Levin Goldschmidt

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Levin Goldschmidt (* 30. Mai 1829 in Danzig; † 16. Juli 1897 in Bad Wilhelmshöhe) war ein deutscher Jurist und Handelsrechtler.

Levin Goldschmidt

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Levin Goldschmidt studierte 1847 bis 1851 zuerst Medizin, dann Jurisprudenz in Berlin, Bonn und Heidelberg. In Berlin gehörte er der Landsmannschaft Normannia an.[1] 1851 erwarb er an der Universität Halle die juristische Doktorwürde, mit einem Thema über Kommanditgesellschaften (De societate en commandite - Specimen I), und arbeitete dann bei den Danziger Gerichten.

Nachdem er 1855 an der Universität Heidelberg über eine Digestenstelle mit der Arbeit Untersuchungen zur l. 122 § 1 D. de V. O. [45,1] habilitiert wurde, arbeitete er zunächst als Privatdozent an der Universität Heidelberg. Dort wurde er 1860 zum außerordentlichen und 1866 zum ordentlichen Professor der Rechte ernannt. Im August 1870 wurde er als Rat in das Bundes-, später Reichsoberhandelsgericht nach Leipzig, 1875 als Professor, an dem eigens für ihn errichteten ersten Lehrstuhl für Handelsrecht, und Geheimer Justizrat an die Universität Berlin berufen. Goldschmidt wurde 1873 aufgrund seiner herausragenden juristischen Fähigkeit in die Vorkommission zur Erarbeitung eines einheitlichen Zivilgesetzbuches für Deutschland, dem BGB, berufen. In den darauffolgenden Kommissionen in den Jahren 1874 und 1890, die sich dann tatsächlich mit Formulierung des BGB befassten, wurde Goldschmidt vermutlich auch wegen seiner jüdischen Abstammung zu seiner großen Enttäuschung allerdings nicht mehr bestellt.

Politische Betätigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goldschmidt betätigte sich aber auch auf politischer Ebene. Als glühender Anhänger der Einigung Deutschlands durch Bismarck, unter Ausschluss Österreichs, wurde er 1875 in den Reichstag gewählt,[2] wo er als Mitglied der Nationalliberalen Partei zweiter Vorsitzender der Kommission für die Konkursordnung war.

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Begründung der Zeitschrift für das gesamte Handelsrecht (1858) wie durch sein in großartigem Maßstab angelegtes, aber unvollendet gebliebenes, Handbuch des Handelsrechts (Erlangen 1864–1868, Band 1; 2. Auflage 1874–1883) hat er sich um die universale Behandlung des Handelsrechts die größten Verdienste erworben. Als Vertreter der Romanisten versuchte er dabei handelsrechtliche Institute anhand historischer Untersuchungen aus dem mittelalterlichen Handelsverkehr, insbesondere den Geschäften italienischer Kaufleute, zu beweisen.

Das von Levin Goldschmidt vertretene objektive System, das den Kaufmann objektiv anhand gesetzlich normierter Handelsgeschäfte bestimmte, setzte sich als Grundlage des Allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuchs (ADHGB) durch.[3] In diesem Gesetzeswerk sah er das "gründlichste und beste unter den vorhandenen Europäischen Handelsgesetzbüchern".[4].

Er war auch einer der ersten, welche die Notwendigkeit eines deutschen Zivilgesetzbuchs mit Entschiedenheit betonten, und fungierte in der vom Bundesrat berufenen Kommission zur Feststellung von Plan und Methode dieses Gesetzbuchs als Referent.

An den Entscheidungen des Bundes- (dann Reichs-) Oberhandelsgerichts (Stuttgart 1870–1880, 25 Bände) hatte er hervorragenden Anteil. Von der Stadt Leipzig ward er im Sommer 1875 zu ihrem Vertreter im deutschen Reichstag erwählt.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer vielen Abhandlungen in Zeitschriften schrieb er noch:

  • Kritik des Entwurfs eines Handelsgesetzbuchs für die Preußischen Staaten. Ein Beitrag zur Revision der Grundlehren des Handelsrechts. Von Dr. L. Goldschmidt, Dozenten der Rechte in Heidelberg
    • Erste Abtheilung
    • Zweite Abtheilung, Seperatabdruck aus der Kritischen Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft, Bd. IV. Heft 4, Heidelberg: Verlag von Bangel und Schmitt (Digitalisat via Google Books)
  • Der Lucca-Pistoja-Aktienstreit
    • Der Lucca-Pistoja-Actien-Streit. Handelsrechtliche Erörterungen von Dr. L. Goldschmidt. Dozenten der Rechte in Heidelberg, Frankfurt am Main: J. D. Sauerländers Verlag, 1859 (Digitalisat via Google Books)
    • Nachtrag 1861?
  • Die deutsche Hansa. Vortrag zum Besten der deutschen Flotte, gehalten im Museumssaale zu Heidelberg am 28. December 1861 von Dr. L Goldschmidt, Professor der Rechte […] Besonders abgedruckt aus dem neunten Bande der Preußischen Jahrbücher, Berlin: Georg Reimer, 1861 (Digitalisat via Google Books)
  • Gutachten über den Entwurf eines Deutschen Handelsgesetzbuches nach den Beschlüssen zweiter Lesung. Dem Großherzogl. Badischen Ministerium der Justiz ertstatt von Dr. L. Goldschmidt, Dozenten der Rechte in Heidelberg. Beilageheft zur Zeitschrift für das gesammte Handelsrecht Band III, Erlangen: Ferdinand Enke, 1860 (Digitalisat via Google Books)
  • Encyclopädie der Rechtswissenschaft im Grundriss. Von Dr. L. Goldschmidt, Professor der Rechte in Heidelberg, Heidelberg: Verlag von Bangel und Schmitt, 1862 (Digitalisat via Google Books)
  • Handbuch des Handelsrechts
    • Band 1, Abtheilung 1 = Handbuch des Handelsrechts. Von L. Goldschmidt. Dritte völlig umgearbeitete Auflage. Erster Band. Geschichtlich-literarische Einleitung und die Grundlehren. Erste Abtheilung: Universalgeschichte des Handelsrechts, Stuttgart: Enke, 1891 (Digitalisat via Internet Archive)
    • Band 1, Abtheilung 2 = Handbuch des Handelsrechts. Von L. Goldschmidt, ordentlichem Professor der Rechte in Heidelberg. Erster Band, zweite Abtheilung, enthaltend die Lehre von der Waare, Erlangen: Enke, 1868 (Digitalisat via Visuallibrary)
  • Vermischte Schriften
    • Band 1
    • Band 2 [1]
  • Das dreijährige Studium der Rechts- und Staats-Wissenschaften. Von Dr. L. Goldschmidt, Berlin: G. Reimer, 1878 (Digitalisat via Google Books)[5]
  • Rechtsstudium und Prüfungsordnung. Ein Beitrag zur Preußischen und Deutschen Rechtsgeschichte von Dr. L. Goldschmidt, Reichs-Oberhandelsgerichtsrath a. D., ordentl. Professor der Rechtswissenschaft an der Universität Berlin, L. L. D., ordentl. Mitglied des institut de droit international, korrespondierendem Mitglied der société de législation comparée zu Paris, Stuttgart: Ferdinand Enke, 1887 (Digitalisat via Google Books)[5]
  • Studien zum Besitzrecht. Sklavenbesitz. Insbesondere: Tradition durch Urkunden. Possessio absentis. Verlust des Sklavenbesitzes. Von Dr. L. Goldschmidt, Geh. Justizrath, Professor der Rechtswissenschaft an der Universität Berlin, Berlin: Julius Springer, 1888 (Digitalisat via Google Books)[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Paul Goldschmidt: Zur Geschichte der Landsmannschaft Normannia in Berlin 1842–1902. Berlin 1902.
  2. Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Deutschen Reichstags. 2. Legislatur-Periode, III. Session 1875/76. 1. Band, Berlin 1876, S. XVI (Digitalisat). Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Deutschen Reichstags. 2. Legislatur-Periode, III. Session 1875/76. 3. Band, Berlin 1876, S. XVI (Digitalisat). Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Deutschen Reichstags. 2. Legislatur-Periode, IV. Session 1876. 1. Band, Berlin 1876, S. XVI (Digitalisat). – Der 2. Reichstag wurde 1874 gewählt, Goldschmidt kam 1875 durch eine Nachwahl zu seinem Mandat; vgl. dazu die Liste der Reichstagsabgeordneten des Deutschen Kaiserreichs (2. Wahlperiode).
  3. Thomas Henne: Handelsgesetzbuch, in: Albrecht Cordes, Heiner Lück, Dieter Werkmüller (Hrsg.), Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, www.HRGdigital.de/HRG.handelsgesetzbuch.igital (21. November 2015).
  4. Levin Goldschmidt zitiert nach Karl-Otto Scherner: Handelsrecht, in: Albrecht Cordes, Heiner Lück, Dieter Werkmüller (Hrsg.), Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, www.HRGdigital.de/HRG.handelsrecht (21. November 2015).
  5. a b c Hinweise zur Benutzung eines US-Proxys, der zum Aufrufen oft noch notwendig ist, finden sich in diesem Wikisource-Artikel
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888 bis 1890.
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