Bahnhof Lindau-Insel

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Lindau-Insel
Empfangsgebäude von der Stadtseite
Empfangsgebäude von der Stadtseite
Daten
Betriebsstellenart Bahnhofsteil
Lage im Netz Endbahnhof
Bauform Kopfbahnhof
Bahnsteiggleise 8
Abkürzung MLI (DB), L (ÖBB)
IBNR 8000230
Preisklasse 3
Eröffnung 1. März 1854
Webadresse Stationsdatenbank der BEG
Architektonische Daten
Baustil Jugendstil
Lage
Stadt/Gemeinde Lindau (Bodensee)
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 47° 32′ 45″ N, 9° 41′ 2″ OKoordinaten: 47° 32′ 45″ N, 9° 41′ 2″ O
Höhe (SO) 398 m ü. NHN
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Bayern
i16

Der Bahnhof Lindau-Insel (bis 15. Mai 1936 Lindau Stadt, bis 12. Dezember 2020 Lindau Hbf) ist der größte Bahnhof der Stadt Lindau (Bodensee) und war bis zur Wiederaufnahme des Personenverkehrs im Bahnhof Lindau-Reutin am 13. Dezember 2020 ihr wichtigster Bahnhof.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von der Thierschbrücke auf den Bodenseedamm mit einer Zuggarnitur des ehemaligen alex

Der Lindauer Inselbahnhof liegt auf der Insel Lindau im Bodensee in unmittelbarer Nachbarschaft des Lindauer Hafens. Über den viergleisig ausgeführten Lindauer Bodenseedamm ist er mit dem Festland verbunden. Der Damm und die etwa 500 Meter östlich verlaufende Straßenbrücke Landtorbrücke grenzen den Kleinen See vom Bodensee ab. Die Bahnanlagen trennen weiter die Hauptinsel von der Hinteren Insel. Eine 1880 von Ludwig August Riedinger aus Augsburg gebaute eiserne Fußgängerbrücke und die 1901 errichtete Thierschbrücke für den Straßenverkehr stellen die Verbindung über die Gleise her.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über die Gleisanlagen

Der Bahnhof ist Endpunkt der Bahnstrecke Buchloe–Lindau und Ausgangspunkt der Bahnstrecke Lindau–Bludenz. Im Bereich der Bahnsteige ist er weitgehend als Kopfbahnhof gestaltet. Das heutige Empfangsgebäude steht parallel zu den Gleisen. Es wurde zwischen 1913 und 1921 im barockisierenden Heimatstil errichtet und steht unter Denkmalschutz.[1] Es hat während der zwanzigjährigen Diskussion um den Umbau des Eisenbahnknotens Lindau stark gelitten, da kaum noch investiert wurde.[2][3]

Westlich des Empfangsgebäudes liegen ein kleiner Rangierbahnhof sowie das ehemalige Bahnbetriebswerk. Dessen weitestgehend zurückgebaute Anlagen werden heute zur Fahrzeugunterhaltung genutzt und werden mit der Vollinbetriebnahme des Bahnhofes Lindau-Reutin im Laufe des Jahres 2021 verschwinden. Die ursprünglich für den Güterumschlag zwischen Schiff und Bahn gebaute, denkmalgeschützte Eilguthalle, die jahrzehntelang verfiel, birgt eine Niederlassung der Bodensee-Schiffsbetriebe sowie, nach einer Restaurierung, seit 2017 auch ein Restaurant und eine Oldtimerausstellung.[4][5][6]

Der Bahnhof verfügte bis März 2020 über zwei 1924 in Betrieb genommene elektromechanische Stellwerke[7] und ist mit Lichtsignalen ausgestattet. Heute wird er samt allen anderen Bahnanlagen in und um Lindau von Immenstadt aus ferngesteuert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof von der Hafenseite, die Eilguthalle (vor der Restaurierung) ist am linken Bildrand zu sehen.
Nördlicher Bahnhofskopf (1958)

Lindau ist Endpunkt der Strecke aus Buchloe, die als Teil der Ludwig-Süd-Nord-Bahn erbaut wurde. Ihr letzter Abschnitt wurde am 1. März 1854 eröffnet, das erste Lindauer Empfangsgebäude aber erst am 2. Dezember 1854 fertig gestellt.[8]

Da die Lokomotiven in den Anfangsjahren des Bahnhofs auch mit in der Umgebung reichlich vorhandenem Torf geheizt wurden, baute man die entsprechende Infrastruktur auf. Die 1853/54 errichtete[9], denkmalgeschützte „Torfsch(l)upfe“, ein ehemaliges Lager für den Brennstoff, war Ende 2019 immer noch erhalten.[10]

Von 1869 bis 1939 bestand im Hafen ein Trajekt für Güterwagen nach Romanshorn (Schweiz) und von 1873 bis 1899 nach Konstanz. 1899 wurde die Bahnstrecke Friedrichshafen–Lindau in Betrieb genommen, die jedoch schon in Aeschach endet. Dort mündet sie in die Bahnstrecke Buchloe–Lindau ein und machte das Trajekt nach Konstanz überflüssig.

Die Bahnstrecke Lindau–Bludenz führt über Bregenz und Dornbirn nach Bludenz. Früher unterhielten die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) hierzu im Empfangsgebäude einen eigenen Fahrkartenschalter, der durch einen Fahrkartenautomaten ersetzt wurde. Güterzüge können den Kopfbahnhof auf der Insel zudem bereits seit 1878 durch Nutzung der Aeschacher Kurve auf dem Festland umgehen.

Am 21. Juli 1905 ereignete sich ein schwerer Unfall: Durch einen Rangierfehler im (damaligen) Bahnhof Oberreitnau an der Strecke nach Buchloe gerieten eine Reihe von Güterwagen auf das abwärts, Richtung Bodensee, führende Streckengleis, kamen ins Rollen, durchfuhren den Bahnhof und stürzten an dessen seeseitigem Ende in den Hafen, wobei auch Schalden des Trajekts beschädigt wurden.[11]

Die Strecke nach Österreich wurde zum 14. Dezember 1954 elektrifiziert. Sie war bis 2020 die einzige Bahnstrecke mit Oberleitung, die Lindau erreichte. Ursprünglich waren deshalb nur die Gleise 1 bis 3 und zwei Abstellgleise mit Oberleitung versehen. Hierfür musste die Fußgängerbrücke partiell angehoben werden.

Im Zuge des Projekts Bahnhof 21 sollte der Kopfbahnhof auf der Insel aufgegeben und durch den Durchgangsbahnhof Lindau-Reutin auf dem Festland ersetzt werden. Das Vorhaben scheiterte am Widerstand der Stadt sowie am Ergebnis zweier Bürgerentscheide, welche allesamt den – zumindest teilweisen – Erhalt des Insel-Bahnhofs forderten, und wurde in der geänderten Form einer Kombilösung aus dem Bahnhof Lindau-Reutin und dem Weiterbetrieb des Insel-Bahnhofs in reduziertem Umfang umgesetzt.

Nach mehreren Anläufen wurde ab 2016 die Eisenbahninfrastruktur rund um Lindau modernisiert und umgebaut. Der erste Spatenstich fand am 24. Oktober 2016 statt.[12] Der Personenfernverkehr wurde überwiegend in den zuletzt als Güterbahnhof genutzte Bahnhof Lindau-Reutin verlagert, der dafür zu einem Personenbahnhof umgebaut wurde.

Für den Bahnhof auf der Insel bedeutet die Umstrukturierung eine Verkleinerung der betrieblichen Anlagen: Die Zahl der Bahnsteiggleise sollte von acht auf sechs reduziert werden und ihre Länge verkürzt, um südlich der Prellböcke einen ebenerdigen Übergang zur hinteren Insel zu ermöglichen. Von den bisher nicht elektrifizierten fünf Gleisen werden die drei verbleibenden ebenfalls mit einer Oberleitung ausgestattet.[13] Die Abstellanlage und die Tankstelle für Dieseltriebfahrzeuge werden nach Reutin verlagert.[14] Bereits seit März 2020 hat ein elektronisches Stellwerk in Reutin, das (derzeit; bis zu einer späteren Migration in eine Betriebszentrale) von Immenstadt aus fernbedient wird, die Steuerung der Lindauer Eisenbahnanlagen übernommen. Der Taktknoten für den Regionalverkehr wird aber weiterhin hier verbleiben.[15] Laut Bahn sei auf den frei werdenden Flächen ein Park im Bereich der Eilguthalle geplant, die restlichen Flächen sollen von Investoren bebaut werden. Da möglicherweise Altlasten im Boden zu entsorgen sind, wird mit einer Bebauung ab Mitte der 2020er Jahre gerechnet.[16]

Die marode und wegen nachlassender Tragfähigkeit für Schwerfahrzeuge zuletzt nur noch einspurig befahrbare Thierschbrücke wurde abgerissen und 2017 bis 2019 durch einen deutlich breiteren Neubau ersetzt.[17][18]

Mit Wiederaufnahme des Personenverkehrs im Bahnhof Lindau-Reutin am 13. Dezember 2020 wurde die Betriebsstelle in Lindau-Insel umbenannt und verlor ihren Status als Grenzbahnhof.

Bedienung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regionalverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regionalbahn der DB Regio Baden-Württemberg im Bahnhof Lindau-Insel
REX der ÖBB im Bahnhof Lindau-Insel

Im Schienenpersonennahverkehr wird der Lindauer Inselbahnhof aus drei verschiedenen Richtungen bedient. Der Bahnhof ist für alle Regionalzüge außer dem RE 7, der seit dem Fahrplanwechsel 2020 zum neu eröffneten Bahnhof Lindau-Reutin durchgebunden wird, Endbahnhof.

Der Regionalverkehr wird von verschiedenen Eisenbahnverkehrsunternehmen betrieben, nämlich DB Regio Allgäu-Schwaben Richtung Bayern, DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee in Richtung Baden-Württemberg sowie die ÖBB in Richtung Österreich.

In und aus Richtung Friedrichshafen verkehren stündlich Regional-Express-Züge (RE), die bis nach Stuttgart durchgebunden werden. Ergänzt werden sie durch stündlich angebotene Regionalbahnen (RB), die von und nach Friedrichshafen verkehren.

Nach und aus Richtung Hergatz verkehren unter anderem seit Ende 2020 die DB Regio Bayern von und nach München sowie der Allgäu-Franken-Express als Regionalexpress (RE) von und nach Nürnberg. Ergänzend verkehren einzelne Regionalexpress-Züge von und nach Ulm über Kempten. In gleiche Richtung verkehren auch Regionalbahnen bis Kißlegg oder Aulendorf.

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) bieten Regionalexpress-Züge (REX) Richtung Bludenz. Außerdem ist Lindau-Insel Endbahnhof der Linie S 1 der S-Bahn Vorarlberg.

Zuggattung / Linie Verlauf Taktfrequenz
RE 5 Lindau-Insel – Friedrichshafen Stadt Ravensburg – Aulendorf – Biberach – Ulm – Plochingen – Stuttgart Stundentakt
RE 7 Lindau-Reutin – Lindau-Insel – Hergatz – Immenstadt – Kempten – Kaufbeuren – Buchloe – Augsburg (– Nürnberg) Zweistundentakt
RE 70 Lindau-Insel – Hergatz – Immenstadt – Kempten – Kaufbeuren – Buchloe – München Zweistundentakt
RE 72 Lindau-Insel – Hergatz – Wangen – Kißlegg – Leutkirch – Memmingen – Buchloe – München ein Zugpaar
RE 77 Lindau-Insel – Hergatz – Immenstadt – Kempten – Memmingen – Ulm einzelne Züge
REX Lindau-Insel – Lindau-Reutin – Bregenz – Dornbirn – Feldkirch (– Bludenz) (Halb-)Stundentakt
RB 92 Lindau-Insel – Hergatz – Wangen – Kißlegg (– Bad Waldsee – Aulendorf) Zweistundentakt
RB 93 Lindau-Insel – Wasserburg – Friedrichshafen Stadt (– Friedrichshafen Hafen) Stundentakt
RB 96 Lindau-Insel – Hergatz – Wangen – Kißlegg – Leutkirch (– Memmingen) einzelne Züge
S 1 Lindau-Insel – Lindau-Reutin – Bregenz – Dornbirn – Feldkirch – Bludenz Zweistundentakt

Der Bahnhof ist weiterhin Ausgangs- und Endpunkt einiger Überland-Buslinien, z. B. der Linie 17 nach Hergatz, der Linie 18 nach Oberstaufen und der Linie 21 nach Nonnenhorn.[19]

Fernverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Dezember 2010 bis Dezember 2013 wurde täglich ein Railjet nach Lindau durchgebunden. Der Gegenzug verkehrte bis Bregenz als Regionalexpress mit Halt in Lochau-Hörbranz und ab Bregenz als Railjet nach Wien, da der Railjet auf der Strecke Lindau–Bregenz jeweils einen regelverkehrenden Regionalexpress bzw. S-Bahn ersetzte. In früheren Jahren verkehrten auch Expresszüge (Ex) der ÖBB bis Lindau, unter anderem gab es Direktverbindungen in die österreichische Hauptstadt Wien. Heute enden beziehungsweise beginnen die österreichischen Fernzüge meist im benachbarten Bregenz.

Im Schienenpersonenfernverkehr bot bis zum 12. Dezember 2020 die Eurocity-Linie 88 regelmäßige Verbindungen von München über Lindau nach Zürich. Bei den Eurocity-Zügen wurde im Lindauer Hauptbahnhof der Lokomotivwechsel zwischen deutscher Diesel- und schweizerischer Elektrotraktion durchgeführt. Die Strecke München – Lindau über Memmingen wurde elektrifiziert, um einen durchgehenden Betrieb unter Oberleitung zu ermöglichen. Seit dem 13. Dezember 2020 bedienen die nunmehr EuroCity-Express genannten Züge München–Zürich alternativ den Bahnhof Lindau-Reutin.

Im Fahrplanjahr 2021 ist der Intercity Bodensee der Linie 32 zwischen Dortmund und Innsbruck das letzte verbliebene Fernzugpaar im Bahnhof Lindau-Insel..[20] Hier findet bei dieser Verbindung der Lokomotivwechsel zwischen Diesel- und Elektrotraktion statt.

Stadtverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Bahnhofsvorplatz verkehrt der Stadtbus Lindau mit den Linien 2 und 5,[21] zeitweise auch mit Verstärkern, sowie der Schulbuslinie 31. Durch diesen ist der Inselbahnhof mit allen Lindauer Stadtteilen und den Nachbargemeinden Bodolz-Enzisweiler und Weißensberg verbunden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • pd/an: Spatenstich in Lindau. In Eisenbahn-Revue International 12/2016, S. 606f.
  • Harald Schönfeld: Insel-Idyll mit Verfallsdatum. Lindau Hbf – Erhalt oder Ende? In: eisenbahn magazin. Nr. 9/2012. Alba Publikation, September 2012, ISSN 0342-1902, S. 30–34 (Artikel über Historie und Zukunftspläne des Inselbahnhofs).
  • Christian Wüst: Lummerland im Bodensee. In: Der Spiegel. Nr. 43/2014. SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG, Oktober 2014, ISSN 0038-7452, S. 133 (spiegel.de).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lindau Hauptbahnhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
  2. pd/an: Spatenstich in Lindau, S. 606.
  3. "Lindauer Bahnbote", Ausgabe Mai 2013, Seite 3, siehe auch: http://www.bahnhof-lindau.de/bahnboten/Bahnbote-2013-Mai.pdf
  4. Lindauer Hafenstreit beigelegt. Abgerufen am 25. Januar 2021.
  5. Eilguthalle, Lindau - Deutsche BauZeitschrift. Abgerufen am 25. Januar 2021.
  6. Home - Eilguthalle Lindau - Restaurant | Biergarten | Veranstaltungen. Abgerufen am 25. Januar 2021.
  7. Holger Kötting: Liste deutscher Stellwerke, abgerufen am 14. Februar 2017
  8. Der Hauptbahnhof Lindau auf bf-l.zielbahnhof.de, abgerufen am 15. März 2020
  9. Denkmal: Stadtrat erlaubt Mang den Abriss. Abgerufen am 3. Februar 2021.
  10. Zur Geschichte der “Torfschlupfe” auf der Insel Lindau – Bunte Liste Lindau. Abgerufen am 24. Januar 2021.
  11. Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd. 1: Landsberg-Pürgen 1979.
  12. pd/an: Spatenstich in Lindau, S. 606.
  13. Baustellenblog | ABS 48: Ausbaustrecke München-Lindau-Grenze D/A. Abgerufen am 25. Mai 2020.
  14. pd/an: Spatenstich in Lindau, S. 60 7.
  15. pd/an: Spatenstich in Lindau, S. 606.
  16. Dirk Augustin: Wann baut die Bahn auf der Insel um?. Der Westallgäuer. 3. Februar 2021.
  17. https://structurae.net/de/bauwerke/thierschbruecke
  18. GTL Lindau Projekt Thierschbrücke. Abgerufen am 25. Januar 2021.
  19. Landkreis Lindau: Fahrpläne / Landkreis Lindau. Abgerufen am 24. Januar 2021.
  20. Streckenplan ab Dezember 2020. Stadtwerke Lindau, abgerufen am 13. Dezember 2020.