Lindau Hauptbahnhof

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Lindau Hbf
Westflügel des Bahnhofsgebäudes, davor Abstellgleise (2008)
Westflügel des Bahnhofsgebäudes, davor Abstellgleise (2008)
Daten
Lage im Netz Endbahnhof
Bauform Kopfbahnhof
Bahnsteiggleise 8
Abkürzung MLI (DB), L (ÖBB)
IBNR 8000230
Preisklasse 3
Eröffnung 1. März 1854
Profil auf Bahnhof.de Lindau_Hbf
Architektonische Daten
Baustil Jugendstil
Lage
Stadt/Gemeinde Lindau (Bodensee)
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 47° 32′ 45″ N, 9° 41′ 2″ OKoordinaten: 47° 32′ 45″ N, 9° 41′ 2″ O
Höhe (SO) 398 m ü. NHN
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Bayern
i16

Lindau Hauptbahnhof (bis 15. Mai 1936 Lindau Stadt) ist der größte Bahnhof der Stadt Lindau (Bodensee) und gleichzeitig ihr einziger Fernverkehrshalt.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodenseedamm zum Hauptbahnhof

Der Lindauer Hauptbahnhof, der Richtung Österreich als Grenzbahnhof fungiert, liegt auf der Insel Lindau im Bodensee in unmittelbarer Nachbarschaft des Lindauer Hafens. Über den viergleisig ausgeführten Lindauer Bodenseedamm ist er mit dem Festland verbunden. Der Damm und die etwa 500 Meter östlich verlaufende Straßenbrücke Landtorbrücke grenzen den Kleinen See vom Bodensee ab. Die Bahnanlagen trennen weiter die Hauptinsel von der Hinteren Insel. Eine Fußgängerbrücke und die Thierschbrücke für den Straßenverkehr stellen die Verbindung über die Gleise her.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über die Gleisanlagen
Bahnbetriebswerk mit Lokschuppen und einer Diesellokomotive mit zuschaltbarer Gasturbine der Baureihe 210 auf der Drehscheibe (1974)

Der Bahnhof ist Endpunkt der Bayerischen Allgäubahn und im Bereich der Bahnsteige weitgehend als Kopfbahnhof gestaltet. Das Empfangsgebäude steht parallel zu den Gleisen. Es wurde zwischen 1913 und 1921 im barockisierenden Heimatstil errichtet und steht unter Denkmalschutz.[1] Es hat während der zwanzigjährigen Diskussion um den Umbau des Eisenbahnknotens Lindau stark gelitten, da kaum noch investiert wurde.[2]

Westlich des Empfangsgebäudes liegen ein kleiner Rangierbahnhof sowie das ehemalige Bahnbetriebswerk. Dessen zurückgebaute Anlagen werden heute zur Fahrzeugunterhaltung genutzt. Der Bahnhof verfügt über zwei 1924 in Betrieb genommene elektromechanische Stellwerke[3] und ist mit Lichtsignalen ausgestattet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof von der Hafenseite
Nördlicher Bahnhofskopf (1958)

Lindau ist der Endpunkt der von München über Kempten kommenden Allgäubahn und der von Augsburg kommenden Ludwigsbahn. Der südwestliche Abschnitt der Strecke von München-Kempten nach Lindau wurde am 1. März 1854 eröffnet, das erste Lindauer Empfangsgebäude aber erst am 2. Dezember 1854 fertig gestellt.[4]

Von 1869 bis 1939 bestand im Hafen ein Trajekt für Güterwagen nach Romanshorn (Schweiz) und von 1873 bis 1899 nach Konstanz. 1899 wurde im Rahmen der Bodenseegürtelbahn die Bahnstrecke Friedrichshafen–Lindau in Betrieb genommen, die jedoch schon in Aeschach endet. Dort mündet sie in die Allgäubahn ein und machte das Trajekt nach Konstanz überflüssig.

Die Bahnstrecke Lindau–Bludenz führt über Bregenz und Dornbirn nach Bludenz. Früher unterhielten die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) hierzu im Lindauer Hauptbahnhof einen eigenen Fahrkartenschalter, der durch einen Fahrkartenautomaten ersetzt wurde. Güterzüge können den Kopfbahnhof auf der Insel zudem schon seit 1878 durch Nutzung der Aeschacher Kurve auf dem Festland umgehen.

Am 21. Juli 1905 ereignete sich ein schwerer Unfall: Durch einen Rangierfehler im (damaligen) Bahnhof Oberreitnau an der Allgäubahn gerieten eine Reihe von Güterwagen auf das abwärts, Richtung Bodensee, führende Streckengleis, kamen ins Rollen, durchfuhren den Hauptbahnhof Lindau und stürzten an dessen seeseitigem Ende in den Hafen, wobei auch Schalden des Trajekts beschädigt wurden.[5]

Die Strecke von und nach Österreich wurde zum 14. Dezember 1954 elektrifiziert und ist bis heute die einzige Bahnstrecke mit Oberleitung, die Lindau erreicht. Im Lindauer Hauptbahnhof sind die Gleise 1 bis 3 und zwei Abstellgleise mit Oberleitung versehen. Auch Elektrolokomotiven der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) fahren planmäßig nach Lindau.

Im Zuge des Projekts Bahnhof 21 sollte der Kopfbahnhof auf der Insel aufgegeben und durch einen Durchgangsbahnhof auf dem Festland ersetzt werden. Das Vorhaben scheiterte.

Bedienung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Abfahrtstafel im Jahr 2005

Fernverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Schienenpersonenfernverkehr bietet die Eurocity-Linie 88 der DB regelmäßige Verbindungen von München über Lindau nach Zürich. Bei den Eurocity-Zügen erfolgt in Lindau der Wechsel zwischen deutscher Diesel- und schweizerischer Elektrotraktion.

Mit der Fernverkehrsoffensive sollte der EC 88 bis spätestens 2030 durch einen zweistündlichen ICE 4-Verkehr ersetzt werden.[6] Ab Dezember 2020 werden jedoch zunächst seitens der SBB deren ETR 610 sechsmal täglich auf dieser Relation verkehren und die lokbespannten EC ablösen.[7] Ab dem selben Datum sollen zudem alle Fernverkehrszüge nicht mehr den jetzigen Hauptbahnhof, sondern den bis dahin neu entstehenden Bahnhof Lindau-Reutin im Stadtteil Reutin auf dem Lindauer Festland anfahren.

Zudem will die Deutsche Bahn auf der neuen Intercity-Linie 62 (Saarbrücken – Kaiserslautern – Mannheim – Heidelberg – Stuttgart – Ulm – Friedrichshafen – Lindau) mit neuen IC-2-Wagen voraussichtlich ab Dezember 2029 eine ebenfalls zweistündig befahrene touristisch orientierte Direktverbindung zwischen dem Saarland und der Bodenseeregion anbieten. Voraussetzung dafür ist die derzeit in Bau befindliche Elektrifizierung der Südbahn.

Linie Verlauf Taktfrequenz
EC 88 München – Buchloe – Memmingen / Kempten – Lindau – Bregenz – St. Gallen – Winterthur – Zürich (– Basel) vier Zugpaare am Tag

Von Dezember 2010 bis Dezember 2013 wurde täglich ein Railjet nach Lindau durchgebunden. Der Gegenzug verkehrte bis Bregenz als Regionalexpress mit Halt in Lochau-Hörbranz und ab Bregenz als Railjet nach Wien, da der Railjet auf der Strecke Lindau–Bregenz jeweils einen regelverkehrenden Regionalexpress bzw. S-Bahn ersetzte. Außerdem verkehrte täglich ein einzelnes Intercity-Zugpaar der deutschen Linie 32 von Münster über Lindau nach Innsbruck. Durch die Bauarbeiten auf der Strecke Ulm–Friedrichshafen ist es bis Stuttgart durch einen Intercity-Express (ICE) ersetzt worden. In früheren Jahren verkehrten auch Expresszüge (Ex) der ÖBB bis Lindau, unter anderem gab es Direktverbindungen in die österreichische Hauptstadt Wien. Heute enden beziehungsweise beginnen die österreichischen Fernzüge meist im benachbarten Bregenz.

Regionalverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

alex mit Diesellok der Baureihe 223 im Hauptbahnhof Lindau

Im Schienenpersonennahverkehr wird der Lindauer Hauptbahnhof aus drei verschiedenen Richtungen bedient. Lindau ist für alle Regionalzüge Endbahnhof. Ursächlich hierfür sind vor allem die verschiedenen Eisenbahnverkehrsunternehmen in der Region, nämlich DB Regio Allgäu-Schwaben und alex Richtung Bayern, DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee in Richtung Baden-Württemberg sowie die ÖBB in Richtung Österreich.

In und aus Richtung Friedrichshafen verkehren stündlich Regional-Express-Züge (RE), die bis nach Stuttgart durchgebunden werden. Ergänzt werden sie durch stündlich angebotene Regionalbahnen (RB), die von und nach Friedrichshafen verkehren.

Jeden Morgen fährt ein Interregio-Express nach Singen und eine Regionalbahn kommt von dort an.

Nach und aus Richtung Hergatz verkehren unter anderem der alex (bis 2010: Arriva-Länderbahn-Express) von und nach München sowie der Allgäu-Franken-Express als Regionalexpress (RE) von und nach Nürnberg. Ergänzend verkehren einzelne Regionalexpress-Züge von und nach Ulm über Kempten. In gleiche Richtung verkehren auch Regionalbahnen bis Kißlegg oder Aulendorf.

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) bieten Regionalexpress-Züge (REX) nach Feldkirch und Bludenz. Außerdem ist der Lindauer Hauptbahnhof Endbahnhof der Linie 1 S-Bahn Vorarlberg.

Zuggattung Verlauf Taktfrequenz
IRE Lindau – Friedrichshafen Stadt – Radolfzell – Singen – Schaffhausen – Waldshut – Basel Bad einzelne Züge
RE Lindau – Friedrichshafen Stadt Ravensburg – Aulendorf – Biberach – Ulm – Plochingen – Stuttgart Stundentakt
ALX Lindau – Hergatz – Immenstadt – Kempten – Kaufbeuren – Buchloe – München Zweistundentakt
RE Lindau – Hergatz – Immenstadt – Kempten – Kaufbeuren – Buchloe – Augsburg (– Nürnberg) Zweistundentakt
RE Lindau – Hergatz – Immenstadt – Kempten – Memmingen – Ulm einzelne Züge
RE Lindau – Hergatz – Wangen – Kißlegg – Leutkirch – Memmingen – Buchloe – München ein Zugpaar
REX Lindau – Bregenz – Dornbirn – Feldkirch (– Bludenz) (Halb-)Stundentakt
RB Lindau – Wasserburg – Friedrichshafen Stadt (– Friedrichshafen Hafen) Stundentakt
RB Lindau – Hergatz – Wangen – Kißlegg (– Bad Waldsee – Aulendorf) Zweistundentakt
RB Lindau – Hergatz – Wangen – Kißlegg – Leutkirch (– Memmingen) einzelne Züge
S Lindau – Bregenz – Dornbirn – Feldkirch – Bludenz Zweistundentakt
S Lindau – Bregenz – St. Margrethen einzelner Zug

Stadtverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Bahnhofsvorplatz verkehrt der Stadtbus Lindau mit den Linien 1 und 2, zeitweise auch mit Verstärkern der Linien 3 und 4, sowie der Schulbuslinie 31. Durch diesen ist der Hauptbahnhof mit allen Lindauer Stadtteilen und den Nachbargemeinden Bodolz-Enzisweiler und Weißensberg verbunden.

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach mehreren Anläufen wird nun seit 2016 die Eisenbahninfrastruktur im Bereich von Lindau modernisiert und umgebaut. Der erste Spatenstich dafür fand am 24. Oktober 2016 statt.[8] Der Personenfernverkehr wird auf einen neu zu errichtenden Bahnhof auf dem Festland verlagert. Dazu wird dort der heutige Güterbahnhof Lindau-Reutin zu einem Personen- und Abstellbahnhof mit vier Bahnsteig- und einigen Abstellgleisen umgebaut. Für den Hauptbahnhof bedeutet die Umstrukturierung eine Verkleinerung der betrieblichen Anlagen: Die Zahl der Bahnsteiggleise wird von acht auf sechs reduziert und die Gleislänge verkürzt, um südlich der Prellböcke einen ebenerdigen Übergang zur hinteren Insel zu errichten. Von den bisher nicht elektrifizierten fünf Gleisen werden die drei verbleibenden ebenfalls mit einer Oberleitung ausgestattet.[9] Die Abstellanlage und die Tankstelle für Dieseltriebfahrzeuge werden nach Reutin auf das Festland verlagert.[10] Bereits seit März 2020 hat ein elektronisches Stellwerk in Reutin, das (derzeit; bis zu einer späteren Migration in eine Betriebszentrale) von Immenstadt aus fernbedient wird, die Steuerung der Lindauer Eisenbahnanlagen übernommen. Der Taktknoten für den Regionalverkehr wird aber weiterhin hier verbleiben.[11] Mit dem Umbau wird die Bezeichnung „Hauptbahnhof“ verschwinden und die Betriebstelle in „Lindau-Insel“ umbenannt.

Weitere Stationen in Lindau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Stationen im Stadtgebiet sind der Haltepunkt Lindau-Aeschach und der Güterbahnhof Lindau-Reutin. Früher existierten außerdem noch Lindau-Zech (ab 15. Mai 1936[12] und bis nach dem Zweiten Weltkrieg: Lindau-Siebertsdorf), Lindau Langenweg, Lindau Strandbad, Schönau, Oberreitnau und Rehlings. Im Zuge der Modernisierung der Eisenbahnanlagen im Raum Lindau sollen der Haltepunkt Lindau-Aeschach modernisiert werden und neue Haltepunkte in Hergensweiler, Oberreitnau, Schlachters und Weißensberg entstehen.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • pd/an: Spatenstich in Lindau. In Eisenbahn-Revue International 12/2016, S. 606f.
  • Harald Schönfeld: Insel-Idyll mit Verfallsdatum. Lindau Hbf – Erhalt oder Ende? In: eisenbahn magazin. Nr. 9/2012. Alba Publikation, September 2012, ISSN 0342-1902, S. 30–34 (Artikel über Historie und Zukunftspläne des Inselbahnhofs).
  • Christian Wüst: Lummerland im Bodensee. In: Der Spiegel. Nr. 43/2014. SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG, Oktober 2014, ISSN 0038-7452, S. 133 (spiegel.de [abgerufen am 23. Oktober 2014]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lindau Hauptbahnhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
  2. pd/an: Spatenstich in Lindau, S. 606.
  3. Holger Kötting: Liste deutscher Stellwerke, abgerufen am 14. Februar 2017
  4. Der Hauptbahnhof Lindau auf bf-l.zielbahnhof.de, abgerufen am 15. März 2020
  5. Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd. 1: Landsberg-Pürgen 1979.
  6. Größte Kundenoffensive in der Geschichte des DB Fernverkehrs. In: deutschebahn.com. DB Konzern, abgerufen am 12. Oktober 2015.
  7. Zürich–München: Neue Flotte, mehr Verbindungen und kürzere Reisezeiten | SBB. Abgerufen am 25. Mai 2020.
  8. pd/an: Spatenstich in Lindau, S. 606.
  9. Baustellenblog | ABS 48: Ausbaustrecke München-Lindau-Grenze D/A. Abgerufen am 25. Mai 2020.
  10. pd/an: Spatenstich in Lindau, S. 60 7.
  11. pd/an: Spatenstich in Lindau, S. 606.
  12. Daten BD Augsburg
  13. pd/an: Spatenstich in Lindau, S. 607.