Leuchtturm

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Siehe auch: Leuchtturm (Begriffsklärung)
Roter Sand – in Deutschland der Inbegriff eines Leuchtturms

Als Leuchtturm wird ein Turm bezeichnet, der eine Befeuerung trägt. Leuchttürme sind insbesondere nachts weithin sichtbare Schifffahrtszeichen und dienen der Positionsbestimmung, der Warnung vor Untiefen oder der Fahrwassermarkierung.

Technik[Bearbeiten]

Bauweise[Bearbeiten]

Der Leuchtturm Neuwerk von 1310 ist das älteste Profanbauwerk an der deutschen Küste, das aufgesetzte Lampenhaus stammt aus dem Jahr 1814.

Die Bauweise der Leuchttürme ist sehr vielfältig. Neben Metall, Holz, Beton- und Steintürmen gibt es auch Rohr- und mastartige Konstruktionen. Lichtanlage und Optik sind bei größeren Bauten zumeist aufgesetzt, sie werden als Lampenhaus oder Laterne bezeichnet. In historischen Turmkonstruktionen befanden sich mitunter Wohn- und Arbeitsräume für das Bedienpersonal, die oft durch Nebengebäude ergänzt wurden. Da der Beruf des Leuchtfeuerwärters durch die Automatisierung nicht mehr ausgeübt wird, dienen die ehemaligen Arbeitsräume heute anderen Aufgaben.

Bis in das späte 20. Jahrhundert waren in der Nordsee und der Ostsee, wo die Errichtung von Leuchttürmen nicht möglich war, zahlreiche Feuerschiffe positioniert, mit Leuchtfeuern in bis zu 45 Metern Höhe. Heute werden von der Deutschen Wasser- und Schifffahrtsverwaltung nur noch zwei Feuerschiffspositionen unterhalten.

Bei engen Fahrrinnen werden Richtfeuer aus zwei synchronisierten Leuchtfeuern unterschiedlicher Höhe errichtet.

Feuerhöhen[Bearbeiten]

Höchstes Leuchtfeuer der Welt in Dschidda

Als Feuerhöhe bezeichnet man den Abstand zwischen Wasserspiegel und Befeuerung. Aus Kostengründen ist es sinnvoll, den Leuchtturm auf einer küstennahen Anhöhe zu errichten, weil der Turm selber dadurch bei gleicher Feuerhöhe niedriger ausfallen kann. In Extremfällen kann es jedoch sinnvoller sein, einen Leuchtturm an einer tiefer gelegenen Stelle zu errichten, wenn er dadurch in klareren Luftschichten steht. So wurde der alte, 238 m hoch gelegene Leuchtturm am Cape Point in Südafrika 1911 durch einen niedriger gelegenen Leuchtturm ersetzt, da der alte Turm sich zu oft im Hochnebel befand und sein Licht somit nicht so weit sichtbar war, wie ursprünglich angenommen.

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Die weltweit größte Feuerhöhe besitzt derzeit mit 140 Metern der Leuchtturm von Dschidda in Saudi-Arabien. Die höchste deutsche Befeuerung sitzt auf dem Hotel „Maritim“ in Lübeck-Travemünde, 114 m über der Mittelwasserhöhe der Ostsee.[1]

Turmhöhen[Bearbeiten]

Bei kurzen Distanzen reichen niedrige Leuchttürme wie das Leuchtfeuer Bunthaus aus

Mit 65 Metern Höhe ist der dreibeinige Stahlfachwerkturm Leuchtturm Campen an der Emsmündung Deutschlands höchster Leuchtturm.[2] Zurzeit plant man an der Elbe neue Richtfeuerlinien, deren Türme Höhen bis zu fast 100 Metern erreichen sollen. Erforderlich wird ihr Bau im Zuge der geplanten Elbvertiefung, die eine Verbreiterung des Fahrwassers und eine Veränderung der Fahrlinien der Schiffe zur Folge haben wird.

Einer der kleinsten Leuchttürme dürfte das ehemalige Leuchtfeuer Bunthaus (1914–1977) auf der Bunthäuser Spitze (Unterelbe bei Hamburg) mit 6,95 Metern Turmhöhe sein.

Optik[Bearbeiten]

Als Leuchtfeueroptik werden seit etwa 1820 Fresnel-Linsen verwendet, die eine kompakte Bauform, ein relativ geringes Gewicht und eine hohe Lichtausbeute haben. Das Linsensystem hat bis zu 20 ringförmige Sektoren, eine Brennweite von maximal 70 Zentimetern und ist drehbar gelagert. Aufgrund der Umdrehungszeit besitzt jeder Turm eine spezifische Wiederkehr und Kennung, die im Leuchtfeuerverzeichnis und in Seekarten publiziert werden. Die Kennung wird gegebenenfalls durch zum Fahrwasser ausgerichtete Farbfilter erweitert. Durch die Rotation der Linse erzeugt dies ein rhythmisches farbiges Blinken.

Reichweite[Bearbeiten]

Die Reichweite der meisten Leuchtfeuer liegt – je nach Bauart und Umständen – zwischen 5 und 20 Seemeilen. Sie hängt von fünf Faktoren ab. Zum ersten spielt die Feuerhöhe eine Rolle, zum zweiten die Höhe des Navigators über dem Wasserspiegel, drittens die Lichtstärke und Farbe der Lichtquelle, zum vierten die Qualität der Optik. Fünftens kann das Wetter und die daraus resultierenden Sichtbedingungen die Reichweite begrenzen. Den Wettereinfluss berücksichtigt man durch eine sogenannte Sichtweitenskala, denn bei schlechten Bedingungen kann die Lichtstärke um mehreren Millionen Candela gemindert werden. Letztlich stellt die Reichweite einen Kompromiss zwischen dem technisch Möglichen und dem Aufwand für Errichtung, Stromversorgung und Wartungskosten dar.

Wegen der Erdkrümmung nimmt die theoretische Reichweite mit der Wurzel der Turmhöhe und der Wurzel der Augeshöhe des Navigators zu. Wenn ein Leuchtfeuer gerade am nautischen Horizont („in der Kimm“) auftaucht beziehungsweise verschwindet, kann seine Entfernung einfach berechnet und damit der Standort des Schiffes bestimmt werden. Die Formel kann mittels des Satzes von Pythagoras hergeleitet werden. In der vereinfachten Näherung, wenn die Höhen von Leuchtfeuer und Navigator verglichen mit dem Erdradius gering sind, lautet sie:

\text{Distanz in Seemeilen} \approx 1{,}9274 \cdot \left(\sqrt{\text{Augenhöhe in Metern}} + \sqrt{\text{Feuerhöhe in Metern}} \right)

Geschichte des Leuchtturms[Bearbeiten]

Rekonstruktion des Pharos von Alexandria
Nachgestellte Beleuchtungssituation durch eine Petroleumlampe

Wie die Geschichte der Leuchttürme begann, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass es im östlichen Mittelmeer bereits lange vor Christi Geburt regen Seehandel gab – und vermutlich auch Leuchtfeuer, um bei Dunkelheit den Heimathafen zu finden.

Antike[Bearbeiten]

Mindestens zwei antike Befeuerungsbauten sind überliefert, die beide um 300 v. Chr. entstanden: Der griechische Koloss von Rhodos und der ägyptische Pharos von Alexandria. Allerdings ist unsicher, ob der Koloss von Rhodos wirklich als Leuchtfeuer diente. Er soll etwa acht Jahrzehnte gestanden haben, bis er 224 v. Chr. einstürzte. Der ägyptische Leuchtturm leuchtete dagegen über 1600 Jahre lang und stürzte im Jahr 1303 bei einem Erdbeben ein. Er ist Namensgeber der Leuchtturmkunde, die heute als Pharologie bezeichnet wird.[3]

Von den Römern wurde der Herkulesturm im galizischen A Coruña (Spanien) errichtet. Er wurde im Jahr 110 n. Chr. von Gaius Sevius Lupus fertiggestellt, war ursprünglich 36 m hoch und maß 18 m × 18 m am Fuß. Im Jahr 1791 wurde er ausgebaut und erhielt eine klassizistische Umhüllung. Der noch heute genutzte Turm ist somit der älteste Leuchtturm der Welt und gehört seit 2009 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Abseits der Hochkulturen suchte die Seefahrt zu Beginn nach einfacheren Wegen, den Seefahrern „heimzuleuchten“. Fackeln und kleine Strandfeuer wiesen den Fischern nachts ihren Weg. Mönche empfahlen deren Betrieb als gottgefällige Aufgabe.

Hansezeit[Bearbeiten]

Im 13. Jahrhundert errichteten die Hansestädte Lübeck und Wismar Kerzenlaternen auf vorgelagerten Inseln. Das bestehende Hafenzeichen in Travemünde wurde 1226 kaiserlich privilegiert. 1299 erhielt Hamburg die Nordseeinsel Neuwerk, um dort eine Feuerblüse zu errichten. Sie wurde 1310 fertiggestellt und steht noch heute. Um 1625 folgte ein ständiges Leuchtfeuer auf Wangerooge; die Benutzung des Kirchturms bewährte sich aber nicht.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Deutlich verbessert wurden die Leuchtfeuer 1782 durch den Genfer Physiker Aimé Argand (1750-1803) mit der Hohldochtlampe, einem Vorläufer der späteren Petroleumlampe. Erst später setzten sich Gasglühlichter durch. Schließlich entwickelte Augustin Jean Fresnel (1788–1827) im Auftrag der französischen Regierung eine Lichtbündelung durch spezielle Linsen. Durch die Fresnel-Linsen steigerte sich die Reichweite der Leuchtfeuer erheblich.

Gegenwärtiger Nutzungswandel[Bearbeiten]

Moderne digitale Navigationshilfen schmälern die heutige Bedeutung von Leuchttürmen, können aber visuelle Schifffahrtszeichen nicht vollständig ersetzen. Insbesondere beim Ausfall des GPS, der Elektronik oder der Stromversorgung stellen Leuchttürme eine unverzichtbare Absicherung dar, weshalb Leuchttürme auch zukünftig unterhalten werden müssen.

Die ehemaligen Personalräume und die Aussichtsplattform sind dagegen für den Leuchtturmbetrieb nicht mehr notwendig. Sie werden heute für touristische oder gastronomische Zwecke genutzt, vereinzelt dienen Türme auch als Unterkunft oder können für Trauungen gemietet werden.

Metaphern[Bearbeiten]

Im übertragenen Sinn werden Vorhaben, von denen eine Signalwirkung oder Vorbildfunktion ausgeht, als Leuchtturmprojekt bezeichnet. In der englischsprachigen Welt ist die Moderne Sage vom Leuchtturm und Kriegsschiff eine beliebte Metapher für gelegentliche Unflexibilität großer Mächte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Monika Bergmann: Lexikon der Leuchttürme. Komet, Köln 2008, ISBN 978-3-89836-827-8.
  • Gerhard Wiedemann (Hg.), Johannes Braun, Hans Joachim Haase: Das deutsche Seezeichenwesen. 1850–1990, zwischen Segel- und Container-Schiffsverkehr [In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schiffahrtsmuseum Bremerhaven]. DSV-Verlag, Hamburg 1998, ISBN 3-88412-275-4.
  • Jean Guichard (Fotos), Vincent Guigueno (Text): Leuchttürme. (Originaltitel: Phares übersetzt von Christiane Hauert). DK Edition Maritim, Hamburg 2007, ISBN 978-3-89225-575-8.
  • Ian Penberthy: Die 75 beeindruckendsten Leuchttürme der Welt (Originaltitel: Lighthouses - Man-made Wonders, übersetzt von Annerose Sieck). Tosa, Wien 2009, ISBN 978-3-85003-388-6.
  • Jürgen Voss: Lichter am Horizont – Leuchttürme zwischen Tag und Nacht. DK Edition Maritim, Hamburg 2003, ISBN 978-3-89225-482-9.

Siehe auch[Bearbeiten]

Briefmarkenserien
Leuchttürme seit 2004 in Deutschland
Leuchttürme, Leit- Leucht- und Molenfeuer, 1974 und 1975 in der DDR
Veranstaltungen

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Leuchtturm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Leuchttürme – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Daten zum Orientierungsfeuer Travemünde, abgerufen am 2. November 2010
  2. Leuchtturm Campen auf der Seite des Wasser- und Schifffahrtsamtes Emden.
  3. Die Nordsee: eine Natur- und Kulturgeschichte, Richard Pott, C.H.Beck, 2003 – „Der Pharos vor Alexandria (...) war wohl der älteste bekannte Leuchtturm der Erde, (...) er hat aber nicht nur der «Leuchtturmkunde», der «Pharologie», den Namen gegeben(...)“