Lichtschutzfaktor

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Der Lichtschutzfaktor (LSF; englisch sun protection factor, SPF) dient zur Beurteilung von Lichtschutzpräparaten (Sonnencremes) am Menschen (in vivo). Er gibt an, wie viel mal länger man sich mit einem Sonnenschutzmittel der Sonne aussetzen kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, als dies mit der jeweils individuellen Eigenschutzzeit möglich wäre. Zur Berechnung der Zeitspanne, die man vor einem Sonnenbrand geschützt ist wird der Lichtschutzfaktor mit der Eigenschutzzeit multipliziert. Der SPF wird nach der COLIPA International Sun Protection Factor Test Method bestimmt[1], wobei nach standardisiertem Auftragen von Lichtschutzpräparaten die Erhöhung der Hautrötungsschwelle (minimalen Erythem-Dosis, MED) bestimmt wird.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Definitionsgemäß gibt der Lichtschutzfaktor lediglich die Schutzwirkung eines Produktes gegen die erythemwirksame Strahlung an. Dies ist überwiegend der UV-B-Anteil des Sonnenlichtes. Zum Schutz vor anderen lichtbedingten Hautschäden müssen Sonnenschutzmittel ebenfalls vor UV-A-Strahlung schützen. Daher werden bei Sonnenschutzmitteln in Europa seit 2006 Kriterien zur Mindestwirksamkeit gegenüber UV-B- und UV-A-Strahlung angewendet:

  • Lichtschutzfaktor (SPF): Der Lichtschutzfaktor eines Sonnenschutzmittels soll mindestens 6 betragen
  • UV-A-Schutzfaktor (UV-A-PF): Der UV-A-Schutzfaktor muss mindestens ein Drittel des Lichtschutzfaktors betragen

Ein Sonnenschutzmittel mit einem SPF von 30 soll demzufolge einen UV-A-Schutzfaktor (UV-A-PF) von mindestens 10 aufweisen. Zur Prüfung des UV-A-Schutzfaktors wurde von COLIPA eine Empfehlung zur in-vitro-Prüfung herausgegeben. Die Einhaltung des geforderten UVA-Schutzes wird auf den Packungen durch ein Symbol angezeigt. Es besteht aus einem Kreis, der die Buchstabenkombination „UVA“ enthält.

Nach der heute gültigen Definition sind die früher sehr populären Sonnenschutzprodukte mit Schutzfaktor 2 oder 4 keine Sonnenschutzmittel mehr, da sie die überwiegende Zweckbestimmung (= Sonnenschutz) nicht erfüllen. Zum besseren Verständnis wird auf den Verpackungen neben dem Lichtschutzfaktor noch eine der vier zugeordneten Schutzklassen angegeben (Niedrig, Mittel, Hoch, Sehr hoch).

Der Lichtschutzfaktor wird anhand von gemessenen Werten zwischen 290 und 400 nm berechnet:

mit dem Sonnenspektrum , dem Erythem-Wirkungsspektrum und der Transmission in Prozent, die allesamt von der Wellenlänge abhängig sind[2].

Produktkategorie/Schutzklasse → Lichtschutzfaktor/erlaubte Angaben

  • niedrig → 6, 10
  • mittel → 15, 20, 25
  • hoch → 30, 50
  • sehr hoch → 50+

Die Angabe der Lichtschutzfaktoren auf den Packungen ist auf die vorgegebenen Werte begrenzt.

UV-Schutzfaktor für Textilien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Anlehnung an den LSF wird für Textilien der UV-Schutzfaktor (USF) oder Ultraviolet Protection Factor (UPF) angegeben, der gemäß dem “Australian/New Zealand Standard 4399:1996 for sun protecting clothing evaluation and classification” (AS/NZS4399: 1996)[3] berechnet wird. Ein weißes T-Shirt aus Baumwolle hat etwa einen UPF von zehn, das heißt, es lässt nur ein Zehntel der UV-Strahlung durch. Im nassen oder gedehnten Zustand oder bei eng anliegender Kleidung ist der Schutz gegenüber der UV-Strahlung reduziert. Kleidung mit einem UPF > 15 erfüllt den australischen/neuseeländischen Standard für Sonnenschutz, während der Europäische Standard (EN 13758-1999) erst ab UPF 40 erfüllt ist.[4]

Zusätzlich werden Konzepte erarbeitet, mit denen die Schutzwirkung von Stoffen für sichtbare Wellenlängen angegeben werden können. Bestimmte Formen der Sonnenunverträglichkeit (Porphyrien, chronische aktinische Dermatitis, Urticaria solaris) sowie mit Photodynamischer Therapie behandelte Hautkrebspatienten reagieren auf die verschiedenen sichtbaren Wellenlängen im Sonnenlicht. Die Schutzwirkung eines Stoffs gegenüber sichtbarem Licht kann nicht aus dem UV-Schutzfaktor geschlossen werden.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1956 führte Rudolf Schulze den Begriff Schutzfaktor des Lichtschutzmittels, den Sonnenschutzfaktor für Sonnenschutzmittel ein. Der Schweizer Chemiker Franz Greiter[6] definierte daraus 1962 den Lichtschutzfaktor.[7][8][9][10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Lichtschutzfaktor – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. COLIPA: International Sun Protection Factor (SPF) Test Method, 2006. (PDF, 1,3 MB)
  2. U. Osterwalder, B. Herzog „Sun protection factors: world wide confusion“ 2009, British Journal of Dermatology 161 (Suppl. 3), 13-24. doi:10.1111/j.1365-2133.2009.09506.x
  3. AS/NZS 4399:1996 Sun protective clothing-Evaluation and classification. 5. Juli 1996, abgerufen am 25. September 2010 (PDF; 120 kB).
  4. FLUGS: UV-Schutz durch Textilien. PDF, 267 KB
  5. C. Van den Keybus, J. Laperre, R. Roelandts: Protection from visible light by commonly used textiles is not predicted by ultraviolet protection. In: Journal of the American Academy of Dermatology Band 54, Nummer 1, Januar 2006, S. 86–93, ISSN 1097-6787. doi:10.1016/j.jaad.2005.08.059. PMID 16384761.
  6. Eine faszinierende Markenhistorie. Abgerufen am 13. August 2015
  7. NIVEA SUN LICHTSCHUTZ – HISTORIE. (PDF; 91 kB) Abgerufen am 11. August 2011
  8. B. Röthlein: Physik der Sonnencreme. In: Die Welt vom 24. Juli 2011
  9. C. Schumann, A. Heppner: Sprühbarer Sonnenschutz. In: Pharmazeutische Zeitung 20, 2000
  10. J. Lendenmann: Sonnen. (PDF; 632 kB) In: Vista 3, 2003, S. 7.
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