Liste der Stolpersteine in Ligurien

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Stolperstein in der Galleria Mazzini

Die Liste der Stolpersteine in Ligurien enthält die Stolpersteine in der italienischen Region Ligurien, die an das Schicksal der Menschen aus dieser Region erinnern, die von Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt, deren Name lautet auf italienisch pietre d'inciampo.

Die Stolpersteine liegen im Regelfall vor dem letzten selbstgewählten Wohnort des Opfers. Der Stolperstein für Riccardo Reuven Pacifici wurde am Ort seiner Verhaftung verlegt. Die erste Verlegung in Ligurien fand im Januar 2012 statt.

Die Tabellen sind teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.

Metropolitanstadt Genua[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genua[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Juden von Genua lebten, wie alle Juden in Italien, mit Einschränkungen ihrer Freiheit und erlitten regelmäßig Vertreibungen. Im Jahr 1674 wurde das Ghetto von Genua an die Piazza dei Tessitori verlegt, den Platz der Weber, waren doch viele Juden im Stoffhandel tätig. Es lebten damals nicht viele Juden in Genua, 203 waren es im Jahre 1662, 174 waren es sieben Jahre später. Im 18. Jahrhundert sollte das Ghetto erneut verlegt werden, doch wurden die Juden von Genua, ehe es dazu kam, erneut aus der Stadt vertrieben. Dennoch musste die Juden der Stadt in der neueren Geschichte nicht um ihr Leben bangen — ausgenommen die relativ kurze, jedoch mörderische Phase deutscher Besetzung großer Teile des Landes von September 1943 bis April 1945.[1]

Die Synagoge von Genua wurde 1935 nach Plänen des Architekten Francesco Morandi errichtet. Sie befindet sich in der Via Bertora, wenige Schritte von der Via Assarotti entfernt. Dort beriefen die Deutschen im November 1943 ein Treffen ein. Die Nazis wollten alle Juden von Genua mit einem Schlag verhaften. 50 Juden erschienen, darunter auch Oberrabbiner Riccardo Pacifici, seine Frau und deren Kinder, damals zwei und vier Jahren alt. Alle Verhafteten wurden am 3. November 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurden.

In Genua wurden folgende Stolpersteine verlegt:

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben
Stolperstein für Ercole De Angelis 2 (Genova).jpg
HIER WOHNTE
ERCOLE DE ANGELIS
JG. 1882
VERHAFTET 2.10.1944
DEPORTIERT
FLOSSENBURG
ERMORDET 18.4.1945
Via Carlo Barabino 26
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Ercole De Angelis wurde am 6. Februar 1882 in Casale Monferrato geboren. Seine Eltern waren Giuseppe De Angelis und Eleonora Segré. Er war mit Fortunata Foà verheiratet. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde er am 2. Oktober 1944 in Genua verhaftet, in das Durchgangslager Bozen verschleppt und von dort im Dezember 1944 in das Konzentrationslager Flossenbürg deportiert. Er wurde vom NS-Regime am 18. April 1945 ermordet, wenige Tage vor dem Zusammenbruch des Regimes.[2][3]
Stolperstein für Giorgio Labo.JPG
GIORGIO LABÓ
JG. 1919
GEFALLEN FÜR DIE FREIHEIT
ERSCHOSSEN IN ROM
VON DEN NAZIS
7. MÄRZ 1944
GOLDENE MEDAILLE FÜR
TAPFERKEIT
Via Roma 1
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Giorgio Labò, geboren 1919, war ein junger Architekt. Er schloss sich nach dem 9. September 1943 in Rom der GAP (Patriotische Aktionsgruppe) an und trug den Kampf­namen „Lamberto“. Er wurde am 1. Februar 1944 von der deutschen SS verhaftet und im Gefängnis in der Via Tasso bestialisch gefoltert. Am 7. März 1944 wurde Giorgio Labò in Forte Bravetta erschossen. Der Stolperstein zu seinem Gedenken befindet sich an der Via Roma 1, wo seine Familie zur Zeit seiner Ermordung lebte – in unmittelbarer Nähe des Stolpersteins für Riccardo Pacifici.[4]
Stolperstein für Reuven Riccardo Pacifici 2 (Genova).jpg
HIER WURDE VERHAFTET
3.11.1943

REUVEN
RICCARDO PACIFICI
GROSSRABBINER
VON GENUA
JG. 1904
ERMORDET 11.12.1943
AUSCHWITZ
Galleria Mazzini
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Riccardo Reuven Pacifici wurde am 18. Februar 1904 in Florenz geboren. Er entstammte einer sephardischen Familie, seine Eltern waren Gilda Borghi und Mario Mordechai Pacifici. Nach dem Abitur schloss er 1926 ein Studium an der Universität Florenz mit summa cum laude ab. Ab 1927 begann er ein Studium am Collegio Rabbinico di Firenze, welches er mit dem Titel eines Chacham ha shalem abschloss. Von 1928 bis 1930 war er stellvertretender Leiter der jüdischen Gemeinde von Venedig, ab 1930 Direktor des Collegio Rabbinico di Rodi, ab 1936 Großrabbiner von Rhodos und von 1936 bis zu seiner Verschleppung Großrabbiner von Genua. Er blieb in den schweren Jahren des Krieges und der Judenverfolgung bei seiner Gemeinde und besuchte mehrfach das Internierungslager Ferramonti di Tarsia. Dort gab er den Internierten moralischen und spirituellen Beistand. Er wurde an die deutschen Besatzungsbehörden verraten, verhaftet und mit seiner Frau Wanda Abenaim ins KZ Auschwitz-Birkenau verschleppt. Dort langten das Ehepaar und eine Reihe weiterer Mitglieder der Familie Pacifici am 11. Dezember 1943 ein und wurden am 12. Dezember 1943 in den Gaskammern ermordet.[5][6]

Beide Söhne, Emanuele (1931–2014) und Raffaele (geboren 1938), konnten, von Klosterschwestern versteckt, die Shoah überleben. Ein Enkelsohn, Riccardo Pacifici, war von 2008 bis 2015 Präsident der jüdischen Gemeinde von Rom.[7]

Stolperstein für Italo Vitale (Genova).jpg
HIER WOHNTE
ITALO VITALE
GEBOREN 1886
VERHAFTET 10.12.1943
DEPORTIERT
GESTORBEN
WÄHREND DES TRANSPORTES
NACH AUSCHWITZ
Corso Monte Grappa 37
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Italo Vitale wurde am 1. August 1886 in Genua geboren. Seine Eltern waren Samuele Vitale und Enrichetta De Benedetti. Am 10. Dezember 1943 wurde er in seiner Heimatstadt verhaftet, nach Mailand überstellt und dort im San-Vittore-Gefängnis gefangen gehalten. Am 30. Januar 1944 wurde er mit Transport No. 6 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Der Transport kam eine Woche später in Auschwitz an. Italo Vitale überlebte die Mühen des Transportes – mit unzureichender Verpflegung, schlechten hygienischen Zuständen und mangelndem Platz – nicht. Er verlor sein Leben bereits während des Transportes.[8]

Ronco Scrivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ronco Scrivia wurde folgender Stolperstein verlegt:

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben
Stolperstein für Giovanni Carminati (Ronco Scrivia).jpg
HIER WOHNTE
GIOVANNI CARMINATI
GEBOREN 1916
VERHAFTET 10.4.1944
DEPORTIERT
GUSEN
ERMORDET 29.1.1945
Via Filippo Corridoni 25A
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Giovanni Carminati
Gedenktafel am Ort seiner Verhaftung
wurde am 9. August 1916 in Brembilla in der Provinz Bergamo geboren. Er hatte zumindest eine Schwester, Olga. Er gehörte dem Widerstand an. Am 10. April 1944 wurde er verhaftet, in das KZ Mauthausen deportiert, verschleppt nach Gusen, wo er Zwangsarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie verrichten musste. Giovanni Carminati wurde am 29. Januar 1945 ermordet.[9][10]

Ihm ist auch eine Gedenktafel in Isola del Cantone, Teil der Gemeinde Vobbia, gewidmet.[11]

Provinz Imperia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Imperia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sanremo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ventimiglia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Provinz Savona[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Celle Ligure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Finale Ligure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Finale Ligure wurden folgende Stolpersteine verlegt:

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben
Stolperstein für Antonio Arnaldi (Finale Ligure).jpg
HIER WOHNTE
ANTONIO ARNALDI
JG. 1925
VERHAFTET 1.3.1944
DEPORTIERT
MAUTHAUSEN
BEFREIT
Via Cristoforo Colombo, 9
Erioll world.svg
Antonio Arnaldi wurde 1925 in Finale Ligure geboren. Er wurde am 1. März 1944, in der Folge eines Generalstreiks in ganz Italien, verhaftet. Sie brachten ihn zuerst zum Verhör in das Ospizio Morello, später nach Genua in die Villa di Negro. In der Folge wurde er in das Gefängnis San Vittore in Mailand überstellt, später nach Bergamo. In einem Viehwagen wurde er zum Bahnhof Betracht und von dort in das KZ Mauthausen deportiert. Seine Häftlingsnummer war 58.673. Er musste Zwangsarbeit im Außenlager Gusen verrichten. Gemeinsam mit anderen Gefangenen musste er das neue Außenlager Gusen II errichten. Danach musste er bei Steyr Mannlicher Waffen fertigen. Zuletzt war er Zwangsarbeiter der Firma Messerschmitt. Er wurde am 5. Mai 1945 befreit und kehrte in seine Heimat zurück.[12][13]

Antonio Arnaldi starb 2015.

Stolperstein für Giovanni Frattini (Finale Ligure).jpg
HIER WOHNTE
GIOVANNI FRATTINI
JG. 1917
VERHAFTET 1.3.1944
DEPORTIERT 1944
MAUTHAUSEN
BEFREIT
Via Pertica, 16
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Giovanni Frattini wurde 1917 geboren. Er war der Bruder von Italo Frattini (siehe unten). Er wurde am 1. März 1944, in der Folge eines Generalstreiks in ganz Italien, verhaftet und vom NS-Regime in das KZ Mauthausen deportiert. Er wurde im Mai 1945 befreit.

Seit 2015 trägt ein Saal im neuen Gebäude des Croce Bianca in Finale Ligure seinen Namen.[14]

Stolperstein für Italo Frattini (Finale Ligure).jpg
HIER WOHNTE
ITALO FRATTINI
JG. 1914
VERHAFTET 1.3.1944
DEPORTIERT
MAUTHAUSEN
ERMORDET 30.7.1944
Via Pertica, 16
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Italo Frattini wurde am 26. Oktober 1914 geboren. Er war der Bruder von Giovanni Frattini (siehe oben). Er wurde am 1. März 1944, in der Folge eines Generalstreiks in ganz Italien, verhaftet und vom NS-Regime in das KZ Mauthausen deportiert. Italo Frattini wurde vom NS-Regime am 30. Juli 1944 in Gusen, einem Außenlager von Mauthausen, ermordet.[15]

Sein Name findet sich auf zwei Gedenktafeln in Finale Ligure, in der Via Pertica 35 und an der Fassade des Palazzo Comunale.[16][17]

Stolperstein für Goffredo Scacciotti (Finale Ligure).jpg
HIER WOHNTE
GOFFREDO
SCACCIOTTI
JG. 1894
VERHAFTET 1.3.1944
DEPORTIERT
MAUTHAUSEN
ERMORDET 4.12.1944
Vico Serra, 2
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Goffredo Scacciotti wurde am 26. Juni 1894 in Rio Marina geboren, einem Dorf auf der Insel Elba. Er wurde vom NS-Regime verhaftet, in das KZ Mauthausen deportiert und am 10. April 1944 in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet.[18]

Sein Name findet sich auf zwei Gedenktafeln in Finale Ligure, in der Via Pertica 35 und an der Fassade des Palazzo Comunale.

Laigueglia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlegedaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verlegungen in Ligurien erfolgten durch Gunter Demnig persönlich an folgenden Tagen:

  • 29. Januar 2012: Genua (Galleria Mazzini)
  • 7. März 2013: Genua (Via Roma, 1)
  • 14. Januar 2017: Genua (Via Carlo Barabino, 26)
  • 21. Januar 2019: Finale Ligure
  • 12. Januar 2020: Genua (Corso Monte Grappa, 37), Ronco Scrivia

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Stolpersteine in Liguria – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genova Quotidiana: Breve storia del ghetto ebraico a Genova, 27. November 2015
  2. Centro di Documentazione Ebraica Contemporanea (CDEC): De Angelis, Ercole, abgerufen am 2. Mai 2017
  3. Il Secolo XIX: Alla Foce una nuova “pietra d’inciampo” genovese, 15. Januar 2017, abgerufen am 10. Mai 2017
  4. Genua. In: gedenkorte-europa.eu. Studienkreis Deutscher Widerstand 1933–1945 e.V.;
  5. "Yours Is a Precious Witness: Memoirs of Jews and Catholics in Wartime Italy", Margherita Marchione, Paulist Press, S. 89
  6. Rabbi Riccardo Pacifici addresses the internees in the Ferramonti camp. - USHMM Collections Search. In: collections.ushmm.org. Abgerufen am 4. Februar 2016.
  7. Saviona Mane: Rome Jewish Community Leader Trapped Inside Auschwitz, Interrogated by Police. In: haaretz.com. 28. Januar 2015, abgerufen am 4. Februar 2016 (englisch).
  8. CDEC: Vitale, Italo, mit einem Porträt, abgerufen am 26. September 2020
  9. Video der Verlegung
  10. A Ronco Scrivia una pietra d'inciampo per Giovanni Carminati: cerimonia, abgerufen am 26. September 2020
  11. Pietre della memoria: - Lastra a Giovanni Carminati – Vobbia (GE), abgerufen 9. März 2020
  12. Visit Finale Ligure: FINALE LIGURE: MEDAGLIA D’ARGENTO AD ANTONIO ARNALDI, EX DEPORTATO NEI CAMPI DI CONCENTRAMENTO, abgerufen am 17. Mai 2019
  13. Pucci Palear: Da tute blu a triangoli rossi, percorsi di deportazione, abgerufen am 17. Mai 2019, mit einer Fotografie
  14. Savona News: Finale Ligure sabato e domenica in festa per l'inaugurazione della nuova Croce Bianca, abgerufen am 17. Mai 2019
  15. Elenco dei deportati italiani morti a Mauthausen (Elenco parziale elaborato a Mauthausen dopo la liberazione in base a ricordi dei superstiti e registri del lager che sono stati salvati), aus dem Buch Tu passerai per il camino von Vincenzo Pappalettera, Mursia 1965, S. 284
  16. Chi era costui?: Caduti nei lager 1943 - 1945, abgerufen am 17. Mai 2019
  17. FINALE LIGURE Partigiani caduti nella lotta di Liberazione, abgerufen am 17. Mai 2019
  18. Elenco dei deportati italiani morti a Mauthausen (Elenco parziale elaborato a Mauthausen dopo la liberazione in base a ricordi dei superstiti e registri del lager che sono stati salvati), aus dem Buch Tu passerai per il camino von Vincenzo Pappalettera, Mursia 1965, S. 312; die Inschrift des Stolpersteines divergiert betreffend das Todesdatum