Lichtenau (Baden)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Lichtenau
Lichtenau (Baden)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Lichtenau hervorgehoben
Koordinaten: 48° 44′ N, 8° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rastatt
Höhe: 127 m ü. NHN
Fläche: 27,62 km²
Einwohner: 4916 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 178 Einwohner je km²
Postleitzahl: 77839
Vorwahl: 07227
Kfz-Kennzeichen: RA, BH
Gemeindeschlüssel: 08 2 16 028
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 15
77839 Lichtenau
Webpräsenz: www.lichtenau-baden.de
Bürgermeister: Christian Greilach (CDU)
Lage der Stadt Lichtenau im Landkreis Rastatt
Rhein Frankreich Rheinland-Pfalz Enzkreis Sinzheim Sinzheim Sinzheim Baden-Baden Baden-Baden Baden-Baden Baden-Baden Baden-Baden Karlsruhe Landkreis Calw Landkreis Freudenstadt Landkreis Karlsruhe Landkreis Karlsruhe Ortenaukreis Ortenaukreis Ortenaukreis Au am Rhein Bietigheim Bischweier Bühlertal Bühlertal Bühlertal Bühl (Baden) Durmersheim Elchesheim-Illingen Forbach (Baden) Gaggenau Gernsbach Hügelsheim Iffezheim Kuppenheim Lichtenau (Baden) Loffenau Muggensturm Muggensturm Ötigheim Ottersweier Ottersweier Rastatt Rheinmünster Rheinmünster Rheinmünster Rheinmünster Sinzheim Steinmauern Weisenbach RheinKarte
Über dieses Bild

Lichtenau ist eine Stadt in Baden-Württemberg und gehört zum Landkreis Rastatt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichtenau liegt in der Oberrheinischen Tiefebene. Das Stadtgebiet breitet sich im Hanauerland am östlichen Ufer des Rheins aus – stromabwärts betrachtet zwischen der Stadt Rheinau im Südsüdwesten und der Gemeinde Rheinmünster im Nordosten. Beim Ortsteil Grauelsbaum befinden sich der Grauelsbaumer Altrheinzug und der Altrheinarm Kirchhöfel.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt grenzt im Norden an Rheinmünster, im Osten an Ottersweier, im Süden an die Stadt Achern und die Stadt Rheinau, beide im Ortenaukreis. Im Westen grenzt das Stadtgebiet an den Rhein der hier die Grenze zum Elsass (Frankreich) mit der Gemeinde Drusenheim bildet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt Lichtenau gehören die Dörfer Grauelsbaum, Muckenschopf, Scherzheim und Ulm, die vor der Eingemeindung jeweils eigene Gemeinden bildeten.

Zur Stadt Lichtenau in den Grenzen vom 31. Dezember 1971 gehören die Stadt Lichtenau, das Gehöft Benshurst-Höfe und die Häuser Stromwarthaus und Neufeld. In der Stadt Lichtenau in den Grenzen vom 31. Dezember 1971 liegt die Wüstung Reinhardsau und im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Ulm vermutlich Hunden (Unden). An den im 17. Jahrhundert aufgegebenen Ort erinnert noch der heutige Gewannname Hunterau.[2] Die Nennung von Unden bezieht sich vielleicht auch auf das einst teilweise rechtsrheinische und heute vollständig linksrheinische, französische Dalhunden.[3]

Wappen
Wappen Lichtenau Baden.png
Lichtenau
Wappen Scherzheim.png
Scherzheim
Wappen Lichtenau-Ulm.png
Ulm
Wappen Muckenschopf.png
Muckenschopf
Wappen Grauelsbaum.png
Grauelsbaum

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt geht zurück auf eine Wasserburg, die die Herren von Lichtenberg Ende des 13. Jahrhunderts – zum Teil aus Abbruchmaterial der von ihnen eroberten Burg Krax im Elsaß – hier errichteten. In der Nachbarschaft der Burg erbauten sie zugleich eine Siedlung, die bereits im Jahr 1300 durch König Albrecht das Hagenauer Stadtrecht verliehen bekam.[4] Die Herren von Lichtenberg konzentrierten hier ihre Verwaltung des Amtes Lichtenau. Bis zur Schleifung 1686 war Lichtenau eine Feste.

Anna von Lichtenberg (* 1442; † 1474), eine von zwei Erbtöchtern und Tochter von Ludwigs V. von Lichtenberg (* 1417; † 1474), heiratete 1458 den Grafen Philipp I. den Älteren von Hanau-Babenhausen (* 1417; † 1480), der eine kleine Sekundogenitur aus dem Bestand der Grafschaft Hanau erhalten hatte, um sie heiraten zu können. Durch die Heirat entstand die Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Nach dem Tod des letzten Lichtenbergers, Jakob von Lichtenberg, eines Onkels von Anna, erhielt Graf Philipp I. d. Ä. 1480 die Hälfte der Herrschaft Lichtenberg, einschließlich Lichtenau.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod des letzten Grafen von Hanau-Lichtenberg, Johann Reinhard III. 1736, fiel das Erbe – und damit auch die Stadt Lichtenau – an den Sohn seiner einzigen Tochter, Charlotte von Hanau-Lichtenberg, Landgraf Ludwig (IX.) von Hessen-Darmstadt. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss gelangte sie 1803 zum neu gebildeten Kurfürstentum Baden (wenige Jahre später: Großherzogtum Baden). Dort gehörte die Stadt zum Landkreis Bühl, später zum Landkreis Kehl und seit der Kreisreform von 1973 zum Landkreis Rastatt.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts wurde in Lichtenau die Reformation eingeführt. Seither ist die Stadt vorwiegend lutherisch geprägt.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die baden-württembergische Gemeindereform fand hier in Etappen statt.

  • Scherzheim am 1. Januar 1972
  • Ulm am 1. Januar 1973
  • Muckenschopf am 1. Januar 1974
  • Grauelsbaum am 1. Januar 1975

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist Mitglied des Gemeindeverwaltungsverbands „Rheinmünster-Lichtenau“ mit Sitz in Rheinmünster.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Gemeinderat gehören neben dem vorsitzenden Bürgermeister 16 Mitglieder an (2009: 21 Sitze). Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 brachte folgendes Ergebnis:

Partei / Liste Stimmenanteil G/V Sitze G/V
CDU 36,2 % + 1,6 6 − 2
SPD 12,3 % + 0,2 2 ± 0
Bürger für Lichtenau (BFL) 27,3 % + 2,9 4 − 1
Freie Wähler Lichtenau 24,1 % + 2,8 4 ± 0

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Silber ein roter Turm mit drei Zinnen und spitzem Dach, davor eine rote Zinnenmauer mit Eingangstor. Auf der linken Mauerseite ruht ein silberner Helm mit blauem Schwanenrumpf.“

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichtenau unterhält partnerschaftliche Beziehungen zur gleichnamigen elsässischen Gemeinde Lichtenberg und zur italienischen Gemeinde Serrungarina.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichtenau ist Endpunkt der Badischen Spargelstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.

Scherzheims Weinbrenner-Kirche

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Hoftheater Scherzheim verfügt Lichtenau über ein Kleinkunsttheater mit ca. 50 Plätzen.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Heimatverein Medicus betreibt das Heimatmuseum der Stadt.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1986 erinnert ein Gedenkstein neben dem Grundstück Schmiedstraße 2 an die Synagoge der jüdischen Einwohner. Sie blieb zwar beim Novemberpogrom 1938 unzerstört, wurde aber später abgetragen. Das ehemalige jüdische Schulgebäude ist heute in einen Kindergarten integriert.[5]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsteil Scherzheim wurde die erste Kirche von Badens berühmten Baumeister Friedrich Weinbrenner errichtet. 1811 erbaut, wurde sie zum gestaltgebenden Vorbild für die Kirchen im Stil des Klassizismus in Baden. Konzipiert aus zwei leicht ablesbaren Baukörpern: Kirchturm und Kirchenschiff, strebt Ersterer kraftvoll aus der Vorderseite des Langhauses in die Höhe. Markant das Glockengeschoss und die hohe Eingangsnische in der Art eines Triumphbogens als edelste Bauteile der Gesamtkomposition.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Gustav-Heinemann-Schule verfügt Lichtenau über eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Außerdem gibt es vier Kindergärten in der Stadt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Eyer: Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202–1480. Untersuchungen über den Besitz, die Herrschaft und die Hausmachtpolitik eines oberrheinischen Herrengeschlechts = Schriften der Erwin von Steinbach-Stiftung 10. 2. Aufl. Bad Neustadt an der Saale 1985 [Nachdruck des Werks von 1938]. ISBN 3-922923-31-3
  • Wilhelm Mechler: Das Territorium der Lichtenberger rechts des Rheins. In: Société d’Histoire et d’Archaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.): Cinquième centenaire de la création du Comté de Hanau-Lichtenberg 1480 – 1980 = Pays d’Alsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. 31–37.
  • Ulrich Coenen: Die Baukunst der nördlichen Ortenau. Denkmäler in Bühl, Bühlertal, Ottersweier, Lichtenau, Rheinmünster und Sinzheim. Karlsruhe 1993.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lichtenau (Baden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Erwin Dittler: Hundsfeld – Aspekte einer Namensdeutung. In: Die Ortenau – Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden, Jg. 68 (1988), S. 98 Digitalisat
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 186–188
  4. Mechler, 32f; Eyer, S. 228f.
  5. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 56, ISBN 3-89331-208-0