Liebfrauenkirche (Worms)

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Liebfrauenkirche Worms, Westwerk (2011)

Die Liebfrauenkirche in Worms ist eine ehemalige Stifts- und heutige Pfarrkirche; sie gilt als bedeutendstes erhaltenes sakrales und rein gotisches Bauwerk zwischen Straßburg und Köln.

Baubestand[Bearbeiten]

Es handelt sich um eine langgestreckte, kreuzförmige Basilika mit zweitürmiger Westfassade und Vorhalle. Sie besteht weitgehend aus Sandsteinen, ist in allen Teilen mit Kreuzrippengewölben versehen und das Langhaus besitzt drei Schiffe. Östlich des nur wenig über die Seitenschiffe hinausragenden Querhauses werden die drei Langhausschiffe mit Chor und beidseitigem Chorumgang fortgesetzt. Die innere Gesamtlänge beträgt 78 m, die des Querhauses 22 m; das Gewölbe ist bis zu 18,5 m hoch.

Geschichte[Bearbeiten]

Seitenansicht von Süden
Bauinschrift, 1465
Innenansicht

Der Baubeginn der gotischen Liebfrauenkirche wird um 1276/77 datiert und die Fertigstellung dauerte bis 1465/68. Am nordwestlichen Pfeiler des nördlichen Querhauses befindet sich eine gotische Inschrift zur Bauvollendung, mit der Jahreszahl 1465.[1] 1267 gewährte Papst Pius II. zudem einen Ablass zur Finanzierung des Kirchenbaus und der Arbeiten am Kreuzgang mit Jodokuskapelle.

Das dortige Kollegiatstift, mit zwölf Kanonikern, gründete Bischof Emich I. Raugraf von Baumburg, unterstützt von seinem Neffen, dem Dompropst und späteren Bischof Heinrich III. von Daun, am 31. Oktober 1298. Laut der Kirschgartener Chronik (um 1500) des Johannes Heydekyn von Sonsbeck hatte Bischof Emich, schon einige Jahre zuvor, als er selbst noch Dompropst war, hier eine Marienkapelle errichten lassen und mit mehreren Priesterpräbenden versehen. Diese Stiftung wurde ab 1298 zum Kollegiatstift erhoben und ausgebaut. Die urkundliche Ersterwähnung des Gotteshauses erfolgte im Sommer 1283.

Aus dem letzten Viertel des 13. Jahrhunderts stammt auch das in der Kirche erhaltene, jedoch im 19. Jahrhundert durch Gottfried Renn aus Speyer überarbeitete Holz-Gnadenbild der Mutter Gottes. Eine Marienwallfahrt kann 1478 erstmals urkundlich belegt werden, ist aber wesentlich älter, da sie damals schon als „berühmt“ galt. Im Rahmen des Reichstag zu Worms (1495) besuchten auch Kaiser Maximilian I. und seine Gattin Bianca die Kirche. Wegen des reformatorischen Bildersturms im 16. Jahrhundert wurde die Marienfigur im Jahr 1565 ausgelagert.[2]

1630 ließen sich Kapuziner in Worms nieder und erhielten die Jodokuskapelle im Kreuzgang als Konventskirche. Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges wurde die Stadt 1689 durch Truppen Ludwigs XIV. niedergebrannt und die Liebfrauenkirche teilweise zerstört. Betroffen waren besonders der südliche Turmhelm, das Dach und der Innenraum. Erst 15 Jahre später begann man einen Wiederaufbau. Aufgrund unzureichender Sicherungsmaßnahmen war die Liebfrauenkirche zeitweise einsturzgefährdet, denn der Brand 1689 hatte zur Folge, dass sich die Pfeiler des Langhauses nach außen neigten. Dieses Problem wurde endgültig erst in den 1960er Jahren behoben. Nach der Säkularisation des Liebfrauenstiftes, Ende des 18. Jahrhunderts, diente das Gotteshaus bis 1810 als Pfarrkirche, dann als Scheune. Ab 1816 fanden wieder gelegentliche Gottesdienste an Marienfesten statt. 1860-68 ließ Pfarrer Nikolaus Reuß von Worms, St. Martin die zu seiner Pfarrei gehörende, nahezu ruinöse Kirche umfassend renovieren und zum gottesdienstlichen Gebrauch herrichten. Er gilt als Retter der Liebfrauenkirche, wurde wegen seiner diesbezüglichen Verdienste zum Ehrenbürger von Worms ernannt und liegt dort begraben. Bald nach seinem Tod konnte man, zum 1. Januar 1898, eine Pfarrkuratie (Pfarrei) dort einrichten. Seit 1928 gibt es wieder eine offizielle Marien-Wallfahrt.

1966 bis 1995 schuf der Mainzer Glasmaler Alois Plum einen Fensterzyklus als Ersatz für die im Bombenangriff von 1943 zerstörten Fenster. Bei den Vorüberlegungen für die inhaltliche Gestaltung der Fenster sollte nach Art der mittelalterlichen Biblia pauperum Szenen aus der Heilsgeschichte des Alten und Neuen Testamentes dargestellt. Über die auszuwählenden Themen berieten sich der Alttestamentler Alfred Mertens aus Mainz, der Neutestamentler Fritz Andreä und der Pfarrer Leonhard Veith. Auf diese Weise kam man überein, für die fünf Fenster auf der Nordseite der Liebfrauenkirche Szenen aus dem Alten und für die entsprechenden Fenster auf der gegenüberliegenden Südseite mit Szenen aus dem Neuen Testament auszuwählen. So entstand der Zyklus der bebilderten Fenster, der mit dem „Paradiesfenster“ beginnt.

Grablege[Bearbeiten]

Im Chorumgang der Liebfrauenkirche befinden sich zahlreiche Grabplatten von hier beigesetzten Stiftsklerikern und anderen Personen die mit der Kirche in einem engeren Zusammenhang standen; unter ihnen die der Rosina von Oberstein, geb. Schliederer von Lachen († 1615), Schwester des Kartäuserprovinzials Caspar Schliederer von Lachen und Schwägerin des Speyerer Reform-Domdekans Andreas von Oberstein, sowie jene des Johann Friedrich Faber († 1724), kurtrierer bzw. bischöflich Wormser Vizekanzler und Reichstagsgesandter des Oberrheinischen Kreises. Als einziger Wormser Bischof ließ sich Hugo Eberhard Cratz von Scharfenstein 1663, auf eigenen Wunsch hin, hier bestatten. Seine Grabplatte steht heute im nördlichen Chorumgang.[3] Im nördlichen Langhaus-Seitenschiff ist überdies das Barockepitaph des Wormser Weihbischofs Johann Anton Wallreuther († 1734) angebracht. Es befand sich in der Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissenen Johanneskirche und wurde hierher übertragen. Gleiches gilt für das klassizistische Epitaph des Freiherrn Ignatius Ferdinand von Vogelius († 1784), im südlichen Seitenschiff; das man aus der abgetragenen Dominikanerkirche an seinen jetzigen Standort versetzt hat.

Weinberge[Bearbeiten]

Ansicht mit Weinbergen, von Osten

Die Weinberge bei der Liebfrauenkirche gaben der Liebfrauenmilch ihren Namen. Weinhändler Peter Joseph Valckenberg erwarb sich große Verdienste um die Publizität der Weinberge um das ehemalige Stift, welche er 1808 bei einer Versteigerung von Nationalgütern im Rahmen der Säkularisation erwarb.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webseite zur Bauinschrift von 1465
  2. Die wichtigsten geschichtlichen Daten der Liebfrauenkirche. In: Liebfrauen Stiftung Worms. Abgerufen am 26. April 2015.
  3. Webseite zur Grabplatte des Bischofs

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Liebfrauenkirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.6390888888898.3688611111111Koordinaten: 49° 38′ 21″ N, 8° 22′ 8″ O