Lisa Montgomery

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Lisa Montgomery, 2013

Lisa Marie Montgomery (* 27. Februar 1968 in Melvern, Kansas; † 13. Januar 2021 in Terre Haute, Indiana) war eine US-Amerikanerin, die 2007 als Mörderin verurteilt und 2021 hingerichtet wurde. Ihre Schuldfähigkeit war aufgrund verschiedener psychischer Erkrankungen umstritten.

Leben und Tat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lisa Montgomery wurde in ihrer Kindheit und Jugend jahrelang sexuell misshandelt.[1] Ihre Eltern waren Alkoholiker. Im Alter von 18 Jahren heiratete sie ihren Stiefbruder und hatte mit ihm vier Kinder in kurzer Folge. Anschließend ließ sie sich sterilisieren. Das Paar ließ sich 1998 scheiden und sie heiratete ein zweites Mal im Jahr 2000.[2]

Lisa Montgomery ermordete am 16. Dezember 2004 die 23-jährige Bobbie Jo Stinnett, die ihr erstes Kind erwartete und im achten Monat schwanger war. Sie besuchte sie unter dem Vorwand, einen Hund aus ihrer Zucht kaufen zu wollen, und schnitt Stinnett den Säugling aus dem Bauch. Am Tag nach der Tat wurde sie in Skidmore im US-Bundesstaat Missouri, rund 250 Kilometer vom Tatort entfernt, festgenommen. Das geraubte Baby überlebte die Tat.[3][4]

Prozess und Todesstrafe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Montgomery wurde der Entführung mit Todesfolge nach 18 U.S.C. § 1201(a)(1) mit dem Zusatz auf besonders grausame Weise angeklagt. Sie versuchte zunächst, die Todesstrafe mit dem Einspruch abzuwenden, die Staatsanwaltschaft könne nicht beweisen, dass die Entführung des Babys den Tod der Mutter zur Folge gehabt habe. Nachdem dieser Einspruch abgelehnt wurde, ging ihre Verteidigung dahin, sich für unzurechnungsfähig erklären zu lassen. Der Sachverständige der Staatsanwaltschaft erklärte jedoch, Montgomery habe zur Tatzeit unter keiner psychischen Krankheit gelitten, welche ihre Fähigkeit beeinträchtigt hätte, das Ausmaß ihrer Straftaten zu erkennen. Daraufhin wurde Montgomery von der Jury gemäß der Anklage für schuldig befunden und 2007 vom Gericht zum Tode verurteilt. Ein Berufungsverfahren in 2011 bestätigte das Urteil.[5]

Bei Montgomery wurde während ihrer Haft unter anderem eine bipolare Störung diagnostiziert. Dazu traten bei ihr eine posttraumatische Belastungsstörung, Angstzustände und Depression sowie Psychosen, Dissoziationen und Amnesie auf.[1]

Das US-Justizministerium entschied 2020 in ihrem Fall so wie bei zwölf anderen zum Tode verurteilten Häftlingen in US-Bundesgefängnissen, dass die Hinrichtungen vollzogen werden sollen.[6] Die zu diesem Zeitpunkt 52 Jahre alte Montgomery sollte am 12. Januar 2021 hingerichtet werden. Ein Gericht im Bundesstaat Indiana setzte die Vollstreckung aus, weil Montgomery psychisch in einem so schlechten Zustand sei, dass sie den Grund für ein Todesurteil nicht begreifen könne. Die dem Gericht vorliegenden Berichte zeigten laut Vorsitzendem Richter, dass Montgomery seit ihrer Geburt psychisch geschädigt sei und sie sich gerade in einem geistigen Ausnahmezustand befunden habe.[7]

Die Anwälte Montgomerys ersuchten Anfang 2021 den scheidenden US-Präsidenten Donald Trump um Gnade für ihre Mandantin und baten um Umwandlung der Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe. Die Anwälte argumentierten in ihrem Brief, Montgomery sei zum Tatzeitpunkt im Jahr 2004 psychisch schwer krank gewesen.[7][8]

Am 13. Januar 2021 wurde Montgomery in der Justizvollzugsanstalt Terre Haute mittels letaler Injektion hingerichtet.[9] Bei dem Vollzug des Todesurteils an Lisa Montgomery handelte es sich um die erste Hinrichtung einer Frau in den Vereinigten Staaten seit 2015.[10] Es war die erste Hinrichtung einer Frau nach US-Bundesrecht seit 1953.[11][12][13][14]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hinrichtung in den USA abgesagt: Richter erlaubt Lisa Montgomery erneute Anhörung. Abgerufen am 12. Januar 2021 (deutsch).
  2. Court documents reveal excuse womb raider Lisa Montgomery used in attempt to avoid death penalty In: nzherald.co.nz, 23. Oktober 2020, abgerufen am 13. Januar 2021 (englisch)
  3. Zum Tode verurteilte Mörderin bittet Trump um Gnade. Abgerufen am 12. Januar 2021.
  4. ‘A lifetime of torture’: the story of the woman Trump is rushing to execute. 5. Januar 2021, abgerufen am 12. Januar 2021 (englisch).
  5. United States v. Lisa Montgomery, No. 08-1780 (8th Cir. 2011) In: law.justia.com, abgerufen am 14. Januar 2021 (englisch)
  6. Federal Execution Can Proceed For Lisa Montgomery, Court Rules. Abgerufen am 12. Januar 2021 (englisch).
  7. a b Vereinigte Staaten: Gericht setzt Hinrichtung von verurteilter Mörderin vorerst aus. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 12. Januar 2021]).
  8. Pourquoi c'est important. Peines de mort : Trump pousse, mais Lisa Montgomery obtient un sursis. Abgerufen am 12. Januar 2021 (FR-fr).
  9. U.S. executes first woman on federal death row in nearly seven decades. In: Reuters. 13. Januar 2021, abgerufen am 13. Januar 2021 (englisch).
  10. DER SPIEGEL | Online-Nachrichten. Abgerufen am 13. Januar 2021.
  11. Die einzige Frau im Todestrakt eines Bundesgefängnisses der USA soll noch in Trumps Amtszeit hingerichtet werden, 2. Januar 2021, Neue Zürcher Zeitung
  12. Øystein Andersen: Skar ut foster: Nå skal Lisa henrettes. 17. Dezember 2020, abgerufen am 12. Januar 2021 (norwegisch).
  13. Execution of lone woman on death row can take place before Biden takes office, US court rules. 2. Januar 2021, abgerufen am 12. Januar 2021 (australisches Englisch).
  14. EE.UU.: ejecutarán a la única mujer condenada a muerte por un brutal crimen. 11. Januar 2021, abgerufen am 12. Januar 2021 (spanisch).