Licher Privatbrauerei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Licher Privatbrauerei Jhring-Melchior GmbH

Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1854
Sitz Lich
Leitung Ulrich Peters, Holger Pfeiffer
Mitarbeiterzahl 186
Website www.licher.de

Licher Privatbrauerei
Ursprüngliche Brauerei bei Nacht

Die Licher Privatbrauerei Jhring-Melchior GmbH ist eine Brauerei in Lich, Mittelhessen. Licher Bier zählt zu den beliebtesten hessischen Bieren.[1][2] Das Unternehmen ist Teil der Bitburger Braugruppe.

Gründung und Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

J. H. Jhring Brauerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1854 gründete der Brauer Johann Heinrich Ihring nach vierjähriger Wanderschaft die J. H. Jhring Brauerei in Lich am Hardtberg, wo ein Brunnen und ein Felsenkeller zur Kühlung zur Verfügung standen. Sein Vater schenkte das Bier zunächst als Wirt in seinem Gasthof „Zum goldenen Löwen“ aus. 1873 wurde in der Brauerei eine Dampfmaschine mit einer Leistung von sechs PS anstelle von Pferden verwendet, um die Maschinen anzutreiben, was zur Bezeichnung „Dampfbierbrauerei“ führte. Zur Jahrhundertwende 1899/1900 wurde ein Jahresausstoß von 22.000 Hektolitern erreicht. Die Gebäude und Anlagen wurden dabei stets auf dem neuesten Stand der Technik gehalten, und bereits 1911 lieferte die in Lich ansässige Brauerei erstmals ihr Bier mit einem Lkw aus.

Gambrinus-Brauerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im nahegelegenen Butzbach versorgte Christoph Jakob Melchior seinen Gasthof „Zum goldenen Stern“ erstmals 1858 in Butzbach mit selbst gebrautem Bier. Drei Jahre später wurde der Grundstein zur Errichtung der Gambrinus-Brauerei gelegt, der wenig später die Gründung der Gastwirtschaft „Zum Gambrinus“ mit einer Außengastronomie folgte. Im Jahr 1895 folgte die Anschaffung einer Kältemaschine, die die Herstellung von untergärigem Bier vereinfachte. Mit der Modernisierung der Anlagen wuchs der Ausstoß der Brauerei zur Jahrhundertwende auf 27.000 Hektoliter. Als im Jahr 1896 der Unternehmensgründer starb, wurde die Gambrinus-Brauerei C. J. Melchior von seinen Söhnen Hermann Melchior und dem gelernten Brauer Christoph Melchior übernommen. Auch in der Gambrinus-Brauerei folgte man dem technischen Fortschritt: So konnten die Betreiber seit 1890 mit Hilfe der ersten Fernsprechleitung mit ihren Kunden sprechen; drei Jahre später folgte die Installation von elektrischem Licht im ganzen Haus.

Zusammenschluss zur Brauerei Jhring-Melchior KG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die knapp 18 km voneinander entfernten Brauereien gehörten um die Jahrhundertwende zu den beliebtesten Braustätten der näheren Umgebung. In den Folgejahren dehnten beide ihre Vertriebsgebiete systematisch aus und übernahmen Betriebe wie die GießenerUnion-Brauerei. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, stellte dies für beide Betriebe eine Zäsur dar: Rohstoff- und Mitarbeitermangel beschränkten die Entwicklung, auch bis in die Nachkriegszeit hinein. Ab 1922 wurden zwischen Christoph Melchior und Heinrich Ihring erste Gespräche über die Zusammenarbeit der seit 1919 durch Heirat verbundenen Familienunternehmen geführt, bis schließlich am 17. Februar 1923 (rückwirkend zum 1. Oktober 1922) die Brauerei Jhring-Melchior KG mit Sitz in Lich gegründet wird.

Die Produktion der Brauerei – zusammen rund 60.000 Hektoliter jährlich – wurde nach Lich verlagert, wohingegen am Standort Butzbach die Mälzerei und ein Bierlager verblieben. Die Produktion wuchs kontinuierlich; durch die Inflation konnte das Unternehmen im Jahr 1923 den größten Reingewinn der bisherigen Firmengeschichte mit 1.626.239.640.632,00 (1,6 Billionen) Mark ausweisen. Im selben Jahr wurde Heinrich Ihrings Sohn Hans Ihring geschäftsführender Gesellschafter. Die Einweihung eines zweiten Eisgenerators steigerte 1925/26 die Produktionskapazität auf 25 Tonnen Kunsteis pro Tag und machte die Brauerei unabhängig von Natureis. 1929 beschäftigte sie 100 Mitarbeiter und unterhielt 15 Bierniederlagen im Umkreis von 60 km um Lich.

Weltwirtschaftskrise, Nachkriegszeit, Entwicklung ab 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre wurde das Wachstum stark verlangsamt, woraufhin der Absatz auf 44.000 Hektoliter im Jahr 1931 sank. Dennoch konnte im Jahr 1938 die Stundenleistung des 150-Mitarbeiter-Betriebes dank einer neuen Flaschenreinigungs- und -Abfüllanlage auf 1200 Flaschen gesteigert werden. Der Bierausstoß erreichte im selben Jahr auf 80.000 Hektoliter, 1940/41 bereits 101.000 Hektoliter.

Im Zweiten Weltkrieg blieben die Brauereianlagen zwar unversehrt, dennoch litt auch die Licher Privatbrauerei unter der kriegsbedingten Mangelwirtschaft. Nach Kriegsende wurde das Unternehmen beschlagnahmt und erhielt als eine von zwölf „Army Breweries“ in der US-Zone den Auftrag, die in Hessen stationierten amerikanischen Besatzungstruppen mit Bier zu versorgen. Ab 1948 durfte die Brauerei auch wieder ihre früheren Kunden beliefern und brachte 1950 erstmals das Doppel-Export mit 14 Prozent Stammwürze auf den Markt.

Hans Ihring und der mit dessen Cousine Gertrud Melchior verheiratete Jurist und Kaufmann Otto-Karl de Groote erneuerten in den 1950er Jahren grundlegend die Ausstattung der Brauerei. Zum 100-jährigen Jubiläum übernahm die Brauerei 1954 mit einem Ausstoß von 127.140 Hektolitern erstmals die Marktführerschaft im Bundesland Hessen, welches die Brauerei nun flächendeckend belieferte. Seitdem wurde die Betriebsstätte, die sich immer noch am Licher Hardtberg befindet, Schritt für Schritt ausgebaut und der Bierausstoß kontinuierlich gesteigert.

Unternehmen heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlagenteil mit Bierkästen

1999 übernahm die Holsten-Brauerei zunächst einige Anteile und später die Mehrheit an der Brauerei. Im Jahr 2004 feierte die Licher Privatbrauerei ihr 150-jähriges Jubiläum. Im selben Jahr wurde sie zusammen mit der König-Brauerei in Duisburg an die Bitburger Braugruppe verkauft. Die Licher Privatbrauerei betreut über 5.500 konzessionierte Gastronomiebetriebe in Hessen und rund 6.780 deutschlandweit. Die Anlagen arbeiten nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft und wurden dafür 1982 mit der Ehrenplakette des hessischen Umweltministeriums ausgezeichnet. Das Unternehmen ist nach FSSC 22000 (Lebensmittelsicherheits-Norm) und ISO 50001 (Energiemanagement) zertifiziert. Außerdem erfüllt es den Nachhaltigkeitsstandard ZNUFood.[3]

Licher verfügt über eine brauereieigene vollbiologisch arbeitende Kläranlage. Das Malz wird aus mehreren Vertrags-Mälzereien bezogen, das Bier reift in 37 weithin sichtbaren Gärtanks elektronisch gesteuert. Seit September 2006 laufen zwei Abfüllanlagen zugleich, die neu im September 2006 in Betrieb genommene Abfüllanlage kann pro Stunde 55.000 Flaschen füllen. Mit 186 Beschäftigten (davon 10 Auszubildende; Stand Februar 2018) gilt die Brauerei in Lich als einer der größten Arbeitgeber in der Region. Im Januar 2010 wurde die neue Flaschenwaschmaschine offiziell in Betrieb genommen.[4]

Markenhistorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der seit den 1960er Jahren benutzte Slogan „Aus dem Herzen von Hessen“ wurde 1970 zu „Licher Bier. Aus dem Herzen der Natur“ umgewandelt. Heute lautet der Claim nur noch „Aus dem Herzen der Natur“, womit der Bezug der Marke zur Natur unterstrichen werden soll. In der Markenkommunikation wird neben dem Licher-Grün seit den 1990er Jahren der Eisvogel verwendet. Er symbolisiert die Markenwerte Reinheit, Frische und Natürlichkeit und wurde bereits für den ersten TV Auftritt 1995 genutzt. 1993 erhielt Licher mit dem bronzenen Effie des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen (GWA) einen der wichtigsten Preise der Branche für seine Werbekampagnen. Das „Hessenmädchen“, ursprünglich eine grafische Kombination der Gründer-Initialen J und M wurde seit den 1920er Jahren zusammen mit dem Licher Schloss bis Ende 2012 auf dem Etikett jeder Pils-Bierflasche abgebildet. Am 1. November 2012 wurde die Wortbildmarke neu designt und der Eisvogel als „Markenbotschafter“ verwendet.[5]

Licher setzt sich für den Erhalt und Wiederaufbau der heimischen Flora und Fauna ein und ist Partner des Hessischen Naturschutzzentrum (NZH) und der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Außerdem engagiert sich Licher für verschiedene Freizeit- und Nationalparks, wie zum Beispiel für den Nationalpark Kellerwald-Edersee. Des Weiteren sponsert Licher diverse kulturelle Veranstaltungen und Feste in der Region, wie z. B. Licher Wiesnfeste, den „Kultursommer Gießen“ sowie viele weitere hessische Veranstaltungen.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Magirus-Lkw, Baujahr 1927, als historisches Werbefahrzeug

Seit 2007 veröffentlicht die Brauerei keine absoluten Zahlen zum Getränke-Ausstoß mehr, für 2011 werden prozentuale Zahlen für Hessen zitiert[2]: so habe man laut Nielsens »Biermarkt in Hessen« beim Absatz von Bier und Biermixgetränken die Marktführerschaft ausgebaut: Der Marktanteil sei von 10,4 (2009) über 11,4 (2010) auf jetzt 11,6 Prozent gewachsen, beim reinen Pilsbier-Ausstoß betrage der Marktanteil 11,8 Prozent. 2006 produzierte Licher nach eigenen Angaben 780.000 Hektoliter Bier (2005: 775.000). Sie verwendet dazu Brauwasser aus eigenen Tiefbrunnen und Hefe aus eigener Reinzucht.

Folgende Produkte werden von Licher derzeit (Stand April 2019) vertrieben:

  • Licher Pilsner: Bier nach Pilsner Brauart mit 4,9 % Alkoholgehalt und 11,5 % Stammwürze.
  • Licher Export: Alkoholgehalt: 5,4 %; Stammwürze: 12,4 %.
  • Licher 1854 Kellerbier: Naturtrübes Kellerbier, gebraut nach der Rezeptur aus dem Jahre 1854. Alkoholgehalt: 5,0 %, Stammwürze: 11,8 %.
  • Licher Isotonisch Alkoholfreies Pilsner: Alkoholgehalt: <0,5 %, Stammwürze: 11,5 %.
  • Licher Isotonisch Alkoholfrei Grapefruit: Biermischgetränk; Alkoholgehalt: <0,1 %, Stammwürze: 6,7 %.
  • Licher Weizen: Alkoholgehalt: 5,4 %, Stammwürze: 12,3 %.
  • Licher Weizen Alkoholfrei: Alkoholgehalt: 0,4 %, Stammwürze: 7,2 %.
  • Licher Leicht: eine alkohol- und kalorienreduzierte Pils-Variante. Alkoholgehalt: 2,8 %, Stammwürze: 7,1 %.
  • Licher Radler: Biermischgetränk aus jeweils 50 % Zitronenlimonade und 50 % Licher Pilsner. Alkoholgehalt: 2,5 %; Stammwürze: 9,7 %.
  • Licher x2: Biermischgetränk aus 60 % koffeinhaltiger Limonade mit Cola-Geschmack und 40 % Licher Pilsner. Alkoholgehalt: 2,2 %, Stammwürze: 10,7 %.
  • Licher Natur Radler: Die Zitronenlimonade wird aus natürlichem Zitronensaft hergestellt. Alkoholgehalt: 2,5 %; Stammwürze: 10,8 %.
  • Licher Natur Radler Alkoholfrei: Die Zitronenlimonade wird aus natürlichem Zitronensaft hergestellt. Alkoholgehalt: <0,5 %; Stammwürze: 9,4 %.
  • Hessenquell Landbier: Traditionsmarke. Alkoholgehalt: 5 %.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis Ende 2016 unterhielt Licher einen eigenen Pferdestall auf ihrem Gelände. Die Brauereipferde wurden u. a. als Sechserzug bei Umzügen in Hessen und beim Hessentag eingesetzt. Aufgrund des Rückgangs von Festumzügen entschied sich die Brauerei, den Pferdestall zu schließen und ihre acht Rheinisch-Deutschen Kaltblüter an Pferdehalter in Mittelhessen abzugeben.

Licher schreibt seit 1995 jedes Jahr den Fotowettbewerb „Mensch und Natur“ für Profi- und Hobbyfotografen aus.[6] Der soll das aktuelle Verhältnis von Mensch und Natur visualisieren. Prämiert werden vier Siegerbilder, ein Publikumsliebling sowie 45 weitere Motive. Die Wanderausstellung zum Licher Fotopreis geht jedes Jahr auf „Hessen-Tour“ und wird u. a. im Hessenpark, in Gießen und auf dem Hoherodskopf gezeigt.

Des Weiteren ist die Licher Privatbrauerei Partner von zwei Ballon-Teams in Pohlheim und Wetzlar.

In einem Kochturnier mit regionalen Menüzutaten kämpften bis ins Jahr 2010 hessische Profiköche jedes Jahr um den von Licher gestifteten „Eisvogel-Pokal“ der Gastronomie-Kooperation Hessen à la carte.[7]

Für die Sat.1-Wochenshow wurde eine Parodie auf den Licher-Werbespot mit dem fiktiven Produktnamen „Dicht“ erstellt.

Sportsponsoring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brauerei ist Sponsor folgender Mannschaften des hessischen Spitzensports:[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Licher Privatbrauerei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Offizielle Website
  • Yvonne Menne: Made in Hessen: Die Licher Geschichte – Bier aus der Wetterau, 2011, In: hr fernsehen, gesendet am 7. Februar 2012, 21:00 Uhr (mit Video), abgerufen am 14. Februar 2012 (depubliziert)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. »Licher« entwickelt sich 2008 »mit dem Markt«. In: Gießener Allgemeine Zeitung. 17. Oktober 2008, S. 37.
  2. a b Licher Brauerei baut Marktführerschaft in Hessen aus. In: Gießener Allgemeine Zeitung. 3. März 2012 (online).
  3. Nachhaltigkeit mit Brief und Siegel. Abgerufen am 2. März 2018.
  4. Licher Chroniken.
  5. Biermarke Licher im neuen Design. In: Design Tagebuch. 20. Februar 2013, abgerufen am 4. Dezember 2014.
  6. Licher: Artikel zum Thema Fotopreis "Mensch und Natur" im Newsroom
  7. Kochwettbewerb „Hessische Regionalküche“: Eisvogelpokal 2010. (Nicht mehr online verfügbar.) DEHOGA Hessen e.V., archiviert vom Original am 7. Dezember 2015; abgerufen am 13. März 2012. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dehoga-hessen.de
  8. Licher Privatbrauerei Jhring-Melchior: Aus der Region, für die Region: Licher Sport. In: licher.de, abgerufen am 5. April 2018


Koordinaten: 50° 30′ 53,93″ N, 8° 49′ 4,91″ O