Lichtenberg (Fischbachtal)

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Lichtenberg
Gemeinde Fischbachtal
Wappen von Lichtenberg
Koordinaten: 49° 46′ 23″ N, 8° 48′ 27″ O
Höhe: 270 (254–276) m ü. NHN
Fläche: 1,65 km²[1]
Einwohner: 444 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 269 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 64405
Vorwahl: 06166
Karte
Fischbachtal, Lichtenberg in Rot
Schloss Lichtenberg (2006)

Lichtenberg ist ein Ortsteil der Gemeinde Fischbachtal im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg. Zu ihm gehören der ehemalige Ortsteil Obernhausen, der Weiler Hütte Kernbach und das historische Hofgut und Weiler Hottenbacher Hof.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichtenberg liegt im nördlichen Odenwald im Fischbachtal, angrenzend an Niedernhausen im Osten. Durch den Ort führt die Landesstraße 3107.

Der Ort liegt unmittelbar westlich unterhalb dem auf einem Bergkegel erbauten Schloss Lichtenberg und war rings mit einer Mauer umgeben, die sich an der Südwestecke des Schlosses und am Pfortenhause an die Ringmauer anschloss.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf im Jahre 1228. 1420 gibt Graf Johann IV. von Katzenelnbogen die Güter zu Rodau und Lichtenberg, die der verstorbene Heinrich von Hatzstein[3] besessen hatte, Hamman Echter als Burglehen zu Reinheim. Im 16. Jahrhundert üben die Landgrafen von Hessen die hohe Obrigkeit aus. Bis ins 19. Jahrhundert war Lichtenberg der Sitz des gleichnamigen Amtes. 1312 und 1360 wurden dem Ort Stadtrechte verliehen.[1]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Lichtenberg:

»Lichtenberg (L. Bez. Reinheim) luth. Filialdorf; liegt 114 St. von Reinheim, auf einem östlich steil anlaufenden Berge, und hat 24 Häuser und 212 Einw., die bis auf 2 Kath. und 1 Reform. alle lutherisch sind. Lichtenberg ist der Sitz des Landgerichts und des Rentamts. Hier ist ein Schloß, in welchem sich die Wohnung des Landrichters, die Registraturen, eine Kirche und die Fruchtspeicher befinden. Es besteht aus dem Hauptbau mit 2 Flügeln, ist sehr geräumig und aus ziemlich neuer Zeit; älter sind zum Theil die Nebengebäude, als Stallungen etc.; und der älteste Theil ist das sogenannte Bollwerk, ein runder halbverfallener Thurm, der 238 Hess. Fuß im Umfang hat, und von ausnehmender Vestigkeit gewesen ist. Das Schloß, die Rentei, das Bezirksgefängniß und mehrere Privatwohnungen liegen innerhalb der Umfangsmauer, die mit einem Thore versehen ist. – In der Heppenheimer Markbeschreibung 773, wird ein Gelicheberga genannt, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß die gegenwärtige Stelle damit gemeint sey. Lichtenberg war ein Eigenthum des Klosters Lorsch, und wurde von diesem zu Lehen gegeben. So weit die Urkunden reichen, gehörte das Schloß den Grafen von Katzenellenbogen. Zuerst kommt Graf Diether II. († vor 1245) als Besitzer vor, der sich auch darnach benannte. Nachdem Lorsch an die Pfalz gekommen, trugen die spätern Besitzer Lichtenberg von dieser zu Lehen. Im 14. Jahrhundert kam Lichtenberg eine Zeitlang in andere Hände, weil Graf Diether IV., indem er seiner Gemahlin Catharine, 1308, ihr Witthum auf dieses anwieß, die gewöhnliche Clausel, wegen einer zweiten Verheurathung, ausgelassen hatte. Dieser Gräfin, die mit Raugraf Heinrich dem Aeltern in die zweite Ehe trat, wurde demnach durch einen Austrägalspruch das Schloß auch in zweiter Ehe, als ihr Witthum aus erster Ehe, zugesprochen. Dessen ungeachtet sah Graf Heinrich von Spanheim, der Sohn ihrer einzigen an Philipp von Spanheim vermählten Tochter, das Schloß als Erbgut an, und bewitthumte mit pfälzischer Lehensbewilligung seine Gemahlin Adelheid, eine Tochter des Grafen Johann I. von Katzenellenbogen darauf. Graf Heinrich von Spanheim erhielt 1360 von Kaiser Carl IV. für das Schloß und Thal Lichtenberg alle Freiheiten der Stadt Lindenfels. Nach des Grafen Tod, kam das Schloß wieder an die Grafen von Katzenellenbogen. Unterm Jahr 1440 werden folgende Burgmänner des Schlosses aufgeführt: Georg von Holterpach, Conz Geyling, Dieterich von Hohenstein, Bernhart Kalben, Hanß von Habern, Hanß Rorbach, Diether Gans. Noch 1482 hatte das Vehmgericht hier einen Freistuhl. Die alte Burg war rund gebaut; das jetzige Viereck legte Landgraf Georg I. an; auch errichtete er 1570 eine Schloßkapelle. Landgraf Ludwig V. machte den 8. Oktob. 1625 hier sein Testament, und Landgraf Georg II. begab sich, wegen der Pest in Darmstadt, 1629 mit seinem ganzen Hofstaat hierher. Im 30jährigen Krieg war Lichtenberg als vester Ort, der Zufluchtsort vieler Unglücklichen. Im Jahr 1688 im Decemb. kam eine Besatzung, aus 1 Lieutenant und 60 Mann bestehend, nach Lichtenberg mit dem Befehl, weder französische noch andere Völker einzulassen. 1693 wurde mit den Bevestigungen zu Lichtenberg so wie mit dem Geschütz, das nicht unbeträchtlich war, alle erforderlichen Reparaturen vorgenommen, womit 1694 fortgefahren wurde. Im Jahr 1735 wurden gleichfalls Ausbesserungen an den Bevestigungen und dem Geschütz vorgenommen. Damals befanden sich selbst auf dem Bollwerk 2 metallene Stücke und 4 Doppelhaken. – Eine Wasserleitung brachte einst das Wasser in das Schloß. Lichtenberg hat einem Amte den Namen gegeben und war von jeher der Sitz der Beamten. Im Jahr 1802 wurde die pfälzische Lehensherrlichkeit aufgehoben und Lichtenberg ist nun Allodium[4]

Spätestens vor Gründung des Landes Hessen wurde Lichtenberg nicht mehr als Stadt bezeichnet, sondern galt bis zum freiwilligen Zusammenschluss im Zuge der Gebietsreform in Hessen als Gemeinde. Der Zusammenschluss mit den Gemeinden Steinau, Meßbach, Nonrod, Billings und Niedernhausen zur Gemeinde Fischbachtal erfolgte am 31. Dezember 1971.[5][1] Für jeder der früheren Gemeinden wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.[6] Die Gemeindeverwaltung erhielt ihres Sitz im Ortsteil Niedernhausen.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Lichtenberg unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1] Lichtenberg (1228); Leychtemberg (1312); Lihtenberg (1323); Lychtemberg (1345); Lihtinberg; Lihtenberg (1355); Liechtenberg (1360); Lichtenberg (1388)

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Lichtenberg lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][7][8]

Gerichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Lichtenberg war bis 1803 das Gericht des Schlosses Lichtenberg zuständig.[10][1] In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war für Lichtenberg das Amt Lichtenberg zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Lichtenberg das Gericht erster Instanz. Es folgten:[1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1629: 22 Hausgesesse (Lichtenberg und Obernhausen)[1]
• 1791: 81 (mit Schloß und Burg) Einwohner[10]
• 1800: 155 (mit Schloß und Burg) Einwohner[11]
• 1806: 174 Einwohner, 18 Häuser[9] (mit Kirnbach und Allertshofen)
• 1829: 212 Einwohner, 24 Häuser[4]
• 1867: 226 Einwohner, 40 Häuser[12]
Lichtenberg: Einwohnerzahlen von 1829 bis 2011
Jahr  Einwohner
1829
  
212
1834
  
430
1840
  
377
1846
  
355
1852
  
305
1858
  
265
1864
  
275
1871
  
281
1875
  
280
1885
  
269
1895
  
226
1905
  
263
1910
  
287
1925
  
278
1939
  
360
1946
  
528
1950
  
510
1956
  
471
1961
  
438
1967
  
532
1970
  
524
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
471
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Zensus 2011[13]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1829: 209 lutheranische (= 98,58 %), einen reformierten (= 0,47 %) und 2 katholische (= 0,94 %) Einwohner[4]
• 1961: 386 evangelische (= 88,13 %), 40 katholische (= 9,13 %) Einwohner[1]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Lichtenberg besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Lichtenberg) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.[6] Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Seit den Kommunalwahlen 2016 gehören ihm ein Mitglied der SPD, ein Mitglied der CDU, zwei Mitglieder der FWF[14] und ein Mitglieder dem Bündnis 90/Die Grünen an. Ortsvorsteher ist Achim Frank (FWF).[15]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Ort gibt es einen geografisch-historischen Lehrpfad.
  • Lichtenberger Institut für angewandte Stimmphysiologie: Im Jahre 1980 wurde von Arbeitswissenschaftler Professor Dr. Ing. Walter Rohmert ein Forschungsprojekt am Institut für Arbeitswissenschaft (IAD) der Technischen Universität Darmstadt zur Gewinnung neuer Erkenntnisse zur Gesangs- und Instrumentalforschung und deren Praxiseinsatz begründet. Mit umfangreichen akustischen und physiologischen Messmethoden werden die Vorgänge bei Gesang und Instrumentalspiel erfasst und Körpertechniken und physiologische Modelle auf deren Wirkung des Stimmklangs untersucht. Zur Durchführung praktischer Feldversuche wurde 1982 das Lichtenberger Institut gegründet, um die theoretischen Hypothesen und Erkenntnisse mit Testpersonen praktisch zu überprüfen. Die verschiedenen Seminarprogramme des Instituts werden von Sängern, Instrumentalisten, Schauspielern, Menschen in Sprechberufen, Therapeuten in Anspruch genommen. Die Inhalte der mehrtägigen Lehrgänge liegen in den Feldern der praktischen Körpererfahrungen (Beziehung zwischen Körper und Klang), sowie der theoretischen und praxisnahen Vermittlung von Betrachtungsweisen aus Akustik, Anatomie, Pädagogik, Physiologie und Synergetik.[18] Bei der zwischenzeitlich patentierten Lichtenberger Methode werden dem Schüler neutrale Klavierklänge vorgegeben, er singt auf diesen vorgespielten Tönen einfache Vokalfolgen auf einer Prime mit dem Ziele einer prozesshaften Entwicklung verschiedener Klangparameter im Wohlfühlbereich.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lichtenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Lichtenberg, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. Juni 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Fischbachtal in Zahlen. In: Webauftritt. Gemeinde Fischbachtal, abgerufen im November 2019.
  3. Hier ist vermutlich Heinrich zu Hattstein gemeint, der 1385 und 1391 über die Mainzer Ingrossaturbücher, den Regesten der Mainzer Erzbischöfe, urkundlich wird und im Raum Bergstraße und im Vorderen Odenwald mehrere Lehen und Ganerbenbesitz besaß.
  4. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, OCLC 312528080, S. 140 (Online bei google books).
  5. Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschluss und Gliederung von Gemeinden (Punkt 93, Nr. 71) vom 29. Dezember 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 3, S. 84, 88 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,0 MB]).
  6. a b Hauptsatzung. (PDF; 237 kB) §; 5. In: Webauftritt. Gemeinde Fischbachtal, abgerufen im Juli 2019.
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, DNB 013163434, OCLC 894925483, S. 43 ff. (Online bei google books).
  9. a b Verzeichnis der Ämter, Orte, Häuser, Einwohnerzahl. (1806)HStAD Bestand E 8 A Nr. 352/4. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: 6. Februar 1806.
  10. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 122 (Online in der HathiTrust digital library).
  11. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 123 (Online in der HathiTrust digital library).
  12. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. nn (Online bei google books).
  13. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  14. Freie Wählergemeinschaft Fischbachtal. Webauftritt. In: fwf-fischbachtal.de. Abgerufen im November 2019.
  15. Ortsbeiräte. In: Webauftritt. Gemeinde Fischbachtal, abgerufen im November 2019.
  16. Darmstädter Echo, Samstag, 1. Oktober 2016, S. 26
  17. Darmstädter Echo, Donnerstag, 26. November 2015, S. 20
  18. Lichtenberger Institut für angewandte Stimmphysiologie. Abgerufen am 31. Oktober 2017.
  19. Was ist die Lichtenberger®Methode ? Abgerufen am 31. Oktober 2017.