Lisa Eckhart

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Lisa Eckhart (2015)

Lisa Eckhart, eigentlich Lisa Lasselsberger,[1][2][3] (* 6. September 1992,[4] nach anderer Quelle Geburtsjahr 1991,[3] in Leoben) ist eine österreichische Poetry-Slammerin und Kabarettistin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lisa Eckhart, deren Mutter, eine Lehrerin,[5] bei ihrer Geburt noch studierte, und deren Vater „in postnataler Depression gefangen“[6] gewesen sei, wuchs die ersten Jahre in Sankt Peter-Freienstein bei Leoben in der Steiermark bei ihren Großeltern auf. Mit sechs Jahren „wurde sie zu den Eltern nach Graz umgezogen“.[6] Nach dem Besuch des Gymnasiums am Grazer HIB Liebenau maturierte sie (als Lisa Lasselsberger[7]) im Jahr 2009. Danach studierte sie in Wien und an der Pariser Sorbonne Germanistik und Slawistik. Nach einem einjährigen Aufenthalt in London, wo sie unterrichtet hatte, weil sie, wie ihre Mutter, Lehrerin werden wollte („Ich habe aber gemerkt, dass Kinder nicht mein Publikum sind. Ich musste ihnen als Lehrerin ja tatsächlich etwas beibringen. Ich war schwerst überfordert. Entweder habe ich die Kinder sadistisch gequält oder verhätschelt.“),[5] zog sie nach Berlin.[4][8] Lisa Lasselsberger[2] absolvierte ein Masterstudium an der Freien Universität Berlin. Die erste Masterarbeit zum Thema Weiblichkeit und Nationalsozialismus, ausgehend von Joseph Goebbels’ Tagebüchern, wurde abgelehnt; ihre angenommene zweite Masterarbeit befasst sich mit der Figur des Teufels in der deutschen Literatur. Nach dem Studium absolvierte sie über zwanzig erfolglose Vorsprechen an Schauspielschulen („Alle Schulen waren schwerst abgetan von mir. Die letzte meinte: ‚Frau Eckhart, wir waren sehr scharf auf Ihren Text, aber nicht auf Sie. Bitte schreiben Sie hinter der Bühne, aber gehen Sie niemals auf eine Bühne!‘ Okay, hier ist trotzdem ein kleines Kompliment versteckt. Ich habe weitergemacht.“[5]) und entdeckte schließlich den Poetry Slam für sich.

Ihre Texte trägt Lisa Eckhart, bevor sie damit an die Öffentlichkeit geht, vorweg telefonisch ihrer Mutter vor, sie ist dabei die „ultimative Zensurinstanz. Was Mutter nicht gut empfindet, geht nicht raus – und das muss sie gar nicht sagen, ich merke es an ihrer Reaktion.“[5]

Überhaupt seien Sprachen Eckhart wichtig, als Kind habe sie „wie ein ‚legasthenisches Wolfskind‘ kommuniziert[], dem Grammatik als Dekadenz verkauft wurde“, wodurch sie nach ihren Angaben „erst einmal Deutsch als Fremdsprache lernen“ musste. Neben der Muttersprache spricht sie heute auch Englisch, Französisch (in den drei Jahren in Paris „mit einem Wörterbuch beigebracht“) und Russisch.[8]

Eckhart hat einen Wohnsitz in Berlin und seit Herbst 2016 einen weiteren in Wien.[9]

Künstlerisches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als ob Sie etwas Besseres zu tun hätten
Jänner 2018, Gilching

Im Oktober 2015 gewann sie als erst zweite Frau die österreichischen Poetry-Slam-Meisterschaften.[4][10] Bei der deutschen Poetry-Slam-Meisterschaft 2015 in Augsburg schied sie punktgleich mit dem späteren Sieger Jan Philipp Zymny per Losentscheid aus.[11]

Im November 2015 gab Lisa Eckhart mit Als ob Sie Besseres zu tun hätten ihr Kabarett-Solodebüt, mit dem sie unter anderem im Wiener Theater am Alsergrund auf der Bühne stand.[4][12] Beim Goldenen Kleinkunstnagel war sie 2015 eine von fünf Finalisten. Für ihr Soloprogramm wurde sie mit dem Förderpreis des Österreichischen Kabarettpreises ausgezeichnet.[13][14]

2016 war sie im Vereinsheim Schwabing im Bayerischen Rundfunk. Im ORF war sie ab November 2016 Teil des Rateteams von Was gibt es Neues? in ORF eins[5] und im Juni 2016[10] sowie im Juni 2018[15] im TV-Talk STÖCKL. in ORF 2 zu sehen. 2017 war sie als Gast bei Pufpaffs Happy Hour, bei nuhr ab 18 von Dieter Nuhr, im WDR in den Mitternachtsspitzen und in der von Gerburg Jahnke präsentierten Sendung Ladies Night sowie im ORF in der von Hosea Ratschiller moderierten Sendung Pratersterne (ORF eins) zu sehen. Anfang 2018 hatte sie Auftritte bei nuhr im Ersten und in Die Anstalt.

Am 10. Jänner 2018 startete Lisa Eckhart ihr zweites Soloprogramm Die Vorteile des Lasters (Premiere im Kabarett Niedermair).[16]

Programme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2015: Als ob Sie Besseres zu tun hätten
  • 2018: Die Vorteile des Lasters

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lisa Eckhart mit dem Österr. Kabarettpreis 2016

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Rein sprachlich bin ich […] ein Goethe-Fan, auch in seiner Schlampigkeit und seinen Makeln, die der Faust hat. Von der Boshaftigkeit mit Humor sicherlich die Jelinek. Von der Bühnen-Präsenz wahrscheinlich doch Klaus Kinski (lacht). Sofern man ihn als Vorbild sehen kann. Aber vom Temperament her. Es ergibt alles ein Mosaik.

[Interviewerin: ‚Deine veränderte Stimme auf der Bühne erinnert mich an die von Falco – ist dir das bewusst?‘]

Bewusst ist mir gar nichts auf der Bühne. Auf jeden Fall ist er auch ein Vorbild von mir. Er hat mich schon sehr früh geprägt. Ich bewundere an Falco wahnsinnig seine unglaublich charmante Arroganz. Er hat mir beigebracht, dass Bescheidenheit auf der Bühne keinen Stil hat.“

Lisa Eckhart: Cornelia Buczolich (Interview), auto touring, 11/2016[5]

Während ihrer Studienzeit an der Pariser Sorbonne jobbte Eckhart als Hostesse bei einer Agentur. Unter anderem wurde sie für den Autosalon Mondial de l’Automobile gebucht. Über die dort herrschende „extrem antifeministische Struktur“[5] resümiert sie:

„Sind die Autoverkäufe nicht nach oben gegangen, wurden die Mädchen angewiesen, ihre Röcke weiter nach oben zu ziehen. Das war eine sehr wichtige Erfahrung für meine feministische Entwicklung, ist es doch einer der degradierendsten Berufe überhaupt.“

Lisa Eckhart: In: Kultur Magazin, Die Presse, 04/2016[8]

Karl Fluch spitzt Eckharts künstlerisches Wirken in der österreichischen Tageszeitung Der Standard wie folgt zu:

„Lisa Eckharts Kunst Kleinkunst zu nennen wäre eine Geringschätzung. Dass Lisa Eckhart im Kabarett gelandet ist, war ja bloß ein Zufall. Aber gut, mischt sie halt dort auf. Irgendwo muss man ja beginnen. […]“[1]

„Glamour und Kloake – in Lisa Eckharts Kunst hängt das eine symbiotisch am anderen. Daraus ergeben sich exquisite Sichtweisen, die ihrem Publikum manchmal fast die Luft nehmen.“

Karl Fluch[6]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • als Lisa Lasselsberger: Objekt der Forschung und Begierde. Licht meines Lebens, meine Sünde, meine Seele – „Mein Roman“. Die Ringvorlesung zur Königsklasse der Gattungen im Spannungsverhältnis zwischen Forschung und Subjektivität. In: FURIOS – Studentisches Campusmagazin an der FU Berlin, Freundeskreis Furios e.V. (Hrsg.), Berlin 2014.[2]
  • Metrische Taktlosigkeiten: Eine Einführung ins politische Korrektum. Schultz & Schirm Bühnenverlag, Wien 2017, ISBN 978-3-9503907-6-6.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Forster: SZ-Serie: „Wort für Wort“: Teuflisch gut. In: Süddeutsche Zeitung, 20. Dezember 2015[11]
  • Sabine Hottowy: „Frauen werden zur Innenschau erzogen.“ Die Poetry-Slammerin Lisa Eckhart dichtet und schimpft neuerdings auch auf österreichischen Kabarettbühnen. Ihr Vorbild: der Teufel. In: Kultur Magazin von Die Presse, 15. April 2016.[8]
  • Manfred Rebhandl: Lisa Eckhart live und im WIENER-Interview. In: Wiener Online – Kultur, 13. Juni 2017.
  • Karl Fluch: Lisa Eckhart, Sprachkünstlerin auf hohem Niveau. Porträt, in: Der Standard, Printausgabe 24. Februar 2018.[1][6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lisa Eckhart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Karl Fluch: Lisa Eckhart, Sprachkünstlerin auf hohem Niveau. In: Der Standard, Printausgabe 24. Februar 2018. (Volltext in ungekürzter Version auf pressreader.com, abgerufen am 22. Juni 2018.) Darin die in der Online-Ausgabe derStandard.de nicht enthaltene Passage: „Lisa Eckhart ist Lisa Eckhart. Immer. Gut, ihr richtiger Name ist Lisa Lasselsberger, aber ansonsten gibt sie sich viel Mühe, damit ihre Bühnenfigur nicht als Kunstfigur missinterpretiert wird.“
  2. a b c Lisa Lasselsberger: Objekt der Forschung und Begierde. Licht meines Lebens, meine Sünde, meine Seele – „Mein Roman“. Die Ringvorlesung zur Königsklasse der Gattungen im Spannungsverhältnis zwischen Forschung und Subjektivität. In: FURIOS – Studentisches Campusmagazin an der FU Berlin, Freundeskreis Furios e.V. (Hrsg.), 24. April 2014, abgerufen am 22. Juni 2018.
  3. a b c Lisa Mittermaier: Literaturpreis: Wo sind die Mannsbilder? In: Annenpost. Geschichten aus dem Annenviertel (Kultur). „Weblog des Studiengangs ‚Journalismus und Public Relations (PR)‘ der FH JOANNEUM“, 27. Oktober 2014; 2. Preis, Lisa Lasselsberger (Lisa Eckhart). (ohne Datum, PDF) Jurybegründung Literatur (Anita Keiper, Luise Kloos, Kerstin Eberhard) auf der Website des Annenstraße-Weibsbilder-Preis. Beide abgerufen am 22. Juni 2018.
  4. a b c d Elisabeth Pötler: Die Kraft der Worte. Interview als neue österreichische Poetry Slam-Meisterin. In: meinbezirk.at. 4. November 2015, abgerufen am 9. März 2018.
  5. a b c d e f g Cornelia Buczolich: Lisa Eckhart: Charmante Arroganz. In: auto touring, Ausgabe November 2016, abgerufen am 22. Juni 2018.
  6. a b c d Karl Fluch: Kabarettistin Lisa Eckhart: Vulgär mit Stil. Ihre Kunst Kleinkunst zu nennen wäre eine Geringschätzung. Dass Lisa Eckhart im Kabarett gelandet ist, war ja bloß ein Zufall (Porträt). In: derStandard.de. Der Standard, 25. Februar 2018, abgerufen am 22. Juni 2018.
  7. Harald Fest: Wir gratulieren. Folge 2018/1. In: Blog Alumni Club Liebenau des Verbandes der Absolventen und Freunde von BEA/HIB/BG Graz-Liebenau (Hrsg.), 25. April 2018, 22. Juni 2018: „Eine ebenso schnelle Karriere, aber in einem völlig konträren Bereich, macht derzeit die blutjunge LISA ECKHART (MJ 2009 als Lisa Lasselsberger) als Kabarettistin und Poetry Slammerin.“
  8. a b c d „Frauen werden zur Innenschau erzogen.“ In: Die Presse, 15. April 2016, abgerufen am 22. Juni 2018.
  9. Chronik – Wien, Treffpunkt: Wo Lisa Eckhart nicht aneckt. In: Kurier, 16‎. Oktober ‎2016, 22. Juni 2018.
  10. a b Elisabeth Gürtler, Marc Pircher, Wolfgang Pennwieser und Lisa Eckhart zu Gast in „Stöckl.“ In: APA-OTS. Presseaussendung des ORF, 1. Juni 2016, abgerufen am 22. Juni 2018.
  11. a b Karl Forster: SZ-Serie: „Wort für Wort“: Teuflisch gut. In: Süddeutsche Zeitung. 20. Dezember 2015, abgerufen am 22. Juni 2018 (kostenpflichtig; als Volltext (PDF) auf der Website von Lisa Eckhart, abgerufen am 22. Juni 2018).
  12. Vom Poetry Slam auf die Kabarettbühne. In: Wiener Zeitung, 23. Jänner 2016, abgerufen am 23. August 2016.
  13. Thomas Maurer erhält Österreichischen Kabarettpreis. In: derStandard.at, 23. August 2016, abgerufen am 23. August 2016.
  14. a b Thomas Maurer schafft das Triple. In: Wiener Zeitung, 23. August 2016, abgerufen am 23. August 2016.
  15. Peter Simonischek, Ulrike Guérot, Raoul Schrott und Lisa Eckhart am 21. Juni zu Gast in „Stöckl.“ In: APA-OTS. Presseaussendung des ORF, 20. Juni 2016, abgerufen am 22. Juni 2018.
  16. Lisa Eckhart: Schwarzer Humor grimmigster wienerischer Tradition. In: derStandard.at, Jänner 2018, abgerufen am 11. Jänner 2018.
  17. Michael Polzer: „Frischling“: Steirerin Lisa Eckhart gewann Freistädter Kleinkunstpreis. In: OÖNachrichten, 7. März 2017, abgerufen am 5. März 2018.
  18. Martina Kaden: B.Z.-Kulturpreis: Großes Bären-Kino in der Oper, die ein Theater war. In: B.Z., 24. Jänner 2017, abgerufen am 2. Oktober 2017.
  19. Martin Fichter-Wöß: Kabarettszene: Lisa Eckhart lobt in ihrem neuen Programm die „Vorteile des Lasters“. (In „Vorteile des Lasters“ hält Lisa Eckhart ein wortmächtiges Plädoyer für die sieben Todsünden. Am Samstag [13. Jänner 2018, Anm.] erhält die Poetry Slammerin aus Leoben den Deutschen Kabarettpreis.) In: Kleine Zeitung, 10. Jänner 2018, abgerufen am 22. Juni 2018.
  20. Deutscher Kleinkunstpreis: Vitasek und Eckhart geehrt. (Verliehen am 18. Februar 2018.) In: ORF.at, 8. November 2017, abgerufen am 22. Juni 2018.