Linearschrift A

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Bruchstücke von Linear-A-Täfelchen aus Akrotiri

Die Linearschrift A ist neben der Kretischen Hieroglyphenschrift eines der beiden Schriftsysteme der minoischen Kultur Kretas. Sie wurde vom 17. bis ins 15. Jahrhundert v. Chr. verwendet und konnte bisher nur ansatzweise entziffert werden. Ihr Gebrauch ist aus den Perioden MM II bis SM I B der Minoischen Kultur bezeugt.[1] Geschrieben wurde von links nach rechts. [2][3] Aus Linearschrift A wurden später die an das Griechische angepasste Linearschrift B sowie die Kypro-Minoische Schrift entwickelt. Da die abstammenden Schriften (vorwiegend) Silbenschriften sind, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch bei Linear A um eine Silbenschrift.

Beschreibung[Bearbeiten]

Bekannt sind etwa 70 Silbenzeichen, 100 Zeichen mit Wortbedeutung, die teilweise mit Silbenzeichen kombiniert und dadurch näher bestimmt wurden, sowie diverse Zahlzeichen. Obwohl die der Schrift zugrundeliegende minoische Sprache unbekannt ist und bisher keiner bekannten Sprachfamilie zugeordnet werden konnte, lässt sich der Lautwert vieler Silbenzeichen durch Vergleiche mit der Linearschrift B mehr oder weniger erschließen.

Tafel mit Linearschrift A (Archäologisches Museum Chania)

Die große Zahl von logographischen Zeichen ermöglicht die inhaltliche Erschließung aufgefundener Texte. Es wird angenommen, dass die auf Tontäfelchen eingeritzten Notizen häufig der Verwaltung dienten, so dass ihre Entzifferung vor allem Rückschlüsse auf wirtschaftliche Verhältnisse der Epoche ermöglichen würde. Die meisten Texte sind offenbar Listen, bei einzelnen, die die sog. Libationsformel enthalten, handelt es sich vermutlich um Dedikationsinschriften; längere Texte fehlen ganz.

Linearschrift A auf einer Vase, gefunden in Akrotiri
Linearschrift A

Für das Schreiben in Ton ist das Ritzen von Linien, wie bei den Linearschriften, wenig geeignet. Man geht daher davon aus, dass hauptsächlich auf anderen, nicht sehr haltbaren Materialien wie Papyrus oder Pergament geschrieben wurde. Die Tontafeln waren wohl Notizzettel, die nur kurze Zeit aufbewahrt wurden. Erhalten blieben sie uns wahrscheinlich nur deshalb, weil sie durch Brandkatastrophen gebrannt und so für Jahrtausende konserviert wurden.

Einige Zeichen der Linear A sind den archaischen Urbildern der mesopotamischen Keilschrift sehr ähnlich. Eine Verwandtschaft beider Schriftsysteme, die einen Weg zum Verständnis der Linear-A-Inschriften bahnen könnte, gilt daher als möglich, wenn auch wegen des zeitlichen Abstandes als unwahrscheinlich.[4]

Verwandte Themen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Louis Godart, Jean-Pierre Olivier: Recueil des inscriptions en Linéaire A, 5 Bände; Études Crétoises 21; Librairie Orientaliste Paul Geuthner, Paris 1976–1985; ISSN 1105-2236 (Umfassendes Inschriftencorpus).
  •  David Willem Borgdorff: Linear A und Methoden der Kryptoanalyse. GRIN Verlag, Norderstedt 2003, ISBN 978-3-640-12058-1.
  •  David W. Packard: Minoan Linear A. University of California Press, Berkeley / Los Angelas / London 1974, ISBN 0-520-02580-6.
  •  Franz Steinherr: Minoisch und Hieroglyphenhethitisch. In: Minos: Revista de filología egea. Nr. 3, Consejo Superior de Investigaciones Cientificas, Salamanca 1954, ISSN 0544-3733, S. 30–54 (Online, abgerufen am 14. Februar 2014).
  •  Johannes Sundwall: Minoische Beiträge I. In: Minos: Revista de filología egea. Nr. 3, Consejo Superior de Investigaciones Cientificas, Salamanca 1954, ISSN 0544-3733, S. 107–117 (Online, abgerufen am 14. Februar 2014).
  •  Johannes Sundwall: Minoische Beiträge II. In: Minos: Revista de filología egea. Nr. 4, Consejo Superior de Investigaciones Cientificas, Salamanca 1956, ISSN 0544-3733, S. 43–49 (Online, abgerufen am 14. Februar 2014).
  •  Johannes Sundwall: Minoische Beiträge III. In: Minos: Revista de filología egea. Nr. 5, Consejo Superior de Investigaciones Cientificas, Salamanca 1957, ISSN 0544-3733, S. 93–98 (Online, abgerufen am 14. Februar 2014).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Linear A – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Die voralphabetischen Schriften in Kreta und Zypern. www.uibk.ac.at, 20. Mai 2007, S. 9, abgerufen am 10. Februar 2012 (PDF-Datei, 1,09 MB).
  2.  Thomas Balistier: Der Diskos von Phaistos. Zur Geschichte eines Rätsels & den Versuchen seiner Auflösung. 3. Auflage. Dr. Thomas Balistier, Mähringen 2008, ISBN 978-3-9806168-1-2, Blick- und Laufrichtung der Bildzeichen, S. 95.
  3. Writing direction index. www.omniglot.com, abgerufen am 24. September 2012 (englisch).
  4. Hans Glarner: Sumerische Schriftzeichen in der Linear A. In: Kadmos 41 (2002), S. 121–122.