Leslie Schwartz

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Leslie Schwartz, Eingang der Mainzer Synagoge, Mai 2015

Leslie Schwartz (* 12. Januar 1930 in Baktalórántháza) ist ein ungarisch-amerikanischer Überlebender des Holocaust.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leslie Schwartz (eigentlich Laszlo Schwartz) wurde 1930 als ältester Sohn ungarischer Juden in einer Kleinstadt östlich von Debrecen geboren. Er hatte eine zwei Jahre jüngere Schwester Judith. Sein Vater, der seit seiner Jugend an Kinderlähmung litt, war Besitzer eines Kosmetikladens. Der Vater verstarb, als Leslie acht Jahre alt war, die Mutter heiratete 1939 erneut. Das Verhältnis von Leslie zu seinem Stiefvater war konfliktbehaftet.

1940 wurde die jüdische Schule, die Leslie besuchte, geschlossen, und er musste fortan auf eine katholische Schule gehen. Ab 1943 nahmen die Schikanen gegen die ungarischen Juden zu. 1943 verlor er per Gesetz die ungarische Staatsbürgerschaft. Er entkam nur knapp der Deportation in die Ukraine. Im Frühjahr 1944 besetzte die deutsche Wehrmacht Ungarn. Im April wurde die Familie aus der Kleinstadt Baktalórántháza vertrieben und in das Ghetto Kisvarda gebracht. Im Mai wurde die ganze Familie nach Auschwitz-Birkenau transportiert. Bei der Selektion durch die KZ-Aufseher wurde die Familie getrennt. Seine Mutter und seine Schwester Judith überlebten zwar das Vernichtungslager Auschwitz, wurden aber Opfer eines britischen Torpedos auf ein mit Häftlingen gefüllten Kreuzer auf der Ostsee. Die 6 Monate alte Halbschwester Eva wurde in Auschwitz ermordet. Leslie kam in die „Kinderbaracke“ und erhält die rote Nummer 5730.

Mit Hilfe eines Freundes kam er ins Arbeitslager Birkenau und später in das KZ Dachau. Von dort aus wurde er zur Beseitigung von Trümmern nach Bombenangriffen der Alliierten in der bayerischen Hauptstadt München eingesetzt. Im April 1944 hatte er noch ein Gewicht von 34 kg. Schließlich kam er nach Mühldorf am Inn, wo er im Mühldorfer Hart beim Bau von Rüstungsbunkern eingesetzt wurde.

Als die Alliierten näher rücken, wurden die Gefangenen in Züge gesteckt und abtransportiert. Am 27. April hielt ein solcher Zug am Bahnhof in Poing. Leslie war einer von 3600 jüdischen Häftlingen, die von der KZ-Außenstelle Mühldorf mit der Bahn in Richtung Seeshaupt abtransportiert wurden, da das Lager aufgelöst wurde. Beim Aufenthalt in Poing verbreitete sich das Gerücht, dass der Zweite Weltkrieg vorbei sei. Viele Gefangene flohen, wurden jedoch auf der Flucht erschossen. Leslie kam zunächst auf einem Bauernhof unter. Er wurde jedoch von Bewaffneten aus einem nahen Lager der Hitlerjugend angeschossen und am Hals getroffen.

Schließlich wurde Leslie Schwartz am 30. April 1945 von amerikanischen Truppen in der Nähe des Tutzinger Bahnhofs befreit. Anfang Mai wurde er in einem Militärlazarett von einem deutschen Militärarzt operiert. Untergebracht in einem Lager für displaced persons bei Feldafing, da er nur dort wegen Typhus behandelt werden konnte, konnte sich Leslie in der Folgezeit körperlich erholen.

Dort erreichte ihn ein Brief seines Onkels, der ihn aufforderte, in die USA zu kommen. Im Spätsommer 1945 kehrte er zunächst in seine ungarische Heimat zurück. Er entschloss sich jedoch sehr bald, zu seinen Verwandten in die USA auszureisen. Er ging zurück nach Deutschland und hielt sich zunächst im Lager Föhrenwald auf. Am 27. Juli 1946 nahm er den Zug von München nach Bremen und ging an Bord eines Schiffes mit Ziel New York City.

1951 heiratete er Jeannine Schwartz. Sechs Jahre später kam ihr einziger Sohn Garry zur Welt. Seinen Lebensunterhalt verdiente Leslie Schwartz zunächst als Angestellter einer Versicherung und nach 1972 als Manager einer eigenen Druckerei in New York. Tony Curtis alias Bernhard Schwartz war sein Cousin.

Inzwischen ist Leslie ein zweites Mal verheiratet. Seine zweite Frau Annette stammt aus Münster. Seit 1984 hielt sich das Ehepaar Schwartz vom Frühjahr bis Herbst in Münster-Kinderhaus auf. Die übrige Zeit des Jahres verbringen Leslie und seine Frau in New York City und Florida.

Seit dem Erscheinen seiner Erinnerungen, zuerst 2007 auf Dänisch und 2010 auf Deutsch, macht er Lesungen, hält Vorträge und sucht das Gespräch vor allem mit jungen Menschen. Hierzu hatte ihn Max Mannheimer ermuntert, der ihn aus ihrer gemeinsamen Lagerzeit in Dachau kannte.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Durch die Hölle von Auschwitz und Dachau. Ein Junge erkämpft sein Überleben. Münster 2010.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Gerlach/Götz Aly: Das letzte Kapitel: Der Mord an den ungarischen Juden 1944-1945, Frankfurt am Main 2004.
  • Peter Müller: Das Bunkergelände im Mühldorfer Hart: Rüstungswahn und menschliches Leid. Geschichtsverein Heimatbund, Mühldorf am Inn 2000, ISBN 3-930033-17-8.
  • Edith Raim: Die Dachauer KZ-Außenkommandos Kaufering und Mühldorf – Rüstungsbauten und Zwangsarbeit im letzten Kriegsjahr 1944-45. Dissertation, Landsberg 1992, ISBN 3-920216-56-3.
  • Beatrice Sonhüter: "Der Mühldorfer Todeszug – Begegnungen gegen das Vergessen " Dokumentarfilm des BR, 2012
  • Walter Steffen: "Endstation Seeshaupt", Dokumentarfilm 2010

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pressemitteilung, Bayerisches Kultusministerium vom 1. Juli 2013, abgerufen am 11. Juni 2014
  2. https://www.km.bayern.de/pressemitteilung/8550/.html