Lina Gollasch

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Emilie Wilhelmine Lina Gollasch genannt Sellheim (* 12. Mai 1853 in Halle (Saale); † 27. Dezember 1894) war eine deutsche Kindergärtnerin, Lehrerin und bedeutende Fröbelpädagogin. Durch sie wurde das erste Kindergärtnerinnen-Ausbildungsseminar 1877 in Halle (Saale) gegründet, das einzige in der damaligen preußischen Provinz Sachsen.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gutachten zu Gollschs Tod vom 3. Januar 1895

Gollasch war das sechste von acht Kindern des Stellmachermeisters Christian Gollasch (1814/1815–1855) und dessen Frau Caroline Friederike Wilhelmine geborene Zabel (†1895) und wurde als jüngere Zwillingsschwester geboren.[1] Zwei Jahre nach dem Tod des Vaters heiratete ihre Mutter 1857 den Kaufmann August August Friedrich Sellheim.[2] Nunmehr trug Lina den Zusatznamen Sellheim. Aus dieser zweiten Ehe der Mutter entstammten noch einmal fünf Kinder.[3]

Noch als junge Frau besuchte sie eine Kindergärtnerinnen-Ausbildungsstätte. Sie bekannte sich zur Fröbelschen Pädagogik und eröffnete 1877 einen Kindergarten. Nach dem 1863 gegründeten Kindergarten von Marie Wollmann war diese Einrichtung jetzt die zweite in Halle. Der erste Kursus in ihrem Seminar zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen wurde 1878 abgeschlossen.[4][5] 1885 erhielt sie die behördliche Anerkennung (Concessionierung) ihrer Einrichtung, bereits seit 1883 wurde sie vom Magistrat der Stadt mit der Überprüfung von weiteren Kindergärten beauftragt. 1888 bestand Sellheim die Prüfungen am Lehrerinnenseminar der Franckeschen Stiftungen.[6]

Laut Sellheims Tätigkeitsbericht von 1890[7] wurden bis zu diesem Zeitpunkt bereits 242 Kindergärtnerinnen in ihrem Seminar ausgebildet, davon übernahmen nach diesen Angaben 39 Absolventinnen selbst Kindergärten als Vorsteherinnen. Die Kursdauer betrug zwölf (I. Klasse für Kindergärtnerinnen) bzw. sechs Monate (II. Klasse für Helferinnen).

In einem 1891 entstandenen Fächerkanon für die „I. Klasse“ (Jahreskurs) waren folgende Fächer verzeichnet: Pädagogik (Geschichte, Psychologie, Fröbel’sche Kindergarten-Pädagogik), Bibelkunde, Deutsch, Geometrie, Naturgeschichte, Naturlehre und Geografie. Außerdem praxisorientierte Inhalte wie Theorie und Praxis des Kindergartens, Zeichnen, Handarbeit und Gesang sowie fakultativ Französisch-, Englisch- und Musikunterricht. Nach der Fröbel’schen Methode war eine Anleitung zur Erteilung von Elementar-Unterricht in Familien vorgesehen. Dieser Unterricht wurde durch den Einsatz erfahrener Lehrer aus der Stadt praktiziert.[8]

In ihrem letzten Lebensjahr kam es jedoch zu Irritationen und Anschuldigungen, die sich auf die Unterrichtsorganisation und auf die Vergabe von Freistellen bezogen, so dass seitens der Behörden ein Ermittlungsverfahren gegen sie eingeleitet wurde. Bevor die Anschuldigungen geklärt wurden, verstarb Lina Sellheim im Dezember 1894 an einem Lungenleiden, welches schon seit Beginn des Jahres andauerte. Den behördlichen Vermerk über ihren Tod beendete der Kreisschulinspektor Förster mit den Worten: „An K. Regierung M. Beschwerde zurück mit Nachricht daß Frl. Sellheim i. d. Weihnachtszeit 94 verstorben ist. Sache erledigt. H. 3. Jan. 95 No 2 B F“.[9]

Das Seminar zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen führte Sellheim erfolgreich bis zu ihrem Tode 1894. Es wurde anschließend in Folge von Georg Erich Eyssell-Weidling, August Emil Laegel und Robert Mayer fortgeführt.[10]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über sich selbst schrieb Sellheim, sie sei eine geprüfte Lehrerin und habe pädagogische Aufsätze in den Zeitschriften Kindergarten (Fachblatt des Fröbelverbandes), Hallische Zeitung und in der Saale-Zeitung veröffentlicht.[8]

  • Ein Wort zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen. Hallesches Tageblatt, 29. März 1882[11]
  • Staatlich concessioniertes Seminar für Kindergärtnerinnen. Halle/S. 1890[5]
  • III. Bericht über die Tätigkeit des Instituts in der Zeit vom 1. April 1878 bis 1. Januar 1890
  • Fächerkanon Wintersemester 1890/91. Halle/Saale, 1890

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Gebser: „Sache erledigt!“ Lina Sellheim und die ersten Kindereinrichtungen in Halle/Saale. Halle 2018
  • Emilie Michaelis, H. Keatley Moore: Froebel’s Letters on the Kindergarten. C.W. Bardeen, Publisher 1891 (Hermann Poesche: Propagation und Exegation: S. 175–214, Sellheim S. 185), deutsche Ausgabe: Friedrich Fröbel’s Kindergarten-Briefe. Pichler, Leipzig, Wien 1887
  • Staude u. a. (Hrsg.): Die Stadt Halle a/S. im Jahre 1891. Festschrift. Halle: Gebauer, Schwetschke 1891 (S. 315 f.: August Steger: Seminar für Kindergärtnerinnen)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hallesches Tageblatt vom 2. Juli 1853
  2. Hallesches Tageblatt vom 5. Juli 1855
  3. Hallesches Tageblatt vom 10. Mai 1857
  4. Hallesches Tageblatt: (Eingesandt). 14. September 1878, abgerufen am 16. Oktober 2019.
  5. a b Stadtarchiv Halle A.2.36 Nr. 1198 Bl. 6
  6. Hallesches Tageblatt: Bekanntmachungen. Aus der Stadt und Umgebung. Die Lehrerinnenprüfung. 30. August 1888, abgerufen am 16. Oktober 2019.
  7. Stadtarchiv Halle A.2.36 Nr. 1198 Bl. 3, 7
  8. a b Stadtarchiv Halle A. 2.36 Nr. 126 Bl. 8
  9. Attest ihres Arztes Dr. Hoffmann; Stadtarchiv Halle A 2.36 Nr. 1198 Bd. 1 Bl. 41–74
  10. Stadtarchiv Halle A.2.36 Nr. 1198 Bl. 53, 92, 108, 109
  11. Zeitungen des 18. und 19. Jahrhunderts / 29.3.1882 (No. 75) [591]. Abgerufen am 16. Oktober 2019.