Lettgenbrunn

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Lettgenbrunn
Gemeinde Jossgrund
Koordinaten: 50° 10′ 3″ N, 9° 25′ 4″ O
Höhe: 416 m ü. NHN
Einwohner: 800 ca.
Eingemeindung: 7. Januar 1974
Postleitzahl: 63637
Lettgenbrunn, gesehen vom Beilstein
Lettgenbrunn, gesehen vom Beilstein

Lettgenbrunn ist ein Ortsteil der Gemeinde Jossgrund im hessischen Main-Kinzig-Kreis. Der Ort mit 310 Haushalten und etwa 800 Einwohnern liegt im Südosten des Landes im Mittelgebirge Spessart und ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lettgenbrunn liegt ein Kilometer westlich der Spessart-Höhenstraße L 2905. Nach Pfaffenhausen im Osten sind es drei und zum Kinderdorf Wegscheide im Norden fünf Kilometer. Flörsbach liegt im Süden etwa sechs Kilometer entfernt. Zur B 276 (Deutsche Ferienstraße Alpen-Ostsee) sind es fünf Kilometer in südwestlicher Richtung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reminiszenz dritter Wiederaufbau: Die unweit des Znaimer Hofs im Ortszentrum zusammenlaufenden Straßen heißen Ostpreußenstraße, Südmährer Weg, Karlsbader Straße, Stettiner Straße, Dresdner Straße

Der Ort wurde im Jahre 1313 als Letthechenburne erstmals urkundlich erwähnt. Spätere Dokumente beschreiben ihn als Lettichenborn, Letchenborn und Letgeborn.[1] Die Entstehung von Lettgenbrunn und dem Weiler Vielbach, heute Villbach, wird mit der Burg Beilstein in Verbindung gebracht. Diese stand auf einem Lavafelsen zwischen den beiden Ortsteilen von Jossgrund.

1812 hatte Lettgenbrunn mit Villbach 26 Feuerstellen und 219 Seelen (Einwohner) und gehörte zur vormaligen Kurmainzischen Stadt- und Amtsvogtei Orb – damals Districtsmairie Orb der Unterpräfectur Orb im Departement Aschaffenburg des Großherzogtums Frankfurt. Maire war Franz Stein (Lettgenbrunn), seine Adjuncte hießen Johann Fingerhut (Lettgenbrunn) und Georg Götz (Villbach). Schullehrer war Johann Stein.

Infolge des Pariser Vertrages vom 3. Juni 1814 kam Lettgenbrunn am 26. Juni 1814 zur Krone Bayern und gehörte dort ab 1. Oktober 1814 zum Landgerichtsbezirk Orb. Am 22. August 1866 kam Lettgenbrunn infolge des Berliner Friedensvertrags zwischen Preußen und Bayern an Preußen und gehörte ab 7. Dezember 1868 zur Preußischen Provinz Hessen-Nassau.

Lettgenbrunn wurde in seiner Geschichte dreimal entvölkert und wieder neu besiedelt.

Zum ersten Mal fiel nach einer Zerstörung von Kirche und Ort im Dreißigjährigen Krieg das Dorf wüst und wurde erst mit dem Neuaufbau der Kirche um 1654 wieder besiedelt.

Zum zweiten Mal wurde Lettgenbrunn 1912 aufgrund der Errichtung von Truppenübungsplätzen auf der Wegscheide aufgegeben; die Bevölkerung wurde entschädigt und auf andere Orte verteilt. Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte eine Neubesiedelung, die jedoch nur von kurzer Dauer war.[2]

Denn Lettgenbrunn wurde 1935 zum Bombenabwurf-Übungsplatz für den Fliegerhorst Gründau-Rothenbergen erklärt und musste zum dritten Mal verlassen werden. Nach der Verlegung des Friedhofs kam am 6. Mai 1935 die Zwangsräumung des Ortes für diejenigen, die nicht bereits freiwillig umgezogen waren. Laut Befehl des Luftkreiskommandos IV in Münster/Westfalen sollten ab 1937 die Gebäude als Zielobjekte für die Bombenabwürfe dienen.[3] Der vollkommen zerstörte Ort wurde nach dem Zweiten Weltkrieg 1947 von Flüchtlingen aus dem Sudetenland, Schlesien, Ostpreußen etc. und Mitteln der Marshallplans der Vereinigten Staaten wieder aufgebaut. An die Herkunft dieser Siedler erinnern noch die Straßennamen sowie die Namen von zwei Gaststätten (Sudetenhof und Znaimer Hof).

Die Neubildung einer selbstständigen Gemeinde Lettgenbrunn wurde durch das Hessische Staatsministerium mit Wirkung zum 1. April 1952 beschlossen.[4]

Am 1. Juli 1974 wurde Lettgenbrunn im Rahmen der Gebietsreform in Hessen per Gesetz in die neue Gemeinde Jossgrund eingemeindet.[5][6]

Die katholische Kirchengemeinde ist Bad Orb zugehörig, die evangelische Lohrhaupten. Grundschüler wurden bis zu Beginn des Schuljahres 2012/13 in Bad Orb eingeschult, ab dem Schuljahr 2013/14 in Oberndorf.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doppelkirche in Lettgenbrunn
Die Jossaquelle
  • Eine Besonderheit ist die örtliche 1954 eingeweihte Kirche, die sowohl für die katholische (rechter Raum) als auch evangelische Glaubensgemeinschaft (linker Raum) zur Verfügung steht. Sie ersetzt den ursprünglichen gotischen Kirchenbau aus dem 15. Jahrhundert, der 1658 barock verändert wurde und durch die Bombenabwurf-Übungen nach 1937 völlig zerstört war; die Ausstattung (ein Hochaltar mit einer Kreuzigungsgruppe aus der Schule Tilman Riemenschneiders, ein Marienaltar sowie ein Taufstein) war zuvor ausgeräumt worden und befindet sich heute in St. Peter in Mernes. Das Friedhofskreuz steht mittlerweile wieder in Villbach. Bei der Wiederbesiedlung ab 1947 wurde sowohl Protestanten (z. B. aus Ostpreußen) und Katholiken (z. B. aus dem Sudetenland) gleichermaßen ausgewählt.[7] In einem Schreiben der Bürger bitten diese 1952 einig: „Wir sind Menschen gleichen Schicksals (…) wir verstehen uns gut und in Zukunft soll uns nichts entzweien (…) wir wünschen den Bau einer Kirche mit 2 Räumen!“ Die katholische Hälfte ist, wie auch die alte katholische Kirche (bis 1937), dem heiligen Jakobus geweiht, die evangelische seinem Bruder Johannes. Ebenfalls außergewöhnlich ist der gemeinsam genutzte Glockenturm. Die drei Glocken (h´, d´´, fis´´) wurden 1959 von einer ortsansässigen Familie gespendet. Die d´´-Glocke trägt die Aufschrift: „seid fröhlich in Hoffnung + geduldig in Trübsal + haltet an am Gebet!“
  • Am Minigolf-Platz gegenüber der Kirche macht ein Stein mit der Datierung 16. September 2007 auf die hier austretende Jossaquelle aufmerksam. Der Quellbach vereinigt sich noch an Ort und Stelle mit dem kräftigeren Villbach, den man deshalb fälschlicherweise leicht für den Oberlauf der Jossa halten könnte. An der Jossaquelle stand noch in den 1950er Jahren eine Handpumpe zur Wasserversorgung der jungen Siedler nach dem dritten Wiederaufbau.
  • Der 18-Loch-Golfplatz Bad Orb/Jossgrund mit angegliedertem Clubhaus und Hotel befindet sich auf der Anhöhe bei dem Weiler Villbach, der zur bis 1974 selbstständigen Gemeinde Lettgenbrunn gehörte. Ein Turm der gesprengten Bunkeranlage steht noch als Relikt des Bombenabwurfplatzes an Loch 2.
  • Die beiden Fernwanderwege durch den Spessart, die Birkenhainer Straße und der Eselsweg, führen durch die Gemarkung.
  • Die Ruine der Burg Beilstein und das Naturschutzgebiet Beilstein liegt nördlich von Lettgenbrunn.
  • Alter Bahndamm. Entstanden vor und im Ersten Weltkrieg zur Versorgung des Truppenübungsplatzes.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lettgenbrunn – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte und Tradition
  2. 1650 – 1919 – 1947: Das Dorf, das dreimal besiedelt wurde. beim Verein „Das Archäologische Spessartprojekt e. V.“
  3. Lettgenbrunn im Zweiten Weltkrieg
  4. Der Hessische Minister des Inneren: Neubildung einer selbständigen Gemeinde Lettgenbrunn im Landkreis Gelnhausen, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 18. März 1952. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1952 Nr. 14, S. 260, Punkt 322 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,0 MB]).
  5. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern und der Stadt Hanau sowie die Rückkreisung der Städte Fulda, Hanau und Marburg (Lahn) betreffende Fragen (GVBl. 330–26) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 149, § 11 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 363.
  7. Chronik 50 Jahre St.Jakobus/St.Johannes Lettgenbrunn