Lindenbrück (Zossen)

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Lindenbrück
Stadt Zossen
Koordinaten: 52° 7′ 48″ N, 13° 29′ 47″ O
Höhe: 44 m ü. NHN
Fläche: 4,47 km²
Einwohner: 393 (1997)
Bevölkerungsdichte: 88 Einwohner/km²
Eingemeindung: 28. September 1998
Eingemeindet nach: Wünsdorf
Postleitzahl: 15806
Vorwahl: 033704
Lindenbrück (Brandenburg)
Lindenbrück

Lage von Lindenbrück in Brandenburg

Dorfstraße in Lindenbrück
Lindenbrück (Iachzenbrück) und Funkenmühle auf der Schmettauschen Karte von 1767–87

Lindenbrück ist ein Ortsteil der Stadt Zossen im Landkreis Teltow-Fläming (Brandenburg)[1]. Der Ort hieß bis 1937 Jachzenbrück und war bis zur Eingemeindung 1998 nach Wünsdorf eine selbständige Gemeinde. 1874 war Funkenmühle und 1974 Zesch am See nach Jachzenbrück bzw. Lindenbrück eingemeindet worden.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Lindenbrück der Stadt Zossen liegt im südlichen und südöstlichen Teil des Stadtgebietes. Er entstand durch die Eingemeindungen der ehemals selbständigen Gemeinden Funkenmühle und Zesch am See. Der Kernort liegt ca. 600 m südlich vom Südufer des Wolziger Sees entfernt. Funkenmühle liegt am Ostufer des Wolziger Sees knapp 2 km nördlich des Kernortes. Zesch am See liegt 2,5 km südöstlich des Kernortes zwischen dem Kleinen und Großen Zeschsee. Mit dem Kleinen und Großen Möggelinsee liegen zwei weitere Seen auf der Gemarkung des Ortsteils. 1860 war Gemarkung insgesamt 3487 Morgen groß. 1900 wurde die Größe der Feldmark mit 1158 ha, und 1939 mit 1160 ha angegeben. Der kleine Zuwachs zwischen 1900 und 1939 entstand durch die Eingemeindung kleinerer Exklaven des Gutsbezirkes Zehrensdorf auf Lindenbrücker Gemarkung im Jahr 1928.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Ortsteil Lindenbrück besteht aus den ehemals selbständigen Gemeinden Lindenbrück, Funkenmühle und Zesch am See, die jeweils bis zu deren Eingemeindung ihre eigene Geschichte hatten. Der Kernort Lindenbrück wurde 1442 als „Jaxinbrucke“ erstmals in einer Urkunde erwähnt.[2] Er gehörte zu dieser Zeit zur Herrschaft Zossen, die im Besitz der Herren v. Torgow war. Das Dorf wurde damals laut der Urkunde der Margarete v. Torgow als Leibgedinge eingeräumt. Der Name ist nach Schlimpert ein slawisch-deutscher Mischname. Jaks ist als Personenname zu interpretieren, also Brücke eines Jaks[3]. Dabei ist der PN abgeleitet von urslaw. jak- tapfer. Der Ortsname Jachzenbrück wird häufig mit Jaxa von Köpenick in Verbindung gebracht. Dies ist jedoch unsicher, da sicher noch andere Personen Jaxa oder ähnlich hießen und dem Ort den Namen gegeben haben können. Dagegen leitet Martin May den Namen aus dem Althochdeutschen ab, zu jachsen = bekennen, beichten schwatzen oder ahd. gahi, mhd. gahe = jähe, plötzlich, rasch, im Sinne einer rasch hergestellten Notbrücke (oder provisorischen Brücke).[4] Lindenbrück wird im Historischen Ortslexikon als Gassendorf bezeichnet. Im Schmettauschen Kartenwerk von 1767–1787 ist der Ort jedoch als Angerdorf gezeichnet.

Lindenbrück auf dem Urmesstischblatt von 1841

1476 verkaufte Bernhard v. Torgow Jachzenbrück zusammen mit Fernneuendorf an den Jurgen v. Schlieffen (Schlieben) um 640 rheinische Gulden, behielt sich aber den Rückkauf vor. 1490 erwarb der brandenburgische Kurfürst Johann Cicero die Herrschaft Zossen und wandelte sie in ein Amt um. Er kaufte 1496 Jachzenbrück und Fernneuendorf von Ulrich, dem Sohn des Jurgen v. Schlieben um denselben Betrag zurück, wie die beiden Dörfer verkauft worden waren. Jachzenbrück zählte zur sog. „wendischen Seite“ des Amtes Zossen. 1545 war der Ort in 10 Hufen aufgeteilt. Es wohnten im Ort ein Lehnschulze, acht Bauern und acht Kossäten. Außerdem gab es eine Wassermühle im Ort. Die Bewohner hatten die Fischereirechte auf dem Großen und Kleinen Möggelinsee inne. Nach dem Erbregister des Amtes Zossen aus dem Jahr 1583 bewirtschaftete der Lehnschulze zwei Hufen, die acht Bauern je eine Hufe. Die Hufen maßen je 12 Morgen und 159 Quadratruten. Das entspricht etwa 5,3 ha. Außerdem saßen neun Kossäten im Dorf, die jeweils Acker und Wiesen besaßen. Zwei Kossätenstellen waren erst 1574 und 1576 eingerichtet worden. Die Wassermühle hatte einen Gang (der Müller wurde zu den Kossäten gerechnet). 1773 wird erstmals ein Dorfkrug genannt. Das Forsthaus lag außerhalb des Dorfes. 1754 wird ein Elsbruch von 383 Morgen südwestlich des Ortes gerodet und mit 12 „ausländischen kleinen Ackerwirten“ besetzt, später Etablissement Salzäcker genannt. 1771 werden 16 Giebel (= Häuser) genannt, 1801 27 Feuerstellen (= Haushaltungen). In diesem Jahr wird erstmals ein Radmacher genannt. 1840 zählte der Ort bereits 32 Wohnhäuser. Nach einem Eintrag im Urmesstischblatt brannte der Ort 1841 fast vollständig nieder[5]. 1860 standen in Jachzenbrück ein öffentliches Gebäude, 38 Wohngebäude und 78 Wirtschaftsgebäude, darunter eine Wassergetreidemühle und eine Wassersägemühle, dabei sind die Gebäude des Etablissement Salzäcker nicht miteingerechnet. 1874 wurde der bisher selbständige Ort Funkenmühle eingemeindet. 1929 wurde das Etablissement Salzäcker an Fernneuendorf angegliedert. 1931 war Jachzenbrück auf 79 Wohnhäuser und 486 Personen angewachsen. 1937 wurde der Ort in Lindenbrück umbenannt. 1945 wurden im Zuge der Bodenreform 273 ha enteignet und davon 223 ha neu aufgeteilt. Im Jahr 1953 existierte eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) vom Typ III mit 10 Mitgliedern und 53 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. Im Jahr 1961 hatte die LPG 58 Mitglieder und bewirtschaftete 226 ha Nutzfläche. Eine LPG Typ I hatte 6 Mitglieder und 42 ha Nutzfläche. Sie schloss sich 1962 an die größere LPG Typ III an. 1964 schloss sich auch die LPG Typ I in Zesch am See an die LPG Typ III in Lindenbrück an. 1974 wurde Zesch am See eingemeindet. Mit der Bildung der Verwaltungsgemeinschaften 1992 im Land Brandenburg kam Lindenbrück zum 28. Februar 1992 in das Amt Zossen[6].

Am 27. September 1998 wurde Lindenbrück zusammen mit Waldstadt in die Gemeinde Wünsdorf eingegliedert[7].

Mit der Auflösung des Amtes Zossen wurde auch die Gemeinde Wünsdorf mit ihren Ortsteilen Lindenbrück und Waldstadt aufgelöst und in die Stadt Zossen eingegliedert[8]. Lindenbrück erhielt den Status eines Ortsteils von Zossen, Zesch am See wurde Gemeindeteil von Lindenbrück[1]. Wünsdorf erhob Kommunalverfassungsbeschwerde gegen die Auflösung der Gemeinde und deren Eingliederung nach Zossen, die jedoch teils verworfen, im übrigen aber zurückgewiesen wurde[9].

Bevölkerungsentwicklung von 1583 bis 1971 (aus Hist. Ortslexikon[2])
Jahr Einwohner
1583 ca. 90 bis 110 (9 Bauern, 9 Kossäten)
1734 119
1772 120
1801 148
1817 151
1840 215
1858 306[Anmerkung 1]
1895 366
1925 340
1939 486
1946 477
1964 372
1971 369
Anm.:
  1. ohne Wohngebiet Salzäcker

Kirchliche Verhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort besaß von alters her keine eigene Kirche, sondern war nach Zossen eingepfarrt. 1755 wurden sie nach Wünsdorf inkorporiert.

Denkmale und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturdenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Liste der Naturdenkmale[10] verzeichnet eine

  • Friedenseiche auf dem Dorfanger von Lindenbrück. Die Eintragung erfolgte wegen ihrer Ortsbild prägenden Schönheit und der landeskundlichen Bedeutung

Bodendenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bodendenkmalliste des Landes Brandenburg von 2009 weist für Schöneiche acht Bodendenkmale aus:[11]

  • Dorfkern (Mittelalter und Neuzeit)
  • Mühle (Mittelalter)
  • Siedlung der Urgeschichte
  • Siedlung der Bronzezeit
  • Siedlung der Urgeschichte
  • Siedlung der Ur- und Frühgeschichte
  • Siedlung der Ur- und Frühgeschichte, Siedlung der Bronzezeit
  • Siedlung der Völkerwanderungszeit, Siedlung der römischen Kaiserzeit, Siedlung der Urgeschichte

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die drei ehemaligen Gemeinden Funkenmühle, Lindenbrück und Zesch am See feiern jedes Jahr im Juni gemeinsam das Lindenblütenfest, das durchaus regionale Bekanntheit erlangt hat[12]. Die 66-Seen-Regionalparkroute führt durch Lindenbrück (Tour 14)[13].

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hauptsatzung der Stadt Zossen (PDF; 44 kB)
  2. a b Enders und Beck (1976: S. 158–160)
  3. Schlimpert (1972: S. 123/4)
  4. Martin May: Sind die fremdartigen Ortsnamen in der Provinz Brandenburg und in Ostdeutschland slavisch oder germanisch? 31 S., Gebr. Fey, 1897 Snippet-Ansicht bei Google Books
  5. Preussische Kartenaufnahme 1:25.000 Uraufnahme Blatt 3846 Wünsdorf 1841
  6. Bildung der Ämter Blankenfelde/Mahlow und Zossen. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 13. Februar 1992. Amtsblatt für Brandenburg – Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 3. Jahrgang, Nummer 11, 28. Februar 1992, S.194.
  7. Eingliederung der Gemeinden Lindenbrück und Waldstadt in die Gemeinde Wünstdorf. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 30. März 1998. Amtsblatt für Brandenburg – Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 9. Jahrgang, Nummer 19, vom 39. April 1998, S.449.
  8. Viertes Gesetz zur landesweiten Gemeindegebietsreform betreffend die Landkreise Havelland, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming (4.GemGebRefGBbg) vom 24. März 2003, Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg, I (Gesetze), 2003, Nr. 05, S.73
  9. VfGBbg: 284/03 Beschluss vom: 19. Mai 2005 S-Nr.: 1568 Kommunale Verfassungsbeschwerde wegen Auflösung der Gemeinde Wünsdorf (Amt Zossen) durch Eingliederung in die neu gebildete amtsfreie Stadt Zossen
  10. Naturdenkmale des Kreises Teltow-Fläming – Bäume PDF
  11. Denkmalliste des Landes Brandenburg Landkreis Teltow-Fläming, Stand: 30. Dezember 2009 PDF
  12. Lindenblütenfest in Zossen OT Lindenbrück auf www.dorffeste-in-deutschland.de
  13. Manfred Reschke: 66-Seen-Wanderung Zu den Naturschönheiten rund um Berlin. 5. Auflage, 257 S., Trescher-Verlag, Berlin 2011 Online bei Google Books

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lieselott Enders und Margot Beck: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil IV. Teltow. 395 S., Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1976
  • Gerhard Schlimpert: Brandenburgisches Namenbuch Teil 3 Die Ortsnamen des Teltow. 368 S., Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1972.
  • Wilhelm Spatz: Der Teltow. Teil T. 3., Geschichte der Ortschaften des Kreises Teltow. 384 S., Berlin, Rohde, 1912.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]