Leuchtturm Neuwerk

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Leuchtturm Neuwerk
Leuchtturm Neuwerk
Leuchtturm Neuwerk
Ort: Neuwerk
Lage: auf dem südlichen Ende der Insel Neuwerk an der Elbmündung
Geographische Lage: 53° 54′ 54,8″ N, 8° 29′ 45″ OKoordinaten: 53° 54′ 54,8″ N, 8° 29′ 45″ O
Höhe Turmbasis: m
Feuerhöhe: 38
Leuchtturm Neuwerk (Hamburg)
Leuchtturm Neuwerk
Kennung: bis Februar 2014:
Blk.(3) w.r.gn. 20 s 16–11 sm
danach: F. 3 sm
Optik: Gürteloptik, Gebr. Picht, Rathenow
Betriebsart: elektrisch, 11 Watt LED seit Feb. 2014
Funktion: Quermarkenfeuer
Bauzeit: 1300–1310
Betriebszeit: 20. Dezember 1814 bis 10. Februar 2014
Internationale Ordnungsnummer: B 1344

Der Turm Neuwerk, Großer Turm, Leuchtturm Neuwerk oder einfach das Neue Werk ist das bedeutendste Bauwerk der Insel Neuwerk, die zu Hamburg gehört. Der ehemalige Wehr-, Wohn- und Leuchtturm ist das älteste Profanbauwerk der gesamten deutschen Küste.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umgebung des Turmes
Hamburg Wappen rechts vom Eingang
Inschrift links vom Eingang
Neuwerk als nördlichster Punkt des Triangulationnetzes von Gauß

Am 1. November 1299 erhielt Hamburg das Recht einen Turm als Seezeichen und als Vorposten gegen See- und Strandräuber zu errichten.[1] Mit dem Bau des Turms von Neuwerk wurde im Jahre 1300 begonnen. Der Bau dauerte zehn Jahre und wurde 1310 fertiggestellt. Die Architektur entspricht der eines in damaliger Zeit noch häufig gebauten normannischen Turmhauses. Entgegen anderen Darstellungen in der Literatur wurde das Gebäude in seiner heutigen Form von Anfang an errichtet. Allerdings brannte der Turm um 1372 aus, so dass er umfänglich erneuert werden musste.[2][3]

Das ursprüngliche Bleidach wurde 1474 durch Kupfer ersetzt. 1558 wurde es durch ein rotes Ziegeldach ersetzt und in jüngerer Zeit wurde der Turm wiederum in Kupfer gedeckt, das 1916 „zum Heeresdienste eingezogen“ und später erneuert wurde.

Anfangs diente der Turm als Wehrturm. Der dort stationierte Trupp Soldaten sollte die Elbmündung vor See- und Strandräubern schützen. Der Turm war im Laufe der Jahrhunderte mehrfach Zufluchtsstätte während Sturmfluten.

Im Juli 1825 diente der Turm als nördlichster Messpunkt für die Gaußsche Landesaufnahme, einer Triangulation des Königreichs Hannover durch Carl Friedrich Gauß[4]. Ein Ausschnitt des Triangulationnetzes fand sich auf der Rückseite der 10-DM-Scheine der letzten Serie (1989–2001).

Offiziell gilt der Leuchtturm Neuwerk als Hamburgs ältestes Gebäude. Nach anderer Definition ist dies die Kirche Sinstorf, die jedoch auf einem Gebiet steht, das erst seit dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 zu Hamburg gehört.

Der Leuchtturm steht seit 1924 und die Turmwurt seit 1971 unter Denkmalschutz[5] und ist heute der älteste Feuerträger Deutschlands. Der Bau wird seit langer Zeit neben seiner Eigenschaft als Leuchtturm als Pension und Gaststätte genutzt.

Leuchtfeuer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feuerblüsen Neuwerk („Nuge uirk“), Lübeck, Wismar, Rostock, Cammin, Danzig und Riga in der Carta Marina (1539)

Bereits 1539 verzeichnet die Carta Marina eine Blüse auf Neuwerk. Vielfach wird aber erst um 1644 von der Errichtung einer Kohlenblüse als Nachtsichtzeichen berichtet. Sie benötigte für die ganzjährige Befeuerung ab 1761 1.000 Tonnen Importkohle aus Schottland, die einen höheren Bitumengehalt hatte und damit ein heller leuchtendes Feuer als Steinkohle aus Deutschland erzeugte.[6][7]

Die Türme und Baken Neuwerks (1825/1831)

Erst 1814 wurde der Wachturm zu einem Leuchtturm ausgebaut. Das erste Leuchtfeuer bestand aus 21 hohldochtigen Argand-Lampen und Parabolspiegeln. Diese wurden anfangs mit Rüböl und ab 1870 mit Petroleum betriebenen. 1892 wurde eine Gürtellinse mit einer Brennweite von 700 mm installiert und eine fünfdochtige Petroleumlampe verwendet, um noch mehr Helligkeit zu erreichen. Diese Linse wird noch heute benutzt.[8] Das Leuchtfeuer wurde 1908 nochmals gegen ein Petroleum-Glühlichtfeuer ersetzt, bevor es 1942 auf elektrischen Strom umgestellt wurde. Der elektrische Betrieb war notwendig, um im Krieg das Feuer schnell an- und abschalten zu können. Da es keinen Notstrom gab, wurde das Petroleumfeuer als Ersatz beibehalten und 1949 Propangas als Ersatz installiert. 1952 wurde die Lichtstärke mit 5700 Hefnerkerzen, 13200 seeseitig, 1000 für das rote Licht und 550 Hefnerkerzen für das grüne Licht angegeben. Die Tragweite der 1000 Watt Glühlampe betrug ca. 30 km. Bei günstiger Witterung war es bis Helgoland sichtbar.[9] Im Herbst 2007 wurde die klassische Glühlampe gegen eine Halogenglühlampe ausgetauscht[8], am 10. Februar 2014 erfolgte der Umbau auf LED.

Obwohl der Leuchtturm als Bauwerk der Stadt Hamburg gehört, wurde das Feuer vom Wasser- und Schifffahrtsamt Cuxhaven betrieben, das für die Fahrwasser in der Elbemündung verantwortlich ist. Da es für die durchgängige Schifffahrt nicht mehr erforderlich ist, wurde es vom Bund am 1. Januar 2014 an die Hamburg Port Authority (HPA) abgegeben. Am 10. Februar 2014, nach knapp 200 Jahren, wurde das Leuchtfeuer als offizielles Seezeichen abgeschaltet und als sog. „privates Feuer“ von der Hansestadt Hamburg weiter betrieben. Die frühere farbige Kennung „Blk. (3) w. r. gn. 20 s 16–11 sm“ des Nachtseezeichens wurde geändert in ein festes weißes Rundumlicht mit einer Tragweite von nur noch 3 sm.[8][10][11]

Die Blüse wurde nach der Inbetriebnahme des Leuchtturms durch einen kleinen Leuchtturm ersetzt, der bis 1909 stand und zusammen mit dem großen Leuchtturm ein Richtfeuer für die sichere Passage von Nordwest über den Vogelsandsteert ermöglichte. Daher trug der Turm auch den Namen „Großer Leuchtturm“.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Etage mit Gästezimmern des Hamburger Staates, beherbergt der Turm die Wärter, eine Gastwirtschaft und deren Beschäftigte. Der ehemalige Insellehrer Heinrich Gechter initiierte 1920 die Nutzung des Turms als Schullandheim für Schüler aus Winterhude, bevor man ab 1924 auf den Dachboden der Staatsscheune auswich.[12][13] Ebenso gab es viele Jahre eine Dachkammer für den Neuwerker Vogelwart des Verein Jordsand.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leuchtturm Neuwerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Martin Lappenberg: Hamburgisches Urkundenbuch. Band 1, Nr. 918. Voss, 1842, S. 762 (Nr. 918).
  2. Friedrich Becker: Cuxhaven und das Amt Ritzebüttel. Otto Meißner, Hamburg 1880, S. 242 (Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Digitalisat).
  3. Kurt Ferber: Der Turm und das Leuchtfeuer auf Neuwerk. In: Verein für Hamburgische Geschichte (Hrsg.): Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte. Band 14. Johann August Meißner, Hamburg 1909, S. 1–36 (agora.sub.uni-hamburg.de).
  4. Gaußsche Landesaufnahme
  5. siehe Liste der Kulturdenkmäler im Hamburger Bezirk Hamburg-Mitte
  6. Die Neuwerker Feuerblüse (Memento vom 7. Januar 2010 im Internet Archive), www.janmaat.de/bluese.htm
  7. Neuwerk, Förderverein Leuchtturm Roter Sand
  8. a b c Leuchtturm Neuwerk „geht“– Feuer bleibt! Wasser- und Schifffahrtsamt Cuxhaven, 31. Dezember 2013 (PDF)
  9. Ferdinand Dannmeyer: Ein Turm und seine Insel – Monographie der Nordseeinsel Neuwerk. 1952, S. 63, „Turm und Leutchfeuer in ihrer Bedeutung für die Schiffahrt“, Helmut Schmidt
  10. Bekanntmachungen für Seefahrer 15/14: https://www.elwis.de/BfS/bfs_start.php?target=3&source=1&aboexport=abo&db_id=82396
  11. Neuwerk – Leuchtturm bleibt in Betrieb. In: Leuchtfeuer Nr. 67, Frühjahr 2014, Klaus Kern, Rüsselsheim 2014; S. 13
  12. Heinrich Gechter: Neuwerk. Insel und Schulheim. Dem Schulverein Ferienheim Neuwerk der Mädchenschule Barmbecker Straße 30 zum Besten erholungsbedürftiger Kinder, 1928
  13. Armin Clasen: Das Schulheim Neuwerk. In: Ein Turm und seine Insel – Monographie der Nordseeinsel Neuwerk. 1952, S. 159ff.