Lichenroth

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50.4367777777789.3240277777778Koordinaten: 50° 26′ 12″ N, 9° 19′ 27″ O

Lichenroth
Gemeinde Birstein
Höhe: 410–440 m
Einwohner: 352 (31. Dez. 2014)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Eingemeindet nach: Oberland
Postleitzahl: 63633
Vorwahl: 06668
Kirche Lichenroth

Kirche Lichenroth

Lichenroth ist ein Ortsteil von Birstein im Main-Kinzig-Kreis. Lichenroth hat etwa 350 Einwohner und liegt südlich des Naturparks Hoher Vogelsberg am Oberlauf der Salz auf einer Höhe von 410 bis 440 m ü. NN.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Lichenrother Kirche im Mai 1945

In einer Urkunde von 1375 wird Lichenroth unter dem Namen Libichinrode erstmals urkundlich erwähnt. Es war zu diesem Zeitpunkt von den Herren von Lißberg an die Herren von Rodenstein verpfändet. Im Spätmittelalter wurde der Ort mehrfach zum Gegenstand von Verpfändungen und Verkäufen, bis er 1489 endgültig in den Besitz der Grafen von Isenburg überging. Lichenroth gehörte zum Gericht Reichenbach und zur Pfarrei Reichenbach, deren Sitz Unterreichenbach war. In einem Verzeichnis der Huben und Zinsgüter von 1499 werden sieben Güter genannt, die den Isenburgern zinspflichtig waren. 1514 bestand Lichenroth aus 26 Höfen, 1551 aus 41 Höfen.

Während des Dreißigjährigen Krieges hatte Lichenroth unter Einquartierungen und Plünderungen zu leiden. 1624 nahm das Fürstenbergische Regiment im Gericht Reichenbach sein Winterquartier, wobei 40 Soldaten nach Lichenroth kamen. 1653 hatte Lichenroth 132 Einwohner.

Die ehemalige Synagoge in Lichenroth (Juni 2008)

1666 wird erstmals ein jüdischer Ortseinwohner erwähnt. Bis zur Zeit des Nationalsozialismus besaß Lichenroth eine jüdische Gemeinde mit mehr als sechzig Mitgliedern (→ Jüdische Gemeinde Lichenroth). Mit dem Beginn der NS-Diktatur im Jahr 1933 kam es zu teilweise massiven Übergriffen auf die jüdischen Einwohner des Dorfes, die bis Ende 1936 Lichenroth nach und nach verließen.

Im März 1813 waren etwa 300 französische Soldaten in Lichenroth einquartiert. Nach der Auflösung des Fürstentums Isenburg durch den Wiener Kongress fiel Lichenroth im Jahr 1816 an das Kurfürstentum Hessen, welches 1866 vom Königreich Preußen annektiert wurde. Verwaltungsmäßig gehörte Lichenroth ab 1821 zum Kreis Salmünster, ab 1830 dann zum Kreis Gelnhausen. Im 19. Jahrhundert wanderten zahlreiche Ortseinwohner aus, hauptsächlich in die Vereinigten Staaten.

1907 erhielt Lichenroth eine Wasserleitung. 1914 hatte das Dorf 540 Einwohner. 1923 wurde ein eigener Spar- und Darlehenskassenverein gegründet, der auch Warenhandel betrieb, nachdem bereits seit 1891 ein gleichartiger Verein für das Oberland mit Sitz in Kirchbracht existiert hatte. Die Genossenschaft fusionierte 1971 mit der in Birstein zur späteren Raiffeisenbank Vogelsberg. Von 1911 bis 1987 bestand eine Molkereigenossenschaft , die eine eigene Molkerei vor Ort betrieb.

1934 wurde die Vogelsberger Südbahn als Verlängerung der Kleinbahn Wächtersbach-Birstein in Betrieb genommen, wodurch Lichenroth einen Anschluss an das Eisenbahnnetz erhielt. Bereits 1958 wurde der Abschnitt von Wüstwillenroth nach Hartmannshain stillgelegt. Auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände westlich des Ortes entstand ein Industriegebiet.

Lichenroth gehörte ab dem 1. Juli 1971 zur eigenständigen Gemeinde Oberland, die aus den Ortsteilen Lichenroth, Wüstwillenroth, Wettges und Völzberg bestand und am 1. Juli 1974 in die Gemeinde Birstein eingemeindet wurde.[2] Im Sprachgebrauch der älteren Einwohner der vier Ortsteile findet die Bezeichnung „Oberland“ immer noch Anwendung, auch stammt die gemeinsame Telefonvorwahl 06668 noch aus der Zeit vor der Eingemeindung.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Evangelische Filialkirche[Bearbeiten]

Eingang der Lichenrother Kirche mit Konfirmationsschmuck

Bereits 1488 wird eine Kirche in Lichenroth erwähnt, das zu diesem Zeitpunkt zur Pfarrei Reichenbach gehörte. Nach einem Brand im Jahr 1675 wurde die Kirche zwischen 1677 und 1681 wiederhergestellt. Die heutige Kirche wurde 1732 anstelle ihrer Vorgängerin erbaut. Sie war die Pfarrkirche des im gleichen Jahr eingerichteten Kirchspiels Lichenroth, das aber nur bis 1744 bestand. Seither ist sie Filialkirche der Pfarrei Kirchbracht.

Über dem Eingang der Kirche befindet sich das Isenburger Patronatswappen. Die Kanzel stammt aus dem Jahr 1677 und wurde von der Vorgängerkirche übernommen. 2010 erhielt die Kirche einen neuen Altar von den Leipziger Gestaltern Markus Zink und Agnes Gensichen.[3]

Synagoge[Bearbeiten]

Hauptartikel: Synagoge Lichenroth

1733 erhielt die örtliche jüdische Gemeinde die Erlaubnis zur Einrichtung einer Synagoge. Das heute noch erhaltene Synagogengebäude wurde 1837 erbaut. Während der allmählichen Auflösung der Gemeinde als Folge der Übergriffe in der NS-Zeit wurde die Synagoge 1935 verkauft und später als Saalbau einer Gastwirtschaft genutzt. 1997/98 erfolgte der Umbau zu einem Wohnhaus.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Auf dem Gelände des früheren Bahnhofes ließ sich 1960 zuerst eine Möbelfabrik nieder, 1961 folgten ein Bauunternehmen und 1963 eine Metallbaufirma. Heute sind ein Displayhersteller und ein Holzfuhrbetrieb in dem Industriegebiet ansässig.

Verkehr[Bearbeiten]

Über Lichenroth verläuft die Bundesstraße 276, die den Ort im Norden mit Hartmannshain und im Süden mit Wächtersbach verbindet. In der Zeit zwischen 1934 und 1958 hatte Lichenroth einen Bahnhof an der Vogelsberger Südbahn. Nach der Bahnstrecke benannt wurde der 2004 eröffnete Vogelsberger Südbahnradweg, der ebenfalls durch Lichenroth führt.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

in Lichenroth bestehen folgende Vereine und Vereinigungen (Gründungsjahr in Klammern):

Literatur[Bearbeiten]

  • Geschichtsverein Birstein (Hg.): 750 Jahre Lichenroth 1241-1991, Birstein 1991, S. 40-45

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemeindeportrait Birstein: Zahlen, Daten & Fakten. Einwohnerzahl HW
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 362 und 363.
  3. GJP (Götz J. Pfeiffer): Altar von Markus Zink und Agnes Gensichen, in: Mut zum Gestalten. Kunstförderung in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel, 2013, S. 62-63.

Weblinks[Bearbeiten]