Lipothrixviridae

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Lipothrixviridae
Systematik
Reich: Viren
Ordnung: Ligamenvirales
Familie: Lipothrixviridae
Taxonomische Merkmale
Genom: dsDNA linear
Baltimore: Gruppe 1
Symmetrie: helikal
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Lipothrixviridae (engl.)
Links
NCBI Taxonomie: 10477
ICTVdB Virus Code: 00.038

Die Virusfamilie Lipothrixviridae (gr. λἷπος: Fett, θρίξ: Haar) umfasst drei Gattungen von Bakteriophagen mit linearem, doppelsträngigem DNA-Genom (dsDNA). Die Lipothrixviridae besitzen ein sehr langes, helikales Kapsid, das von einer sehr eng anliegenden Virushülle umgeben ist.

Die Virionen der Lipothrixviridae haben je nach Virusart eine Dicke von 24 bis 38 nm im Durchmesser und eine Länge von 410 bis 2200 nm. Der größte Vertreter, das Thermoproteus-Tenax-Virus 1, gehört mit 38×2200 nm zu den größten bekannten Virusspezies überhaupt. Die Lipothrixviridae besitzen an ihren Enden komplexe, teilweise halbmondförmige Proteinstrukturen. Die Gattungen dieser fadenförmigen (filamentösen) Viren werden schon morphologisch anhand ihrer Flexibilität bzw. Biegsamkeit unterschieden: nicht flexible (Alpha-), wenig flexible (Beta-) oder sehr flexible Filamente (Gamma-). Zwischen dem typischen Vertretern der Gattung Alphalipothrixvirus (TTV-1) und den Beta- oder Gammalipothrixviren bestehen überraschenderweise keine Übereinstimmungen oder Ähnlichkeiten in der Genomsequenz.

Das Genom innerhalb der Familie besteht aus einem einzigen DNA-Molekül mit Größen zwischen 15,9 und 56 kBp. Die Enden des Genoms sind gegenüber einem Abbau durch Exonukleasen äußerst stabil, was durch eine noch unbekannte chemische Modifikation verursacht wird.

Die Wirte der Lipothrixviridae sind thermophile Bakterien und Archaeen (z.B. Thermoproteus tenax, Sulfolobus islandicus). Das AFV-1 der extrem thermophilen Archaeen Acidianus hospitalis und Acidianus infernus, die vorwiegend an vulkanischen Quellen und Geysiren zu finden sind.
Eine gewisse Verwandtschaft besitzt die Familie Lipothrixviridae zu den Rudiviridae, die jedoch keine Hülle besitzen. Die Vertreter beider Virusfamilien haben einen ähnlichen Genomaufbau, ein filamentöses Kapsid und infizieren extrem thermophile Archaeen der Abteilung Crenarchaeota. Aufgrund erweiterter Sequenzanalysen kann ein gemeinsamer evolutionärer Ursprung der beiden Familien Rudiviridae und Lipothrixviridae angenommen werden, weshalb sie seit 2012 zu einer neuen, gemeinsamen Ordnung Ligamenvirales zusammengefasst sind.

Systematik[Bearbeiten]

  • Familie Lipothrixviridae
vorläufige Spezies innerhalb der Gattung:

nicht klassifizierte Spezies innerhalb der Familie:

Literatur[Bearbeiten]

  • C.M. Fauquet, M.A. Mayo et al.: Eighth Report of the International Committee on Taxonomy of Viruses, London, San Diego, 2004
  • David M. Knipe, Peter M. Howley et al. (eds.): Fields´ Virology, 4. Auflage, Philadelphia 2001
  • D. Prangishvili, T. Basta, R. A. Garrett: Crenarcheal Viruses: Morphotypes and Genomes. In: Brian W. J. Mahy und Marc H. van Regenmortel (eds.): Encyclopedia of Virology, 3. Auflage, San Diego 2008, Band 1, S. 587ff ISBN 978-0-12-373935-3

Weblinks[Bearbeiten]