hatte und daraufhin die Serie verlassen musste. Landau war Anfang der 60er Jahre vor Nimoy die Rolle des Mr. Spock angeboten worden, die er aber ablehnte.

1967 erschien die Schallplatte Leonard Nimoy presents Mr. Spock’s Music from Outer Space, auf der Nimoy auch selbst sang. Seitdem veröffentlichte er zehn Alben, darunter Titel wie If I Had a Hammer von Pete Seeger, Put a Little Love in Your Heart von Jackie DeShannon und Gentle on My Mind von John Hartford.

Nimoy betätigte sich sowohl als Fotograf als auch schriftstellerisch. Neben veröffentlichten Gedichtbänden schrieb er im Abstand von über 20 Jahren zwei Autobiographien, I Am Not Spock (1977) und I Am Spock (1995). Letztere erschien nach einer Übersetzung von Yvonne Angkawidjaja 1996 unter dem deutschen Titel Ich bin Spock im Münchner Heyne Verlag.

Nachdem J. J. Abrams die Regie und Produktion des 2009 veröffentlichten elften Star-Trek-Kinofilms übernahm und entschied, eine Geschichte als Prequel zur klassischen Fernsehserie zu drehen, wurde mit Zachary Quinto zum ersten Mal nach 43 Jahren ein anderer Schauspieler mit der Darstellung Spocks engagiert. Bereits 2007 wurde bekannt, dass Nimoy noch eine kleinere Rolle als älterer Spock übernehmen werde. Ein Jahr nach der Ausstrahlung gab er im April 2010 sein Karriereende als Schauspieler bekannt, wobei er Quinto viel Erfolg bei der Darstellung des Mr. Spock in künftigen Star-Trek-Produktionen wünschte.[8] Dennoch war er 2012 mit der Darstellung des Dr. William Bell in der Serie Fringe – Grenzfälle des FBI, einer Rolle, die er bereits vereinzelt seit 2009 gespielt hatte, erneut im Fernsehen zu sehen.[9] Dem folgte 2013 ein weiterer Cameoauftritt als Mr. Spock im zwölften Kinofilm Star Trek Into Darkness. Als Synchronsprecher war er zuvor noch, ebenfalls als Spock, in einer Folge der Sitcom The Big Bang Theory zu hören.[10]

Nimoy erhielt im Laufe seiner Karriere mehrere Auszeichnungen. Bereits mit seiner Darstellung des Spock wurde er nach jeder der drei Staffeln mit einer Nominierung als Bester Nebendarsteller in einer Fernsehserie für den Emmy bedacht. 1985 wurde ihm ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame verliehen. 2009 wurde er bei den Saturn Awards mit dem Lifetime Achievement Award ausgezeichnet. Im darauffolgenden Jahr wurde er erneut ausgezeichnet, als Bester Gaststar einer Fernsehserie, für die Darstellung des Dr. William Bell in Fringe – Grenzfälle des FBI. Diese Auszeichnung blieb seine letzte, nachdem er bereits 1989, also 21 Jahre zuvor, mit dem Life Career Award geehrt worden war.

Filmografie[Bearbeiten]

Nimoy bei einem Star-Trek-Treffen (ca. 1980).

Schauspieler[Bearbeiten]

Regisseur[Bearbeiten]

Leonard Nimoy (Sechster von links) zusammen mit seinen Schauspielkollegen aus Raumschiff Enterprise vor dem Space Shuttle Enterprise (1976)
  • 1984: Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock (Star Trek III: The Search for Spock)
  • 1986: Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart (Star Trek IV: The Voyage Home)
  • 1987: Noch drei Männer, noch ein Baby (3 Men and a Baby)
  • 1988: Der Preis der Gefühle (The Good Mother)
  • 1990: Kein Baby an Bord (Funny About Love)
  • 1994: Holy Days (Holy Matrimony)

Synchronsprecher[Bearbeiten]

Filme & Serien
Videospiele

Deutsche Synchronstimme[Bearbeiten]

Leonard Nimoys bekanntester Sprecher war Herbert Weicker, der ihm fast immer in seiner Rolle als Mr. Spock (in der Serie Raumschiff Enterprise, der Video-Synchronisation der Zeichentrickserie Die Enterprise sowie den ersten sechs Star-Trek-Filmen und bei einem Gastauftritt in Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert) seine Stimme lieh. In den Nachsynchronisationen der Filme und der Serie sowie dem ersten Star-Trek-Pilotfilm Der Käfig wurde er von Norbert Gescher gesprochen. In der ZDF-Synchronisation der Star-Trek-Zeichentrickserie Die Enterprise synchronisierte ihn Christian Rode. Im elften Kinofilm Star Trek wurde Nimoy erneut von Gescher synchronisiert und in Star Trek Into Darkness von Fred Maire.[11]

Weicker sprach Nimoy außerdem in Die Körperfresser kommen und bei einem Gastauftritt in der Serie Die Simpsons (Homer kommt in Fahrt).

In der Serie Kobra, übernehmen Sie wurde er von Klaus Kindler und Hans-Werner Bussinger synchronisiert.

Werke[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

  • Leonard Nimoy Presents Mr. Spock’s Music from Outer Space (Dot Records), (1967).
  • The Two Sides of Leonard Nimoy (Dot Records), (1968).
  • The Way I Feel (Dot Records), (1968).
  • The Touch of Leonard Nimoy (Dot Records), (1969).
  • The New World of Leonard Nimoy (Dot Records), (1970).
  • Leonard Nimoy & William Shatner: Spaced Out – The Very Best of (2004).

Zusätzlich zu seiner eigenen Musikkarriere hatte er einen Auftritt als Chauffeur im Musikvideo zu Going Down to Liverpool der Bangles und war im Musikvideo zu The Lazy Song von Bruno Mars zu sehen.

Bücher[Bearbeiten]

  • You & I. (1973).
  • I Am Not Spock. (1977).
  • I Am Spock. 1995. Deutsch: Ich bin Spock. Heyne Verlag, München 1996, ISBN 3-453-10980-5.
  • A Lifetime of Love: Poems on the Passages of Life. (2002).

Fotografie[Bearbeiten]

  • 1973 – Erste Galerieausstellung und Veröffentlichung seines Gedichtbandes “You and I” (Gedichte und Fotografien)
  • 1974 – Zweites Buch “Will I Think of You” (Gedichte und Fotografien)
  • 1978 – Veröffentlichung von “Come Be with Me” (Gedichte und Fotografien)
  • 1981 – Veröffentlichung von “These Words Are for You” (Gedichte und Fotografien)
  • 1983 – Veröffentlichung von “Warmed by Love”(Gedichte und Fotografien)
  • 2001 – Ausgezeichnet mit “Artist in Residence” der American Academy in Rome
  • 2002 – “Shekhina” (Fotoserie)
  • 2005 – “Maximum Beauty” (Fotoserie)
  • 2010 – Emerson Gallery Berlin (MdF)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leonard Nimoy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jessica Wolf: Leonard Nimoy, 83, longtime supporter of the Center for the Art of Performance at UCLA. Auf: newsroom.ucla.edu. 27. Februar 2015, abgerufen am 28. Februar 2015.
  2. Dr. Leonard Nimoy. (PDF). In: Antioch University McGregor (Hrsg.): Alumni News. November 2000, abgerufen am 28. Februar 2015.
  3. Amy Laskowski: Leonard Nimoy Urges CFA Grads to “Live Long and Prosper”. Auf: bu.edu. 2012, abgerufen am 28. Februar 2015.
  4. Famous Veteran: Leonard Nimoy. Auf: military.com. 27. Februar 2015, abgerufen am 28. Februar 2015.
  5. Sandra Zober Nimoy. Obituary. Auf: legacy.com.
  6. Leonard Nimoy reveals he has lung disease. Meldung bei BBC News vom 6. Februar 2014.
  7. Virginia Heffernan: Leonard Nimoy, Spock of ‘Star Trek,’ Dies at 83. New York Times, 27. Februar 2015, abgerufen am 27. Februar 2015 (englisch).
  8. Kevin Williamson: Leonard Nimoy set to retire. Bei: TorontoSun.com. 19. April 2010.
  9. John Tenuto: Christopher Lloyd: Leonard Nimoy Returning To Fringe – Will Appear In Same Episode. Bei: trekmovie.com. 26. Oktober 2010.
  10. Jens Ihlenfeld: Gastauftritte: Stephen Hawking und Leonard Nimoy in The Big Bang Theory. Bei: Golem.de. 14. März 2012.
  11. Leonard Nimoy in der Deutschen Synchronkartei