Lexikologie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Lexikologie (auch: Wortlehre, Wortkunde, Wortschatzuntersuchung) ist innerhalb der Linguistik die Theorie vom Lexikon im Sinne von Wortschatz.[1] Sie wird definiert als „Wissenschaft vom Bestand bzw. dem System der Wörter und ihren Bedeutungen“.[2] Ihre Aufgabe ist es, Wortschatzaufbau, lexikalische Zeichen (Morpheme, Wörter, Phraseologismen), Bedeutungen, ihre Regeln, Zusammenhänge und Strukturen, ihren Gebrauch, ihre Verarbeitung und ihre Aufgaben sowohl innerhalb einer Sprache (spezielle Lexikologie) als auch sprachvergleichend (allgemeine Lexikologie) und geschichtlich (historische Lexikologie) zu untersuchen und zu beschreiben.[3][4] Es geht um die interne Bedeutungsstruktur sprachlicher Ausdrücke und um die Zusammenhänge zwischen einzelnen Wörtern (Lexemen).[5] Unterschieden wird die lexikalische Morphologie und die lexikalische Semantik.[6]

Wort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Wort als Teil des Wortschatzes geht es innerhalb der Lexikologie sowohl um die Form- als auch um die Inhaltsseite.[7][3] [4]

Historische Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zwar bereits in der Renaissance[8] zutagetretende, aber erst seit den 1950er Jahren innerhalb der Linguistik eigenständig existierende Disziplin[9] untersucht die Bestandteile einer Sprache (spezielle Lexikologie) oder von Sprache allgemein (allgemeine Lexikologie) und versucht, zwischen den einzelnen lexikalischen Bestandteilen (das sind Morpheme, Wörter und feste Wortgruppen) Beziehungen und Regeln festzustellen. Im Rahmen der Quantitativen Linguistik hat sich die Quantitative Lexikologie[10][11] etabliert, die versucht, die Gesetzmäßigkeiten von Struktur und Wandel des Lexikons (zum Beispiel das Martinsche Gesetz) und seiner Verwendung in Texten zu erforschen.

Verwandte Disziplinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der wichtigsten Nachbardisziplinen ist die Lexikographie. Als selbstständiger Forschungsbereich beschäftigt sie sich mit anderen Aufgaben und Fragestellungen als die Lexikologie, und zwar mit der Erstellung von Wörterbüchern, ihrer Klassifikation, Beschreibung und Geschichte. Für sie stehen Aspekte und Definitionen von Wörtern im Mittelpunkt, die ihre Aufnahme im Wörterbuch als Wörterbucheintrag rechtfertigen. Daraus ergeben sich Überschneidungen mit der Lexikologie.[3] Sie greift dabei auf lexikologische Ergebnisse zurück beziehungsweise liefert neue Informationen zur lexikologischen Untersuchung.

Sowohl die lexikalische Morphologie als auch die (Derivations-)Morphologie untersuchen formal die zusammengesetzten und abgeleiteten Wörter.[12]

Weitere verwandte linguistische Disziplinen sind die Onomasiologie, Semasiologie, Etymologie, Wortbildung, Phraseologie und Onomastik.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • D. Alan Cruse et al.: Lexikologie I, II. Berlin 2002/2005.
  • Hilke Elsen: Wortschatzanalyse. UTB 3897, Tübingen 2013.
  • Christine Römer, Brigitte Matzke: Lexikologie des Deutschen. Eine Einführung. 2. aktualisierte Auflage, Narr, Tübingen 2005, ISBN 3-8233-6128-7.
  • Thea Schippan: Lexikologie der deutschen Gegenwartssprache 2. Auflage, Niemeyer, Tübingen 2002, ISBN 3-484-73002-1.
  • Michael Schlaefer: Lexikologie und Lexikographie. Eine Einführung am Beispiel deutscher Wörterbücher, 2. Auflage, Schmidt, Berlin 2009, ISBN 978-3-503-09863-7.
  • Christiane Wanzeck: Lexikologie. Beschreibung von Wort und Wortschatz im Deutschen, UTB / Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010, ISBN 978-3-8252-3316-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Lexikologie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Wortkunde – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen


Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Schwarze/Wunderlich, Einleitung. In: Schwarze/Wunderlich: Handbuch der Lexikologie. 1985, S. 7
  2. Volmert: Sprache und Sprechen: Grundbegriffe und sprachwissenschaftliche Konzepte. In: Volmert (Hrsg.): Grundkurs Sprachwissenschaft. 5. Aufl., 2005, S. 22
  3. a b c Thea Schippan: Lexikologie der deutschen Gegenwartssprache. 2. Auflage. Niemeyer, Tübingen, ISBN 3-484-73002-1.
  4. a b Leonhard Lipka: English Lexicology. Gunter Narr, Tübingen 2002, ISBN 3-8233-4995-3.
  5. Hadumod Bußmann (Hrsg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0.
  6. So Brekle: Semantik. 3. Aufl., 1972, S. 112
  7. Vgl. Wanzeck: Gegenstandsbereich, Lexikologie. 2010, S. 11
  8. Klaus-Peter Wegera (Hrsg.): Studien zur frühneuhochdeutschen Lexikologie und zur Lexikographie des 16. Jahrhunderts. Zum Teil aus dem Nachlaß Arno Schirokauers herausgegeben. Heidelberg 1987 (= Studien zum Frühneuhochdeutschen, 8).
  9. Georges Matoré: La méthode en lexicologie. Didier, Paris 1953.
  10. Juhan Tuldava: Probleme und Methoden der quantitativ-systemischen Lexikologie. Wissenschaftlicher Verlag Trier, Trier 1998. ISBN 3-88476-314-8.
  11. Gabriel Altmann, Dariusch Bagheri, Hans Goebl, Reinhard Köhler, Claudia Prün: Einführung in die quantitative Lexikologie. Peust & Gutschmidt, Göttingen 2002. S. 94–133. ISBN 3-933043-09-3.
  12. Piroska Kocsány: Grundkurs Linguistik: ein Arbeitsbuch für Anfänger. Fink, Paderborn 2010, S. 105