Linus (Mond)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
(22) Kalliope I (Linus)
Vorläufige oder systematische Bezeichnung S/2001 (22) 1
Zentralkörper (22) Kalliope
Eigenschaften des Orbits [1]
Große Halbachse (1065 ± 8) km
Periapsis (1062 ± 11) km
Apoapsis (1068 ± 11) km
Exzentrizität < 0,005
Bahnneigung (93,4 ± 1) oder
(9 ± 1) (Äquatorebene)°
Umlaufzeit (3,590 ± 0,001) Tage
Mittlere Orbitalgeschwindigkeit 0.0108 km/s
Physikalische Eigenschaften [1]
Mittlerer Durchmesser (38 ± 6) km
Fallbeschleunigung an der Oberfläche ≈ m/s²
Entdeckung
Entdecker
Datum der Entdeckung 29. August 2001
Anmerkungen Einer der größten bekannten Asteroidenmonde im Hauptgürtel.

Linus ist ein Mond des Hauptgürtelasteroiden (22) Kalliope. Durch seine relative Größe zum Zentralkörper gilt er als größter Asteroidenmond im Hauptgürtel.

Entdeckung und Benennung[Bearbeiten]

Linus wurde am 29. August 2001 von Jean-Luc Margot und Michael E. Brown am Keck-Observatorium II entdeckt. Nur drei Tage später entdeckte ihn das Team um William J. Merline, François Menard, Laird M. Close, Christophe Dumas, Clark R. Chapman und David C. Slater beim Canada-France-Hawaii Telescope. Beide Teleskope stehen auf Mauna Kea auf Hawaii. Die Entdeckung wurde von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) am 3. September 2001 bekanntgegeben; der Mond erhielt die vorläufige Bezeichnung S/2001 (22) 1.

Am 8. August 2003 wurde Linus dann offiziell nach Linos benannt, der als Sohn der Muse Kalliope galt, Enkel des Zeus und der Mnemosyne und Erfinder der von Melodie und Rhythmus in der griechischen Mythologie.

Linus („der Klagende“) hießen drei verschiedene Söhne von Apollon, der bekannteste Namensträger wurde der nach diesen benannte Heidenchrist Linus, der nach kirchlicher Überlieferung erster Nachfolger des Simon Petrus als Bischof von Rom war.

Bahneigenschaften[Bearbeiten]

Orbit3.gif

Linus umkreist Kalliope auf einer prograden, fast kreisförmigen Bahn in gut 1000 km Abstand zu dessen Zentrum (rund 12 Kalliope-Radien). Die Bahnexzentrizität beträgt höchstens 0,5 % und die Bahn verläuft fast senkrecht zur Äquatorebene von Kalliope.

Linus umläuft Kalliope in rund 3 1/2 Tagen, was knapp 21 Eigendrehungen von Kalliope entspricht.

Die Präzession der Linusbahn wird für einen Umlauf in nur einigen Jahren geschätzt, was der unregelmäßigen Form von Kalliope zugeschrieben wird. Die Helligkeit des Mondes variierte in verschiedenen Beobachtungen, was auf eine längliche Form hinweist.

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten]

Für einen Asteroidenmond ist Linus mit 38 km besonders groß, der Durchmesser beträgt also zwischen 20 % und 25 % des Mutterkörpers. Im Hauptgürtel wurde bisher nur ein Mond entdeckt, der im Verhältnis zum Zentralkörper größer ist, der Begleiter des Asteroiden (90) Antiope. Dieses System kann man jedoch als Doppelsystem auffassen. Daher kann Linus ohne weiteres als größter Hauptgürtelmond relativ zum Zentralkörper angesehen werden.

Linus ist vielleicht aus Impaktmaterial eines Einschlages auf Kalliope entstanden oder er ist ein Bruchstück eines möglichen Eltern-Asteroiden, einer „Proto-Kalliope“. Wie der Mutterkörper gehört Linus zu den metallischen Asteroiden, ist also ein M-Typ-Asteroid.

Erforschung[Bearbeiten]

Am 7. November 2006 wurde die erste Sternbedeckung durch einen Asteroidenmond durch eine Gruppe japanischer Astronomen beobachtet, aufgrund einer Prognose durch die Gruppe um Franck Marchis, die auf fünf Jahren Beobachtung des Kalliope-Doppelsystems mit adaptiver Optik durch erdgebundene Teleskope basiert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Wm. Robert Johnston: (22) Kalliope and Linus Dortige Quelle:
    • astro.berkeley.edu Marchis, F., J. Berthier, P. Descamps, D. Hestroffer, F. Vachier, C. Clergeon, and I. de Pater, 2005, "22 Kalliope and Linus," Univ. of California-Berkeley Astronomy Dept.

Weblinks[Bearbeiten]