Lichte

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Dieser Artikel beschreibt die Gemeinde Lichte. Zu anderen Bedeutungen siehe Lichte (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Lichte
Lichte
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Lichte hervorgehoben
Koordinaten: 50° 32′ N, 11° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Saalfeld-Rudolstadt
Verwaltungs­gemeinschaft: Lichtetal am Rennsteig
Höhe: 580 m ü. NHN
Fläche: 19,35 km2
Einwohner: 1516 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 78 Einwohner je km2
Postleitzahl: 98739
Vorwahl: 036701
Kfz-Kennzeichen: SLF, RU
Gemeindeschlüssel: 16 0 73 049
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Saalfelder Str. 4
98739 Lichte
Bürgermeister: Holger Koch
Lage der Gemeinde Lichte im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
Allendorf Altenbeuthen Bad Blankenburg Bechstedt Cursdorf Deesbach Döschnitz Dröbischau Drognitz Gräfenthal Hohenwarte Kamsdorf Katzhütte Kaulsdorf (Saale) Königsee-Rottenbach Lehesten Leutenberg Lichte Mellenbach-Glasbach Meura Meuselbach-Schwarzmühle Oberhain Oberweißbach/Thüringer Wald Piesau Probstzella Reichmannsdorf Remda-Teichel Rohrbach Königsee-Rottenbach Rudolstadt Saalfeld/Saale Saalfelder Höhe Schmiedefeld (Lichtetal) Schwarzburg Sitzendorf Uhlstädt-Kirchhasel Unterweißbach Unterwellenborn Wittgendorf ThüringenKarte
Über dieses Bild
Elisabeth-Kirche zu Lichte-Wallendorf (erbaut 1734)

Lichte ist eine Gemeinde im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen (Deutschland). Die Gemeinde gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Lichtetal am Rennsteig, die ihren Verwaltungssitz in Lichte hat. Der Ort wurde erstmals 1414 urkundlich erwähnt.[2]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichte liegt im Thüringer Schiefergebirge nahe den Städten Coburg, Ilmenau, Saalfeld und Sonneberg. Der gesamte Ort und die umliegenden Berge sind Teil des Naturparks Thüringer Wald. Der Rennsteig und die ehemalige innerdeutsche Grenze verlaufen nur wenig südlich.

Lichte erstreckt sich weit in den Tälern der Lichte und der Piesau. Beide Flüsse und die Gebirgsbäche der umliegenden Täler speisen eine der größten Trinkwassertalsperren Deutschlands, die Talsperre Leibis-Lichte mit der Vorsperre Deesbach, gelegen unmittelbar am nördlichen Ortsausgang von Lichte (Geiersthal).

Piesau und Lichte formten in Jahrtausenden tief eingeschnittene Täler mit steil abfallenden Berghängen. Vor allem im Unterlauf der Lichte betragen die Unterschiede zwischen Talsohle und Höhenzug bis zu 200 Meter, was für Mittelgebirgsregionen als durchaus beachtlich gilt.

Die Gebirgsbäche in der Umgebung gelten als die goldreichsten Deutschlands.

Berge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berge nahe der Gemeinde Lichte
Bezeichnung Höhe NN Richtung Besonderheit
Spitzer Berg 790,3 m NNO () Nadelwald
Rauhhügel 801,9 m NO () Aussichtsturm, Sendemast
Mutzenberg 770,0 m NO () Nadelwald
Petersberg 646,0 m NO () mit Schutzhütte
Kirchberg 685,6 m SO Aufstieg Wallendorf, Kirchsteig
Mittelberg 803,6 m SSO ()
Apelsberg 785,3 m SW ()
Rückersbiel 755,6 m W () Nadelwald
Hahnberg 685,3 m W () Weidefläche
Sauhügel 721,7 m W ()
Geiersbachkopf 717,6 m W Quellgebiet Geiersbach, Nebenfluss Lichte

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Lichte besteht aus folgenden Ortsteilen:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1764 wurde in Lichte Porzellan hergestellt, die Wallendorfer Porzellanmanufaktur gehörte somit zu den ältesten Europas. Wallendorfer Porzellan erlangte schnell Zuspruch weit über die damaligen Landesgrenzen hinaus. So wurde bereits 1822 durch Johann Heinrich Leder in Lichte eine weitere Porzellanmanufaktur, die heutige Lichte Porzellan GmbH, gegründet. Obwohl das neue Unternehmen im Wettbewerb zu Wallendorf stand, gelang rasch die Erschließung eigener Märkte, die bis heute gehalten werden konnten, obwohl auch hier die beiden Weltkriege und die Abschottung zu DDR-Zeiten kaum förderlich waren.

Bis 1920 war der Ort entlang der Lichte geteilt: der Osten gehörte zum Sachsen-Meiningischen Kreis Saalfeld, während der Westen zum Schwarzburg-Rudolstädtischen Landratsamt Königsee (Schwarzburg-Rudolstädter Oberherrschaft) zählte. Die Gemeinde wurde 1952 aus mehreren zusammengewachsenen Taldörfern (von Süden nach Norden: Lichte, Wallendorf, Geiersthal und Bock und Teich) gegründet. Von 1922 bis 1952 gehörte die Gemeinde zum Landkreis Saalfeld, zwischen 1952 und 1994 zum Kreis Neuhaus und seitdem zum Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten Arbeitskräfte aus Polen in Wallendorf Zwangsarbeit verrichten, woran vier Gräber auf dem dortigen Friedhof erinnern. An zwei Opfer des Todesmarsches von Häftlingen des KZ Buchenwald im April 1945, die im Finsteren Grund am Eisenbahnviadukt gefunden wurden, erinnert eine Gedenktafel auf dem Friedhof von Lichte.[3]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung: „In Grün mit goldenem Winkelschildfuß ein silberner Leuchter mit goldener Flamme und ständerförmig angeordneten Strahlen im Schildhaupt, beseitet von vier silbernen Ahornblättern.“

Das Wappen von Lichte[4] greift ein älteres Siegelmotiv auf, führt damit eine örtliche Darstellungstradition fort und steht für die jahrhundertelange Tradition der Porzellanherstellung im Tal der Piesau und Lichte. Die Ahornblätter symbolisieren die vier Ortsteile und eine für die Gemeindefluren charakteristische Baumart. Sie verweisen gemeinsam mit der Schildfarbe Grün auf die Lage der Gemeinde im Thüringer Wald, dem „grünen Herzen Deutschlands“.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichte (Ortsteil Wallendorf) ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Lichtetal am Rennsteig mit den Orten Lichte, Piesau, Reichmannsdorf und Schmiedefeld.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Lichte besteht aus zwölf Ratsfrauen und -herren einschließlich des Bürgermeisters.

Gemeinderatsmandate 2009 und 2014
Wahljahr CDU Bürgerinitiative (BI) Summe
2009 5 7 12 Mandate
2014[5] 7 5 12 Mandate

Landtagswahl 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichte fiel durch die landesweit geringste Wahlbeteiligung aller Thüringer Gemeinden auf. Von 1369 Wahlberechtigten gingen 392 (28,6 %) zur Wahl. Sie gaben 379 gültige Zweitstimmen ab. Bemerkenswert war der hohe Stimmenanteil der AfD mit 24,4 %.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Piesau-Viadukt Lichte[6], Wahrzeichen von Lichte
  • Heimatmuseum Lichte (Ortsteil Geiersthal)
  • Kirche zu Wallendorf – erbaut 1733 im Stil des Bauernbarocks
  • Eisenbahn-Viadukt im Bereich der Hammerwiesen zu Lichte, zehn Gewölbebögen, L = 258 m, H = 34 m – überspannt das Tal, die Bundesstraße 281 und die Piesau im Bereich der Hammerwiesen am ehemaligen Lipfertshammer
  • Finstergrund-Viadukt[6] über die Kleine Lichte, Ortsausgang Lichte (Waschdorf)
  • Zeichen- und Modellierschule, Gründung 1862 (Ortsteil Geiersthal in der Ferienanlage Lichte-Geiersthal neben dem Waldhotel Feldbachtal)
  • Schwimmbad in Geiersthal

→ Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Lichte[7]

Denkmale der Gefallenen der Weltkriege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • in Lichte (Ascherbach/Waschdorf)
  • in Lichte (Bock-und-Teich), B 281 Saalfelder Str., Einmündung Piesauer Str.
  • in Lichte (Geiersthal) am Dürrer Berg
  • in Lichte (Wallendorf) am Kirchweg

Denkmale Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedhof zu Lichte (Wallendorf): Einzelgräber zur Erinnerung an vier polnische Zwangsarbeiter
  • Friedhof zu Lichte (Dorst): Gedenktafel an zwei Opfer des Todesmarsches im April 1945 aus dem KZ Buchenwald (Fundort Finstern Grund unter dem Eisenbahnviadukt).[3]

Wiederkehrende Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichte (Wallendorf), Porzellanprinzessin mit 3.000 Kaffee- und Teekannen (2010)
  • Porzellanmarkt, am letzten Wochenende im Juli mit Krönung der Porzellanprinzessin
  • Porzellanweihnacht am 1. Advent
  • Lichtner Kirmes – geht auf eine Genehmigung des Landesfürsten (1825) zurück, vor Michaeli (29. September) Jahrmärkte halten zu dürfen (Thür.St.Archiv Rudolstadt: A/XVII,C.1.Nr.49; F/LXXII, Nr.21)

Verdienstvolle Bürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein zu Ehren C.M. Hutschenreuthers

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaft Lichtes ist (typisch für das Thüringer Schiefergebirge) von Tourismus, Glas-, Porzellan- und Holzindustrie geprägt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt an der B 281 (Saalfeld/SaaleEisfeld), deren Anstieg auf den Rennsteig (850 m ü. NHN) hier beginnt. Weitere Straßen führen nach Oberweißbach und Gräfenthal. 1899 erhielt der Ort einen Eisenbahnanschluss zur Frankenwaldbahn bei Probstzella und 1913 nach Neuhaus am Rennweg. Die Bahnstrecke Probstzella-Ernstthal ist seit 1998 außer Betrieb und wurde im Juni 2006 endgültig stillgelegt. Im Ort liegen die Bahnhöfe Lichte (Ost) und Lichte (Thür.). Die größten Bauwerke der Eisenbahnstrecke durch das Lichtetal sind das Viadukt Hammerwiesen in Lichte (Wallendorf) und das Viadukt Finsterer Grund am Ortsausgang Lichte (Waschdorf) Richtung Ernstthal.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Markus Schade: Gold in Thüringen. Thüringer Wald, Schiefergebirge, Frankenwald. Herkunft – Entstehung – Fundorte. Thüringer Landesanstalt für Geologie, Weimar 2001, ISBN 3-9806811-3-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Paul Lattermann: Lichte in Thüringen. Wallendorf, Bock und Teich, Lichte, Geiersthal. Entstehung und Entwicklung. Verwaltungsgemeinschaft Lichtetal am Rennsteig, Lichte 1996, S. 27.
  3. a b Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 237.
  4. Das Wappen wurde am 15. Juli 1995 durch das Thüringer Landesverwaltungsamt genehmigt.
  5. Thüringer Landesamt für Statistik: Gemeinderatswahl 2014 in Thüringen – Lichte
  6. a b Hans-Joachim Kirsche: Eisenbahndirektion Erfurt 1882–1993. VBN Verlag B. Neddermeyer, Berlin 2006, ISBN 3-933254-76-0, S. 64.
  7. Gemäß Denkmalliste des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt (PDF; 629 kB).
  8. Wilhelm Vershofen: Tat und Vorbild. 125 Jahre C. M. Hutschenreuther, Hohenberg. 1814–1939. Meisenbach, Bamberg 1939. – Thomas Herzing: 150 Jahre C. M. Hutschenreuther. C. M. Hutschenreuther Porzellan AG, Hohenberg an der Eger 1964. – Wilhelm Siemen (Hrsg.): 175 Jahre Hutschenreuther. Ein Beitrag zum Firmenjubiläum 1814–1989. Ausstellung zur Form und Dekorgeschichte am Beispiel der Service-Entwicklung (= Schriften und Kataloge des Museums der Deutschen Porzellanindustrie. 17, ZDB-ID 1190017-9). Museum der Deutschen Porzellanindustrie, Hohenberg an der Eger 1989.
  9. Heiko Haine (Hrsg.): Alte Meister en miniature – Thüringer Porzellanplattenmalerei (= Schriften und Kataloge des Museums Otto Ludwig Eisfeld. 1, ZDB-ID 2635991-1). Museum Otto Ludwig, Eisfeld 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lichte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien