Leuchtturm Norderney

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Leuchtturm Norderney
Großer Norderneyer Leuchtturm im Jahr 2007
Großer Norderneyer Leuchtturm im Jahr 2007
Ort: Norderney
Lage: Düne in der Mitte der Ostfriesischen Insel Norderney
Geographische Lage: 53° 42′ 33,2″ N, 7° 13′ 46,7″ O53.7092337.2296316Koordinaten: 53° 42′ 33,2″ N, 7° 13′ 46,7″ O
Höhe Turmbasis: m ü. NHN
Feuerträgerhöhe: 59.6 m
Feuerhöhe: 54.6 m
Leuchtturm Norderney (Niedersachsen)
Leuchtturm Norderney
Kennung: Blz. (3) 12 s
0.2s-(2.8s)-0.2s-(2.8s)-0.2s-(5.8s)
lichtschwach 67°–77° & 270°–280°
Optik: Fresnel-Linse
Betriebsart: ab 1874 Petroleumlampe
ab 1910 Petroleumglühlicht
ab 1930 Elektrische Glühlampe 1000 W
ab 1938 Glühlampe 2000 W
ab 1976 Blitzfeuer
seit März 2004 Dampfentladungslampe 400 W
Funktion: Leuchtturm
visuelles Schifffahrtszeichen
Bauzeit: 1871 bis 1874
Betriebszeit: seit 1. Oktober 1874
Internationale Ordnungsnummer: B 1054

Der Leuchtturm Norderney (offizielle Bezeichnung: Großer Norderneyer Leuchtturm)[1] ist ein aktives, der Schifffahrt als Navigationsfestpunkt, Landmarke und Wegweiser dienendes Seezeichen vor der niedersächsischen Festlandsküste.[2] Er wurde in den Jahren 1871 bis 1874 auf einer rund 10 m hohen Düne etwa in der Mitte der ostfriesischen Insel Norderney erbaut.[3] Er ist mit seinem im oberen Teil achteckigem Querschnitt (mittlere Dicke 6,45 Meter) ein architektonisch erwähnenswertes und mit seiner Höhe von knapp 60 m ü. NN (ohne Laterne 54,6 m) gleichzeitig das höchste Bauwerk der Insel. Unterhalb der Laterne befindet sich eine umlaufende Zuschauergalerie, die man über 253 Stufen erreicht.[2] Der Turm mit der internationalen Ordnungsnummer B 1054 gehört der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung der Bundesrepublik Deutschland (WSV), (WSA) Außenbezirk Emden. Zum Leuchtturm gehört ein ebenfalls zwischen 1871 und 1874 errichtetes zweigeschossiges, siebenachsiges mit roten Ziegeln gedecktes Wärter- und Maschinenhaus, in dem sich bis in die 1950er Jahre eine Telegrafenstation befand.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Vertoonung der Insel Norderney („Nynorderoge“). Die Inselkirche ist in einem dänischen Segelhandbuch von 1568 rechts (Westen) gut erkennbar.
Übersicht der Leuchttürme auf den Ostfriesischen Inseln
Übersichtskarte Norderneys mit Leuchtturm in der Inselmitte
Der Leuchtturm um 1900
Das ehemalige Wärter- und Maschinenhaus (rechts) vom Sockel des Leuchtturms aus fotografiert. Links die ehemalige Telegrafenstation.

Bereits um das Jahr 1410 wurden an der Ostfriesischen Küste Landmarken in Form von Baken errichtet.[4] Im 17. Jahrhundert wurden diese auch auf markanten Punkten auf den Ostfriesischen Inseln errichtet. Schon 1576 wurde auf der Insel Borkum eine Blüse zur Sicherung des Schiffsverkehrs errichtet. Von 1602 an gab es mit dem Westturm auf der Insel Wangerooge ein Leuchtfeuer und seit 1624 ein Kap als Tagessichtmarke. Da die restliche Küste zwischen den Inseln Juist und Spiekeroog noch 1780 völlig oder nur unzureichend mit festen Leuchtfeuern versehen war, drängten in erster Linie Emder Kaufleute und die Bremer Kaufmannschaft, die die Sicherheit ihrer eingesetzten Schiffe bedroht sah, auf den Bau eines weiteren Bauwerks auf einer der Ostfriesischen Inseln.[5][6]

„Die englische, französische und holländische Küste sind in der Nachtzeit mit Fresnel'schen Apparaten, wie aneinander gereiht, prachtvoll illuminiert. Die hannoversche Insel Borkum, als die erste deutsche, schliesst sich an diese Beleuchtungslinie zunächst an aber das Licht ist noch nach alter Weise mit Hohlspiegeln versehen. Indessen hat die Regierung bereits ihr Augenmerk dahin gerichtet und beabsichtigt eine durchgreifende Verbesserung dieses Lichtes. Bis Borkum sollen die Schiffe aus dem Kanal kommend, in die Nordsee gelangt sein und weiter den mit vielen Sandbänken besetzten Ems-, Jahde-, Weser- Elbmündungen zusteuern. Aber von hier an herrscht völlige Finsternis und erst nach einer Entfernung von 48 bis 50 Seemeilen ist das Licht zu Wangerooge das erste, welches man wieder zu sehen bekommt. Kein Wunder also, daß an den zwischen Borkum und Wangeroog in völliger Finsternis liegenden Inseln manches Schiff scheitert. Die Schiffer wissen das recht gut und steuern, um dieser Gefahr zu entgehen, in die ungefähre Richtung auf Helgoland. Aus allen Überlegungen geht hervor, dass an der Seeküste noch ein Punkt in der Beleuchtungskette fehlt und kann dieser etwa Norderney sein, als ungefähr in der Mitte zwischen Borkum und Wangerooge belegen, doch dürfte dann bei der Strecke von etwa 24 Seemeilen nach beiden Seiten hin ein stark intensives, ein 1. Ordnung bezeichnetes Licht daselbst sowohl wie in Wangerooge in Anwendung zu bringen sein“

Jacobus Johannes van Ronzelen, Hafenbaudirektion Bremerhaven[7]

Daraus geht hervor, dass die Schiffe in Richtung Hamburg und Bremen zur Sicherheit den (sicheren) Umweg an Helgoland vorbei wählten. Das 1849 auf Norderney errichtete Kap erfüllte demnach die Anforderungen an die Sicherheit gerade in der Nacht nicht.[8]

Planung, Bau und Inbetriebnahme[Bearbeiten]

Durch zahlreiche Meldungen und Eingaben bei der im Jahr 1823 gegründeten Königlichen General-Direktion des Wasserbaus mit Sitz in Hannover wurde dem Bau eines Leuchtturms auf Norderney zugestimmt. Der Ostfriesische Kurier vom 12. Mai 1874 berichtet:

„Das Leuchtfeuer in der deutschen Bucht ist anerkanntermaßen ein sehr mangel- und lückenhaftes, trotzdem der Schiffsverkehr in dieser schwierig und gefahrvoll zu befahrenden Bucht eine so hervorragende Bedeutung hat, wie es die beiden Welthandelsplätze Bremen und Hamburg der Natur der Sache nach mit sich bringen. Man hat sich denn an maßgebender Stelle dem dringenden Bedürfniß nach Abhülfe auch nicht länger verschließen können und zunächst zur Ausfüllung der großen Lücken in der Küstenbeleuchtung zwischen Borkum und Wangeroog einen Leuchtfeuerthurm auf Norderney zu errichten beschlossen.“[7]

Die Baupläne zur Errichtung des Norderneyer Leuchtturms und der Nebengebäude entwarf die Königlich-Preußische Wasser- und Schiffahrtsverwaltung in Norden zusammen mit dem Konstrukteur Ernst Schumacher aus Leer, der den 1879 errichteten neuen Leuchtturm auf der Insel Borkum konstruierte. Der Norderneyer Leuchtturm wurde in den Jahren 1871 bis 1874 durch die Königliche General-Direktion des Wasserbaus in massiver Bauweise aus roten Mauerziegeln gemauert. Die Abschlusssteine des Turmkopfes bestehen aus Sandstein.[1][5] Der Turm steht auf einer 10 m hohen Düne in der Inselmitte. Dieser Standort wurde aus logistischen Gründen gewählt, da das Baumaterial bei Ebbe mit Pferdekutschen aus Hilgenriedersiel auf die Insel transportiert werden musste und die Entfernung der Insel zum Festland an dieser Stelle mit rund drei Kilometern gering ist. Der Leuchtturm hat einen 13,27 m[5] hohen Sockel mit quadratischem Querschnitt sowie einen Hauptschaft mit einem Querschnitt in Form eines regelmäßigen Achteckes. Die gesamten Baukosten betrugen 198.000 Goldmark.[9] Seit seiner Errichtung ist der Turm das einzige aktive Seefeuer auf der Insel und dient der Schifffahrt als Orientierungsfeuer.[10] Während der Bauphase war der Turm in keiner Landkarte verzeichnet, was zu Verwechselungen mit den auf Borkum und Wangerooge errichteten Türme führte:

„Der Thurm ist fertig gestellt, und man sollte es kaum für denkbar halten noch ist wegen des anzuzündenden Feuers nicht die geringste Nachricht der Oeffentlichkeit übergeben worden. Alle die vielseitigen Fragen nach dem angezündeten Feuer, nach der Zeit der Entzündung desselben etc. müssen mit Achselzucken beantwortet werden. Schlimmer aber ist es, daß der Thurm eine recht gelegene Tagesmarke sein könnte, wenn über seine Position Verläßliches bekannt wäre, daß er jetzt aber nur stutzig machen und verwirren kann, wie viele Beispiele gezeigt haben. Ein nach der Weser bestimmtes deutsches Schiff orientiert sich nach schlechtem unsichtigem Wetter in der Nähe von Norderney. Da erblickt man einen Thurm, von welchem in keiner Karte, keinem Buche und in keines Erinnerung das Geringste aufzufinden, und man ist gedrungen, beizudrehen, um sich nicht unbewußten Gefahren auszusetzen, denen ja bekanntlich am schwersten zu begegnen ist. Ein nach der Ems bestimmtes Schiff ist erfreut, nach schwerem Wetter und bei häsiger Luft die beiden Feuerthürme auf Schiermonikoog zu erkennen zu glauben und setzt seinen Cours. Doch das Ding wird unheimlich, die Marken, bei der häsigen Luft schon kaum zu sehen, erscheinen anders als die bekannten; das Wetter wird drohender. Da, recht voraus wird ein Lootskutter gesichtet, der muß es wissen. Doch das Wetter wird drohender und der Schiffer läuft, Schutz suchend, in die Jade ein, wo er wohl von dem Bau des Leuchtthurms auf Norderney gehört haben mag. Es läßt sich auf eine recht harmlose Anschauung seemännischer Verhältnisse an maßgebender Stelle schließen, wenn man glaubt, eine solche Bekanntmachung. komme mit dem Anzünden eines Feuerschiffes früh genug. In England werden solche Bekanntmachungen oft Jahrelang vorher in Tausenden von Gratis-Exemplaren den Interessenten zugängig gemacht, und zwar vom gefaßten Beschluß und dem Beginn der Arbeit an mit dem Fortschreiten derselben bis zur Vollendung in oft wiederholten Bekanntmachungen.“

– Ostfriesischer Kurier vom 18. Mai 1874, Nr. 56[11]

Der Leuchtturm wurde am 1. Oktober 1874 nach dem Entzünden seiner Lichtquelle, die zunächst aus einer Petroleumlampe mit fünf konzentrischen zueinander stehenden Dochten bestand, offiziell als festes Schifffahrtszeichen der Insel Norderney eingeweiht. Damit wurde die rund 80 Kilometer lange Lücke von Leuchtfeuern auf den Ostfriesischen Inseln und der südlichen Deutschen Bucht geschlossen. Durch die Errichtung und Inbetriebnahme des Norderneyer Leuchtturms wurde der Abstand der Leuchtfeuer verringert, wodurch die Sicherheit des Schiffsverkehrs vor der deutschen Küste erhöht wurde. Der Leuchtturm löste das im Jahr 1849 errichtete Kap als offizielles Erkennungszeichen der Insel für die Seefahrt ab.

In der Bekanntmachung für Seefahrer, die nach der Fertigstellung des Turms durch den Bauinspektor Adolf Tolle am 4. August 1874 veröffentlicht wurde heißt es:

„Norderney, auf dem nördlichen Ende der großen Düne, südöstlich von den sogenannten weißen Dünen. Ein weißes Funkelfeuer mit Blinken von 10 zu 10 Sekunden, den ganzen Horizont beleuchtend. Fresnel'scher Linsenapparat I. Ordnung, 24-teilig, Brenner Nr. 5 mit 5 Dochten. Mineralöl, Verbrennung 1150 g/Std, 4500 kg pro Jahr. Feuerhöhe 59,6 m, Höhe des Leuchtfeuergebäudes 53,75 m über Erdboden. Turm von roten Ziegelsteinen im Rohbau mit Sandstein-Gesimsabdeckungen. Der quadratische Unterbau ist 13,27 m, der achteckige Hauptteil 30,41 m. Der runde Tambourmauer 3,0 m, der ganze Bau 4,7 m über dem Erdboden hoch. Auf dem Krönungsgesims eisernes Geländer um die Galerie. Über der Tambourmauer von 5 m Durchmesser die 5,3 m hohe Laterne, an ihren 16 Seitenflächen weiß verglast und in Halbkugelform den Turm abschließend. Darüber eine Kugel von 0,75 m Durchmesser mit Spitze, zusammen 1,75 m hoch. Südwestlich vom Turm Wohnhaus aus roten Ziegelsteinen im Rohbau mit roten Ziegeln eingedeckt. Dasselbe enthält ein Souterain und 2 Geschosse. Östlich vom Wohngebäude ein Stall aus roten Ziegelsteinen im Rohbau. Höhe des Feuers über H.W. 59,4 m, Höhe des Turmes über dem Erdboden 53,75 m. Es sind 3 Wärter vorhanden. In dem Wärterhaus neben dem Leuchtturm wird eine Telegrafenstation eingerichtet werden.“

– Bekanntmachung für Seefahrer, Die Schifffahrtszeichen an der deutschen Küste[12][13]

Der Leuchtturm seit dem 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Seit seiner Entzündung sandte das Leuchtfeuer sechs Blinke in der Minute (Zeitmaß: Blink von zwei Sekunden, acht Sekunden Pause, Wiederkehr nach zehn Sekunden)[14] über 21 Seemeilen. Bei Inbetriebnahme des Feuers im Jahr 1874 wurde ein fünfdochtige Petroleumlampe mit einer Lichtstärke von 21.500 Hefnerkerzen (HK) verwendet, die täglich 25 Pfund Petroleum verbrauchte. Diese auch Faquhar'sche Lampe genannte Lampenart wurde zu dieser Zeit häufig als Lichtquelle von Leuchttürmen verwendet.[15] Nachdem das Petroleumfeuer 1910 gegen ein Petroleumglühlicht als Lichtquelle getauscht wurde, erhöhte sich die Lichtstärke des Feuers auf 45.000 HK. Bereits im Jahr 1930 wurde das Petroleumglühlicht gelöscht und die Lichtquelle auf eine elektrische Glühlampe mit einer Leistung von 1000 Watt/220 Volt, 45.000 HK (ab 1938 2000 Watt/220 Volt, 170.000 HK) umgestellt, nachdem der Turm an das Stromnetz der Insel angeschlossen worden war. Bis 1958 diente ein mit Flüssiggas betriebener Glühstrumpf als Ersatzlichtquelle, der auf 49.000 HK kam. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Leuchtfeuer der Leuchttürme und Feuerschiffe vor der deutschen Küste abgeschaltet. Der Norderneyer Leuchtturm wurde von den alliierten Bomberverbänden während der Bombenangriffe auf die Ostfriesischen Inseln nicht zerstört, da er als Tagessichtmarke und Navigationspunkt diente. Vor der Elektrifizierung der Drehmechanik erfolgte die Drehung der Optik bis in das Jahr 1959 durch ein im Turmschacht aufgehängtes Gewicht von 3,5 bis 4 Zentnern (175 bis 200 Kilogramm), welches täglich durch die bis zu drei angestellten Leuchtturmwärter mithilfe einer Winde von Hand aufgezogen werden musste. Im Zuge der allgemeinen Modernisierung der Leuchtfeuer an den deutschen Küsten wurde am 19. Juli 1976 die Kennung des Leuchtturms nach dem Einbau einer Halogendampflampe geändert.[14] Seitdem wird alle 12 Sekunden eine Gruppe von drei Blitzen ausgesandt. Die Blitzkennung lautet (Blz.(3) 12 s).[10][16][17] Dies ergibt 15 Blitze in der Minute nach dem Zeitmaß von drei Blitzen mit je 0,2 Sekunden Dauer, gefolgt von einer kurzen Pause von je 2,8 Sekunden. Nach dieser Blitzfolge tritt eine längere Pause von 5,8 Sekunden ein. Die Wiederkehr des nächsten Blitzes erfolgt somit nach 12 Sekunden.[14] Seit 1981 wird der Betrieb des Turms nicht mehr von Leuchtturmwärtern sichergestellt. Von der Verkehrszentrale Ems an der Knock bei Emden wird er seitdem vollautomatisch ferngesteuert und überwacht.

Modernisierung und Sanierung[Bearbeiten]

Aufgrund der vorherrschenden Witterungsbedingungen wurde der Turm in den Jahren 1936, 1951 und 1957 durch Außenanstriche neu imprägniert, bevor 1975 eine erste gründliche Restaurierung erforderlich wurde.[19] Nachdem der Turm im Jahr 1930 an das örtliche Stromnetz angeschlossen wurde, um die Petroleumlampe durch eine Glühlampe zu ersetzen, wurde 1958 ein Notstromaggregat eingebaut.[5]

Instandsetzungsarbeiten von 2003 bis 2006[Bearbeiten]

Bei einer weiteren Bauwerksprüfung Anfang des 21. Jahrhunderts wurden gravierende Schäden festgestellt, die auf Feuchtigkeit zurückzuführen waren. Die Schäden waren so stark, dass sie eine grundsätzliche Bausubstanzerhaltung nach sich zogen. Vom Jahr 2003 wurde der Leuchtturm daraufhin jeweilig in den Monaten März bis Oktober mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 600.000 Euro bis in das Jahr 2006 aufwendig in fünf Stadien restauriert. Zunächst wurde damit begonnen, das äußere, aus Ziegeln und hartem Mörtel bestehende Mauerwerk, das nach 129 Jahren durch Wind und Wetter verwittert und durch Risse zerstört war, vor allem im Bereich des Sockels großflächig zu sanieren und gegen aufkommende Feuchtigkeitsschäden zu imprägnieren. Die weiteren Stadien waren das anschließende Verfugen des äußeren Mauerwerks mit neuem Mörtel, die Sanierung der Fenster und der Eingangstür sowie die Sanierung und Verfugung des inneren Mauerwerks. Außerdem wurden das Dach und der Turmkopf restauriert und die Brandschutzmaßnahmen auf einen aktuellen Stand gebracht.

Der Leuchtapparat wurde im Zuge der allgemeinen Sanierung und Modernisierung am 23. März 2004 mit einer 400 Watt starken Halogendampflampe versehen. Diese Halogendampflampe vergrößert unter anderem die Wartungsintervalle, da sie darüber hinaus in einem automatischen Lampenwechsler verbaut ist.[20] Fällt eine Lampe aus, so schaltet sich die zweite automatisch ein. Die gebündelte Lichtstärke der Halogendampflampe beträgt 496.000 cd, der Lichtstrahl ist 20,7 Seemeilen weit auszumachen.[1]

Technische Ausstattung[Bearbeiten]

Laterne und Optik[Bearbeiten]

Ein nach den Plänen des französischen Ingenieurs Augustin Jean Fresnel entworfener 2,5 m hoher und 3,5 Tonnen schwerer Fresnelscher Linsenapparat wurde in das 5,3 m hohe Laternenhaus des Leuchtturms eingesetzt.[2] Das Laternenhaus bildet den Turmkopf und ist an seinen 16 Glasflächen durchgehend klar verglast. Auf seiner äußeren Seite ist es mit einem Schutzgitter aus Metall versehen, das die Beschädigung der Glasflächen oder des dahinter stehenden Linsenapparates durch Vogelschlag verhindern soll. Auf dem Laternenhaus ist ein kupfernes Kuppeldach mit einer kugelförmigen Spitze aufgesetzt. Diese Kugelspitze ist mit Löchern verstehen, die der Luftzirkulation dienten, als sich im Laternenhaus noch eine Petroleumlampe befand. Der Linsenapparat im Wert von 67.050 Goldmark[9] ist auf einem kugelgelagerten Tisch montiert und ist linksdrehend. Er dient zur Verstärkung und Bündelung des Lichtes aus der in der Mitte der Optik installierten Lichtquelle. Innerhalb von 72 Sekunden dreht sich die Drehlinsenoptik um sich selbst. Somit beträgt die Umlaufgeschwindigkeit der Drehlinse 5 Grad pro Sekunde ( \frac {360}{72}).[21]

Die durch die Optik stark gebündelten Lichtstrahlen haben eine Nenntragweite von 23 Seemeilen (42,6 Kilometer). Der gesamte Linsenapparat hat einen Durchmesser von 1,85 Metern. Die 24 Linsenfelder, von denen jedes vierte abgedeckt ist, bestehen aus 1008 Prismen und 24 Plankonvexlinsen. Dabei hat jedes Linsenfeld eine Plankonvexlinse und je acht dioptrische (nur brechende) Prismen oberhalb und unterhalb von ihr. Außerdem befinden sich im Feld acht katadioptrische (brechende und reflektierende) Prismen unterhalb und 18 katadioptrische Prismen oberhalb der Diopter.

Mit einer Brennweite von 920 Millimetern gehört der Linsenapparat zur 1. Ordnung.[22] Die Ordnungszahl gibt dabei die Entfernung der Linse zum Leuchtkörper an.[23] Insgesamt besteht die 3,5 Tonnen schwere Linsen-Konstruktion, die aufgrund ihrer Form als Scheinwerferoptik bezeichnet wird, aus 1032 Prismen und Linsen. Die gesamte leuchtfeuertechnische Einrichtung wurde von der in Paris ansässigen Firma Sautter – Lemonier & Cie. gefertigt und als Reparationsleistung des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/71 geliefert.[24]

Antennentechnik[Bearbeiten]

Der Leuchtturm ist seit den Sanierungsarbeiten im Jahr 2006 mit zwei nach Norden gerichteten Antennen versehen, die an der Nordseite der Laterne am Turmkopf angebracht wurden. Diese Antennen ermöglichen sowohl Empfang als auch das Senden von AIS-Daten. Weitere installierte Antennen-, Sende- und Empfangseinrichtungen sind ein oberhalb des Lampenraums angebrachter Datensender für den Pegeldatenfunk der Wasserstandsdatenfernübertragung (WDFÜ) sowie eine Rundstrahlantenne für die Kommunikation der DGzRS-Seenotrettungskreuzer. Auf etwa halber Turmhöhe sind kreisförmig angeordnete GSM-Antennen für das D-Netz angebracht. Neben den Arbeiten am Turm selbst wurde der Vorplatz und die Rampe neu gepflastert.[25]

Im Mai 2012 wurden zwei zusätzliche Richtfunksysteme für breitbandige Datenübertragung installiert. Der östlich montierte Parabolspiegel ist für die Datenverbindung zwischen Norderney und Wangerooge zuständig und die beiden westlich angebauten Parabolantennen arbeiten im Raumdiversity-Verfahren, um die Richtfunkstrecke zwischen Norderney und Borkum aufzubauen. Diese Antennen sind doppelt ausgelegt, um Ausfälle zu kompensieren.[26]

Sonstiges[Bearbeiten]

Gegen Eintrittsgeld kann der Turm seit April 2006 bestiegen[1] und während der Monate April bis Oktober bei gutem Wetter als Aussichtspunkt genutzt werden. Die jährliche Besucherzahl liegt bei etwa 40.000. An klaren Tagen mit guter Fernsicht können von der umzäunten Galerie unterhalb der Turmspitze im Westen die Inseln Juist und Borkum sowie die Emsmündung mit Eemshaven in der niederländischen Provinz Groningen und im Osten die Inseln Langeoog mit seinem Wasserturm und Spiekeroog mit bloßem Auge ausgemacht werden.

Der Kunstmaler Ole West, der selbst bis Ende 2008 auf Norderney lebte, hat den Leuchtturm und dessen Umgebung häufig als Motiv seiner Bilder gewählt, die er hauptsächlich auf Seekarten malte.

Philatelie[Bearbeiten]

Am 2. Juli 2009 gab die Post eine Sonderbriefmarke mit dem Bild des Norderneyer Leuchtturms im Wert von 45 Cent in der Serie Leuchttürme heraus.[27] Die Gesamtauflage der Briefmarke beträgt 12,3 Millionen Exemplare.[28] Der Entwurf für das Postwertzeichen stammt von Professor Johannes Graf aus Dortmund. Die Ersttagsstempel der Stempelstellen Berlin und Bonn und Norderney waren verfügbar.[29]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Otto Franzius, Wasser- und Schiffahrtsamt Emden (WSA) (Hrsg.): 100 Jahre Leuchtturm Norderney 1874 – 1974. Selbstverlag, 1974.
  •  Birgit Toussaint, Frank Toussaint, Matthias Hünsch: Leuchttürme an der deutschen Nordseeküste. Edition Maritim, Bielefeld 2009, ISBN 3-89225-606-3.
  •  Birgit Toussaint, Frank Toussaint, Matthias Hünsch: Deutsche Leuchtfeuer: Alle Leuchttürme unserer Küsten. Edition Maritim, Bielefeld 2005, ISBN 3-89225-530-X.
Bildbände
  •  Reinhard Scheiblich, Hans Helge Staack: Leuchttürme-Lexikon. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2004, ISBN 3-8319-0038-8.
  •  Uwe Schnall: Leuchttürme an deutschen Küsten. Eine Bildreise. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 1999, ISBN 3-89234-521-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leuchtturm Norderney – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Bilder der Technik und des Leuchtturms Norderney. Wasser- und Schifffahrtsamt Emden (Außenbezirk Emden). 17. Mai 2009. Abgerufen am 5. September 2009.
  • Leuchtturm Norderney. Wasser- und Schifffahrtsamt Emden (Außenbezirk Emden). 25. Januar 2011. Abgerufen am 22. Juni 2012.
  • Leuchtturm Norderney. Bundesanstalt für Wasserbau. Abgerufen am 19. Oktober 2014: „Bild des Leuchtturms aus dem Jahr 1999 ohne installierte Antennentechnik“

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Anfrage über Online-Formular an die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) – Wasser- und Schifffahrtsamt Emden (WSA Außenbezirk Emden)
  2. a b c Leuchtturm Norderney. Wasser- und Schifffahrtsamt Emden (Außenbezirk Emden). 25. Januar 2011. Abgerufen am 22. Juni 2012.
  3. Natur erleben in Niedersachsen - Nationale Naturlandschaften. Niedersächsisches Ministerium für Umwelt und Klimaschutz. Abgerufen am 5. September 2009.
  4.  Arend Wilhelm Lang, Bundesministerium für Verkehr (Hrsg.): Geschichte des Seezeichenwesens. Entwicklung, Aufbau und Verwaltung des Seezeichenwesens an der deutschen Nordseeküste bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Bonn 1965, Die Seezeichen, S. 23.
  5. a b c d Manfred Schüler: Deutsche Leuchtfeuer - Norderney. In: Deutsche Leuchtfeuer. 20. Juli 2007. Abgerufen am 5. September 2009.
  6. Thorsten Solmecke und Ulrich Sengebusch: Leuchtturm Norderney. 1. September 2009. Archiviert vom Original am 13. August 2010. Abgerufen am 5. September 2009.
  7. a b  Otto Franzius, Wasser- und Schiffahrtsamt Emden (WSA) (Hrsg.): 100 Jahre Leuchtturm Norderney 1874 – 1974. Selbstverlag, 1974, S. 5.
  8.  Arend Wilhelm Lang, Bundesministerium für Verkehr (Hrsg.): Geschichte des Seezeichenwesens. Entwicklung, Aufbau und Verwaltung des Seezeichenwesens an der deutschen Nordseeküste bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Bonn 1965, S. 108.
  9. a b Werner Strüp: Die Fahrt zum Leuchtturm. Verkehrsverein Norderney e.V. 23. Mai 2008. Abgerufen am 13. September 2009.
  10. a b Leuchtturm Norderney. Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) – Wasser- und Schifffahrtsamt Emden (WSA Außenbezirk Emden). Abgerufen am 10. Januar 2009.
  11.  Otto Franzius, Wasser- und Schiffahrtsamt Emden (WSA) (Hrsg.): 100 Jahre Leuchtturm Norderney 1874 – 1974. Selbstverlag, 1974, S. 9 ff..
  12.  Manfred Bätje: Norderney entdecken. In: Stadt Norderney (Hrsg.): Das Historische Schaufenster - Ein Streifzug durch die Geschichte und Kultur der Insel und des Nordseeheilbades Norderney. 2 Auflage. Selbstverlag, Norderney 2004.
  13.  Otto Franzius, Wasser- und Schiffahrtsamt Emden (WSA) (Hrsg.): 100 Jahre Leuchtturm Norderney 1874 – 1974. Selbstverlag, 1974, S. 12 ff..
  14. a b c Hans-Helmut Barty: Weihnachtsausgabe Badekurier 1976. 10. September 2014. Abgerufen am 17. Oktober 2014.
  15.  Otto Franzius, Wasser- und Schiffahrtsamt Emden (WSA) (Hrsg.): 100 Jahre Leuchtturm Norderney 1874 – 1974. Selbstverlag, 1974, S. 18.
  16. Daten des Norderneyer Leuchtturms. In: leuchtturm-atlas.de. Abgerufen am 23. September 2012.
  17. Elektronischer Wasserstraßen-Informationsservice (ELWIS) – Anlage 8, Bezeichnung der Wasserstraße. Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV). Abgerufen am 23. September 2012.
  18.  Heino Comien, Heimatverein Baltrum (Hrsg.): Die Inselglocke. 04/2005, Baltrum 2005, Der Norderneyer Leuchtturm, S. 8–9 (Online PDF 1,77 MB, abgerufen am 19. Oktober 2014).
  19.  Friedrich-Karl Zemke: Deutsche Leuchttürme einst und jetzt. 3 Auflage. Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2000, ISBN 3-7822-0769-6, S. 78.
  20. Modernisierung der leuchtfeuertechnischen Einrichtung des Leuchtturms Norderney (WSA Emden). Wasser und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Abgerufen am 17. Oktober 2014.
  21. Erich Hartmann: Leuchtturm Norderney. Erich Hartmann. 13. April 2014. Abgerufen am 2. Juni 2014.
  22. Informationen zur Modernisierung des Lampenapparates. Fachstelle der Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) für Verkehrstechniken (FVT). Abgerufen am 10. Januar 2009.
  23. Informationen zur Leuchtturm-Technik. In: luechthuus.de. Archiviert vom Original am 3. November 2013. Abgerufen am 10. Januar 2009.
  24. Daten und Bilder zum Leuchtturm Norderney. In: leuchtturm-welt.de. Abgerufen am 10. Januar 2009.
  25. SEHwürdig, Der Leuchtturm. Stadt Norderney. Abgerufen am 7. April 2013.
  26. Sicherheit für die Schifffahrt. Norderneyer Morgen Online. 23. Mai 2012. Abgerufen am 21. Juli 2015.
  27.  Reinhard de Boer, Martin Boekhoff: Erstausgabe Briefmarke Leuchtturm Norderney. 11. Januar 2010 (Online-Ausgabe PDF; 224 KB).
  28.  Leuchtturm Norderney als Sonderbriefmarke. In: Ostfriesischer Kurier. 3. Juli 2009, S. 9 (Online-Ausgabe JPEG-Grafik; 947 KB).
  29.  Deutsche Post Philatelie (Hrsg.): Postfrisch – Das Philatelie Journal. Juli/August 2009.
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