Leutasch

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Leutasch (Begriffsklärung) aufgeführt.
Leutasch
Wappen von Leutasch
Leutasch (Österreich)
Leutasch
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Innsbruck Land
Kfz-Kennzeichen: IL
Fläche: 103,14 km²
Koordinaten: 47° 22′ N, 11° 9′ O47.36666666666711.151136Koordinaten: 47° 22′ 0″ N, 11° 9′ 0″ O
Höhe: 1136 m ü. A.
Einwohner: 2.201 (1. Jän. 2013)
Bevölkerungsdichte: 21 Einw. pro km²
Postleitzahl: 6105
Vorwahl: 05214
Gemeindekennziffer: 7 03 26
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchplatzl 128a
6105 Leutasch
Website: www.leutasch.at
Politik
Bürgermeister: Thomas Mößmer
Lage der Gemeinde Leutasch im Bezirk Innsbruck Land
Absam Aldrans Ampass Axams Baumkirchen Birgitz Ellbögen Flaurling Fritzens Fulpmes Gnadenwald Götzens Gries am Brenner Gries im Sellrain Grinzens Gschnitz Hall in Tirol Hatting Inzing Kematen Innsbruck Kolsass Kolsassberg Lans Leutasch Matrei am Brenner Mieders Mils Mühlbachl Mutters Natters Navis Neustift im Stubaital Oberhofen im Inntal Obernberg am Brenner Oberperfuss Patsch Pettnau Pfaffenhofen Pfons Polling in Tirol Ranggen Reith bei Seefeld Rinn Rum St. Sigmund im Sellrain Scharnitz Schmirn Schönberg im Stubaital Seefeld Sellrain Sistrans Steinach am Brenner Telfes im Stubai Telfs Thaur Trins Tulfes Unterperfuss Vals Völs Volders Wattenberg Wattens Wildermieming Zirl TirolLage der Gemeinde Leutasch im Bezirk Innsbruck Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Hohe Munde, Gaistal, Leutasch und Wettersteingebirge, vorn Seefelder Plateau
Hohe Munde, Gaistal, Leutasch und Wettersteingebirge, vorn Seefelder Plateau
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
Leutaschtal und Ostflanke der Hohen Munde, rechts Eingang in das Gaistal

Leutasch ist eine Gemeinde mit 2201 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2013) im Bezirk Innsbruck Land in Tirol (Österreich). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Innsbruck. Leutasch ist heute als Wintersportort für seine kilometerlangen Skilanglaufloipen bekannt.

Geographie[Bearbeiten]

Der Ort liegt im Leutaschtal, einem Hochtal, das sich über 16 km von der Hohen Munde nach Nordosten am Wettersteingebirge entlang erstreckt und in der Leutaschklamm endet, die bei Mittenwald die Grenze zu Bayern bildet. Umrahmt wird das Tal von weiteren markanten Gipfeln wie dem Hochwanner, der Dreitorspitze und der Arnspitze. Das Tal ist eine große, von eiszeitlichen Gletschern geformte Felswanne, gefüllt mit Schotter und Seesedimenten. Es wird von der Leutascher Ache durchflossen. Das Gaistal führt zwischen Wetterstein und Mieminger Gebirge nach Westen zur Ehrwalder Alm.

Leutasch ist nach Süden vor dem warmen Föhn geschützt und nach Norden vor der Kälte durch den Wetterstein. Vom Westen her haben Schneewolken durch das Gaistal leichten Zugang. Dadurch ist die Leutasch sehr schneesicher, bei gleichzeitig mildem Sommerklima.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Garmisch-Partenkirchen (Lkr. Garmisch-Partenkirchen, BY, DE) Mittenwald (Lkr. Garmisch-Partenkirchen, BY, DE)
Wildermieming Nachbargemeinden Scharnitz
Telfs Seefeld in Tirol

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Leutasch hat eine etwas unübliche Gemeindegliederung. Gemeinhin werden im ländlichen Raum in Österreich die Adressbereiche als Ortschaften bezeichnet. Für Leutasch wird nur eine Ortschaft ausgewiesen, trotzdem finden sich 25 unterschiedliche Adressen, die die Orte der Gemeinde darstellen.[1] Allgemein gliedert sich die Gemeinde in drei Teile:

Einen Hauptort gibt es keinen ausdrücklichen, Gemeindesitz ist in Kirchplatzl, welcher auch mit ‚Leutasch‘ beziehungsweise ‚Oberleutasch‘ gleichgesetzt wird (oder umgekehrt der Ortsname ‚Leutasch‘ mit dem ganzen Gemeindeteil Oberleutasch). Am Kirchplatzl findet sich auch die Pfarrkirche Oberleutasch, die zweite Pfarre und Pfarrkirche der Gemeinde, Unterleutasch, befindet sich in Unterkirchen. Der Ortsteil Weidach bildet das touristische Zentrum

Geschichte[Bearbeiten]

Es gibt keine Belege für eine menschliche Besiedlung des Leutascher Gemeindegebiets vor der Mitte des 12. Jahrhunderts. Erstmals schriftlich erwähnt wird das Gebiet am Fluss Leutasch 1278 im Zusammenhang mit einer Stiftung des bayrischen Edelfreien Bernhard von Hausen an das oberbayerische Augustiner-Chorherrenstift Polling bei Weilheim. Etwa zur selben Zeit kommt auch das Stift Wilten zu Besitzungen und Rechten in diesem Gebiet, dessen Tallagen in dieser Zeit wohl noch vollständig bewaldet sind. Bald entstehen auf gerodeten Flächen erste Gehöfte und Bauerngüter.

Im Jahr 1294 verkauft der kinderlos gebliebene Graf Berchtold III. von Eschenlohe seine Grafschaften Mittenwald und Partenkirchen mitsamt dem Wetterstein an den Bischof von Freising, dessen Bistum damit zum Hochstift aufsteigt. Das Hochstift Freising fasst die neuerworbenen Grafschaften mit dem bereits 1249 erworbenen predium Garmisch zur Grafschaft Werdenfels zusammen. Aus einer ersten Grenzbeschreibung von 1305 geht hervor, dass ein Teil des Leutaschtals zur Grafschaft Werdenfels gehört.[2]

Im Jahre 1312 erwirbt Herzog Heinrich von Kärnten und Graf von Tirol Besitzungen in der Leutasch. 1338 lässt er am Talanfang oberhalb der Leutaschklamm, 300 m östlich der späteren Leutascher Schanze, eine Burg errichten, mit Vor- und Hauptburg sowie umlaufendem Wassergraben in quadratischer Anlage. In ihrem Schutz eignet sich Tirol weiteren Grundbesitz an, das Leutaschtal geht 1500 an Tirol.[3][4]

Die weitere Besiedlung des Leutascher Tals erfolgt langsam aber stetig, sodass 1775 ungefähr 800 Personen das Tal bewohnen und die Einwohnerzahl Leutaschs bei einer amtlichen Zählung im Jahr 1826 mit 945 angegeben wird. Auch der Kreis der Grundherren hat sich im Laufe der Zeit um den Tiroler Landesfürsten und das Stift Stams erweitert. Diese Grundherrschaften werden – wie in ganz Österreich – im Zuge der Revolution von 1848/49 aufgehoben.[5]

Obwohl das Leutaschtal abseits der Hauptverkehrswege liegt, ist es mehrmals von kriegerischen Handlungen betroffen:

  • Während des Dreißigjährigen Krieges kommt es in Leutasch und der Nachbargemeinde Seefeld zu größeren Plünderungen, während das restliche Tirol fast vollständig verschont bleibt.[6]
  • Während des Bayrischen Rummels, des kriegerischen Einfalls bayerischer Truppen in Tirol im Jahr 1703 im Zuges des Spanischen Erbfolgekrieges, umgehen bayerische Truppen über einen Gebirgssteig am Grünkopf – den später sogenannten Franzosensteig – die Tiroler Befestigungsanlagen der Porta Claudia am Scharnitzpass und am Beginn des Leutaschtals (Leutascher Schanz), die die Zugänge von Norden über Mittenwald nach Tirol sichern, und gewinnen so, durch Leutasch und Seefeld ziehend, den Zugang nach Tirol.[7] Im Verlauf des Jahres 1703 kommt es zu weiteren Kampfhandlungen im Bereich der Passbefestigungen bei Scharnitz und Leutasch.[8]
  • Während des Feldzuges Napoléons gegen Österreich im Jahr 1805 (3. Koalitionskrieg) belagern die französischen Truppen, von Norden kommend, die Pässe Scharnitz und Leutasch. Dem Vorbild der bayerischen Truppen hundert Jahre zuvor folgend, gelangen sie, von ortskundigen Mittenwaldern geführt, über den Franzosensteig nach Leutasch und können über Seefeld den Scharnitzpass erobern.[9]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Historische Ansichten[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Die letzten Bürgermeisterwahlen fanden gleichzeitig mit den Gemeinderatswahlen am 14. März 2010 statt.[10]

Thomas Mößmer wurde zum Bürgermeister und Johann Stocker zum Vizebürgermeister gewählt.

Partei Prozent Stimmen Sitze im Gemeinderat Koppelung
Gemeinsame Leutaschtaler Bürgerliste mit Bürgermeister Thomas Mößmer 39,54% 497 5
Zukunft für Leutasch 32,86% 413 4
Leutasch bewegen - Familie, Tourismus, Gewerbe 27,61% 347 4

Wappen[Bearbeiten]

Wappen at leutasch.png

Wappenbeschreibung:

In Grün ein goldener halber Hirsch.

Die Farben der Gemeindefahne sind gelb-grün.
Verliehen wurde das Wappen am 25. November 1981. Es „erinnert an den historischen Wild- und Waldreichtum der Gemeinde und an das bayerische Kloster Polling, das seit der Schenkung des Edelfreien Bernhard von Husen im Jahre 1178 durch Jahrhunderte eine bedeutende Grundherrschaft der Leutasch war.“[11]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Ortsteil Weidach bildet das touristische Zentrum, mit der Straße nach Seefeld, weiters gibt es eine Straßenverbindung nach Telfs in das Inntal und eine weitere nach Mittenwald.

Tourismus[Bearbeiten]

Die Gemeinde gehört zur Tourismusregion Olympiaregion Seefeld.

Leutasch hat sich seit den 1960er Jahren zu einer ruhigen Ferienregion entwickelt, die mit ihrem dörflichen Charakter vor allem auf Familien mit Kindern und Senioren abzielt. Im Winter werden ausgedehnte Langlaufloipen angelegt. Zum Langlaufen stehen insgesamt 279 km Loipen der Olympiaregion Seefeld[12] bereit. Das alpine Schilaufen ist am Katzenkopf (1.360 Meter hoch) möglich, dort stehen ein 3er Sessellift und 4 Schlepplifte zur Verfügung.[13] Leutasch verfügt heute über 10 Hotels und zahlreiche Pensionen, Ferienwohnungen und Appartementhäuser sowie mehrere Restaurants und Gaststätten.

Kulturlandschaft[Bearbeiten]

Die Besiedelung erstreckt sich entlang der Straße in zahlreichen Weilern. Leutasch war viel stärker von der Landwirtschaft geprägt als die Nachbarregion um Seefeld und konnte daher eine Kulturlandschaft aus Wiesen und Weiden mit Feuchtgebieten bis in die Gegenwart herüberretten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswert in Leutasch sind mit barocker Lüftlmalerei verzierte Häuser.

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Leutasch

Die Leutaschklamm ist seit August 2005 mit einem gesicherten Fußweg begehbar ausgebaut.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Leutasch ist mit dem Namen des Heimatschriftstellers Ludwig Ganghofer verbunden, der im Gaistal ein Jagdhaus hatte. Das Gaistal inspirierte ihn zu Landschaftsschilderungen und Jagdszenen. Heute erinnert an ihn das Ganghofermuseum in Leutasch.

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard Olt: Leutasch in Tirol - Eine Ortschronik. Nach Vorarbeiten von Ludwig Lotter und Aufzeichnungen von Josef Franckenstein, Alfons Heis, Matthias Reindl und Josef Ringler im Auftrag der Gemeinde Leutasch aus Anlaß der 800-Jahr-Feier der Weihe der St.-Magdalena-Kirche. Selbstverlag d. Gemeinde, Leutasch 1990 (Weblink, leutasch.at).
  • Carl Baur: Der Krieg in Tirol während des Feldzugs von 1809, mit besonderer Hinsicht auf das Corps des Obersten Grafen von Arco. Mit Anmerkungen über die Natur des Krieges in diesem Gebirgslande nebst einer Charte des Kriegsschauplatzes. München 1812 (Weblink, books.google.de).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leutasch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Leutasch – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zahlen und Fakten, leutasch.at, dort als Weiler genannt.
  2. Vgl. Geographie der Grafschaft Werdenfels
  3. Christian Scheffler: Zeittafel zur Geschichte im Werdenfelser Land und allgemeiner Ereignisse, 739-1945 (Weblink; PDF; 215 kB).
  4. Christian Scheffler: Burgen und Schanzen in Werdenfels und Umgebung (Weblink; PDF; 77 kB).
  5. Geschichte: Ein kleiner Einblick in die Geschichte unseres Tales, leutasch.at
  6. Vgl. Geschichte Tirols zur Neuzeit
  7. members.aon.at/baerenwirt_leutasch/leutasch.html
  8. Der Boarische Rummel von 1703, www.andreas-hofer-bund.de
  9. Vgl. Belagerung der Porta Claudia 1805
  10. Gemeinderatswahl 2010, Gemeinde Leutasch, wahlen.tirol.gv.at
  11. Zahlen und Fakten: Gemeindewappen, leutasch.at
  12. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/olympiaregion-seefeld-die-ganz-grosse-schleife-a-455770.html
  13. http://www.skigebiet-kreithlift-leutasch.com/skigebiet-info/ueberblick.html