Liste der Landvögte von Rügen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Amt des Landvogtes von Rügen war das bedeutendste landesherrliche Amt auf dem Territorium des ehemaligen Fürstentums Rügen nach dessen Anschluss an das Herzogtum Pommern.

Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Fürsten von Rügen mit Wizlaw III. kam das Fürstentum an das Herzogtum Pommern-Wolgast. Mit Stoislaw, Herr zu Putbus, wurde 1326 erstmals ein Landvogt erwähnt. Der Landvogt verkörperte die höchste Gewalt der Gesetzgebung und Rechtsprechung im neuen Landesteil.[1] Das in Bergen auf Rügen ansässige Landvogteigericht war als Instanz den Gerichten der Gardvogteien – Verwaltungs- und Gerichtsbezirke, in die das Fürstentum Rügen ursprünglich unterteilt war – übergeordnet.[2]

Für den landständischen Adel, aus dessen Reihen er üblicherweise stammte, war der Landvogt die erste gerichtliche Instanz. Später wurde der Landvogt gleichzeitig Amtshauptmann in Bergen auf Rügen. Diese Verhältnisse blieben auch in Schwedisch-Pommern erhalten. Der Landvogt erhielt sein Gehalt aus der schwedischen Staatskasse. 1699 versuchten die Schweden das Amt abzuschaffen und zahlten kein Gehalt mehr. 1706 mussten sie es wieder einführen. Die Gehaltszahlungen wurden aber nicht wieder aufgenommen. Während der dänischen Besetzung Schwedisch-Pommerns im Großen Nordischen Krieg von 1715 bis 1721 setzten die Dänen eigene Leute auf den Posten.[3]

Beim Versuch Gustavs IV. Adolf, 1806 Schwedisch-Pommern dem schwedischen Staatsverband anzuschließen, erfolgte eine umfassende Reorganisation des Gerichtswesens, bei der das Amt des Landvogtes abgeschafft wurde.

Landvögte von Rügen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1326 4 Stoislaw, Herr zu Putbus
  • 1334–1338 Johann, Herr zu Putbus
  • 1432 4 Henning Jasmund
  • 1443 4 Magnus Plate
  • 1448–1453 Raven Barnekow, 1453 im Machtkampf zwischen Stralsund und Herzog Wartislaw X. hingerichtet.[4]
  • 1471 4 Ehrich Kahlende
  • 1481 4 Raven Barnekow (Sohn)
  • 1481–1490 Degener Buggenhagen
  • 1490–1496 Curd Krakevitz
  • 1496–1517 Waldemar, Herr zu Putbus
  • 1517–1524 Degener Buggenhagen
  • 1524–1525 Balzer Caspar Jasmund
  • 1525–1536 Wilken von Platen
  • 1536–1554 Jarslav Kahlden
  • 1554–1558 Matthäus von Normann
  • 1558–1560 Ehrich Kahlden
  • 1560–1573 Georg Joachim von Platen
  • 1573–1584 Heinrich von Normann
  • 1584–1595 Gutzlaf Rotermund
  • 1595–1602 Balzer Jasmund
  • 1602–1604 Christoph von der Lancken
  • 1604–1611 Hans von Krakvitz
  • 1611–1628 Christoph von der Lancken
  • 1629 4 Nicolaus von Ahnen (nur ernannt)
  • 1630–1632 Arend von Bohlen
  • 1632–1642 Eckard von Usedom, Landrat
  • 1643–1664 Ernst von Berglasen († 1666)
  • 1664–1694 Wilken von Berglasen, Landrat
  • 1694–1698 Johann Karl von der Lancken
  • 1699–1706 Jacob von Wewezer, Amtmann
  • 1706–1711 Arend Christoph von Bohlen, Amtmann
  • 1711–1716 Hermann Alexander von Wolffradt, Amtmann
  • 1716–1718 Johann Jansson von Silberstern, königlich dänischer Amtmann
  • 1718–1721 Christoph August von John, königlich dänischer Amtmann
  • 1721–1734 Hermann Alexander von Wolffradt, Amtmann
  • 1736–1759 Bogislaw Georg von Platen
  • 1760–1785 Carl Gustav von Wolffradt
  • 1785–1805 Karl Friedrich von Usedom
  • 1805–1806 Karl Ludwig Adolph von Bohlen, Amtsrichter

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieter Pötschke: Neue rechtshistorische Erkenntnisse zum Rügischen Landrecht aufgrund der wiedergefundenen Originalhandschrift des Matthäus Normann aus dem Jahre 1522. In: Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde (Hrsg): Baltische Studien. Neue Folge Bd. 82, N. G. Elwert, Marburg 1996, S. 67 (Digitalisat).
  2. Ernst Moritz Arndt: Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen. Berlin 1803, S. 136 (Google bücher).
  3. Martin Meier: Vorpommern nördlich der Peene unter dänischer Verwaltung 1715–1721. In: Beiträge zur Militärgeschichte. Bd. 65, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, ISBN 978-3-486-58285-7, S. 115–117 (Google bücher).
  4. Lutz Mohr: Der Sühnestein für Raven von Barnekow bei Greifswald. In: Rainer H. Schmeissner (Hrsg.): Steinkreuzforschung (SKF). Studien zur deutschen und internationalen Flurdenkmalforschung.Reihe B (Sammelbände), Sammelband Nr. 23 (NF 8), Regensburg 1996, S. 77f