Lichtentanne

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Lichtentanne
Lichtentanne
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Lichtentanne hervorgehoben
Koordinaten: 50° 42′ N, 12° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Zwickau
Höhe: 329 m ü. NHN
Fläche: 27,32 km2
Einwohner: 6533 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 239 Einwohner je km2
Postleitzahl: 08115
Vorwahlen: 0375, 037600, 037607
Kfz-Kennzeichen: Z, GC, HOT, WDA
Gemeindeschlüssel: 14 5 24 170
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 69
08115 Lichtentanne
Webpräsenz: www.gemeinde-lichtentanne.de
Bürgermeister: Tino Obst (CDU)
Lage der Gemeinde Lichtentanne im Landkreis Zwickau
BernsdorfCallenbergCrimmitschauCrinitzbergDennheritzFraureuthGersdorfGlauchauHartensteinHartmannsdorfHirschfeldHohenstein-ErnstthalKirchbergLangenbernsdorfLangenweißbachLichtensteinLichtentanneLimbach-OberfrohnaMeeraneMülsenNeukirchen/PleißeNiederfrohnaOberlungwitzOberwieraReinsdorfRemseSchönbergSt. EgidienWaldenburgWerdauWildenfelsWilkau-HaßlauZwickauSachsenThüringenVogtlandkreisErzgebirgskreisChemnitzLandkreis MittelsachsenKarte
Über dieses Bild

Lichtentanne ist eine Gemeinde im Landkreis Zwickau in Sachsen. Sie liegt im oberen Tal der Pleiße.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pleißenquelle

Das Gebiet der Gemeinde Lichtentanne befindet sich südwestlich der Stadt Zwickau im Naturraum Erzgebirgsbecken (Oberes Pleißeland). Lichtentanne liegt im Tal der Pleiße, deren Quelle sich im Ortsteil Ebersbrunn befindet.

Angrenzende Gemeinden sind Fraureuth, Hirschfeld, die Städte Werdau und Zwickau im Landkreis Zwickau, Heinsdorfergrund und Neumark im Vogtlandkreis.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

12. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das obere Pleißental wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts durch fränkische und thüringische Bauern besiedelt. Der Ort Lichtentanne wurde vermutlich zwischen 1100 und 1200 gegründet, die urkundliche Ersterwähnung erfolgt jedoch erst im Jahr 1369. Bereits 1150 wurde die Kirche St. Barbara erbaut. Das Einzelgut Brand in der östlichen Ortsflur von Lichtentanne wurde im Jahr 1527 erstmals erwähnt. Die Kirche von Lichtentanne wurde im Jahr 1546 durch Auspfarrung aus Schönfels eigenständig. Die Grundherrschaft über Lichtentanne lag im 16. Jahrhundert zu den Rittergütern Lichtentanne,[2] Thanhof,[3] Alt-Schönfels[4] und Leubnitz.[5] Im 18. Jahrhundert wurden nur noch Lichtentanne, Thanhof und Alt-Schönfels erwähnt. Das Rittergut Lichtentanne wurde erstmals 1551 erwähnt. Zwischen Ende des 17. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts existierten zwei Rittergüter, das Heckelsche und das Ehrlersche Rittergut,[6] parallel. Nach deren Wiedervereinigung wurde 1875 wieder nur ein Rittergut erwähnt. Im Jahr 1831 wurde neben der Kirche eine Schule errichtet. Drei Jahre später eröffnete der Gasthof „Zur lichten Tanne“. Mit der Eröffnung des Abschnitts CrimmitschauWerdau der Bahnstrecke Leipzig–Hof und der Stichstrecke nach Zwickau führten erstmals Gleise über die Flur von Lichtentanne. Der Bahnhof des Orts wurde jedoch erst am 1. April 1885 an der Bahnstrecke Dresden–Werdau eröffnet.

Lichtentanne gehörte bis 1856 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Zwickau.[7] 1856 wurde Lichtentanne dem Gerichtsamt Zwickau und 1875 der Amtshauptmannschaft Zwickau angegliedert.[8] Im Jahr 1888 wurde die neue Schule (heutiges Rathaus) eingeweiht, welches bereits im Jahr 1900 durch ein drittes Schulgebäude abgelöst wurde. 1895 wurde die Freiwillige Feuerwehr Lichtentanne gegründet.

20. Jahrhundert bis zur Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Wende zum 20. Jahrhunderts wurden im Zuge der Industrialisierung auch in Lichtentanne zahlreiche Betriebe gegründet. Das waren u. a. die Kammgarnspinnerei Carl Schmelzer (1890), das Eisenwerk König-Albert-Werk mit der Werkssiedlung Maxhütte (1898) und die Kleider-, Schürzen- und Wäschefabrik von Emil Möckel (1904). 1907 erfolgte die Grundsteinlegung für die neue Kirche.

Im Jahr 1920 wurde Lichtentanne der Amtshauptmannschaft Werdau zugeordnet.[9] 1922 verschmolzen die Schulbezirke Thanhof und Lichtentanne. Am 1. April 1923 schlossen sich die Gemeinden Lichtentanne und Thanhof (ohne den selbstständigen Rittergutsbezirk Thanhof) unter dem Namen „Lichtentanne“ zu einer Gemeinde zusammen.[10] 1930 erfolgte die endgültige Stilllegung des König-Albert-Werks. Durch die Auflösung der Amtshauptmannschaft Werdau kam die Gemeinde Lichtentanne im Jahr 1933 wieder an die Amtshauptmannschaft Zwickau, die ab 1939 Landkreis Zwickau genannt wurde. Im Jahr 1939 wurden die Siedlungen Brand und Maxhütte mit dem Gelände des Flugplatzes Zwickau nach Zwickau umgegliedert.[11][12] Im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone erfolgte die die Enteignung des Ritterguts Thanhof und die Verteilung des Areals an Neubauern und landarme Bauern. Damit einher ging auch die Umbezirkung der 137 ha großen Fluren des Gutsbezirks Thanhof von Gospersgrün nach Lichtentanne zum 18. Februar 1949.[13]

Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam die Gemeinde Lichtentanne im Jahr 1952 zum Kreis Zwickau-Land im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der ab 1990 als sächsischer Landkreis Zwickau fortgeführt wurde und am 1994 im Landkreis Zwickauer Land aufging. Dieser kam wiederum im Jahr 2008 zum neu gegründeten Landkreis Zwickau. Zum 1. Januar 1996 schlossen sich die Gemeinden Stenn, Schönfels (mit Altrottmannsdorf) und Lichtentanne (mit Thanhof) zur Einheitsgemeinde Lichtentanne zusammen, ein Jahr später folgte Ebersbrunn (mit Hüttelsgrün). Am 1. Januar 1999 wurde die in der Flur von Lichtentanne gelegene Freiheitssiedlung und die bisher zu Ebersbrunn gehörige Siedlung Hüttelsgrün nach Zwickau umgegliedert.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Altrottmannsdorf[14][15] 1. Januar 1949 Eingemeindung nach Schönfels
Ebersbrunn[16] 1. Januar 1997
Schönfels[16] 1. Januar 1996
Stenn[16] 1. Januar 1996
Thanhof 1. April 1923 Rittergutsbezirk Thanhof am 1. April 1923 nach Gospersgrün eingemeindet, am 18. Februar 1949 nach Lichtentanne umgegliedert

Die Ortsteile Brand und Maxhütte wurden am 1. April 1939 von Lichtentanne nach Zwickau umgegliedert, die Freiheitssiedlung am 1. Januar 1999. Ebenfalls am 1. Januar 1999 wurde die einst zu Ebersbrunn gehörige Siedlung Hüttelsgrün nach Zwickau umgegliedert.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

  • 1998: 7175
  • 1999: 7151
  • 2000: 7247
  • 2001: 7285
  • 2002: 7194
  • 2003: 7180
  • 2004: 7173
  • 2005: 7098
  • 2007: 6970
  • 2008: 6921
  • 2010: 6762
  • 2012: 6632
  • 2013: 6634
  • 2016: 6558
Datenquelle: Statistisches Landesamt Sachsen

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[17]
Wahlbeteiligung: 50,5 % (2009: 48,8 %)
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
61,9 %
28,0 %
n. k.
n. k.
5,0 %
5,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+5,0 %p
-0,6 %p
-5,6 %p
-5,2 %p
+1,3 %p
+5,1 %p

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 16 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2017 wurde im zweiten Wahlgang Tino Obst zum Nachfolger von Inge Krauß (CDU) gewählt.[18]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lichtentanne unterhält seit 1990 Gemeindepartnerschaften mit Roßdorf (bei Darmstadt) und Babenhausen im hessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg sowie mit Geiselwind im bayerischen Landkreis Kitzingen.[19]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemal. Rittergut Lichtentanne
  • Gutshaus des Rittergutes Lichtentanne
  • Die älteste Kirche der Gemeinde ist die St.-Barbara-Kirche, in der auch Konzerte gegeben werden. Weitere Kirchen der Gemeinde sind die Christuskirche in Lichtentanne, die Auferstehungskirche in Stenn, die Sankt Martinskirche in Schönfels und die Kreuzkirche in Ebersbrunn.
  • Im Ortsteil Schönfels steht die Burg Schönfels.
  • Im Ortsteil Ebersbrunn befand sich die abgegangene Wasserburg Ebersbrunn; dort entspringt in einem kleinen Parkgelände die Pleißenquelle.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gedenkmauer auf dem Friedhof für fünf weibliche jüdische Häftlinge, die bei einem Todesmarsch von Außenlagern des KZ Flossenbürg im Frühjahr 1945 ums Leben kamen.
  • Kriegerdenkmal in Schönfels, zum Gedenken der Gefallenen des Ersten Weltkrieges.
  • Mahnmal in Lichtentanne, zum Gedenken der Gefallenen der beiden Weltkriege.
  • Mahnmal in Stenn.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lichtentanne sind mehr als 500 klein- und mittelständische Unternehmen in den Bereichen Landwirtschaft, Handwerk und Produktion, Dienstleistung und Handel, Forschung und Entwicklung. Diese sind unter anderem in den Gewerbegebieten in Stenn und Schönfels und im Gewerbepark Lichtentanne ansässig. Stenn ist berühmt für seine "Zuckertütenfabrik", die Roth GmbH im Gewerbegebiet in Stenn. Das Business Innovation Center, kurz BIC, im Ortsteil Stenn ist die erste Adresse für Forschung und Wirtschaft im Landkreis.

Lichtentanne hat einen im Regionalverkehr und der S-Bahn Mitteldeutschland bedienten Haltepunkt an der Sachsen-Franken-Magistrale (Bahnstrecke Dresden–Werdau). Die Ortsteile Stenn und Ebersbrunn besitzen Haltepunkte an der Bahnstrecke Zwickau–Falkenstein, die von der Vogtlandbahn bedient wird. An dieser befand sich auch der heute auf Zwickauer Stadtgebiet liegende Haltepunkt „Zwickau Reichenbacher Straße“, der zwischen 1949 und 1985 bedient wurde. Das Flurstück kam durch eine Umgliederung im Jahr 1999 zur Stadt Zwickau.

Zwischen 1938 und 1977 wurde die Gemeinde Lichtentanne außerdem vom Oberleitungsbus Zwickau bedient.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lichtentanne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Das Rittergut Lichtentanne auf www.sachsens-schlösser.de
  3. Das Rittergut Thanhof auf www.sachsens-schlösser.de
  4. Burg Schönfels auf www.sachsens-schlösser.de
  5. Das Schloss Leubnitz auf www.sachsens-schlösser.de
  6. Lichtentanne im „Handbuch der Geographie“, S. 134
  7. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 64 f.
  8. Die Amtshauptmannschaft Zwickau im Gemeindeverzeichnis 1900
  9. Die Verwaltungsgliederung im Raum Zwickau um 1939 auf www.geschichte-on-demand.de
  10. Thanhof auf gov.genealogy.net
  11. Brand auf gov.genealogy.net
  12. Maxhütte und Brand auf der Webseite der Gemeinde Lichtentanne
  13. Gemeinde Lichtentanne: Gemeinde Lichtentanne. Abgerufen am 24. Juli 2017.
  14. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  15. Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen
  16. a b c Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen
  17. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  18. http://www.freiepresse.de/LOKALES/ZWICKAU/ZWICKAU/Lichtentanne-Tino-Obst-gewinnt-die-Wahl-zum-Buergermeister-artikel9850320.php
  19. Gemeinde Lichtentanne – Partnergemeinden, abgerufen am 13. Mai 2018