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Liste der Stolpersteine in der Woiwodschaft Niederschlesien

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Stolpersteine in Kąty Wrocławskie

Die Liste der Stolpersteine in der Woiwodschaft Niederschlesien enthält die Stolpersteine in der Woiwodschaft Niederschlesien, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die während der Zeit des Nationalsozialismus auf dem Gebiet der heutigen Woiwodschaft ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt.

Stolpersteine werden im Regelfall vor dem letzten freigewählten Wohnort des Opfers verlegt. Die erste Verlegung in dieser Woiwodschaft erfolgte am 12. Oktober 2008 in Wrocław, sie war zugleich auch die erste Verlegung in Polen.

Verlegte Stolpersteine

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Kąty Wrocławskie

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In Kąty Wrocławskie wurden bisher zwei Stolpersteine verlegt.

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben
HIER LEBTE
ADOLF STEIN
GEB. 1875
1942 DEPORTIERT
NACH IZBICA
ERMORDET
Ulica General Wladyslawa Sikorskiego 13 Adolf Stein (1875–1942/45)
HIER LEBTE
FRIEDA STEIN
GEB. 1882
1942 DEPORTIERT
NACH IZBICA
ERMORDET
Ulica General Wladyslawa Sikorskiego 13 Frieda Stein (1882–1942/45)

In der Stadt Wrocław (Deutsch vormals: Breslau), wurden bisher 20 Stolpersteine an sechs Adressen verlegt.

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben
HIER WOHNTE
MAGDALENE BRANDT
GEB. HENOCH
JG. 1898
1943 DEPORTIERT
NACH AUSCHWITZ
ERMORDET
Zielińskiego/Swobodna Magdalene Brandt[1]
HIER WOHNTE
MAX BRANDT
JG. 1893
1943 DEPORTIERT
NACH AUSCHWITZ
ERMORDET
Zielińskiego/Swobodna Max Brandt
HIER WOHNTE
HELENE ILSE
DATTEL
GEB. BRANDT
JG. 1922
1943 DEPORTIERT
NACH AUSCHWITZ
ERMORDET
Zielińskiego/Swobodna Helene Ilse Dattel
HIER WOHNTE
ALFRED DRESEL
JG. 1895
1942 INTERNIERT
IN DRANCY
1942 DEPORTIERT
NACH AUSCHWITZ
ERMORDET
Zielińskiego/Swobodna Alfred Dresel
HIER WOHNTE
KAETE DRESEL
JG. 1901
24.2.1943 INTERNIERT
IN THERESIENSTADT
1944 DEPORTIERT
NACH AUSCHWITZ
ERMORDET
Zielińskiego/Swobodna Kaete Dresel
HIER WOHNTE
DAVID HENOCH
JG. 1875
1938 VERHAFTET
DEPORTIERT NACH
DACHAU
BUCHENWALD
KOWNO FORT IX (1941)
ERMORDET
Zielińskiego/Swobodna David Henoch
HIER ARBEITETE
HILDE HERZ
GEB. BORNSTEIN
GEB. 1904
GEFLÜCHTET 1939
NACH CHILE
Plac Solny 4
Wrocław
Hilde Herz, geborene Bornstein (1904–)
HIER LEBTE
OLGA HERZ
GEB. BREITBARTH
GEB. 1869
DEPORTIERT 1942
GRÜSSAU / KRZESÓW
THERESIENSTADT
ERMORDET 27.12.1942
Plac Solny 4
Wrocław
Olga Herz, geborene Breitbarth (1869–1942)
HIER WOHNTE
STEFFI HERZ
GEB. 1928
GEFLÜCHTET 1939
NACH CHILE
Plac Solny 4
Wrocław
Steffi Herz (1928–)
HIER WOHNTE
WALTER HERZ
GEB. 1898
GEFLÜCHTET 1939
NACH CHILE
Plac Solny 4
Wrocław
Walter Herz (1898–)
HIER WOHNTE
EDITH STEIN
JG. 1891
AUSGELÖSCHT 9.8.1942
IN AUSCHWITZ
ul. Nowowiejska 38
Edith Stein wurde als jüngstes von elf Kindern einer jüdisch-orthodoxen Familie am 12. Oktober 1891 in Breslau geboren. Ihr Vater, ein Kaufmann, verstarb bereits ein Jahr nach ihrer Geburt, ihre Mutter führte den Holzhandel weiter. Edith Stein studierte in Breslau, Göttingen und Freiburg i. Br. Psychologie, Philosophie, Geschichte und Germanistik und wollte schon damals der «Menschheit dienen».[2] Nach dem Doktorat war sie bis 1918 Assistentin ihres Doktorvaters, des Philosophen Edmund Husserl. Vier Versuche der Habilitation scheiterten am Faktum, dass sie eine Frau war. Im April 1933 erbat sie in einem Brief an Papst Pius XI., er möge öffentlich gegen die Judenverfolgung protestieren. Die Bitte blieb vier Jahre lang unerhört, erst 1937 wurde die Enzyklika Mit brennender Sorge veröffentlicht.

Am 14. Oktober 1933 trat Edith Stein als Postulantin dem Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen in Köln bei und nahm ein halbes Jahr später den Ordensnamen Teresia Benedicta a Cruce an. 1936 ließ sich auch Ediths ältere Schwester Rosa Stein (1883–1942) taufen, lebte danach als Gast im Kloster und arbeitete als Pförtnerin. Um ihr Stammhaus zu schützen, übersiedelte Edith Stein mit ihrer Schwester 1938 in den Karmel des Ordens im niederländischen Echt. Im Rahmen der Deportationen des Holocaust wurden auch die beiden Schwestern Stein am 2. August 1942 von der Gestapo verhaftet, in das Durchgangslager Westerbork verbracht, fünf Tage später in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und am 9. August 1942 in der Gaskammer ermordet.[3] Papst Johannes Paul II. sprach Edith Stein 1987 selig und 1998 heilig. Sie galt und gilt als Brückenbauerin zwischen Christen und Juden.[4]

Es wurden sieben weitere Stolpersteine für Edith Stein verlegt, davon befinden sich drei in Köln, drei weitere in Freiburg im Breisgau und einer in Echt-Susteren in den Niederlanden.

HIER WOHNTE
ANITA TREITEL
JG. 1920
DEPORTIERT
ZUR ZWANGSARBEIT
16.11.1941 SELBSTMORD
ul. Świdnicka 39
Anita Treitel wurde am 29. Januar 1920 als Tochter von Rose und Walter Treitel in Breslau geboren. Ihr Vater war Arzt. Sie hatte einen älteren Bruder, Wolf­gang (1918–2013), der – wie der Vater – rechtzeitig in die Ver­einigten Staaten emigrieren konnte. Ihr Onkel, Arnold Bernstein, versuchte sie und ihre Mutter in die USA zu holen, allerdings vergeblich. Anita Treitel musste in einem Lager Zwangs­arbeit verrichten und nahm sich am 16. November 1941 das Leben. Ihre Mutter wurde im April 1942 vom NS-Regime deportiert und ermordet.[5]
HIER WOHNTE
ROSE BERNSTEIN
TREITEL
JG. 1891
1942 DEPORTIERT
IN DAS GHETTO VON IZBICA
ERMORDET 1942
ul. Świdnicka 39
Rose Treitel geb. Bernstein wurde am 10. Dezember 1891 in Breslau geboren. Am 23. Juli 1914 heiratete sie den Arzt Walter Treitel, das Paar hatte zwei Kinder: Wolf­gang (geboren am 10. Juni 1918) und Anita (geboren am 29. Januar 1920). Ehe­mann und Sohn konnten sich 1938 bzw. 1939 durch Emigration in die Vereinigten Staaten retten und änderten dort ihren Familien­namen auf Tritell. Ihr Bruder Arnold Bernstein (1888–1971) versuchte vergeblich Rose und Anita Treitel in die USA zu retten.[6] Die Tochter nahm sich am 16. November 1941 das Leben. Rose Treitel wurde im April 1942 im Ghetto Izbica vom NS-Regime ermordet.

Rose Treitels Sohn heiratete Anita Sorkowitz (1922–1998) und hatte mit ihr zwei Kinder. Er starb hochbetagt im Jahr 2013.[7]

HIER LEBTE
FEDOR ZERNIK
JG. 1883
DEPORTIERT 4.3.1943
NACH AUSCHWITZ
ERMORDET
Ul. General Romualda Traugutta 19/21 Fedor Zernik (1883–1943/1945)
HIER LEBTE
HEDWIG ZERNIK
GEB. TICHAUER
JG. 1887
DEPORTIERT 4.3.1943
NACH AUSCHWITZ
ERMORDET
Ul. General Romualda Traugutta 19/21 Hedwig Zernik, geborene Tichauer, (1887–1943/1945)
HIER LEBTE
KURT ZERNIK
JG. 1911
DEPORTIERT 22.1.1943
NACH AUSCHWITZ
ERMORDET
Ul. General Romualda Traugutta 19/21 Kurt Zernik (1911–1943/1945)
HIER WOHNTE
ALFRED ZOREK
JG. 1884
1943 DEPORTIERT
NACH AUSCHWITZ
ERMORDET: 03.1943
ul. Jedności Narodowej 95
Alfred Zorek wurde 1884 in Wreschen als Sohn von Gustav und Rosalie Zorek geboren. Er hatte vier Geschwister, darunter die zwei Schwestern Martha und Gunda sowie der Bruder Rudolf. Er heiratete Frieda Freund, das Paar hatte zwei Kinder: Erna (geb. 1923) und Werner (geb. 1925). Die Familie wohnte in der Matthias-Straße 95 in Breslau. Während der Sohn 1939 mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit gebracht werden konnte, wurden Alfred Zorek, seine Frau und seine Tochter 1943 ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.

In Magdeburg wurden Stolpersteine für seinen Bruder Rudolf Zorek und dessen Frau Betty (geb. Grzebinasch) verlegt, die beide im Vernichtungslager Treblinka ermordet wurden.[8]

HIER WOHNTE
ERNA ZOREK
JG. 1923
1943 DEPORTIERT
NACH AUSCHWITZ
ERMORDET: 03.1943
ul. Jedności Narodowej 95
Erna Zorek wurde 1923 in Breslau als Tochter von Alfred und Frieda Zorek geboren. Sie hatte einen Bruder, Werner, geb. 1925, der im Jahr 1939 mit einem Kindertransport nach England ging. Sie selbst wurde 1943 gemeinsam mit ihren Eltern ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.

Bereits am 23. September 2012 wurde ein Stolperstein für Erna Zorek in der Mozartstraße von Unna, vor dem St. Bonifatius Wohn- und Pflegeheim, verlegt.

HIER WOHNTE
FRIEDA FREUND
ZOREK
JG. 1885
1943 DEPORTIERT
NACH AUSCHWITZ
ERMORDET: 03.1943
ul. Jedności Narodowej 95
Frieda Zorek geb. Freund wurde am 29. März 1885 als Tochter von Emma und Selig Freund geboren. Sie hatte sechs Geschwister: Anna (1875), die Zwillinge Georg und Doris (1877), Rosa (1879), Gertrud (1880) und Sigmund. Mit ihrem Ehemann Alfred Zorek hatte sie zwei Kinder: Werner und Erna. Während der Sohn 1939 mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit gebracht werden konnte, wurden Frieda Zorek, ihr Mann und ihre Tochter 1943 ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.
HIER WOHNTE
WERNER ZOREK
JG. 1925
7.2.1939 KINDERTRANSPORT
NACH GROSSBRITANNIEN
ul. Jedności Narodowej 95
Werner Zorek wurde am 14. Oktober 1925 in Breslau als Sohn von Alfred und Frieda Zorek geboren. Er hatte eine Schwester, Erna. Am 7. Februar 1939 konnte er – 13-jährig – mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit gebracht werden. Er wurde zuerst im Camp Dovercourt, später in Gloucester untergebracht. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, im Jahr 1947, emigrierte er mit Hilfe von Verwandten nach New York, nannte sich Warren Zorek, arbeitete als Manager im Kaufhaus Bloomingdale’s und ehrenamtlich für das American Red Cross. Er lernte Jane Krass kennen und heiratete sie. Das Paar hatte zwei Kinder, Jennifer (1958) und Michael (1960), und vier Enkelkinder. Warren Zorek verstarb am 22. Dezember 2006 im Alter von 81 Jahren in New York, wo er auch bestattet wurde.[9]

Vater, Mutter und Schwester wurden 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet.

In der Grenzstadt Zgorzelec, vormals östliche Stadtteile von Görlitz, wurden drei Stolpersteine an einer Adresse verlegt.

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben
HIER WOHNTE
EVA GOLDBERG
JG. 1891
FLUCHT 1939
ENGLAND
USA
ul. Kościuszki 10
Eva Goldberg
HIER WOHNTE
HELENE GOLDBERG
GEB. WECHSLER
JG. 1902
FLUCHT 1939
ENGLAND
USA
ul. Kościuszki 10 Helene Goldberg, geb. Wechsler
HIER WOHNTE
MAX GOLDBERG
VERH. JUDD
JG. 1929
FLUCHT 1939
ENGLAND
USA
ul. Kościuszki 10 Max Goldberg
  • 12. Oktober 2008: Wrocław (ul. Nowowiejska 38)
  • 2. Februar 2016: Wrocław (ul. Jedności Narodowej 95, ul. Świdnicka 39)
  • Februar 2019: Wrocław (Zielińskiego/Swobodna)
  • 4. März 2020: Wrocław (ul. General Romualda Traugutta 19/21)
  • 5. November 2021: Zgorzelec
  • 9. September 2023: Kąty Wrocławskie
  • 19. Februar 2024: Wrocław (Plac Solny 4)
Commons: Stolpersteine in Kąty Wrocławskie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Stolpersteine in Wrocław – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Stolpersteine in Zgorzelec – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer
  • Stolpersteine.eu, offizielle Website des Stolperstein-Projekts von Gunter Demnig

Einzelnachweise

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  1. Deutsche Welle: Nowe kamienie pamięci we Wrocławiu, 21. Februar 2019
  2. Reiner Wimmer: Edith Stein. In: Vier jüdische Philosophinnen. Leipzig 1996, S. 228
  3. Lukas Mihr: Ad maiora mala vitanda – Das Beispiel der Niederlande (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ibka.org (abgerufen am 23. Juni 2013)
  4. Gedenkfeier für Edith Stein in Auschwitz-Birkenau. Patronin Europas und Frauenrechtlerin. Interview mit Stefan Dartmann, SJ, anlässlich der Predigt von Kardinal Meisner zum 70. Todestag Edith Steins im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Domradio, 8. September 2012.
  5. In re Holocaust Victim Assets Litigation Case No. CV96-4849 Certified Denial, abgerufen am 16. März 2016
  6. Lars U. Scholl: Bernstein, Arnold. In: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Band 5. Wallstein, Göttingen 2010, ISBN 978-3-8353-0640-0, S. 48–50.
  7. New York Times: Deaths TRITELL, ANITA (NEE SORKOWITZ), 19. August 1998
  8. Gegen das Vergessen: Wir erinnern an Ehepaar Zorek, abgerufen am 16. März 2016
  9. Story of Survival: Warren Zorek (Memento vom 12. März 2016 im Webarchiv archive.today), abgerufen am 16. März 2016