Liste der Hochbunker der Bauart Winkel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hochbunker der Bauart Winkel in Gießen

Die Liste der Hochbunker der Bauart Winkel, umfasst Luftschutzbunker, bei denen es sich um Hochbunker handelt, die vom Entwickler im Firmennamen Luftschutztürme genannt werden. Diese Spitzbunker werden im Volksmund auch Betonzigarre oder Zuckerhut, im Englischen ant hill bunker (Ameisenhügel-Bunker) genannt. Ihre Konstruktion geht auf Leo Winkel zurück.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Informationstafel am Luftschutzturm des Kraftwerks Goldenberg in Hürth-Knapsack

Am 18. September 1934 wurde die Konstruktionsidee für Winkel als Patent mit der Nummer 658344 im Reichspatentamt registriert.[1] Die Firmenanmeldung Winkel & Co. Duisburg zum Bau von Luftschutztürmen datiert vom 31. Dezember 1936. Das Gründungskapital betrug 15.000 RM. Die Winkeltürme, die je nach Auslegung bis zu über 600 Personen fassten, wurden von der Firma entwickelt und nach Lizenzvergabe auch von zwölf führenden großen Bauunternehmen Deutschlands errichtet. Jedes Bauwerk musste dabei einen Hinweis auf die Konstruktionsfirma und das ausführende Bauunternehmen aufweisen. Das spitze und steil abfallende Dach sollte gleichzeitig eine geringe Angriffsfläche für Bomben bieten und bei einem Treffer möglichst für ein Abgleiten der Bombe ohne Explosion sorgen. Es ist nur ein Treffer bekannt, der einen Turm zerstörte (auf dem „Focke-Wulf“-Gelände in Bremen Hemelingen, 12. Oktober 1944, amerikanische Sprengbombe, 5 Todesopfer). Es wurden rund 200 Winkeltürme erbaut. Sie stehen heute, soweit sie erhalten sind, zum größten Teil unter Denkmalschutz.

Typen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winkel entwarf bis zu 16 verschiedene Bauarten, die äußerlich z. T. deutlich zu unterscheiden waren. Die häufigsten Typen sind:[2]

  • 1c: Unterteil leicht bauchig, Dach konisch (mit oder ohne kleine Krempe), 3–9 Stockwerke
  • 2a: schlanke Bauweise
  • 2c: Unterteil leicht bauchig, Dach deutlich abgesetzt ähnlich einem Pilzhut

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ort Informationen Typ Position Bild(er)
Brandenburg an der Havel Ortsteil Kirchmöser, Falkenstraße/Unter den Platanen 52° 23′ 33″ N, 12° 24′ 37″ O Winkelturm in Brandenburg-Kirchmöser
Berlin Friedrichshain, RAW-Gelände, Revaler Straße 99, Nutzung als Kletterturm Der Kegel 52° 30′ 26″ N, 13° 27′ 16″ O Winkelturm „Der Kegel“ in Berlin-Friedrichshain
Bremen Ehemaliges Focke-Wulf-Zweigwerk Hastedt
Einer von sieben erhalten
53° 3′ 36″ N, 8° 52′ 48″ O
Darmstadt Dornheimer Weg 2c 1: 49° 52′ 38″ N, 8° 37′ 24″ O
2: 49° 52′ 35″ N, 8° 37′ 37″ O
Winkelturm (Bauart 2C) in Darmstadt auf dem Gelände des ehemaligen Bahnausbesserungswerks (Knell)Zweiter Winkelturm (Bauart 2C) auf dem Knell-Gelände in Darmstadt
Carl-Schenck-Ring 2c

1: 49° 53′ 20″ N, 8° 38′ 58″ O
2: 49° 53′ 17″ N, 8° 38′ 53″ O

Düsseldorf Lierenfeld, Lierenfelder Straße 51° 12′ 39″ N, 6° 49′ 26″ O Winkelturm Düsseldorf, Lierenfelder Straße
Höherweg, auf Gelände der Stadtwerke nahe dem Heizkraftwerk Flingern 51° 13′ 25″ N, 6° 49′ 8″ O Winkelturm Düsseldorf Höherweg
Rath, auf Gelände der ehem. Mannesmannröhren-Werke (jetzt Vallourec), in der Nähe der Kürtenstraße 51° 16′ 8″ N, 6° 47′ 56″ O
Duisburg Beeck, An der A 42 (Am Stadtgarten) 51° 29′ 7″ N, 6° 45′ 43″ O
Hüttenheim: 2 Winkeltürme auf dem Werksgelände der Hüttenwerke Krupp Mannesmann

1: 51° 22′ 25,3″ N, 6° 43′ 53″ O
2: 51° 22′ 31,2″ N, 6° 43′ 47,8″ O

Wedau: Winkelturm auf dem ehemaligen RAW-Gelände an der Masurenallee 51° 24′ 13″ N, 6° 47′ 54″ O RAW Duisburg-Wedau
Hamborn, Alleestraße 51° 29′ 25″ N, 6° 46′ 41″ O
Falkensee Leipziger Straße (Gewerbegebiet Süd) 52° 32′ 58″ N, 13° 6′ 14″ O Falkensee
Frankfurt am Main Auf dem ehemaligen Gelände des Güterbahnhofs – inzwischen abgerissen
Geltow Auf dem Gelände der Henning-von-Tresckow-Kaserne 52° 23′ 8,9″ N, 12° 58′ 24,4″ O Winkelturm in Schwielowsee-Geltow
Gießen 4 Winkeltürme in der ehemaligen Bergkaserne

1: 50° 35′ 8″ N, 8° 41′ 49″ O
2: 50° 35′ 8″ N, 8° 41′ 44″ O
3: 50° 35′ 6″ N, 8° 41′ 38″ O
4: 50° 35′ 0″ N, 8° 41′ 42″ O

Winkelturm in Gießen

2 Winkeltürme in der ehemaligen Verdun-Kaserne (Rivers Barracks)

1: 50° 34′ 26″ N, 8° 42′ 29″ O
2: 50° 34′ 29″ N, 8° 42′ 35″ O

Winkelturm in Gießen
2 Winkeltürme in der ehemaligen Artilleriekaserne (Bleidorn-Kaserne bis 1945, anschließend bis 1991 Pendleton-Barracks), heute Wohnprojekt Pendleton-Barracks, Hannah-Arendt-Straße

1: 50° 35′ 18″ N, 8° 42′ 18″ O
2: 50° 35′ 19″ N, 8° 42′ 21″ O

Winkelturm in Gießen, ehemalige Artilleriekaserne
Gotha Auf dem Gelände des ehemaligen RAW 50° 56′ 14″ N, 10° 42′ 32″ O Gotha
Hannover Auf dem Gelände des Nordstadt-Güterbahnhofs 2c 52° 23′ 45″ N, 9° 42′ 23″ O Winkelturm in Hannover auf Bahn-Gelände
Auf dem Üstra-Betriebshof an der Fuhsestraße 52° 24′ 12″ N, 9° 40′ 27″ O Winkelturm in Hannover auf Üstra-Gelände
Herne An der Roonstraße 51° 32′ 56″ N, 7° 13′ 10″ O Herne
Hürth Knapsack, Steuerung des Kraftwerk Goldenberg 50° 51′ 42″ N, 6° 50′ 26″ O Goldenberg-Werk Knapsack
Kaiserslautern Auf dem Gelände des ehemaligen RAW

1: 49° 26′ 20″ N, 7° 43′ 37″ O
2: 49° 26′ 19″ N, 7° 43′ 27″ O

Winkelturm Kaiserslautern.jpg|
Köln in Köln-Niehl auf dem Werkgelände der ehemaligen Glanzstoff-Courtaulds-Werke mit einzigartiger Backsteinverblendung und verschieferter Kappe. Außenstelle des Kölner Festungsmuseums 51° 0′ 0″ N, 6° 56′ 12″ O Winkelturm in Köln-Niehl
Lehrte Richtersdorf, ehemals Bahnbetriebswerk Lehrte, im Gleisdreieck Hannover-Celle-Hildesheim 2c 52° 22′ 50″ N, 9° 58′ 9″ O Winkelturm des ehemaligen Reichsbahnbetriebswerks in Lehrte Richtersdorf
Limburg (Lahn) Einkaufszentrum Werk Stadt, auf dem Gelände des ehemaligen Bahnausbesserungswerkes, Diezer Straße, siehe Hochbunker Limburg Bunker limburg.JPG
Lingen (Ems) An der Kurt-Schumacher-Brücke 52° 30′ 55″ N, 7° 19′ 0″ O Bunker Bahnhof Lingen.JPG
Ludwigshafen Bahnhof Ludwigshafen ehemaliges Reichsbahnausbesserungswerk 49° 28′ 52″ N, 8° 26′ 4″ O Winkelturm Ludwigshafen.jpg
Lübeck Auf dem ehemaligen LMG-Gelände 53° 52′ 38″ N, 10° 41′ 1″ O Lübeck LMG Winkelturmbunker.jpg
Bunker zwischen dem Gewerbegebiet Kaninchenborn und der Berliner Allee 53° 50′ 51″ N, 10° 40′ 52″ O
Malmö, Schweden auf dem Gelände der Kockums-Werft 55° 36′ 43″ N, 12° 59′ 27″ O Spitzbunker1 malmo.jpg
Meerbusch in Meerbusch-Büderich (an der Grenze zu Düsseldorf-Lörick), auf dem Gelände der Böhler-Edelstahlwerke 51° 14′ 44″ N, 6° 42′ 51″ O Winkelturm in Meerbusch-Büderich
Minden Zuckerhut Minden, An der Schachtschleuse (im November 2010 abgerissen) 52° 18′ 23″ N, 8° 55′ 19″ O Silo und Bunker an der Schachtschleuse.jpg
Mülheim an der Ruhr An der Friedrich-Ebert-Straße 51° 26′ 9″ N, 6° 52′ 22″ O
Neunkirchen (Saar) Spitzbunker Neunkirchen, westlich des ehemaligen Eisenwerkes 49° 20′ 59″ N, 7° 10′ 8″ O Spitzbunker in Neunkirchen (Saar)
Paderborn Auf dem Gelände des DB-Ausbesserungswerks 2c 51° 44′ 16″ N, 8° 45′ 2″ O Hochbunker der Bauart Winkel in Paderborn, DB Werk Paderborn
Saarbrücken Winkelturm auf dem ehemaligen Hüttengelände Saarbrücken-Burbach (heute Saarstahl), Saarterrassen, von der Rückseite des Baumarktes gut zu erkennen
Solingen Winkelturm im Stadtzentrum, Max-Leven-Gasse, schräg gegenüber der Hauptfiliale der Sparkasse
Winkelturm Lüneschlossstraße, zwischen Aldi-Supermarkt und Kreuzung Gasstraße
St. Wendel Werkstraße, auf dem Gelände der Heeresinstandsetzungslogistik 49° 27′ 34,8″ N, 7° 10′ 3,5″ O
Stuttgart Feuerbach, am Feuerbacher Bahnhof 48° 48′ 51″ N, 9° 10′ 5″ O Winkelturm in Stuttgart-Feuerbach
Trier Trier-West/Pallien, auf dem Gelände von RWE 49° 44′ 54″ N, 6° 37′ 17″ O Winkelbunker Trier Pallien
Wünsdorf Ehemals 19 Winkeltürme, von denen sieben erhalten sind 2a

1: 52° 11′ 45″ N, 13° 27′ 45″ O
2: 52° 11′ 47″ N, 13° 27′ 53″ O

Winkelturm in Wünsdorf

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Foedrowitz: Die Luftschutztürme der Bauart Winkel in Deutschland 1936 bis heute. Podzun-Pallas, Wölfersheim-Berstadt 1998, ISBN 3-7909-0632-8 (Waffen-Arsenal 175).
  • Michael Foedrowitz: Luftschutztürme und ihre Bauarten 1934–1945. Nebel-Verlag, Utting 2003, ISBN 3-89555-096-5.
  • Michael Foedrowitz: Luftschutztürme Bauart Winkel. Geschichte und Nutzung eines Bunkertyps des Zweiten Weltkriegs. CD-ROM, Edition Berliner Unterwelten, ISBN 3-935709-02-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Winkel-Bunker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Spitzbunker – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Patent DE658344: Luftschutzgebäude. Angemeldet am 18. September 1934, veröffentlicht am 9. April 1938, Anmelder: Winkel & Co. Luftschutztürme, Erfinder: Leo Winkel.
  2. Der Winkel-Turm – Eine Kurzvorstellung. Bunker WHV, abgerufen am 25. November 2013.