Liesten

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Liesten
Stadt Salzwedel
Koordinaten: 52° 47′ 18″ N, 11° 17′ 42″ O
Höhe: 40 m ü. NHN
Fläche: 9,72 km²[1]
Einwohner: 219 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 23 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 29410
Vorwahl: 039032
Kirche zu Liesten (2018)
Liesten (Sachsen-Anhalt)
Liesten (52° 47′ 0″ N, 11° 18′ 0″O)
Liesten
Lage von Liesten in Sachsen-Anhalt

Liesten ist eine Ortschaft und ein Ortsteil der Hansestadt Salzwedel im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Reihendorf Liesten liegt rund zwölf Kilometer südöstlich von Salzwedel und etwa fünf Kilometer östlich der Bundesstraße 71 am Benkendorfer Vorfluther (Fließgraben). Zwei Kilometer südlich liegt das kleine Waldstück Brautsteinheide.[3][4] Nachbarorte sind Klein Gartz, Rademin, Ladekath, Depekolk, Jeggeleben, Büssen, Benkendorf und Königstedt.

Ortschaftsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche zu Depekolk

Die Ortschaft Liesten besteht aus den Ortsteilen Liesten und Depekolk.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Listen wurde 1312 als villa Lysten erwähnt, als die von Garthow dem Kloster Arendsee Hebungen von 5 Höfen dem Dorf zuwiesen.[5]

Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird der Ort als Listen aufgeführt. Das Kloster Arendsee, die von Wustrow, der Altar der Kirche zu Gartow und andere hatten hier Einkünfte.[6]

Bei der Bodenreform wurden 1945 ermittelt: Eine Besitzung über 100 Hektar, die Besitzung Tegge mit 160 Hektar Land, 29 Besitzungen unter 100 Hektar hatten zusammen 480 Hektar. Die Kirche besaß drei Hektar Land. 1946 wurden 220 Hektar enteignet, davon wurden 160,3 Hektar auf 33 Siedler aufgeteilt. Damit gab es 1948 aus der Bodenreform 42 Erwerber, davon waren 18 Neusiedler. Im Jahre 1954 entstand die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft vom Typ III, die LPG „Neue Heimat“.[1]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie man auf dem historischen Messtischblatt von 1873[7] erkennen kann, lagen die Großsteingräber bei Liesten direkt nordöstlich am Dorfrand und weitere Gräber etwa 2 Kilometer südlich nahe der heutigen Brautsteinheide. Sie waren im Zuge der Separation vollständig abgetragen worden waren.

Über den größten Findling, der Deckstein von Grab 1 wird in der Sage Der Brautstein bei Liesten berichtet.[8] Johann Friedrich Danneil und Alfred Pohlmann übermittelten die Sage.[9] Ein Bauernmädchen aus Zethlingen war, ohne gefragt zu werden, von ihren Eltern einem reichen Bauernsohn zu Liesten zum Weibe versprochen worden. Bei der Abfahrt am väterlichen Hofe erklärte sie, sie wünsche, wenn sie den Kirchturm von Liesten erblicke, mit dem Wagen unterzugehen. Als der Brautwagen an der Grenze von Liesten anhielt, versanken der Brautwagen und dessen Pferd in der Erde, die Braut selbst wurde zum Stein. Am Stein kann man den Abdruck der Wagenkette erkennen, die sich darum geschlungen hatte.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Depekolk eingegliedert. Am 25. Juli 1952 kam Liesten vom Landkreis Salzwedel zum Kreis Salzwedel.[10]

Bis Ende 2009 bildete Liesten mit seinem Ortsteil Depekolk eine eigenständige Gemeinde und war Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Salzwedel-Land.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Liesten am 6. Februar 2009, dass die Gemeinde Liesten in die Hansestadt Salzwedel eingemeindet wird. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[11]

Nach Eingemeindung der bisher selbstständigen Gemeinde Liesten wurden Depekolk und Liesten Ortsteile der Hansestadt Salzwedel. Für die eingemeindete Gemeinde wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. Gemeindeordnung Sachsen-Anhalt eingeführt. Die eingemeindete Gemeinde Liesten und künftigen Ortsteile Depekolk und Liesten wurden zur Ortschaft der aufnehmenden Hansestadt Salzwedel. In der eingemeindeten Gemeinde und nunmehrigen Ortschaft Liesten wurde ein Ortschaftsrat mit fünf Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister gebildet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 95
1774 83
1789 73
1798 92
1801 97
1818 81
Jahr Einwohner
1840 145
1864 167
1871 171
1885 183
1892 182
1895 202
Jahr Einwohner
1900 197
1905 214
1910 242
1925 239
1939 234
1946 383
Jahr Einwohner
1964 446
1971 478
1981 373
1993 300
2006 306
2008 292
Jahr Einwohner
2010 207
2014 205
2015 219

Quellen:[1][12][2][13]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Liesten gehörte zur Pfarrei Jeggeleben[14] und gehört heute zum Pfarrbereich Apenburg[15] des Kirchenkreises Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzter ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde war Rainer Boesenhagen (CDU).[16] Er war anschließend Ortsbürgermeister. Seit 2016 ist Ulrich Keitel Ortsbürgermeister.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die evangelische Dorfkirche Liesten ist ein in mehreren Phasen errichteter kreuzförmiger Feldsteinbau mit Westquerturm. Der älteste Teil entstand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.[17]
  • Der Ortsfriedhof ist auf dem Kirchhof.
  • Auf dem Platz vor der Kirche steht ein Denkmal aus aufgetürmten Findlingen für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges.[18]

Waldbad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Waldbadverein Liesten e. V. kümmert sich um das aus überwiegend privaten Mitteln im Jahre 1971 errichtete und in den 1990er Jahren sanierte Waldbad. Aufgrund von Schäden an den Fliesen ist es seit dem Juli 2017 geschlossen.[19]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sportverein SV Liesten 22 e. V.
  • Schützenverein „Der Freischütz“ Liesten
  • Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Liesten e. V.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Liesten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 1351–1355, doi:10.35998/9783830522355.
  2. a b Jens Heymann: Kernstadt und Dörfer der Einheitsgemeinde Salzwedel legen zu. In: Altmark Zeitung, Ausgabe Salzwedel. 15. Januar 2016 (az-online.de).
  3. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  4. Top50-CD Sachsen-Anhalt, 1:50.000, Landesamt für Landesvermessung und Geoinformation, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2003
  5. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 1. Band 22. Berlin 1862, S. 22 (Digitalisat).
  6. Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 390–391 (uni-potsdam.de).
  7. Messtischblatt 1680: Groß Apenburg. Reichsamt für Landesaufnahme, 1873, abgerufen am 21. April 2019.
  8. Johann Friedrich Danneil: Specielle Nachweisung der Hünengräber in der Altmark. In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 6. Jahresbericht, 1843, S. 116–117, Nr. 134–139 (altmark-geschichte.de [PDF]).
  9. Alfred Pohlmann: Sagen aus der Wiege Preußens und des Deutschen Reiches, der Altmark. Franzen & Große, Stendal 1901, S. 96.
  10. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 359.
  11. Amtsblatt des Landkreis Nr. 5/2009 Seite 124–126 (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  12. Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, DNB 578458357, OCLC 614308966, S. 145.
  13. Hansestadt Salzwedel: Integriertes Stadtentwicklungskonzept 2020. Juni 2015, S. 67–68 (salzwedel.de [PDF; abgerufen am 5. Mai 2019]).
  14. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 51 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 21. April 2019]).
  15. Pfarrbereich Apenburg. Abgerufen am 21. April 2019.
  16. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Gemeinde Liesten - Altmarkkreis Salzwedel, Bürgermeisterwahl am 6. Juli 2008
  17. Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 297.
  18. Onlineprojekt Gefallendenkmäler. In: Klein Gartz auf www.denkmalprojekt.org. 1. April 2018, abgerufen am 21. April 2019.
  19. Waldbad Liesten. Abgerufen am 21. April 2019.