Leopold Godowsky

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Leopold Godowsky (Jan Ciągliński, 1911)

Leopold Godowsky (* 13. Februar 1870 in Žasliai, Gouvernement Wilna; † 21. November 1938 in New York City) war ein jüdischer Pianist und Komponist.

Leben[Bearbeiten]

Godowskys Eltern waren Anna und Maciej Godowsky. Das musikalische Wunderkind zeigte sich bereits im Alter von 3 Jahren.[1] Im Alter von 7 Jahren entstanden erste Kompositionen; und im Alter von 9 Jahren – in Wilna – trat Godowsky erstmals als Pianist vor Publikum auf. Sein Lehrer im Klavierspiel scheint bis dahin ein Ernst Friedrich gewesen zu sein.[A 1]

Zum Wintersemester 1883/84, im Alter von knapp 14 Jahren, wurde Godowsky an der Akademischen Hochschule für Musik in Berlin als Student aufgenommen. Die Klavierabteilung wurde von Ernst Rudorff geleitet. Zum Anlass der Aufnahmeprüfung bot Godowsky an, das Scherzo in b-Moll op.31 von Chopin zu spielen. Rudorff lehnte dies als Salonmusik ab. Er wollte stattdessen inhaltsreiche Musik hören. Als Rudorff dann nach Italien verreiste, wurde Godowsky dem Unterricht eines Schultze, eines Assistenten von Rudorff, zugeteilt. In dem Unterricht bei Schultze spielte Godowsky von Joh. Seb. Bach die Französischen Suiten vor. Dabei gewann er den Eindruck, dass Schultze ihm in keiner Art mit Ratschlägen behilflich sein konnte. Schließlich kehrte Rudorff aus Italien zurück. Es gab neue Meinungsverschiedenheiten wegen Chopin, dem Rudorff keinen höheren Rang als den von Cécile Chaminade zubilligen wollte.[2]

Nach einem Aufenthalt an der Akademischen Hochschule von ungefähr 3 Monaten brach Godowsky den Unterricht ab. 1884 schloss er sich einer Konzertgesellschaft für eine Tournee in den Vereinigten Staaten von Amerika an. In den Vereinigten Staaten gab er Konzerte mit Clara Louise Kellogg[A 2] und Emma Thursby[A 3]. Auch trat er einige Male im Casino in New York in Orchesterkonzerten auf. Schließlich unternahm er zusammen mit dem belgischen Geiger Ovide Musin eine Tournee durch die Vereinigten Staaten und durch Kanada.[1]

Im Jahr 1886 kehrte Godowsky nach Europa zurück. Es war seine Absicht gewesen, in Weimar bei Franz Liszt zu studieren.[1] Nachdem Liszt am 31. Juli 1886 gestorben war, kam Godowsky aber zu spät. Er wurde 1887 Camille Saint-Saëns vorgestellt. Saint-Saens, der Godowsky beim Vortrag eigener Kompositionen hörte und dabei eine starke Zuneigung fasste, sagte zu, in Paris die weitere Ausbildung des jungen Virtuosen zu übernehmen.[1] Godowsky lebte bis zum Sommer 1890 in Paris. In Bezug auf seine Ausbildung blieb er weitgehend auf sich selbst gestellt, weil Saint-Saens häufig auf Reisen abwesend war. Im Herbst 1890 kehrte Godowsky nach New York zurück. Dort heiratete er am 30. April 1891 Frieda Saxe. Bei dieser Gelegenheit nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Zusammen mit seiner Frau unternahm er eine Hochzeitsreise nach Europa.[1] Danach kehrte er wieder nach Amerika zurück. Nach sehr erfolgreichen Konzerten wurde er 1894 in Philadelphia in leitender Position an der Klavierabteilung des Konservatoriums an der Broad Street angestellt. Seit 1895 leitete er die Klavierabteilung eines Konservatoriums in Chicago.[3]

Debüt in Berlin, als Professor in Wien, Tourneen[Bearbeiten]

Im Jahr 1900 fasste Godowsky den Entschluss, eine europäische Karriere zu beginnen. Nach einem glänzenden Debüt am 6. Dezember 1900 in Berlin ließ er sich dort als Hauptwohnsitz nieder. Es folgten erfolgreiche Tourneen durch Deutschland, die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie und Russland.[1] 1909 wurde er als Nachfolger Ferruccio Busonis und Emil Sauers als Direktor der Klavierabteilung der k.k. Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien angestellt.[A 4] Von November 1912 bis April 1913 und von Dezember 1913 bis März 1914 gab er wieder Konzerte in den Vereinigten Staaten von Amerika.[4] Diese Phase von Godowskys Biographie fand im August 1914 mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein Ende. Godowsky hielt sich im Moment in Middelkerke in der Nähe von Ostende in Belgien auf. Zusammen mit seiner Familie – seine Frau und die beiden Töchter Vanita und Dagmar sowie die Söhne Leopold Junior[A 5] und Gordon[A 6] – floh er zuerst nach London. Von dort begab er sich in die Vereinigten Staaten, wo er bis zum Ende seiner Lebens seinen festen Wohnsitz hatte.[4] Dabei hatte er eine umfangreiche musikalische Bibliothek, eine Sammlung von autographen Bildern und zahlreiche Erinnerungsstücke in Wien zurückgelassen.[5]

Nach dem Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Leopold Godowsky in seinen letzten Jahren (Carl Van Vechten, 1935)

Bis zum Ende der 1920er Jahre befasste Godowsky sich vor allem mit seinen Kompositionen und mit Konzertauftritten als Pianist. In den Vereinigten Staaten gab er 1922 ein letztes Konzert.[6] Er unternahm aber auch weiterhin Tourneen, die ihn nach Zentral- und Südamerika, in Europa bis nach Konstantinopel und in den fernen Osten bis nach Java führten.

Seit den 1920er Jahren hatte Godowsky mit privaten Problemen zu kämpfen. Hierzu gehörte seit 1924 eine schwere Krankheit seiner Frau Frieda. Seit 1928 kamen starke Spannungen mit dem Sohn Gordon hinzu.[A 7] Dazu kamen noch finanzielle Probleme, die sich im Zusammenhang mit dem Börsenkrach vom 24. Oktober 1929 ergaben.[7] Um sich in dieser Hinsicht zu sanieren, wollte Godowsky neue Konzertreisen unternehmen. Schon bald kam es aber zu einer neuen Katastrophe.

Im Frühjahr 1930 reisten Godowsky und seine Frau nach Dresden, um dort ihren 39. Hochzeitstag zu verbringen. Dort erhielt er telegraphisch ein Angebot, in einem Tonstudio in London Chopins sämtliche Etüden und die Scherzi aufzunehmen.[8] Er nahm das Angebot auch an, brach aber am 17. Juni 1930 – wenige Stunden nach der Aufnahme von Chopins 4. Scherzo op. 54 – bei einem Schlaganfall mit teilweiser Lähmung zusammen.

Godowsky erholte sich zwar von dem Schlaganfall; im Dezember 1932 folgte aber der Selbstmord seines Sohnes Gordon und 1933 der Tod seiner Frau.[9] Danach wohnte Godowsky zusammen mit seiner Tochter Dagmar in einer Wohnung in New York. Er hatte seit seinem Zusammenbruch das öffentliche Spielen aufgegeben, ließ sich aber gelegentlich bei Besuchen von Freunden mit seinem Klavierspiel hören. In welchem Umfang er noch komponierte, lässt sich nicht in Einzelheiten erkennen.[A 8] Ein Beleg dafür, dass er überhaupt noch Noten schrieb, ist ein Heft mit leichten Bearbeitungen von Melodien Bizets aus der Oper Carmen. In dem von Godowsky verfassten Vorwort ist der März 1936 als Datum angegeben. Am 21. November 1938 ist Godowsky in New York an den Folgen eines schweren Magenleidens gestorben.[10]

Werke[Bearbeiten]

Godowsky-Chopin, Studie für die linke Hand allein über die Etüde op.10,3[A 9]

Wie Chopin hat Godowsky fast ausschließlich Klaviermusik komponiert. Seine Karriere als Komponist begann 1899. Aufgeteilt auf die beiden amerikanischen Verlage Schirmer und Schmidt erschienen in diesem Jahr Klavierstücke mit Opus-Zahlen 11–16. Bei Schmidt erschienen daneben noch ein Arrangement von Chopins Rondo op.16, ein Arrangement von Chopins Walzer op. 18, in dem der originale Walzer um ergänzende Stimmen und andere Zutaten erweitert ist, und in ähnlicher Art ein Arrangement der Etüde Si oiseau j'etais op. 2.6 von Adolf Henselt. Bei Schirmer erschienen noch 10 Studien über Etüden von Chopin.

Die Opus-Zahlen 1–10 sind unbesetzt geblieben; und weitere Werke Godowskys mit Opus-Zahlen gibt es nicht. Dem Verfahren mag insoweit der Gedanke zugrundegelegen haben, dass Godowsky bei einem Alter von knapp 30 Jahren dem Publikum nicht als Anfänger entgegentreten wollte, sondern als fertiger Komponist, der bereits eine ansehnliche Reihe veröffentlichter Werke vorzuweisen hatte. Dabei lagen einige der unter den Opus-Zahlen 11–16 zusammengefassten Stücke bereits 1889 als Twilight Thoughts in einem Privatdruck in Paris vor.[11] Den bei Schirmer erschienenen 10 Studien über die Etüden von Chopin war in einem anderen amerikanischen Verlag, dem Verlag Kleber in Pittsburgh, im Dezember 1894 mit Widmung an Saint-Saëns eine Ausgabe der Studie über die Etüde op. 25,6 vorausgegangen.[12]

Mit den Stücken Sarabande, Menuet und Courante seines op. 12 hat Godowsky auch an historische Muster angeknüpft.

Studien über Chopins Etüden[Bearbeiten]

Godowsky-Chopin, 3. Studie über die Etüde op. 25, Nr. 1 – Godowskys „erlesenste Bearbeitung“ (Marc-André Hamelin)

Nach seinem Debüt im Dezember 1900 in Berlin setzte Godowsky das Projekt seiner Studien über die Etüden von Chopin bis 1914 fort. Seit 1903 hatte in Berlin der Verlag Schlesinger das Projekt übernommen. In Auflistungen von 1903 und 1909 wurde angekündigt, welche Stücke noch zu erwarten waren. Es sollte ein Zyklus von 50 Stücken werden. Zwischenzeitlich war ein Zyklus von 56 Stücken geplant. Das Projekt wurde 1914 mit einer Gesamtzahl von 53 Stücken abgeschlossen, obwohl ungefähr ein halbes Dutzend der früher angekündigten Stücke, darunter eine Bearbeitung der originalen Etüde op. 25,7 und eine Bearbeitung als Kombination der drei Etüden op.10,2, op. 25.4 und op.25.11, entweder nie entstanden oder aus anderen Gründen unveröffentlicht geblieben ist.[13]

Godowsky gilt als „Genie der linken Hand“:

„Mit den 22 Studien für die linke Hand allein will der Autor die allgemein herrschende Ansicht, daß die linke Hand weniger entwicklungsfähig sei als die rechte, widerlegen. Die linke Hand hat der rechten gegenüber vieles voraus, und es ist unrichtig zu glauben, daß die linke Hand weniger zur vollendeten Ausbildung befähigt sei als die rechte; ja man könnte Besonderheiten aufzählen, die beweisen, daß die linke Hand gegenüber der rechten geradezu im Vorteil ist. Die linke Hand bietet den Vorteil, den stärkeren Teil der Hand für den mehr hervorzuhebenden Teil der Melodie zur Verfügung zu haben, ebenso wie die stärkeren Finger die Oberstimme bei Doppelnoten und Akkorden führen. Dazu kommt, daß die linke Hand, die den unteren Teil der Klaviatur beherrscht, mit weniger Anstrengung und mehr Elastizität einen volleren, weicheren Ton – qualitativ und quantitativ der rechten Hand überlegen – hervorbringt. Ein anderer Grund, weshalb die linke Hand der Ausbildung zugänglicher sei, ist der, daß die Muskulatur der linken Hand nachgiebiger (elastischer) ist, infolge des minderen Gebrauchs derselben. Ein Beweis für die Richtigkeit dieser Auffassung ist, daß, soviel dem Autor bekannt – mit einer Ausnahme – keine Komposition für die rechte Hand allein geschrieben ist, während deren zahlreiche für die linke Hand allein existieren. Die Mehrzahl der Kompositionen, die bereits für die linke Hand allein existieren, zeigt im wesentlichen das Bestreben der Komponisten, die linke Hand vorwiegend nach der oberflächlich-virtuosen Seite hin weiter zu entwickeln.“

Leopold Godowsky

„Educational Adaptions“[Bearbeiten]

Nachdem Godowsky sich nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs in den Vereinigten Staaten niedergelassen hatte, war sein Gehalt als Professor in Wien weggefallen. Auf unabsehbare Zeit musste er auch auf Konzertreisen in seinem gewohnten Terrain in Europa verzichten. Damit mag es zusammenhängen, dass er nun mit einem für sein Ansehen ganz untypischen Projekt beschäftigt war. Er war teils als Bearbeiter, teils als Herausgeber an Educational Adaptions und an Progressive Series Compositions beteiligt.

Die Educational Adaptions enthielten sehr leichte Bearbeitungen volkstümlicher Melodien und Tänze aus verschiedenen europäischen Ländern, von Melodien aus Opern und von Stücken des sinfonischen, geistlichen und kammermusikalischen Repertoires. Es wurden außerdem sehr schlicht gesetzte Bearbeitungen von Liedern Schuberts und anderer Komponisten geboten.

Die Hefte der Progressive Series Compositions waren instruktive Ausgaben von Klavierstücken für fortgeschrittene Amateure.[A 10] Jedes Heft enthielt ein Vorwort mit einer skizzierten Biographie des jeweiligen Komponisten sowie eine ausführliche musikalische Analyse. Bei einer nach Begriffen der Zeit vorbildlichen Ausstattung wurden die beiden Serien bis in die 1930er Jahre hinein fortgesetzt. Sie mögen Bestandteil von Godowskys Bemühen um einen regelmäßigen Lebensunterhalt gewesen sein.

„Triakontameron“[Bearbeiten]

In den Jahren 1919 und 1920 entstanden die 30 Stimmungen und Bilder im Dreivierteltakt des Triakontameron. Der letzte Satz des Zyklus' ist Requiem (1914–1918): Epilogue überschrieben. Er endet mit einer Paraphrase von The Star-Spangled Banner, der amerikanischen Hymne. Als Star Spangled Banner wurde dieser Schlussteil auch als separates Einzelstück veröffentlicht.

Werke der 1920er Jahre[Bearbeiten]

In den 1920er Jahren entstanden neue Bearbeitungen, daneben aber auch in großer Zahl originale Kompositionen. Zu den Bearbeitungen gehört ein Heft mit 12 Stücken über Lieder Franz Schuberts.[A 11] Godowsky hat die originalen Melodien beibehalten, aber z. T. starke Veränderungen der Harmonien und der begleitenden Figuration vorgenommen. Weiteres Beispiel für die Bearbeitungen der 1920er Jahre sind die drei Sonaten für unbegleitete Violine und die drei Suiten für unbegleitetes Cello von Johann Sebastian Bach. Mit üppigen Zutaten hat Godowsky die Stücke zu Klavierwerken umgestaltet.

Zu den Originalwerken der 1920er Jahre gehört eine umfangreiche Passacaglia mit Fuge über ein Thema aus der Unvollendeten Sinfonie in h-Moll von Schubert.[A 12] Das Stück wird sehr selten gespielt, während es wegen der anspruchsvollen Form als Hauptwerk anzusehen ist. In den Jahren 1924 und 1925 entstandenen 12 Stücken des Phonorama[A 13] der Java-Suite hat Godowsky eine harmonische Sprache entwickelt, die als seine persönliche Art eines Impressionismus gelten kann. Bei einem dissonanzreichen Satz kommt es mehr auf das Kolorit als auf den Spannungsgehalt der Akkorde an. Auch in anderen Werken der 1920er Jahre, darunter Poems für 2 Hände und Waltz-Poems für die linke Hand allein, hat Godowsky sich von der spätromantischen Harmonik deutlich entfernt. Zu den bemerkenswerten Originalwerken der 1920er Jahre gehören noch ein Präludium mit Fuge über das Thema B-A-C-H und eine Suite in D-Dur, beides Werke für die linke Hand allein.

Würdigung[Bearbeiten]

Um Godowskys Werke bemühten sich nur wenige Pianisten. Von den Zeitgenossen wurde ihm vorgeworfen, dass er sich bei einem Mangel an Gefühlen vorwiegend für eine Erweiterung der Technik interessiert und seine typischen Werke überladen sind. Dazu nahm Godowsky den Standpunkt ein, der breiten Masse der Pianisten fehle es an Bereitschaft, die mit dem Studium seiner Werke verbundene geistige und physische Anstrengung auf sich zu nehmen. Es sei übrigens gar nicht seine Absicht gewesen, mit seinen Werken an dem normalen Konzertbetrieb beteiligt zu sein. Auch aus seiner Sicht seien Gefühle in der Musik besonders wichtig. Er habe dementsprechend nie eine Note geschrieben, ohne sie gefühlt zu haben.[14]


Nach dem Ersten Weltkrieg hat Godowsky sich von „modernen“ Entwicklungen freigehalten. Die Musik von Igor Fjodorowitsch Strawinski, Edgar Varèse und dem Kreis um Arnold Schönberg interessierte ihn nicht.[15]

Mit den klaviertechnisch besonders anspruchsvollen Werken Godowskys verbindet sich noch ein anderes Problem, wenn man ihn z. B. mit Liszt vergleicht. Liszt hat seine Konzertstücke so konzipiert, dass ein Spieler bei geringstmöglicher Anstrengung einen maximalen Erfolg beim Publikum erzielen kann. Dagegen sieht es bei Godowsky umgekehrt aus. Nach seinem Selbstverständnis lehnte er es ab, als Virtuose zu gelten.[16] In seinen typischen Werken ist das mit dem Umstand verbunden, dass ein Publikum von der z. T. horrenden Anstrengung, die der Spieler zu bewältigen hat, kaum etwas bemerken kann. Hat ein Spieler das Problem aber gelöst, sind aus Sicht des Publikums nur brillante Passagen und eine Oberstimmenmelodie zu hören. Die damit verbundene Schwierigkeit bleibt verborgen und ist allenfalls Kennern bewusst.


Godowsky in dem Ansehen eines phänomenalen Virtuosen, der in seinen Studien über die Etüden von Chopin und in seinen Paraphrasen nach Walzern von Johann Strauß den letztmöglichen technischen Fortschritt demonstriert und für chromatische Passagen in Terzen einen neuen Fingersatz erfunden hat.[17]

Aufnahmen[Bearbeiten]

Aus der Zeit der Jahre 1907–1930 liegen mehr als 200 Klavierrollen und daneben noch akustische Aufnahmen für Schallplatte vor.[18] Für Schallplatte hat Godowsky die Sonate Les Adieux op. 81a von Beethoven, die Etüden op. 25, 1–3, das Scherzo op. 54 und die beiden letzten Sätze der Sonate in b-Moll op. 35 von Chopin, die Ballade op. 24 von Grieg, Schumanns Carnaval, von Liszt die Etüden La leggierezza und La campanella, die Rigoletto-Paraphrase und die Transkription von Chopins Lied Meine Freuden, Debussys Clair de lune aus der Suite bergamasque, Tschaikowskys Barcarolle op. 37,6 und Rubinsteins Melodie in F-Dur op. 3,1 aufgenommen. Von Godowskys eigenen Werken ist eine akustische Aufnahme nur von dem Stück The Garden of Buitenzorg aus dem Phonorama der Java-Suite bekannt.[19] Godowsky hat aber viele seiner eigenen Werke als Klavierrollen aufgenommen.[20]

Bei Klavierrollen gab es Möglichkeiten zur nachträglichen Korrektur. In der Zeit Godowskys mussten dagegen akustische Aufnahmen in einem Stück aufgenommen werden, es durften dabei keine Fehler passieren. Dies mag ein Grund dafür gewesen sein, dass Godowsky sich im Tonstudio besonders unbequem und unfrei fühlte. In seinem Bestreben nach Perfektion fühlte er sich im Studio, aber auch im Konzert, einem starken seelischen Druck ausgesetzt.[21] Es wird häufig betont, Godowskys wirklich überragendes Spiel sei vor allem im privaten Kreis unter Freunden zu hören gewesen[22]. Die Aufnahmen zeigen, dass Godowsky in seiner Zeit ein hervorragender Pianist gewesen ist. Als solcher wurde er von befreundeten Virtuosen, darunter J. Hofmann und S. Rachmaninoff, auch anerkannt.[23]

Literatur[Bearbeiten]

  • Steve Donald Jones: Essay on Leopold Godowsky's 53 Studien über die Etüden von Chopin. Phil. Diss., University of Iowa, 1978.
  • Igor Kirpnis, Marc-André Roberge: Godowsky, Leopold. Artikel in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite, neubearbeitete Ausgabe, Personenteil Band 7, Sp. 1183 f.
  • Donald Manildi: Guides to Godowsky. In: Piano & Keyboard, Januar-Februar 1998, S. 40 f.
  • Richard McCandless Gipson: The Life of Emma Thursby, 1845-1931. New York 1940.
  • Jeremy Nicholas: Godowsky. Ein Pianist für Pianisten – Eine Biografie Leopold Godowskys. Staccato-Verlag, Düsseldorf 2012, ISBN 978-3-932976-50-6.
  • Leonard S. Saxe: The published music of Leopold Godowsky, in: Music Library Association Notes, Second Series, Vol. XIV, No. 2, März 1957, S. 165 ff.
  • Emerson Withorne: Biographical Sketch. In: Leopold Godowsky: A Night in Spring (Frühlingsnacht), Progressive Series Compositions Catalog No. 1208. Art Publication Society, St. Louis, 1915, S. 1 ff.
  • Artis Woodhouse: Godowsky comes of age. In: Piano & Keyboard, Juli–August 1997, S. 31 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leopold Godowsky – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Whithorne: Biographical Sketch, S. 1.
  2. Nicholas: Pianists' Pianist, S. 16.
  3. Vgl.: Saxe: Published Works, S. 165.
  4. a b Whithorne: Biographical Sketch, S. 2.
  5. Vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 87.
  6. Vgl.: Saxe: Published Works, S. 166.
  7. Vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 138.
  8. Vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 146.
  9. Vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 151.
  10. Vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 161.
  11. Vgl.: Saxe: Published Works, S. 168 f.
  12. Vgl.: Saxe: Published Works, S. 173. Nach: Saxe: Published Works, S. 165, hat William Mason den Verlag Schirmer zur Übernahme der Chopin-Studien überredet.
  13. Zu Einzelheiten vgl.: Jones: Essay, S. 29 f.
  14. Vgl. Godowskys Brief an Paul Howard vom 10. Dezember 1933, in: Jones: Essay, S. 15.
  15. Vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. xxii. Vgl. dort auch S. 147, wonach Godowsky die Oper Wozzek von Alban Berg als Verbrechen an der Zivilisation empfand.
  16. Vgl.: Jones: Essay, S. 19.
  17. Vgl. die entsprechende Charakterisierung in: Oehlmann, Werner (Hg.): Reclams Klaviermusikführer, Band II, Von Franz Schubert bis zur Gegenwart, Zweite Auflage, Stuttgart o. J. (Copyright 1973), S. 524.
  18. Vgl. den Artikel über Godowsky in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart.
  19. Vgl.: Jones: Essay, S. 17.
  20. Vgl. den Artikel über Godowsky in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart.
  21. Vgl. z. B.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. xvii, S. 142 und 214.
  22. vgl. z. B.: Woodhouse: Godowsky comes of age, S. 32
  23. Vgl.: Jones: Essay, S. 16.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Der Name Ernst Friedrichs als erster Lehrer Godowskys wurde von: Jones: Essay, S. 11, übernommen.
  2. Clara Louise Kellogg (1842 – 1916) war eine amerikanische Sängerin.
  3. Zur Person vgl.: McCandless Gipson: The Life of Emma Thursby, 1845-1931.
  4. Die Stelle war ursprünglich für Emil Sauer eingerichtet worden. Auf Sauer folgte Busoni, der aber wegen starker Spannungen mit der Leitung des Konservatoriums 1909 entlassen wurde. Darauf wurde die Stelle Godowsky übertragen.
  5. Als Hobby unternahm Leopold Junior, mit seinem Freund Leopold Mannes, Experimente zur Verbesserung von Fotoplatten. Die Experimente wurden schließlich von der Firma Eastman-Kodak unterstützt; vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 104. Nach dem erfolgreichen Ausgang ihrer Experimente wurden die beiden Hobby-Forscher 1935 mit einer Abfindung in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags entschädigt. Leopold Junior war mit einer Schwester George Gershwins verheiratet.
  6. Gordon, geb. 1906, hatte nach seiner Geburt den Namen "Gutram" erhalten. Der Name wurde später als "Gordon" amerikanisiert; vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 56.
  7. Gordon hatte zum Silvester 1926 die Tänzerin Yvonne Hughes kennengelernt. Gegen starke Widerstände seines Vaters wurde sie 1928 seine Frau. Vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 134 und 148.
  8. Es erschienen auch weiterhin Werke Godowskys im Druck. Wann genau die Werke entstanden sind, muss im Einzelfall allerdings erst noch ermittelt werden. Die für die linke Hand alleine gesetzten "Symphonischen Metamorphosen über den Schatz-Walzer" – um ein Beispiel zu nennen – wurden 1941 von Godowskys Schwiegersohn David Saperton herausgegeben. Das Stück war aber bereits im Frühjahr 1928 in Wien entstanden; vgl.: Nicholas: Pianists' Pianist, S. 135.
  9. Neben der Transposition von E-Dur nach Des-Dur ist Godowskys Metronomangabe bemerkenswert. Sein Lento, ma non troppo ist halb so schnell wie Chopins Tempo.
  10. Die Serie enthält z. B. Ausgaben der Grande Sonate pathetique op. 13 von L. van Beethoven, der Impromptus op. 90,4 und op. 142.3 von Fr. Schubert, der Impromptus in Fis-Dur op. 36 sowie in cis-Moll op. 66 posth. von Fr. Chopin, der Kinderszenen op. 15, des 4. Stücks aus den Nachstücken op. 23, des Stücks Vogel als Prophet aus den Waldszenen op. 82 und anderer Stücke von R. Schumann sowie von zwei Stücken aus dem 1. Jahrgang (Schweiz) der Années de Pèlerinage von Fr. Liszt. Es waren aber auch „modernere“ Komponisten wie M. Balakirew, B. Godard, E. Grieg, A. Liadow, M. Moszkowski, A. Rubinstein, S. Rachmaninoff, Chr. Sinding und R. Strauss mit Werken vertreten. Von Godowsky selbst wurde eine Ausgabe des Stücks A Night in Spring (Frühlingsnacht) vorgelegt. Das Stück wurde bereits 1889 im Zusammenhang mit den Twilight Thoughts sowie 1899 als op. 15.2 angekündigt, war aber unveröffentlicht geblieben.
  11. Die Bearbeitungen entstanden 1927, wohl mit Hinblick auf den 1928 anstehenden 100. Todestag Schuberts.
  12. Auch die Passacaglia ist 1927 entstanden. In diesem Fall geht eine Bezugnahme auf den 1928 anstehenden 100. Todestag Schuberts aus Godowskys Vorwort hervor.
  13. Phonorama soll als „akustisches Seitenstück“ zu einem optischen Panorama verstanden werden.