Zum Inhalt springen

Dauphin (Adel)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Das Wappen des Dauphin de France. Neben den königlichen Fleur-de-Lys enthält es den Delfin der Dauphins von Viennois genannten Grafen von Albon.
Krone des Dauphin Louis Antoine, getragen 1824 bei der Krönung Karls X.
Heraldische Rangkrone des Dauphin

Der Dauphin anhören/? [do.fɛ̃] war der jeweilige Kronprinz des Königs von Frankreich zur Zeit der Dynastien der Valois und der Bourbonen.

Der Titel „Dauphin“ (wörtlich: „Delfin“) geht auf den Beinamen des Grafen Guigues IV. von Albon († 1142) zurück, der le Dauphin genannt wurde. Erstmals erscheint diese Bezeichnung in einer Stiftungsurkunde seiner Eltern 1110, er selbst verwendete die Bezeichnung in einer Urkunde von 1122.[1] Über deren Ursprung gibt es verschiedene Theorien (siehe den Artikel über Guigues IV.).

Unter seinen Nachkommen avancierte dieser Beiname zum Titel, der Delfin wurde ihr Wappentier und gab der Grafschaft Albon im Viennois schließlich den Namen Dauphiné (wörtlich: „Delfinat“). 1349 wurde der kinderlose Dauphin Humbert II. Mönch und übergab sein Fürstentum dem französischen König Philipp VI. Da die Dauphiné de jure zum Heiligen Römischen Reich gehörte und König Philipp kein Lehnsmann des römisch-deutschen Kaisers werden wollte, reichte er das Fürstentum samt dem Titel Dauphin weiter an seinen Enkel und künftigen Thronerben, den späteren König Karl V. Als dieser 1364 den Thron bestieg setzte er diese Praxis fort und gab die Dauphiné an seinen ältesten Sohn, den späteren Karl VI., weiter. Hiermit etablierte sich für mehrere Generationen diese Praxis. König Karl VII. annektierte 1457 die Dauphiné in die französische Krondomäne - die deutschen Kaiser hatten inzwischen ihre Ansprüche auf die Dauphiné aufgegeben -, womit dieses Fürstentum als autonome Gebietskörperschaft aufhörte zu existieren. Der Titel Dauphin blieb jedoch als Bezeichnung für den jeweiligen französische Kronprinz bestehen (ähnlich wie der englische Kronprinz traditionell Prince of Wales oder der spanische Kronprinz Príncipe de Asturias heißen).

Der Titel stand nur Nachfahren des amtierenden Königs zu, nicht aber Thronerben, die ihm als jüngere Brüder nachfolgten oder aus Seitenlinien des Herrscherhauses auf den Thron kamen. Daher waren sieben Könige nie Dauphins, weil sie entweder, wie Karl IX., Heinrich III. oder Karl X. als jüngere Brüder eines Königs auf den Thron nachrückten oder weil sie selbst keine Königssöhne waren, sondern aus Nebenlinien kamen, wie Ludwig XII. (Valois-Orléans), Franz I. (Valois-Angoulême) und Heinrich IV. (Bourbon). Auch der während der Revolution die Thronfolge antretende Ludwig XVIII. war als Bruder bzw. Onkel seiner Vorgänger nie Dauphin. Umgekehrt wurden zahlreiche Dauphins nie König, weil sie früher als ihr Vater starben (z. B. Sohn Ludwig und Enkel Ludwig von Ludwig XIV.).

Der letzte französische Kronprinz, der offiziell le Dauphin genannt wurde, war Louis-Antoine de Bourbon, duc d’Angoulême (Ludwig XIX.). Er war Sohn von Karl X., der nach der Julirevolution von 1830 zurücktrat und auf den Thron verzichtete. Der jeweils älteste Sohn des französischen Thronprätendenten aus dem Hause Bourbon führte jedoch weiterhin den Titel, während des Zweiten Kaiserreichs und der Republiken, als Thronfolger-Prätendent.

Heutiger Träger des Prätendenten-Titels Dauphin de France ist Gaston Louis Antoine Marie d’Orléans (* 2009), ältester Sohn des Thronprätendenten und Chefs des Hauses Orléans, Jean d’Orléans, Graf von Paris (* 1965). Der jeweilige französische Thronprätendent verleiht bis heute innerhalb seiner Familie Herzogs- und Grafentitel, die von heutigen französischen Gerichten als reine Höflichkeitstitel bezeichnet, jedoch als solche auch verwendet werden[2].

Im heutigen Sprachgebrauch des Französischen ist das Wort „dauphin“ auch in einer anderen, allgemeineren Bedeutung gebräuchlich. Es bezeichnet den erwünschten oder designierten Nachfolger eines höheren Amtsträgers.

Liste der Dauphins von Frankreich

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Grafen von Albon/Dauphins von Viennois bis 1349 siehe den Artikel: Dauphin von Viennois

Der Dauphin und spätere französische König Ludwig XI. mit Delfin im Wappen und als Helmzier, um 1450 (Hyghalmen Schriftrolle, Heralds' College Manuscript)
Porträt des Grand Dauphin Ludwig (1661–1711)
Ludwig Anton, der letzte Dauphin.
Dauphins Amtszeit Verwandtschaft Anmerkungen
Haus Valois
Karl, Herzog der Normandie 1349–1364 ältester Sohn König Johanns II. König als Karl V. ab 1364
Karl 1368–1380 ältester Sohn König Karls V. König als Karl VI. ab 1380
Karl 1386 erster Sohn König Karls VI. starb vor dem Vater
Karl 1392–1401 zweiter Sohn König Karls VI. starb vor dem Vater
Ludwig, Herzog von Guyenne 1401–1415 dritter Sohn König Karls VI. starb vor dem Vater
Johann, Herzog von Touraine 1415–1417 vierter Sohn König Karls VI. starb vor dem Vater
Karl, Graf von Ponthieu 1417–1422 fünfter Sohn König Karls VI. König als Karl VII. ab 1422
Ludwig 1436–1461 ältester Sohn König Karls VII. König als Ludwig XI. ab 1461
König Karl VII. annektierte die Dauphiné 1457 und vereinte sie mit der französischen Krondomäne.
Franz 1466 dritter Sohn König Ludwigs XI. starb vor dem Vater
Karl 1470–1483 vierter Sohn König Ludwigs XI. König als Karl VIII. ab 1483
Karl Roland 1492–1495 erster Sohn König Karls VIII. starb vor dem Vater
Karl 1496 dritter Sohn König Karls VIII. starb vor dem Vater
Franz 1497–1498 vierter Sohn König Karls VIII. starb vor dem Vater
Haus Valois-Angoulême
Franz, Herzog der Bretagne 1518–1536 erster Sohn König von Franz I. starb vor dem Vater
Heinrich, Herzog von Orléans 1536–1547 zweiter Sohn von König Franz I. König als Heinrich II. ab 1547
Franz 1547–1559 ältester Sohn König Heinrichs II. König als Franz II. ab 1559
Haus Bourbon
Ludwig 1601–1610 ältester Sohn König Heinrichs IV. König als Ludwig XIII. ab 1610
Ludwig 1638–1643 ältester Sohn König Ludwigs XIII. König als Ludwig XIV. ab 1643
Ludwig, le Grand Dauphin 1661–1711 ältester Sohn König Ludwigs XIV. starb vor dem Vater
Ludwig, Herzog von Burgund 1711–1712 ältester Sohn des Grand Dauphin starb vor dem Großvater
Ludwig 1712 zweiter Sohn des Herzogs von Burgund starb vor dem Urgroßvater
Ludwig, Herzog von Anjou 1712–1715 dritter Sohn des Herzogs von Burgund König als Ludwig XV. ab 1715
Ludwig Ferdinand 1729–1765 dritter Sohn König Ludwigs XV. starb vor dem Vater
Ludwig August 1765–1774 Enkelsohn König Ludwigs XV. König als Ludwig XVI. ab 1774
Ludwig Joseph 1781–1789 erster Sohn König Ludwigs XVI. starb vor dem Vater
Ludwig Karl 1789–1791/92 zweiter Sohn König Ludwigs XVI. 1791/92 Prince Royal, 1792 von den Royalisten als Ludwig XVII. anerkannt, starb 1795
Der Titel Dauphin wurde 1791 durch Prince Royal ersetzt, 1792 mit der Monarchie komplett abgeschafft.
Ludwig Anton, Herzog von Angoulême 1824–1830 Sohn König Karls X.
Der Titel Dauphin von Frankreich wurde nach der Julirevolution von 1830 abgeschafft.
Commons: Dauphin (Adel) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Les origines du Dauphiné de Viennois : d'où provient le surnom de baptême Dauphin, reçu par Guigues IX, comte d'Albon (1100-1105), gallica.bnf.fr
  2. Tribunal de grande instance de Paris (1re Ch.), 21. Dezember 1988