Lili Kraus

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Lili Kraus (1971)

Lili Kraus (* 4. März 1905 in Budapest, Österreich-Ungarn; † 6. November 1986 in Asheville, USA) war eine britische Pianistin ungarischer Abstammung.

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lili Kraus wurde zwar in ärmlichen Verhältnissen geboren, erlernte aber schon mit 6 Jahren das Klavierspielen. Bereits als Achtjährige wurde sie am Königlichen Konservatorium von Budapest aufgenommen. Hier hatte sie Unterricht in Theorie bei Zoltán Kodály und am Klavier von Béla Bartók. Sie schloss ihr Studium als 17-Jährige mit Auszeichnung ab. Im Jahr 1922 wechselte sie dann an die Wiener Musikakademie und perfektionierte sich bei Severin Eisenberger, Schüler von Theodor Leschetizky, und studierte zeitgenössische Musik bei Eduard Steuermann, einen der frühen Schüler Arnold Schoenbergs. Die dreijährige Meisterklasse beendete sie bereits nach einem Jahr. Daraufhin wurde sie an der Wiener Musikakademie selbst Professorin, kündigte diese Lebensstellung jedoch 1930.

In Wien begegnete sie Otto Mandl, einem wohlhabenden Bergbau-Ingenieur und Philosophen. Sie traten zum katholischen Glauben über und heirateten am 31. Oktober 1930. Mandl gab seinen Beruf auf und widmete sich Lilis Karriere. Damit sie die Meisterklasse von Artur Schnabel besuchen konnte, zogen sie im gleichen Jahr nach Berlin. Hier wurden ihre beiden Kinder, Ruth und Michael, geboren. 1932 zog die Familie an den Comer See, nach Tremezzo in Italien, wo sie bis 1938 wohnten. 1933 kam Artur Schnabel ebenfalls nach Termezzo, wo er eine Musik-Schule einrichtete.[1]

In den 1930er Jahren ging sie auf Tournee, sowohl als Solistin als auch Duettspielerin am Klavier mit dem Geiger Szymon Goldberg. Für die britische Plattenfirma Parlophone nahmen sie 1935 und 1937 die Sonaten von Beethoven und Mozart auf. Daneben gehörten Chopin, Haydn, Schubert und Béla Bartók zu ihrem Repertoire. Vor dem Nahen des Nationalsozialismus flüchteten sie nach London, blieben jedoch nur ein Jahr dort, bevor sie weiter nach Amsterdam reisten. Von hier aus ging Kraus 1940 auf eine Welttournee, die mit ihrem amerikanischen Debüt 1941 in San Francisco begann. [2]

In japanischer Gefangenschaft 1943-45[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 1943 wurde sie – ebenso wie Szymon Goldberg – mit ihrer Familie in Djakarta unter einem Vorwand von den Japanern inhaftiert. Sie wurden getrennt und kamen in verschiedene Gefangenenlager, so dass sie über ein Jahr lang nichts voneinander wussten. Sie teilte eine Zelle mit 12 anderen Frauen und war zu harter Arbeit verurteilt, was Säubern von Latrinen für sie hieß. Sie musste Wassereimer schleppen und ihre Hände kamen dabei mit scharfer Seife und Chemikalien in Berührung. Die Tagesration bestand aus 2 Tassen Reis und bitterem Kräutertee. Durch Intervention eines japanischen Dirigenten, der sie 1936 in Tokio gehört hatte, kam sie nach einem Jahr in ein anderes Lager und wurde mit ihrer Familie vereint. Auch durfte sie wieder Klavier spielen. Nach weiteren zwei Jahren wurden sie im August 1945 frei gelassen. Sie hatte stark abgenommen und ihr Körper war mit offenen Wunden und Infektionen bedeckt. Ihr persönlicher Besitz war verloren. Der Gefangenschaft hielt sie später zugute, dass sie viele Klavierstücke auswendig lernte. Durch die harte Arbeit waren ihre Hände kräftiger geworden und die Finger hatten an Sensibilität verloren. Jetzt musste sie geduldig und in harter Arbeit ihr Klavierspiel neu erlernen.

In Australien sammelte sie neue Kräfte. Innerhalb von 1½ Jahren gab sie über 120 Konzerte in Australien und Neuseeland. In Anerkennung ihrer Verdienste bei der Hilfe notleidender Länder erhielt sie die Ehrenbürgerschaft von Neuseeland mit einem Pass, mit dem sie fortan reiste.[3]

Neuanfang 1948[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1948 war sie bereit für den zweiten Abschnitt ihrer Karriere. Sie kehrte nach Europa zurück und machte ihre erste Schallplattenaufnahme nach dem Krieg. 1949 spielte sie erfolgreich in New York. Im gleichen Jahr zog sie mit ihrer Familie nach Südafrika, wo sie an der Universität Kapstadt von 1949 bis 1950 lehrte. Danach lebten sie in Paris und Wien, bis sie sich in Nizza niederließen, wo ihr Mann 1956 verstarb.

In Deutschland war es schwer, gegen die großen spätromantischen Klavier-Titanen wie Wilhelm Backhaus, Edwin Fischer oder Wilhelm Kempff anzutreten, die Beethovens Klaviersonaten in den 1950er Jahren mit einer damals üblichen Monumentalität spielten. Lili Kraus vertrat einen ganz anderen Interpretationsstil: Sie führte die Werke wieder zurück auf ein menschliches Maß, ohne dabei das grüblerische und heroisch-kämpferische Moment zu verleugnen. In Frankreich war das anders. Die Schallplattengesellschaft Les Discophiles français [4] war an Kraus interessiert und plante mit ihr Anfang der 1950er Jahre eine Gesamteinspielung der Klavier- und Kammermusik-Werke Mozarts und Haydns, die dann aber nie ganz zu Ende gebracht wurde. Mit dem Geiger Willi Boskovsky [5] nahm sie Mozarts Violinsonaten auf, und in der Trio-Besetzung Lili Kraus, Willi Boskowsky, Nikolaus Hübner wurden Mitte der 1950er Jahre die Klaviertrios eingespielt. Wenige Zeit später verlief das Mozart-Projekt dann im Sande.

Unter den Höhepunkten ihrer Auftritte war der beim Hochzeitsbanquett von Schah Mohammad Reza Pahlavi am 12. Februar 1951 im Golestanpalast von Teheran. In der Canterbury Cathedral spielte sie als erste Künstlerin in einem Kirchenkonzert. Sie spielte in der neuen Hauptstadt Brasília und trat mit dem Salzburger Kammerorchester beim marokkanischen Mozart Festival in historischen Palästen und Höfen auf.

Kraus war langjährige Jurorin des Van Cliburn International Piano Competition in Texas. [6]

Im Sommer 1965 verbrachte sie einige Wochen bei Albert Schweitzer in Lambaréné und erfreute ihn auf dem Krankenbett durch ihr Klavierspiel aus ihrem Beethoven-Repertoire.

1968 ernannte sie die Texas Christian University in Fort Worth zum Artist in Residence; sie unterrichtete dort durchgehend bis 1983.

In den letzten zwanzig Jahren lebte sie bei ihrer Tochter Ruth und Schwiegersohn Fergus Pope in Asheville, North Carolina, wo sie 1986 verstarb.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lili Kraus war eine der profiliertesten Mozartinterpretinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Ende der 1960er Jahre aufgenommene Gesamtaufnahme der Klaviersonaten Mozarts gilt auch heute noch als vorbildlich. Sie bevorzugte anders als viele Pianisten ihrer Zeit keine kraftvollen Töne, sondern arbeitete sehr am Detail, ohne dabei allerdings die große Linie zu vernachlässigen. Da sie offenbar nie länger bei einer Schallplattenfirma unter Vertrag war, gab es lange nur wenige Aufnahmen. Im Handel sind derzeit das 4. Klavierkonzert Beethovens mit dem Orchester der Wiener Staatsoper unter Victor Desarzens, einige Klavierkonzerte Mozarts unter Enrique Jorda und Rudolf Moralt erhältlich. Jüngst ist eine umfassende Wiederveröffentlichung ihrer vollständigen Aufnahmen bei den Labels Parlophone, Ducretet-Thomson und Les Discophiles Français der Jahre 1933 bis 1958 erschienen. Mit dem Geiger Szymon Goldberg, einem ihrer bevorzugten Kammermusikpartner, spielte sie Violinsonaten von Mozart und Beethoven ein.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. My Life and Music. The Autobiography of Artur Schnabel.
  2. Lili Kraus: The First Lady Of The Piano By Steven H. Roberson, Ph.D. (PDF; 39 kB)
  3. Madame Lili Kraus to critique Arear Pianist at Master Class, in: Big Spring Herald, 9. November 1975
  4. Haydn - L'oeuvre de Piano - par Lili Kraus
  5. Willi Boskowsky, violin - Lili Kraus, piano
  6. Van Cliburn International Piano Competition

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]