Lidblasenfrösche

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Lidblasenfrösche
Physalaemus gracilis

Physalaemus gracilis

Systematik
ohne Rang: Amphibien (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Neobatrachia
Familie: Pfeiffrösche (Leptodactylidae)
Unterfamilie: Leiuperinae
Gattung: Lidblasenfrösche
Wissenschaftlicher Name
Physalaemus
Fitzinger, 1826
Physalaemus nattereri zeigt auf dem Hinterteil große Augenflecken und eine Marmorierung, die dem Aussehen einer Schlange ähnelt
Physalaemus biligonigerus zeigt ebenfalls große Augenflecken
Physalaemus marmoratus mit auffälliger Zeichnung
Physalaemus spiniger auf einem Blatt
Schaumnest von Physalaemus nattereri auf feuchter Erde. Die Kaulquappen wandern nach dem Schlüpfen ins nahe gelegene Gewässer

Die Lidblasenfrösche (Physalaemus, von griech. physa = Blasebalg, Blase und griech. laima = Schlund)[1] sind eine Gattung der Froschlurche aus der Familie der Pfeiffrösche.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lidblasenfrösche[2] sind kleine bis mittelgroße Frösche mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 2 bis 5 Zentimetern. Wegen ihres spitzen Mauls erinnern sie an Engmaulfrösche, mit denen sie jedoch nicht nahe verwandt sind. Ihr Körperbau wirkt gedrungen. Sie können lebhaft gefärbt sein, und einige Arten besitzen auf dem hinteren Körperende große Augenflecken, die zusammen mit einer entsprechenden Marmorierung und Hautfärbung das Aussehen einer Schlange oder eines anderen Reptils vortäuschen. Besonders ausgeprägt ist diese Zeichnung bei Physalaemus nattereri. Ein ähnliches Muster zeigt Physalaemus marmoratus.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung kommt im nördlichen und mittleren Argentinien, im östlichen Bolivien und im westlichen Ecuador, in Uruguay, Paraguay, Brasilien und Guiana sowie im südlichen Venezuela und im südöstlichen Kolumbien vor.[3]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie besiedeln die Laubstreu von Primär- und Sekundärwäldern oder sind Bodenbewohner in offenem Gelände. Meist genügen zur Eiablage sehr kleine Wasseransammlungen, z. B. Phytotelmata in Pflanzen[4] oder temporäre Gewässer wie Pfützen. Die Eier werden während der Umklammerung des Weibchens durch das Männchen in Schaumnestern abgelegt, wobei das Männchen ein vom Weibchen abgegebenes Sekret mit den Hinterbeinen zu Schaum schlägt. Die Eier werden vom Männchen befruchtet und in den Schaum eingeschlagen, wo sie vor kurzfristiger Austrocknung und Fressfeinden im Wasser geschützt sind. Die Schaumnester können auf dem Wasser schwimmen oder an Pflanzen festhängen. Die geschlüpften Froschlarven verlassen nach rund drei Tagen das Schaumnest und werden während der Regenzeit in Teiche geschwemmt, wo sie mehr Nahrung finden.[5]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Äußere Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Physalaemus wurde im Jahr 2006 nach einer Revision unter molekularbiologischen Gesichtspunkten durch Grant et al. zusammen mit anderen Gattungen aus der Familie der Pfeiffrösche ausgegliedert und als eigenständige Familie Leiuperidae anerkannt.[6] 2011 nahmen Pyron und Wiens in ihrer phylogenetischen Untersuchung von 2800 Amphibienarten die Monophylie der Leiuperidae in ihrer damaligen Zusammensetzung als gegeben an, stellten sie jedoch wieder als Unterfamilie Leiuperinae zu den Pfeiffröschen.[7] neben Physalaemus befinden sich in dieser Gruppe die Gattungen Edalorhina, Engystomops, Pleurodema und Pseudopaludicola.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung umfasst 49 Arten.[3]

Stand: 28. April 2020

Die Art Eupemphix nattereri Steindachner, 1863 wurde als Physalaemus nattereri von Faivovich et al. in die Gattung Physalaemus eingeordnet, und die Gattung Eupemphix Steindachner, 1863 aufgelöst.[10] Bei Amphibia Web wird sie noch beibehalten.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Physalaemus. In: Lexikon der Biologie, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1999, abgerufen am 15. Dezember 2017
  2. Lidblasenfrosch. In: Lexikon der Biologie, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1999, abgerufen am 15. Dezember 2017
  3. a b Darrel R. Frost: Physalaemus, Amphibian Species of the World: an Online Reference. Version 6.0. American Museum of Natural History, New York 1998–2017, abgerufen am 12. Dezember 2017
  4. Célio F. B. Haddad & José P. Pombal, Jr.: Redescription of Physalaemus spiniger (Anura: Leptodactylidae) and Description of Two New Reproductive Modes. Journal of Herpetology, 32, 4, S. 557–565, Dezember 1998 doi:10.2307/1565210
  5. Walter Hödl: Amazonien aus der Froschperspektive. Zur Biologie der Frösche und Kröten des Amazonastieflandes. Kataloge des OÖ Landesmuseums, neue Folge, 61, S. 499–546, 1993 (PDF)
  6. Taran Grant, Marco Rada, Marvin Anganoy-Criollo, Abel Batista, Pedro Henrique Dias, Adriana Moriguchi Jeckel, Denis Jacob Machado und José Vicente Rueda-Almonacid: Phylogenetic Systematics of Dart-Poison Frogs and Their Relatives Revisited (Anura: Dendrobatoidea). South American Journal of Herpetology, 12 (s1), S. 1–90, 2006 doi:10.2994/SAJH-D-17-00017.1
  7. R. A. Pyron & J. J. Wiens: A large-scale phylogeny of Amphibia including over 2800 species, and a revised classification of extant frogs, salamanders, and caecilians. Molecular Phylogenetics and Evolution, 61, S. 543–583, 2011
  8. C. A. Brasileiro & C. F. B. Haddad: A new species of Physalaemus from central Brazil (Anura: Leptodactylidae). Herpetologica, 71, S. 280–288, 2015
  9. F. Leal, F. S. F. Leite, W. P. Da Costa, L. B. Nascimento, L. B. Lourenço & P. C. A. Garcia: Amphibians from Serra do Cipó, Minas Gerais, Brasil. VI: A new species of the Physalemus deimaticus group (Anura, Leptodactylidae). Zootaxa 4766, 2, 3, S. 306–330. doi:10.11646/zootaxa.4766.2.3
  10. Faivovich, J., N. G. Basso, C. F. B. Haddad, M. T. Rodrigues, W. C. Wheeler, E. O. Lavilla & D. P. Ferraro: A phylogenetic analysis of Pleurodema (Anura: Leptodactylidae: Leiuperinae) based on mitochondrial and nuclear gene sequences, with comments on the evolution of anuran foam nests. Cladistics, 28, S. 460–482, 2012
  11. Eupemphix nattereri. AmphibiaWeb, Beschreibung, abgerufen am 12. Dezember 2017

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Hödl: Amazonien aus der Froschperspektive. Zur Biologie der Frösche und Kröten des Amazonastieflandes. Kataloge des OÖ Landesmuseums, neue Folge, 61, S. 499–546, 1993 (PDF)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lidblasenfrösche (Physalaemus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Darrel R. Frost: Physalaemus. In: Amphibian Species of the World: an Online Reference. Version 6.0. American Museum of Natural History, New York 1998–2017, abgerufen am 12. Dezember 2017