Leutenberg

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Leutenberg
Leutenberg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Leutenberg hervorgehoben
Koordinaten: 50° 34′ N, 11° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Saalfeld-Rudolstadt
Höhe: 300 m ü. NHN
Fläche: 57,17 km²
Einwohner: 2156 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 38 Einwohner je km²
Postleitzahl: 07338
Vorwahl: 036734
Kfz-Kennzeichen: SLF, RU
Gemeindeschlüssel: 16 0 73 106
Stadtgliederung: 12 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
07338 Leutenberg
Webpräsenz: www.leutenberg.de
Bürgermeister: Robert Geheeb (Freie Wähler)
Lage der Stadt Leutenberg im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
Allendorf Altenbeuthen Bad Blankenburg Bechstedt Cursdorf Deesbach Döschnitz Dröbischau Drognitz Gräfenthal Hohenwarte Kamsdorf Katzhütte Kaulsdorf (Saale) Königsee-Rottenbach Lehesten Leutenberg Lichte Mellenbach-Glasbach Meura Meuselbach-Schwarzmühle Oberhain Oberweißbach/Thüringer Wald Piesau Probstzella Reichmannsdorf Remda-Teichel Rohrbach Königsee-Rottenbach Rudolstadt Saalfeld/Saale Saalfelder Höhe Schmiedefeld (Lichtetal) Schwarzburg Sitzendorf Uhlstädt-Kirchhasel Unterweißbach Unterwellenborn Wittgendorf ThüringenKarte
Über dieses Bild

Leutenberg ist eine Landstadt im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen, genannt „Stadt der sieben Täler“.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leutenberg liegt an der Sormitz, einem Nebenfluss der Loquitz, inmitten des Naturparks Thüringer Schiefergebirge-Obere Saale.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt gliedert sich in insgesamt neun Ortsteile:

Darüber hinaus gibt es auf dem Gebiet der heutigen Stadt Leutenberg folgende Ortslagen, die nicht den Status Ortsteil besitzen:

Hirschweg Pavillon am Hang oberhalb des Weges
Marktplatz mit Stadtkirche
Rathaus
Denkmalensemble "Scheunenreihe südlich der Wurzbacher Straße"

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde 1187 als Lutenberg erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 1208 wurde die Provinz Saalfeld von König Otto IV. an Schwarzburg gegeben. Darunter befand sich vermutlich auch Leutenberg, ohne jedoch explizit erwähnt zu werden.

Die damals gleichnamige Burg liegt hoch über dem Tal der Sormitz nordöstlich des Stadtzentrums von Leutenberg. Sie wurde strategisch günstig auf einem spornartigen Bergkopf über dem Tal errichtet. Gebaut wurde sie von den Herren von Leutenberg. Sie werden ab 1187 amtlich benannt. Im 13. Jahrhundert sind die Grafen von Schwarzburg Besitzer, da Burg und Land vom König Otto IV. als Reichslehen übergeben wurden.

Im Jahr 1326 wird erstmals in einer Urkunde von der Stadt Luthenberg gesprochen. 1395 wurde im mitteldeutschen Raum in Leutenberg das letzte Dominikanerkloster gebaut.[2] Von 1362 bis 1564 war die Stadt und Veste dann Sitz einer eigenen Linie der Schwarzburger: Schwarzburg-Leutenberg. Die Grafen von Gleichen belagerten die Bastion 1447 vergeblich. Die Beendigung der ständigen Erbstreitigkeiten zwischen den Schwarzburgern und Grafen von Orlamünde wurde in Leutenberg besiegelt, seitdem wird die Burg "Friedensburg" genannt. Erstmals lässt sich der Name Friedensburg um 1564 nachweisen. Sie brannte 1567 und nochmals 1934 aus und wurde stets wieder aufgebaut. Jetzt residiert ein Fachkrankenhaus für Dermatologie in der gut erhaltenen Anlage.[3][4][5]

Am 8. Oktober 1564 erlosch mit dem Tod von Graf Philipp I. von Schwarzburg-Leutenberg die Linie der Schwarzburg-Leutenberger und die Stadt fiel an Schwarzburg-Rudolstadt. Sie gehörte bis 1697 zur Oberherrschaft dieser Grafschaft und ab da bis 1918 zum gleichnamigen Fürstentum.

Während des Zweiten Weltkriegs bestand in Leutenberg ein KLV-Lager, das im Rahmen der Kinderlandverschickung u.a. von Schülern aus Düsseldorf bewohnt wurde. Dazu entstanden in drei Leutenberger Gasthöfen Unterbringungsmöglichkeiten: In der Garküche, in der Unteren Friedensburg und im Leutenberger Hof. [6]

Seitdem war Leutenberg Teil des Landkreises Saalfeld. Seit der Bildung des neuen Landkreises Saalfeld-Rudolstadt am 1. Juli 1994 (zunächst unter dem Namen Schwarza-Kreis) gehört Leutenberg diesem an.

Die heutige Einheitsgemeinde "Stadt Leutenberg" wurde mit dem Thüringer Gesetz zur Neugliederung kreisangehöriger Gemeinden (Thüringer Gemeindeneugliederungsgesetz - ThürGNGG -) vom 23. Dezember 1996 gegründet (§ 22).[7] und[8] Dafür wurde die aus der Stadt Leutenberg und den Gemeinden Altenbeuthen, Dorfilm, Drognitz, Hirzbach, Landsendorf, Munschwitz, Neuenbeuthen, Reitzengeschwenda, Schweinbach und Steinsdorf bestehende Verwaltungsgemeinschaft Obere Saale aufgelöst. Aus dem Gebiet der aufgelösten Stadt Leutenberg und der aufgelösten Gemeinden Dorfilm, Hirzbach, Landsendorf, Munschwitz, Schweinbach und Steinsdorf wurde die neue Einheitsgemeinde gebildet. Die Stadt Leutenberg besteht seitdem aus den neun Ortsteilen Dorfilm, Herschdorf, Hirzbach, Kleingeschwenda, Landsendorf, Leutenberg, Munschwitz, Schweinbach und Steinsdorf. [9]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[10][11]
Wahlbeteiligung: 68,0 % (2004: 59,4 %)
 %
40
30
20
10
0
34,4 %
24,7 %
22,8 %
9,7 %
8,4 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
-2,9 %p
-0,6 %p
+3,1 %p
+2,8 %p
-2,3 %p
Anmerkungen:
e 2004: PDS
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Stadt Leutenberg besteht aus 14 Ratsmitgliedern:

  • CDU: 5 Sitze (±0)
  • FWG: 4 Sitze (±0)
  • FDP: 3 Sitze (±0)
  • FF: 1 Sitz (±0)
  • LINKE: 1 Sitz (±0)

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau ein gekrönter goldener Löwe mit roter Zunge und Bewehrung.“

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1990 besteht eine Partnerschaft mit Stadtsteinach in Bayern sowie seit 1992 mit der Gemeinde Hochspeyer in Rheinland-Pfalz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Friedensburg, Bergfried
Schloss Friedensburg, Eingangsbereich

Sehenswert ist die historische Innenstadt mit Fachwerkhäusern, Brunnen, Kirche und Rathaus. Durch die Stadt und auch in den zugehörigen Gemeinden führen Hinweistafeln. Direkt hinter der Kirche am Schloßberg startet ein Naturlehrpfad, auf dem rund um den Berg einheimische Pflanzen und Tiere erläutert werden. Dazu zählen auch kleinere Besonderheiten der Region, wie die aus Korsika eingeführten Mufflons, die auch am Schloßberg vorkommenden Feuersalamander oder kalkliebende Arten wie Pimpernuss und Leberblümchen.

Am Ortsausgang Richtung Wurzbach liegt das Gelände der Naturparkverwaltung Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale mit einem ausgedehnten Naturerlebnisbereich entlang der Sormitz. Im Verwaltungsgebäude befindet sich eine Ausstellung über den Naturpark mit Mineralienzimmer.

Durch die Naturparkverwaltung werden zertifizierte Naturführer ausgebildet, die in Leutenberg und auch in anderen Bereichen des Naturparkes Touristen und Einheimische durch die Landschaft führen. Die Touren verteilen sich über das gesamte Naturparkgebiet von Saalfeld bis Blankenstein und vom Plothener Teichgebiet bis zum Rennsteig.

Baudenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Schloss Friedensburg befand sich von 1904 bis 1945 eine Privatpension, in die während der Zeit des Nationalsozialismus mehrere Häftlinge aus dem Frauengefängnis Hohenleuben als Angestellte vermittelt wurden, um sie einer Einweisung in ein KZ zu entziehen.

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein sowjetischer Ehrenhain mit den Gräbern von 35 Opfern von Zwangsarbeit, die hierher auch aus anderen Orten (Kaulsdorf, Probstzella, Gräfenthal) umgebettet wurden, erinnert an die Zwangsarbeit von zahlreichen Arbeitskräften aus Osteuropa, die auch in den umliegenden Orten Kleingeschwenda, Landsendorf, Gleima, Schweinbach und Hirzbach arbeiten mussten. Seit 1985 erinnert eine Stele an der Kreuzung Bahnhofstraße/Saalfelder Straße an Opfer der Todesmärsche im Kreisgebiet.[12]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Ansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Werner Mägdefrau:Thüringen im späten Mittelalter 1310-1482 , Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2012, ISBN 978-3-86777-335-5, S 145
  3. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze Jenzig - Verlag 2001, S. 104, ISBN 3-910141-43-9
  4. Thomas Bienert: Burgen in Thüringen Wartberg Verlag 2000 S. 236 ISBN 3-86134-631-1
  5. Burg Leutnberg
  6. Max Liedtke (Hrsg.): Für Hitler erzogen? Briefe und Notizen des Edgar Winzen aus der Kinderlandverschickung Leutenberg/Thüringen. Waxmann 1999, S. 18ff.
  7. Gesetz- und Verordnungsblatt 2/20 30. Dezember 1996, S. 333 - 340
  8. Gesetzentwurf Landesregierung Drucksache 2/957 5. März 1996
  9. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997
  10. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2009&zeigeErg=GEM&wknr=073&gemnr=73106
  11. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2004&zeigeErg=GEM&wknr=073&gemnr=73106
  12. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 237, ISBN 3-88864-343-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leutenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Leutenberg – Reiseführer