Lindenberg im Allgäu

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Lindenberg im Allgäu
Lindenberg im Allgäu
Deutschlandkarte, Position der Stadt Lindenberg im Allgäu hervorgehoben
47.6039.886764Koordinaten: 47° 36′ N, 9° 53′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Lindau (Bodensee)
Höhe: 764 m ü. NHN
Fläche: 11,85 km²
Einwohner: 10.963 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 925 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88161
Vorwahl: 08381
Kfz-Kennzeichen: LI
Gemeindeschlüssel: 09 7 76 117
Adresse der
Stadtverwaltung:
Stadtplatz 1
88161 Lindenberg
Webpräsenz: www.lindenberg.de
Bürgermeister: Eric Ballerstedt (CSU)
Lage der Stadt Lindenberg im Allgäu im Landkreis Lindau (Bodensee)
Baden-Württemberg Österreich Schweiz Landkreis Oberallgäu Bodolz Gestratz Grünenbach Heimenkirch Hergatz Hergensweiler Lindau (Bodensee) Lindenberg im Allgäu Maierhöfen Nonnenhorn Oberreute Opfenbach Röthenbach (Allgäu) Scheidegg Sigmarszell Stiefenhofen Wasserburg (Bodensee) Weiler-Simmerberg Weißensberg BodenseeKarte
Über dieses Bild
Stadt Lindenberg im Allgäu

Lindenberg im Allgäu (amtlich: Lindenberg i. Allgäu) ist mit rund 11.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt im schwäbischen Landkreis Lindau (Bodensee) und bildet das Herzstück der Region Westallgäu.

Lindenberg, an der Deutschen Alpenstraße gelegen, ist ein anerkannter Luftkurort und besitzt Bayerns einziges Hutmuseum.

Geografie[Bearbeiten]

Es existiert nur die Gemarkung Lindenberg im Allgäu.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Lindenberg im Allgäu ist von den Gemeinden Scheidegg, Weiler-Simmerberg, Heimenkirch, Röthenbach und Opfenbach umgeben.

Klima[Bearbeiten]

Lindenberg, das in nebelarmer Höhenlage liegt, war 2006 mit 2.217 Sonnenstunden die sonnenreichste Stadt Deutschlands. Im Jahr 2009 waren es nur 1977 Stunden, trotzdem war Lindenberg damit neben Scheidegg Sonnenreichster Ort Bayerns[2]. (Der statistisch relevante langjährige Durchschnitt der Sonnenscheindauer, der die Basis für Vergleiche mit anderen Stationen ist, liegt naturgemäß tiefer als solche Spitzenwerte eines einzelnen Jahres.)

Geschichte[Bearbeiten]

Das erste Volk, das vereinzelt im Allgäu siedelte, waren die Kelten, die ab etwa 500 v. Chr. den Boden bebauten.

Um 15 v. Chr. wurde das Gebiet von den Römern besetzt und es wurde eine Römerstraße errichtet, die Brigantium (Bregenz) über Cambodunum (Kempten im Allgäu) mit Augusta Vindelicorum (Augsburg) verband.

Um 500 bezwangen Alemannen den römischen Limes und bewohnten seitdem das Gebiet. Im 8. Jahrhundert war das Gebiet des heutigen Lindenberg in der Hand des Adelsgeschlechts der Udalrichinger von Bregenz und deren Erben.

Im 9. Jahrhundert ging das Gebiet an St. Gallen. Die erste schriftliche Erwähnung Lindenbergs findet sich auf einer Besitzurkunde des Klosters St. Gallen. Im Jahr 857 schenkten Patacho und Sigibert, zwei bedeutende Adelige, Güter in „Lintiberc“ an das Kloster St. Gallen.

Dann ging der Ort an die Grafen von Montfort über, deren Stammburg bei Bregenz noch heute zu sehen ist. Deren Vogt saß in Thalersdorf (Dallendorf) bei Gestratz und dorthin mussten die Bauern ihren Zehnten bringen.

1249 kamen Kirche, Güter und Untertanen an das Kloster Mehrerau, das 1097 entstanden war. Die Pfarrei Lindenberg wurde erstmals im Jahr 1257 im Liber decimationis der Diözese Konstanz erwähnt.

Ansichtskarte aus Lindenberg (1902)

Als die Schweden 1634 in großer Zahl ins Westallgäu einbrachen, wurden im Frühjahr desselben Jahres große Teile von Lindenberg eingeäschert. Größere Bedeutung erlangte Lindenberg, als es 1784 die Marktrechte erhielt. Jetzt durften bis zu drei Viehmärkte pro Jahr abgehalten werden.

Lindenberg gehörte bis zu den Napoleonischen Kriegen als Teil der Herrschaft Bregenz-Hohenegg zu Österreich. Ein französisches Heer zog 1796 im Allgäu ein und drang bis Kempten vor. In den Friedensverträgen von Brünn und Preßburg 1805 kam der Ort dann zu Bayern.

Bereits im Jahr 1656 wurden Lindenberger Strohhüte im Hausierhandel und auf Märkten verkauft. 1755 begann man damit, die Herstellung und den Vertrieb von Strohhüten zu organisieren. Die Hutindustrie ist wirtschaftlich heute nicht mehr von Bedeutung; die Erinnerung an sie wird mit einem jährlich stattfindenden „Huttag“ sowie einem Hutmuseum wach gehalten.[3]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

CSU SPD FW Grüne Gesamt
2002 9 7 7 1 24
2008 9 6 7 2 24
2014 8 6 7 3 24

Partnerstädte[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das Lindenberger Wappen zeigt in Silber auf grünem Dreiberg eine zweitürmige rote Kirche in Vorderansicht mit breitem Vorbau und blauen Dächern, beiderseits je eine grüne Linde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bildende Kunst[Bearbeiten]

  • Die Stadt Lindenberg vergibt seit 1987 jährlich einen Kulturpreis.[4] Erster Preisträger war der Maler Luis Gurschler.
  • Der Westallgäuer Kunstpreis 2009 ging an den Maler Albert Malnati aus Wasserburg. Der mit 1.000 € dotierte Preis wird im Rahmen der Westallgäuer Kunstausstellung verliehen.[5]
  • Der Lindenberger Kulturpreis 2009 (dotiert mit 1.500 €) ging an Erich Felder [6]

Bauwerke[Bearbeiten]

Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul
Ältestes Haus Lindenbergs[7]
Hutmuseum in Lindenberg im Allgäu
Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul[8]
Die Grundsteinlegung für diese auch Dom des Westallgäus genannte Kirche erfolgte am 8. September 1912, die Einweihung am 1. August 1914. Architekt des neubarocken Baus war Franz Rank. Das 1961 entstandene Deckengemälde gilt als das bedeutendste Werk des Goßholzer Kunstmalers Paul Keck (1904–1973).[9]
Ältestes Haus Lindenbergs[10]
Das älteste Haus Lindenbergs bzw. des Westallgäus ist zugleich auch das älteste Holzhaus im Landkreis Lindau. Es wurde um 1590 erbaut und war noch bis 1995 bewohnt.
Aureliuskirche
Die alte Peter-und-Paul-Kirche wird wegen einer Reliquie des heiligen Aurelius nach diesem benannt, um sie nicht mit der neuen Stadtpfarrkirche zu verwechseln. Sie stammt aus dem Mittelalter und wurde im 17. Jahrhundert nach einem Brand wieder neu aufgebaut; sie war bis 1914 die Stadtpfarrkirche.[11]
Hutmuseum
Das bisherige Hutmuseum Lindenberg, das auf über 300 m² Hüte, Hutpressen, Rohlinge und viele bemerkenswerte Details zum Thema Hut zeigte, hat am 27. Oktober 2013 seine Pforten geschlossen. Als Deutsches Hutmuseum Lindenberg wurde es am 13. Dezember 2014 in erweiterter und modifizierter Form im Gebäude der einstigen Hutfabrik Ottmar Reich wieder eröffnet.[12]

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Lindenberg im Allgäu

Landschaftliche Besonderheiten[Bearbeiten]

Waldsee
Hauptartikel: Waldsee (Lindenberg)
Der Waldsee ist einer der höchstgelegenen Moorseen Deutschlands auf 765,4 Meter und wurde bereits im Mittelalter als Fischweiher angelegt.[13]


Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Käse- und Gourmetfest[Bearbeiten]

In Lindenberg findet das „Internationale Käse- und Gourmetfest“ statt, auf dem Käsehersteller aus der Region, aber auch aus Frankreich, der Schweiz, Österreich, Italien, Holland und Slowenien vertreten sind.

Huttag[Bearbeiten]

Der sogenannte „Huttag“ findet jedes Jahr im April statt. Hierzu wählen die Lindenberger alle zwei Jahre ihre Lindenberger Hutkönigin. Während der zweijährigen Amtszeit repräsentiert sie die Hutstadt Lindenberg und das Westallgäu bei Veranstaltungen und Events, auf Touristik- bzw. Modemessen, in Publikationen und bei Hutmodeschauen.

Sozialistenhut[Bearbeiten]

Der Sozialistenhut ist ein jährlich in Lindenberg vom Kreisverband Lindau der SPD Bayern verliehener Preis.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Lindenberg sind neben einem traditionellen Käsewerk Zulieferbetriebe der Luftfahrt- und Automobilindustrie sowie eines der größten europäischen Fotogroßlabore angesiedelt.

Bedeutende Firmen und Einrichtungen sind:

  • Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH: Fahrwerke, Betätigungssysteme, Flugsteuerungen und Elektronik für Luftfahrzeuge
  • Mayser GmbH & Co. KG: Kopfbedeckungen, Schaumstofftechnik, Verformungstechnik & Sicherheitstechnik
  • Schreiber & Rupp Käsewerk[14] / Bergland Käsewerk
  • Mauderer Alutechnik GmbH[15]
  • allcop Farbbild-Service GmbH & Co. KG
  • Humboldt-Institut – Verein für Deutsch als Fremdsprache e.V.
  • Kunstverlag Josef Fink
  • Gebr. Baldauf GmbH & Co. KG – Käserei Baldauf[16]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

In Lindenberg geboren wurden:

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In Lindenberg lebten und wirkten bzw. leben und wirken außerdem:

  • Johann Evangelist Keller (1824–1910), Bürgermeister 1860–1884, Reichstags- und Landtagsabgeordneter
  • Heinrich Brauns (1868–1939), Politiker (Arbeitsminister in der Weimarer Republik)
  • Otto Geßler (1875–1955), Politiker (Reichswehrminister in der Weimarer Republik), Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes und Ehrenpräsident des Deutschen Roten Kreuzes

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lindenberg im Allgäu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Scheidegg und Lindenberg sind Sonnenreichste Orte Bayerns 2009
  3. Timo Frasch: Die hutlose Gesellschaft, faz.net vom 9 Dezember 2011, abgerufen am 11. Dezember 2011
  4. Träger des Kulturpreises der Stadt Lindenberg, abgerufen am 1. Oktober 2013
  5. Der Westallgäuer Kunstpreis an Albert Malnati
  6. Der Lindenberger Kulturpreis an Erich Felder
  7. Söldnerhaus-Bilderschau
  8. Stadtpfarrkirche
  9. Christus musste besonders gut gelingen, all-in.de, 24. Dezember 2011
  10. Söldnerhaus-Geschichte (PDF; 577 kB)
  11. Aureliuskirche
  12. Website des Hutmuseums. Abgerufen am 21. März 2014.
  13. Waldsee wurde schon im Mittelalter als Fischweiher genutzt
  14. Bayernland verkauft Schmelzkäsewerk an Schreiber & Rupp
  15. Mauderer Alutechnik GmbH
  16. Pressematerial zum 150-jährigen Jubiläum von Baldauf Käse
  17. Luis Gurschler
  18. Hermann Stoller