Lichenroth

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Kirche Lichenroth

Lichenroth ist ein Ortsteil von Birstein im Main-Kinzig-Kreis. Lichenroth hat etwa 400 Einwohner und liegt südlich des Naturparks Hoher Vogelsberg am Oberlauf der Salz auf einer Höhe von 410 bis 440 m ü. NN.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Lichenrother Kirche im Mai 1945

Der Ort wurde zum ersten Mal in einer Urkunde im Jahr 1241 als „Libechenrode“ erwähnt.

1867 nannte der Historiker Wilhelm Heinrich Riehl den Vogelsberg „Land der Armen Leute“. Das Leben war bis zum Ende der 1860er Jahre im Vogelsberg und in Lichenroth sehr hart. Der steinige Boden und das raue Klima erbrachten in der Land- und Viehwirtschaft nur geringe Erträge. Die Härte des Lebens zwang auch die Lichenrother Kinder zur Arbeit. So entwickelte sich von 1880 bis 1960 die Sitte der „Hutekinder“, die ihre schulfreie Zeit auf den Wiesen verbringen mussten.

Die ehemalige Synagoge in Lichenroth (Juni 2008)

Bis zur Zeit des Nationalsozialismus besaß Lichenroth eine bemerkenswerte jüdische Gemeinde mit mehr als sechzig Mitgliedern. Die Synagoge in der Bermuthshainer Straße blieb erhalten und diente nach dem Ende der NS-Zeit als Veranstaltungsraum. Über Jahrzehnte wurde die Winterkerb in dem Gebäude abgehalten. Zur Jahrtausendwende wurde die ehemalige Synagoge an eine junge Familie verkauft und als Wohnhaus umgebaut. Die äußere Fassade blieb im Grundsatz entsprechend dem früheren Aussehen erhalten. Im Jahre 2000 brachte die Gemeinde Birstein eine Tafel mit den Namen der vertriebenen oder getöteten Gemeindemitgliedern an dem Gebäude an. Hin und wieder schauen Nachkommen der ehemaligen Lichenröther im Ort vorbei.

Lichenroth gehörte ab dem 1. Juli 1971 zur eigenständigen Gemeinde Oberland, die aus den Ortsteilen Lichenroth, Wüstwillenroth, Wettges und Völzberg bestand und am 1. Juli 1974 in die Gemeinde Birstein eingemeindet wurde.[1] Im Sprachgebrauch der älteren Einwohner der vier Ortsteile findet die Bezeichnung „Oberland“ immer noch Anwendung, auch stammt die gemeinsame Telefonvorwahl 06668 noch aus der Zeit vor der Eingemeindung.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Eingang der Lichenrother Kirche mit Konfirmationsschmuck

Eine Sehenswürdigkeit ist die Lichenrother Kirche, welche im Jahre 1732 erbaut wurde. Von 1732 bis 1744 gab es einen eigenen Pfarrer in Lichenroth, heute gehört die Kirchengemeinde zum Kirchspiel Kirchbracht. Zu beachten ist das Isenburger Patronatswappen, das den Eingang der Kirche ziert. Die Steinkanzel der Kirche steht auf einer gebauchten Säule aus dem Jahre 1677, worauf im Jahre 1733 am Korb das Ysenburger Wappen hinzugefügt wurde. Die Kanzel überstand als einzige die Feuersbrunst von 1700, der die Kirche und auch viele Häuser in Lichenroth zum Opfer fielen. Seit 2010 schmückt ein bemerkenswerter Altar von den Leipziger Gestaltern Markus Zink und Agnes Gensichen die Kirche.[2]

Verkehr[Bearbeiten]

Über Lichenroth verläuft die Bundesstraße 276, die den Ort im Norden mit Hartmannshain und im Süden mit Wächtersbach verbindet. In der Zeit zwischen 1934 und 1959 hatte Lichenroth einen Bahnhof an der Vogelsberger Südbahn. Heute verläuft teilweise auf der ehemaligen Bahntrasse der Vogelsberger Südbahnradweg. Er ist inzwischen Teil des BahnRadweg Hessen, der auf ehemaligen Bahntrassen ca. 250  km durch den Vogelsberg und die Rhön führt.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

  • DC Hotzenplotz Lichenroth
  • Robin Hood
  • Gesangsverein Frohsinn Lichenroth

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 362 und 363.
  2. GJP (Götz J. Pfeiffer): Altar von Markus Zink und Agnes Gensichen, in: Mut zum Gestalten. Kunstförderung in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel, 2013, S. 62-63.

Weblinks[Bearbeiten]

50.4367777777789.3240277777778Koordinaten: 50° 26′ N, 9° 19′ O