Lesben- und Schwulenverband in Deutschland

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Lesben- und Schwulenverband in Deutschland
(LSVD)
LSVD-Logo.svg
Zweck: Stärkung gesellschaftlicher Akzeptanz von Lesben und Schwulen
Vorsitz: 12-köpfiger Bundesvorstand[1]
Gründungsdatum: 18. Februar 1990 als Schwulenverband in der DDR (SVD)
Mitgliederzahl: über 4.000
Sitz: Berlin
Website: www.lsvd.de

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland e. V. (LSVD) mit Sitz und Pressestelle in Berlin und Geschäftsstelle in Köln ist mit über 4.000 Einzelmitgliedern und 100 Mitgliedsorganisationen die größte Bürgerrechts- und Selbsthilfeorganisation von Lesben und Schwulen in Deutschland. Er ist auf Bundes-, Landes- und Ortsebene aktiv, aber auch international. Der LSVD ist in allen Bundesländern vertreten, teils als gemeinsamer Landesverband für zwei benachbarte Bundesländer. Außerdem ist der Verband als Nichtregierungsorganisation mit offiziellem Beraterstatus bei den Vereinten Nationen anerkannt.

Inhalte und Projekte[Bearbeiten]

Protestkundgebung gegen den Anschlag auf das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Wichtige Verbandsthemen sind ein bundesweites Antidiskriminierungsgesetz, die steuer- und beamtenrechtliche Gleichbehandlung von Lebenspartnerschaften oder das gemeinsame Adoptions- und Sorgerecht für Lebenspartnerschaften. Darüber hinaus engagiert sich der LSVD in den Bereichen Antidiskriminierungspolitik in der EU sowie der Menschenrechte für Lesben, Schwule und Transgender.[2]

Neben seiner politischen Arbeit haben der LSVD, sein Familien- und Sozialverein und seine Untergliederungen zahlreiche Sozialprojekte entwickelt, beispielsweise im Bereich der Antigewaltarbeit, der Selbstorganisation von lesbischen und schwulen Migranten wie die Selbsthilfegruppe ERMIS, die griechische lesbisch-schwule Community in Deutschland und von sogenannten Regenbogenfamilien.[3]

Im Bereich der Migrationspolitik gibt es Diskussionen zwischen dem Bundesvorstand und dem Berliner Landesverband über die richtige Strategie zum Umgang mit Homophobie unter Migranten.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Verband wurde am 18. Februar 1990 von ostdeutschen schwulen Bürgerrechtlern wie Eduard Stapel in Leipzig als Schwulenverband in der DDR (SVD) gegründet. Er verstand sich als Teil der Bürgerrechtsbewegung in der DDR. Mit dem Anspruch, künftig bundesweit aktiv zu werden, nannte sich der SVD auf seinem ersten Verbandstag am 23. Juni 1990 in Magdeburg in Schwulenverband in Deutschland um.

Der Bundessprecherrat hatte gezielt Volker Beck, Günter Dworek und Manfred Bruns angeworben, die zuvor führend im westdeutschen Bundesverband Homosexualität (BVH) aktiv gewesen waren, um eine Ausdehnung auf Gesamtdeutschland zu erreichen. Manfred Bruns, Frank Hoyer und Michael Schneidewind wurden die ersten Westbeauftragten des Verbands.

Für einen Teil der Anhänger des BVH war das Angebot interessant, da sich in ihrem Verband um die Forderung nach Öffnung der Ehe für Lesben und Schwulen kein gemeinsamer Standpunkt hatte finden lassen. Mit der Aktion Standesamt am 19. August 1992 propagierte der SVD die Forderung nach Öffnung der Ehe für lesbische und schwule Paare in den Massenmedien und stellte den BVH, der eine alternative Lebensformenpolitik propagierte, zunehmend ins Abseits. 1997 löste sich der BVH schließlich auf.

Im Dezember 1998 veröffentlichte eine Initiative von mehreren Lesben, unter anderem Halina Bendkowski und Ida Schillen, einen „Aufruf an alle Lesben, die sich eine wirkungsvolle Politik für unsere Rechte auf Bundesebene wünschen“. Die Unterzeichnerinnen fordern dazu auf, den SVD in einen Lesben- und Schwulenverband umzuwandeln. Im März 1999 beschloss der 11. Verbandstag in Köln mit großer Mehrheit die Erweiterung des SVD zum Lesben- und Schwulenverband in Deutschland. Damit ergab sich eine Konkurrenzsituation zum Lesbenring, der die Ausweitung der Ehe auf Lesben und Schwule für unvereinbar mit seinem Verständnis von Feminismus hielt. Heute haben LSVD und Lesbenring annähernd gleich viele lesbische Mitglieder. Programm und Satzung des LSVD wurden ergänzt, die zentralen Begriffe des Programms, Emanzipation, Partizipation und Integration blieben erhalten.

Auf dem Weg zum damals geplanten Lebenspartnerschaftsgesetz wurde der LSVD bei den entscheidenden Anhörungen des Bundestags und bei der Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts angehört. Mit der von vielen Prominenten unterstützten Aktion Ja-Wort warb er in der Bevölkerung für eine Unterstützung der ersten gesetzgeberischen Schritte zur Eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Im September 2004 organisierte der Verband eine Kampagne gegen einige Reggaemusiker, die in Jamaika mit Hassliedern zum Mord an Schwulen aufriefen. Die Kampagne bewegte eine Vielzahl von Konzertveranstaltern zur Absage der in Deutschland geplanten Auftritte.

Am 28. Februar 2005 begann der Verband mit der Aktion EinszuEins, auch Aktion 1:1, die über bestehende Benachteiligungen von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften gegenüber der heterosexuellen Ehe wie z. B. die Unterschiede im Steuerrecht informierte. Der LSVD forderte die völlige Gleichberechtigung der Lebenspartnerschaften mit Ehepaaren. Die dazu ins Leben gerufene Aktion stand unter dem Leitsatz „Gleiche Pflichten, gleiche Rechte. Nur das ist fair!“. Dafür konnte der LSVD zahlreiche Politiker und Prominente gewinnen.[5] Die Aktion wurde unter anderem von verschiedenen parteinahen Homosexuellen-Organisationen sowie der Gewerkschaft Ver.di unterstützt.[6]

Ausgezeichnet: Rainer Hoffschildt mit dem LSVD-Preis von 2012 des LSVD Niedersachsen-Bremen „für besonderes Engagement im lesbischwulen Bereich“

Der LSVD hatte den Bundestagsbeschluss zur Errichtung eines Gedenkortes der Bundesrepublik Deutschland für die verfolgten Homosexuellen angestoßen. Er war auch in den entscheidenden Vorbereitungsgremien zur Umsetzung des Beschlusses beteiligt.[7]

Der Verband unterstützt außerdem die schwule Bürgerrechtsbewegung in Polen.

Seit dem 11. Dezember 2006 ist der LSVD als Nichtregierungsorganisation mit offiziellem Beraterstatus bei den Vereinten Nationen anerkannt.[8]

In der Nachfolge zur Aktion 1:1 startete der LSVD im Jahre 2009 die Aktion artikeldrei.

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Der LSVD ist Mitgliedsorganisation der 1979 gegründeten International Lesbian and Gay Association (ILGA) sowie im Forum Menschenrechte und gehört dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV) an.

Prominente Mitglieder[Bearbeiten]

Mit Manfred Bruns, Volker Beck, Eduard Stapel, Günter Dworek und Halina Bendkowski gehörten dem Vorstand prominente Bürgerrechtler an. Eine Reihe prominenter Künstler wie der Comic-Zeichner Ralf König, die Schauspielerin Hella von Sinnen, der Filmemacher Rosa von Praunheim oder Hans-Peter Hoogen unterstützen den LSVD mit ihrer Mitgliedschaft. Auch der 2012 verstorbene Komiker Dirk Bach war Mitglied des LSVD.

Bundesvorstand[Bearbeiten]

Dem Bundesvorstand gehören aktuell an: Axel Blumenthal, Eva Henkel, Manfred Bruns, Tobias Zimmermann, Günter Dworek, Annette Hecker, Axel Hochrein, Uta Kehr, Helmut Metzner, Hasso Müller-Kittnau, Martin Pfarr und Uta Schwenke.[9] Ehrenvorsitzender war bis zu seinem Tod Jacques Teyssier.

Geschäftsführer des LSVD ist Klaus Jetz.

Hirschfeld-Eddy-Stiftung[Bearbeiten]

In Berlin wurde im Juni 2007 die Hirschfeld-Eddy-Stiftung – Stiftung für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender als Menschenrechtsstiftung des LSVD gegründet.[10][11] Ihr Ziel ist, die Achtung der Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender voranzubringen, international Menschenrechtsarbeit zu unterstützen, Menschenrechtsverteidigern zu helfen sowie Aufklärung und den Abbau von Vorurteilen zu fördern.

Mission Aufklärung[Bearbeiten]

Mit der Mission: Aufklärung informiert der LSVD im Rahmen eines Netzwerkes gegen religiös begründete Diskriminierung über Gefahren und Hintergründe der Homo-Heilungs- bzw. Umpolungsangebote.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lesben- und Schwulenverband in Deutschland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Laut Satzung besteht der Bundesvorstand aus gleichberechtigten Mitgliedern: Satzung des LSVD
  2. LSVD: Gleiche Rechte. Wir wollen das volle Programm!
  3. LSVD: Bürgerrechts-, Selbsthilfe- und Solidarverband
  4. Migrationsfamilien
  5. Beispielsweise Hella von Sinnen, Dirk Bach, Günter Grass, Heide Simonis, Katja Ebstein, Guildo Horn, Katy Karrenbauer, Ingo Oschmann, Lisa Ortgies, Annette Frier, Marie-Luise Nikuta, Jürgen von der Lippe und Olivia Jones.
  6. Beispielsweise den (Schwusos), der HuK und den (LSU).
  7. Gedenkort
  8. Entscheidung über UN-Beraterstatus: Dokument 6242 des Wirtschafts- und Sozialausschusses der UN.
  9. LSVD: Vorstand
  10. Ziele der Hirschfeld-Eddy-Stiftung
  11. LSVD: Kleine Geschichte des LSVD