Libri

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Libri (Begriffsklärung) aufgeführt.
Libri GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1. September 1928
Sitz Hamburg
Mitarbeiter ca. 700
Branche Zwischenbuchhandel (Barsortiment)
Website home.libri.de
Gebäude von Libri in Bad Hersfeld

Die Libri GmbH, ehemals Georg Lingenbrink GmbH & Co. KG, ist ein hauptsächlich im Zwischenbuchhandel tätiges Barsortiments- und Logistikunternehmen, das Großhandelsfunktionen und Logistikdienste anbietet.

Das Unternehmen wurde 1928 von Georg Lingenbrink in Hamburg gegründet, wo die Geschäftsleitung und die Verwaltung mit ca. 200 Mitarbeitern auch heute noch angesiedelt sind. Die Namensgebung ist eine Zusammenziehung des Familiennamens zum Markennamen mit dem lateinischen Wort für Bücher: Libri. Das Unternehmen befindet sich im hundertprozentigen Eigentum der Unternehmerfamilie Herz (Tchibo).

Der Libri-Katalog umfasst ca. 6 Mio. Titel, wovon etwa 800.000 Artikel auf Lager sind (Stand: September 2015).[1]

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde von Georg Lingenbrink am 1. September 1928 in Hamburg gegründet, als er und seine Frau die Grossobuchhandlung Karl-Franz Nohr in der Straße Stadthausbrücke 23/25 übernahmen. 1931 stellte Lingenbrink den ersten Mitarbeiter ein und zog 1932 mit seinem Unternehmen in den Alten Wall 56/58, wo eine Lagerfläche von 400 Quadratmetern zur Verfügung stand. 1936 verdoppelte Lingenbrink seine Lagerfläche durch den Umzug in die Hohen Bleichen 40/42 und lieferte erstmals über die Stadtgrenzen hinaus.

Der Bombenangriff auf Hamburg am 24. Juli 1943 zerstörte Lager und Geschäftsräume vollständig. Lingenbrink zog zur Familie seiner Frau nach Gernsbach im Schwarzwald. Hier zog er im großen Saal des Gasthofes Zum Auerhahn (Ortsteil Scheuern) einen Ausweichbetrieb auf, der im Spätsommer 1943 seinen Betrieb aufnahm. Von Gernsbach aus versuchten Lingenbrink und seine Familie seine Kunden in Hamburg und Umgebung zu beliefern.

1945 kehrte Lingenbrink nach Hamburg zurück und nahm das Geschäft im Wohnhaus An der Alster 12 neuerlich auf. Am 6. Februar 1947 stieg Lingenbrink in das Geschäft der Verlagsauslieferung ein, als er die Hamburger Kommissionsbuchhandlung (HAKO) gründete. 1948 zog Georg Lingenbrink in die Mönckebergstraße 11 um und ab diesem Jahr begann das Exportgeschäft.

Die Söhne von Georg Lingenbrink gründeten in Rastatt am 1. Januar 1946 einen neuen Betrieb, der als Barsortiment und auch in der Verlagsauslieferung tätig war. Dieser Betrieb wurde aber bereits 1955 wieder geschlossen.

Im Jahr 1952 fiel die Entscheidung zu einem Neubau, dem Libri Haus 1 in der Amelungstraße 3–5. 1953 führte Libri den Bücherwagendienst ein, zuvor wurden die Bücher noch mit Fahrrad, Bahn und Post ausgeliefert. Die Belieferung erfolgte seit dieser Zeit mittels PKW/LKW. Daraus entstand der Libri-Dienst (Sortimenter-Kommissionär), der die Buchhändler-Bestellungen und die Barsortiments-Bestellungen kombinierte und beide zusammen an die Buchhändler auslieferte.

1960 wurde das Libri Haus 2 in der Amelungstraße gebaut und im gleichen Jahr wurden Charles und Kurt neben ihrem Vater persönlich haftende Gesellschafter. Ab dieser Zeit erschien das Kürzel Libri im Logo des Unternehmens. Charles und Kurt übernahmen das Geschäft ihres Vaters nach seinem Tod im Jahr 1962.

1968 wurde die Niederlassung in der Mainzer Landstraße 147 in Frankfurt am Main bezogen. Dadurch wurde Libri von einem vorwiegend regional aufgestellten Zwischenhändler zu einem bundesweiten Anbieter von Barsortiment- und Verlagsdienstleistungen. Auch hier fiel bald die Entscheidung zu einem Neubau in Frankfurt-Preungesheim in der August-Schanz-Straße. Es wurde 1973 ein Hochregallager mit einer Lagerfläche von 20.000 m² in Betrieb genommen.[2]

Seit 1993 gehört Libri vollständig zum Portfolio der mit Tchibo verbundenen Unternehmerfamilie Herz (im Mehrheitsbesitz der Brüder Michael und Wolfgang Herz; ab 1993 als Tochtergesellschaft der Athena IP Vermögensverwaltung, seit 2006 als Tochter der TOPP Holding, zu der u. a. auch Blume 2000 gehört).

Im Jahr 2000 verlagerte Libri den operativen Bereich nach Bad Hersfeld. Ein modernes Kleinteilelager mit 14 km Fördertechnik sorgt dort für eine Kommissionierungsleistung von bis zu 450.000 Bücher pro Tag.

2002 wurde die Verlagsauslieferungstochter von Libri, die Libri Distributions GmbH, an die Vereinigte Verlagsauslieferung (VVA – Arvato Media GmbH), ein Unternehmen der Arvato AG im Bertelsmann-Konzern, verkauft.

Zum Unternehmensverbund gehören außerdem: Booxpress GmbH (ehemals Bücherdienst), Bad Hersfeld, Books on Demand GmbH, Norderstedt, eine 20%ige Beteiligung an der Buchzentrum AG, Olten, Schweiz, dem operativen Teil der Genossenschaft Schweizer Buchzentrum sowie seit 2012 eine Beteiligung i. H. v. 51 % am ehemaligen Mitbewerber Barsortiment Könemann Vertriebs GmbH mit Sitz in Hamburg und Betriebsstätte in Hagen.[3]

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kerngeschäft ist die Funktion des Barsortiments, den Büchersammelverkehr tätigt die 100%ige Libri-Tochter Booxpress. Das Barsortiment und seine Dienste beanspruchen u. a. auch Amazon.com und Thalia für ihren Internet-Fernabsatz: teils nur die Großhandelsfunktion, teils zusätzliche Logistikdienstleistungen wie Konfektionierung und Postversand an den Endkunden.

Warenwirtschaftssystem (WWS)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1994 bietet Libri mit Libri-WWS eine eigene Warenwirtschaft an. Für die aktuelle Version Libri JWWS hostet Libri einen zentralen Java-Application-Server inklusive Oracle-Datenbank in einem zentralen Rechenzentrum.

Seit 2005 kann man als Libri-Kunde die internetbasierende Software Libri.biz beziehen, die den teilnehmenden Buchhandlungen das sogenannte E-Procurement für Geschäftskunden ermöglicht. Es werden Funktionen von der einfachen Buchbestellung via E-Mail bis hin zur komplexen Verwaltung von Kostenstellen oder Unternehmensbibliotheken mit SAP bzw. OCI-Schnittstellen angeboten.

Für die Kommunikation zwischen Libri und seinen Kunden wird weitestgehend auf EDI gesetzt, und die meisten Logistikprozesse sind so abgebildet, dass sie den Anforderungen von EDIFACT/EANCOM entsprechen.

Seit Oktober 2007 können Geschäftskunden der Buchhandlungen auch elektronische Fach- und Sachbücher (E-Books) als PDF über diese Plattform beziehen.

eBook.de (ehemals Libri.de)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1997 startete Libri die Website libri.de, um sich im Rahmen eines Partnerschaftsmodells mit dem stationären Buchhandel an Endkunden zu wenden.

Im Jahr 2000 gründete Libri für diesen spezialisierten Geschäftsbereich Libri.de Internet GmbH als Tochtergesellschaft. Seit 2008 bot diese Downloads von E-Books an und war im deutschsprachigen Raum maßgeblich am Vertrieb des Sony Readers beteiligt. Im Oktober 2012 wurde die Libri.de Internet GmbH in eBook.de NET GmbH umbenannt und aus dem Online Shop libri.de wurde eBook.de[4]. Dieser ist seit Oktober 2014 Mitglied in der Tolino-Allianz.[5]

Im Juli 2015 hat Hugendubel die Mehrheit an eBook.de übernommen und führt die Marke unter dem Dach der Hugendubel Digital GmbH & Co. KG weiter. Der bisherige eBook.de-Eigentümer Libri konzentriert sich nun ausschließlich auf die Rolle des Technologie- und Logistikpartners. [6]

Books on demand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 1999 zeichnete der US-amerikanische Computerworld Smithsonian Award Libri für die Entwicklung des Book-on-Demand-Verfahrens als Sieger in der Kategorie Manufacturing aus.[7][8]

2001 entstand die Schwestergesellschaft BoD GmbH (Books on Demand), die als Dienstleistungsverlag mit geringen Kosten für den Autor fast jedes Buch druckt. Eine Qualitätsprüfung wird dabei nicht vorgenommen, die Bücher werden im PoD-Verfahren nach Bestellungseingang einzeln produziert. Das verteuert die Produktionskosten für das Buch, hält aber das Risiko für Autor/Verlag überschaubar (keine Lagerkosten, keine Kapitalbindung).

Marktstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beide wesentlichen Mitbewerber, Marktführer Koch, Neff und Volckmar mit Sitz in Stuttgart sowie Umbreit in Bietigheim-Bissingen, stammen aus Baden-Württemberg. Durch die Übernahme des ehemals viertplatzierten Könemann in Hagen konnte Libri im Jahr 2012 seine Position zwei im deutschen Buchzwischenhandel ausbauen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angabe des Unternehmens, abgerufen am 23. September 2015.
  2. Inga Heuer, Markus Conrad: 75 Jahre Bücher bewegen. Das Buch über Libri. Eigenverlag, Georg Lingenbrink GmbH & Co., Hamburg 2003, DNB 971787808.
  3. Könemann stellt Kommissionierung in Hagen ein. buchreport.de, 17. August 2012, abgerufen am 30. Oktober 2012.
  4. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Aus-Libri-de-wird-eBook-de-1720756.html
  5. http://www.ebook.de/de/category/67298/2014.html#20141008
  6. http://www.ebook.de/de/category/68137/2015.html#20150506
  7. Computerworld Honors Award Recipients 1989–2004. cwhonors.org, abgerufen am 23. September 2015.
  8. Matthias Schrader: Libri.de: ein erfolgreiches Beispiel für mehrstufige Vertriebsmodelle im Internet. In: Jörg Link, Daniela Tiedtke (Hrsg.): Erfolgreiche Praxisbeispiele im Online Marketing. 1. Aufl. Springer, Berlin 1999, ISBN 3-540-66275-8, S. 227–241, hier S. 241.