Lillian Gish

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Lillian Gish (1921)
Lillian Gish (1973)

Lillian Diana Gish (* 14. Oktober 1893[1], in Springfield, Ohio; † 27. Februar 1993 in New York City) war eine US-amerikanische Schauspielerin. Sie war einer der größten weiblichen Stars der Stummfilmära Hollywoods, wo sie durch ihre lange Zusammenarbeit mit D. W. Griffith bei Filmen wie Die Geburt einer Nation bekannt wurde. Ihre Filmkarriere dauerte von 1912 bis 1987. Gish wurde auf der Oscarverleihung 1971 mit einem Ehrenoscar ausgezeichnet. Sie verfasste zahlreiche Bücher über ihre Arbeit mit Griffith, in denen sie die Bedeutung von Griffith für die technische und künstlerische Entwicklung des Films betonte.

Leben[Bearbeiten]

Lillian Gish stand zum ersten Mal 1902 im Alter von neun Jahren im Theater auf der Bühne. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Dorothy ging sie auf Amerika-Tournee und landete 1905 in New York. Um der ständigen Armut zu entrinnen, versuchten die Schwestern als Teenager, unterstützt von der Mutter, im noch jungen Filmgeschäft Fuß zu fassen. 1912 sprachen sie bei der Biograph Company bei D W. Griffith vor, der von ihrem intensiven Spiel derart beeindruckt war, dass er sie sogleich für seinen nächsten Film besetzte. Lillian Gish drehte insgesamt 25 Filme für Biograph, die sie neben Mary Pickford zu einem der größten weiblichen Stummfilmstars machten. Ihre wichtigsten Rollen unter der Regie Griffiths waren Die Geburt einer Nation, Gebrochene Blüten, Weit im Osten und Zwei Waisen im Sturm. In Intoleranz war Gish in der Nebenrolle der Ewigen Mutter zu sehen. Nach Beendigung ihrer Zusammenarbeit mit Griffith produzierte Lillian Gish zunächst selbst zwei Filme und wechselte 1925 zur neu formierten MGM. Sie galt als der wichtigste Star des Studios, noch vor Marion Davies. Das Prestige zeigte sich auch in dem großen finanziellen Aufwand, mit dem ihre Filme produziert wurden. Gish wurde auf dem Höhepunkt ihres Erfolges auch als The First Lady of American Cinema bezeichnet.[2]

1926 wirkte Gish unter King Vidor mit John Gilbert in La Boheme mit und drehte später im Jahr Der scharlachrote Buchstabe. Beide Filme waren finanziell erfolgreich. Das Aufkommen von Greta Garbo und Norma Shearer änderte jedoch ihr Gewicht in der Studiohierarchie. Ihren letzten künstlerischen, wenn auch nicht finanziellen Erfolg als Hauptdarstellerin hatte sie 1928 unter Regie von Victor Sjöström in Der Wind, in dem sie eine junge, sensible Frau darstellt, die langsam in den Wahnsinn fällt und einen Mann in Notwehr tötet. Mit dem Aufkommen des Tonfilms Ende der 1920er-Jahre änderte sich auch der Publikumsgeschmack sehr rasch. Lillian Gish wurde nun im Auge der Zuschauer zu einer Repräsentantin einer vergangenen Zeit und trat in den folgenden sechs Jahrzehnten nur noch in unregelmäßigen Abständen in Filmen auf. Umso mehr arbeitete sie wieder am Theater. Politisch war Gish Republikanerin und unterstützte unter anderem Harding, Coolidge und Hoover, außerdem engagierte sich die Pazifistin beim America First Committee, eine isolationistische Bewegung, die 1940/41 die Teilnahme der USA am Zweiten Weltkrieg zu verhindern suchte.

Lillian (links) und ihre Schwester Dorothy

In King Vidors Western Duell in der Sonne spielte Gish mit Lionel Barrymore ein Ehepaar, dessen Söhne, dargestellt von Gregory Peck und Joseph Cotten, in dasselbe Mädchen verliebt sind. Ihr Auftritt brachte der Schauspielerin auf der Oscarverleihung 1947 die Nominierung für einen Oscar als beste Nebendarstellerin. 1955 verteidigte sie in Charles Laughtons Thriller Die Nacht des Jägers zwei Kinder vor einem von Robert Mitchum gespielten Mörder. In der Folgezeit spielte Gish unter anderem 1960 mit Burt Lancaster und Audrey Hepburn in John Hustons Denen man nicht vergibt. In Robert Altmans starbesetzter Gesellschaftssatire Eine Hochzeit spielte Gish eine alte Dame, deren überraschender Tod die titelgebende Hochzeit überschattet. Ihre letzte Filmrolle hatte sie 1986 – mit 93 Jahren – neben Bette Davis im Altersdrama The Whales of August, für das sie vom National Board of Review mit dem Preis als Beste Hauptdarstellerin bedacht wurde. Seit den frühen 1950er-Jahren war Gish häufig in Fernsehrollen zu sehen.

Auf der Oscarverleihung 1971 erhielt Lillian Gish einen Ehrenoscar für ihr Lebenswerk. In den 1970er Jahren trat sie zunehmend für Bewahrung des filmischen Erbes und die Stummfilmrestauration ein. Sie hielt hierzu Vorträge in Universitäten und Filmklubs. Lillian Gish hat mehrere Bücher mit Lebenserinnerungen veröffentlicht. Gish war nie verheiratet und hatte keine Kinder. Sieben Monate vor ihrem 100. Geburtstag verstarb sie 1993 an Herzversagen. Ein Stern auf dem Hollywood Boulevard, Höhe 1720 Vine Street, erinnert an die Schauspielerin.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Lillian Gish im Film Way Down East (1920)

Bücher[Bearbeiten]

Autobiographien:

  • The Movies, Mr. Griffith, and Me (mit Ann Pinchot) (Prentice-Hall, 1969)
  • Dorothy and Lillian Gish (Charles Scribner's Sons, 1973)
  • An Actor's Life For Me (mit Selma G. Lanes) (Viking Penguin, 1987)

Biographien:

  • Lillian Gish an Interpretation – Edward Wagenknecht (University of Washington, 1927)
  • Life and Lillian Gish – Albert Bigelow Paine (Macmillan, 1932)
  • Lillian Gish: the Movies, Mr. Griffith and Me, ISBN 0-491-00103-7, W.H. Allen 1969, und ISBN 0-916515-40-0 Mercury House, 1988.
  • Star Acting – Gish, Garbo, Davis – Charles Affron (E.P. Dutton, 1977)
  • A Moment with Miss Gish – Peter Bogdanovich (Santa Teresa Press, 1995)
  • Lillian Gish A Life on Stage and Screen – Stuart Oderman (McFarland & Company, 2000)
  • Lillian Gish Her Legend, Her Life – Charles Affron (Scribner, 2001)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Oscar[Bearbeiten]

Golden Globe Award[Bearbeiten]

  • Golden Globe Awards 1968 - Nominierung als Beste Nebendarstellerin für Die Stunde der Komödianten

weitere Auszeichnungen[Bearbeiten]

Außerdem wählte das American Film Institute sie auf Platz 17 der größten weiblichen amerikanischen Filmlegenden.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zeitlebens machte Gish widersprüchliche Angaben zu Ihrem Alter und Geburtsjahr, häufig wurde 1896 angenommen. Die Überprüfung der registrierten Geburtseinträge brachte jedoch 1893 zutage. Hierzu ausführlich bei Charles Affron: Lillian Gish. Her legend, her life. Scribner, New York NY u. a. 2001, ISBN 0-684-85514-3, S. 17 ff.
  2. TCM celebrates Lillian Gish; a look at First Lady of American's Cinemas Career