Liste der Stolpersteine in der Woiwodschaft Niederschlesien

Die Liste der Stolpersteine in der Woiwodschaft Niederschlesien enthält die Stolpersteine in der Woiwodschaft Niederschlesien, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die während der Zeit des Nationalsozialismus auf dem Gebiet der heutigen Woiwodschaft ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt.
Stolpersteine werden im Regelfall vor dem letzten freigewählten Wohnort des Opfers verlegt. Die erste Verlegung in dieser Woiwodschaft erfolgte am 12. Oktober 2008 in Wrocław, sie war zugleich auch die erste Verlegung in Polen.
Verlegte Stolpersteine
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kąty Wrocławskie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Kąty Wrocławskie wurden bisher zwei Stolpersteine verlegt.
Wrocław
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Stadt Wrocław (Deutsch vormals: Breslau), wurden bisher 20 Stolpersteine an sechs Adressen verlegt.
| Stolperstein | Übersetzung | Verlegeort | Name, Leben |
|---|---|---|---|
| HIER WOHNTE MAGDALENE BRANDT GEB. HENOCH JG. 1898 1943 DEPORTIERT NACH AUSCHWITZ ERMORDET |
Zielińskiego/Swobodna | Magdalene Brandt[1] | |
| HIER WOHNTE MAX BRANDT JG. 1893 1943 DEPORTIERT NACH AUSCHWITZ ERMORDET |
Zielińskiego/Swobodna | Max Brandt | |
| HIER WOHNTE HELENE ILSE DATTEL GEB. BRANDT JG. 1922 1943 DEPORTIERT NACH AUSCHWITZ ERMORDET |
Zielińskiego/Swobodna | Helene Ilse Dattel | |
| HIER WOHNTE ALFRED DRESEL JG. 1895 1942 INTERNIERT IN DRANCY 1942 DEPORTIERT NACH AUSCHWITZ ERMORDET |
Zielińskiego/Swobodna | Alfred Dresel | |
| HIER WOHNTE KAETE DRESEL JG. 1901 24.2.1943 INTERNIERT IN THERESIENSTADT 1944 DEPORTIERT NACH AUSCHWITZ ERMORDET |
Zielińskiego/Swobodna | Kaete Dresel | |
| HIER WOHNTE DAVID HENOCH JG. 1875 1938 VERHAFTET DEPORTIERT NACH DACHAU BUCHENWALD KOWNO FORT IX (1941) ERMORDET |
Zielińskiego/Swobodna | David Henoch | |
| HIER ARBEITETE HILDE HERZ GEB. BORNSTEIN GEB. 1904 GEFLÜCHTET 1939 NACH CHILE |
Plac Solny 4 Wrocław |
Hilde Herz, geborene Bornstein (1904–) | |
| HIER LEBTE OLGA HERZ GEB. BREITBARTH GEB. 1869 DEPORTIERT 1942 GRÜSSAU / KRZESÓW THERESIENSTADT ERMORDET 27.12.1942 |
Plac Solny 4 Wrocław |
Olga Herz, geborene Breitbarth (1869–1942) | |
| HIER WOHNTE STEFFI HERZ GEB. 1928 GEFLÜCHTET 1939 NACH CHILE |
Plac Solny 4 Wrocław |
Steffi Herz (1928–) | |
| HIER WOHNTE WALTER HERZ GEB. 1898 GEFLÜCHTET 1939 NACH CHILE |
Plac Solny 4 Wrocław |
Walter Herz (1898–) | |
| HIER WOHNTE EDITH STEIN JG. 1891 AUSGELÖSCHT 9.8.1942 IN AUSCHWITZ |
ul. Nowowiejska 38 |
Edith Stein wurde als jüngstes von elf Kindern einer jüdisch-orthodoxen Familie am 12. Oktober 1891 in Breslau geboren. Ihr Vater, ein Kaufmann, verstarb bereits ein Jahr nach ihrer Geburt, ihre Mutter führte den Holzhandel weiter. Edith Stein studierte in Breslau, Göttingen und Freiburg i. Br. Psychologie, Philosophie, Geschichte und Germanistik und wollte schon damals der «Menschheit dienen».[2] Nach dem Doktorat war sie bis 1918 Assistentin ihres Doktorvaters, des Philosophen Edmund Husserl. Vier Versuche der Habilitation scheiterten am Faktum, dass sie eine Frau war. Im April 1933 erbat sie in einem Brief an Papst Pius XI., er möge öffentlich gegen die Judenverfolgung protestieren. Die Bitte blieb vier Jahre lang unerhört, erst 1937 wurde die Enzyklika Mit brennender Sorge veröffentlicht.
Am 14. Oktober 1933 trat Edith Stein als Postulantin dem Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen in Köln bei und nahm ein halbes Jahr später den Ordensnamen Teresia Benedicta a Cruce an. 1936 ließ sich auch Ediths ältere Schwester Rosa Stein (1883–1942) taufen, lebte danach als Gast im Kloster und arbeitete als Pförtnerin. Um ihr Stammhaus zu schützen, übersiedelte Edith Stein mit ihrer Schwester 1938 in den Karmel des Ordens im niederländischen Echt. Im Rahmen der Deportationen des Holocaust wurden auch die beiden Schwestern Stein am 2. August 1942 von der Gestapo verhaftet, in das Durchgangslager Westerbork verbracht, fünf Tage später in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und am 9. August 1942 in der Gaskammer ermordet.[3] Papst Johannes Paul II. sprach Edith Stein 1987 selig und 1998 heilig. Sie galt und gilt als Brückenbauerin zwischen Christen und Juden.[4] Es wurden sieben weitere Stolpersteine für Edith Stein verlegt, davon befinden sich drei in Köln, drei weitere in Freiburg im Breisgau und einer in Echt-Susteren in den Niederlanden. | |
| HIER WOHNTE ANITA TREITEL JG. 1920 DEPORTIERT ZUR ZWANGSARBEIT 16.11.1941 SELBSTMORD |
ul. Świdnicka 39 |
Anita Treitel wurde am 29. Januar 1920 als Tochter von Rose und Walter Treitel in Breslau geboren. Ihr Vater war Arzt. Sie hatte einen älteren Bruder, Wolfgang (1918–2013), der – wie der Vater – rechtzeitig in die Vereinigten Staaten emigrieren konnte. Ihr Onkel, Arnold Bernstein, versuchte sie und ihre Mutter in die USA zu holen, allerdings vergeblich. Anita Treitel musste in einem Lager Zwangsarbeit verrichten und nahm sich am 16. November 1941 das Leben. Ihre Mutter wurde im April 1942 vom NS-Regime deportiert und ermordet.[5] | |
| HIER WOHNTE ROSE BERNSTEIN TREITEL JG. 1891 1942 DEPORTIERT IN DAS GHETTO VON IZBICA ERMORDET 1942 |
ul. Świdnicka 39 |
Rose Treitel geb. Bernstein wurde am 10. Dezember 1891 in Breslau geboren. Am 23. Juli 1914 heiratete sie den Arzt Walter Treitel, das Paar hatte zwei Kinder: Wolfgang (geboren am 10. Juni 1918) und Anita (geboren am 29. Januar 1920). Ehemann und Sohn konnten sich 1938 bzw. 1939 durch Emigration in die Vereinigten Staaten retten und änderten dort ihren Familiennamen auf Tritell. Ihr Bruder Arnold Bernstein (1888–1971) versuchte vergeblich Rose und Anita Treitel in die USA zu retten.[6] Die Tochter nahm sich am 16. November 1941 das Leben. Rose Treitel wurde im April 1942 im Ghetto Izbica vom NS-Regime ermordet.
Rose Treitels Sohn heiratete Anita Sorkowitz (1922–1998) und hatte mit ihr zwei Kinder. Er starb hochbetagt im Jahr 2013.[7] | |
| HIER LEBTE FEDOR ZERNIK JG. 1883 DEPORTIERT 4.3.1943 NACH AUSCHWITZ ERMORDET |
Ul. General Romualda Traugutta 19/21 | Fedor Zernik (1883–1943/1945) | |
| HIER LEBTE HEDWIG ZERNIK GEB. TICHAUER JG. 1887 DEPORTIERT 4.3.1943 NACH AUSCHWITZ ERMORDET |
Ul. General Romualda Traugutta 19/21 | Hedwig Zernik, geborene Tichauer, (1887–1943/1945) | |
| HIER LEBTE KURT ZERNIK JG. 1911 DEPORTIERT 22.1.1943 NACH AUSCHWITZ ERMORDET |
Ul. General Romualda Traugutta 19/21 | Kurt Zernik (1911–1943/1945) | |
| HIER WOHNTE ALFRED ZOREK JG. 1884 1943 DEPORTIERT NACH AUSCHWITZ ERMORDET: 03.1943 |
ul. Jedności Narodowej 95 |
Alfred Zorek wurde 1884 in Wreschen als Sohn von Gustav und Rosalie Zorek geboren. Er hatte vier Geschwister, darunter die zwei Schwestern Martha und Gunda sowie der Bruder Rudolf. Er heiratete Frieda Freund, das Paar hatte zwei Kinder: Erna (geb. 1923) und Werner (geb. 1925). Die Familie wohnte in der Matthias-Straße 95 in Breslau. Während der Sohn 1939 mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit gebracht werden konnte, wurden Alfred Zorek, seine Frau und seine Tochter 1943 ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.
In Magdeburg wurden Stolpersteine für seinen Bruder Rudolf Zorek und dessen Frau Betty (geb. Grzebinasch) verlegt, die beide im Vernichtungslager Treblinka ermordet wurden.[8] | |
| HIER WOHNTE ERNA ZOREK JG. 1923 1943 DEPORTIERT NACH AUSCHWITZ ERMORDET: 03.1943 |
ul. Jedności Narodowej 95 |
Erna Zorek wurde 1923 in Breslau als Tochter von Alfred und Frieda Zorek geboren. Sie hatte einen Bruder, Werner, geb. 1925, der im Jahr 1939 mit einem Kindertransport nach England ging. Sie selbst wurde 1943 gemeinsam mit ihren Eltern ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.
Bereits am 23. September 2012 wurde ein Stolperstein für Erna Zorek in der Mozartstraße von Unna, vor dem St. Bonifatius Wohn- und Pflegeheim, verlegt. | |
| HIER WOHNTE FRIEDA FREUND ZOREK JG. 1885 1943 DEPORTIERT NACH AUSCHWITZ ERMORDET: 03.1943 |
ul. Jedności Narodowej 95 |
Frieda Zorek geb. Freund wurde am 29. März 1885 als Tochter von Emma und Selig Freund geboren. Sie hatte sechs Geschwister: Anna (1875), die Zwillinge Georg und Doris (1877), Rosa (1879), Gertrud (1880) und Sigmund. Mit ihrem Ehemann Alfred Zorek hatte sie zwei Kinder: Werner und Erna. Während der Sohn 1939 mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit gebracht werden konnte, wurden Frieda Zorek, ihr Mann und ihre Tochter 1943 ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet. | |
| HIER WOHNTE WERNER ZOREK JG. 1925 7.2.1939 KINDERTRANSPORT NACH GROSSBRITANNIEN |
ul. Jedności Narodowej 95 |
Werner Zorek wurde am 14. Oktober 1925 in Breslau als Sohn von Alfred und Frieda Zorek geboren. Er hatte eine Schwester, Erna. Am 7. Februar 1939 konnte er – 13-jährig – mit einem Kindertransport nach England in Sicherheit gebracht werden. Er wurde zuerst im Camp Dovercourt, später in Gloucester untergebracht. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, im Jahr 1947, emigrierte er mit Hilfe von Verwandten nach New York, nannte sich Warren Zorek, arbeitete als Manager im Kaufhaus Bloomingdale’s und ehrenamtlich für das American Red Cross. Er lernte Jane Krass kennen und heiratete sie. Das Paar hatte zwei Kinder, Jennifer (1958) und Michael (1960), und vier Enkelkinder. Warren Zorek verstarb am 22. Dezember 2006 im Alter von 81 Jahren in New York, wo er auch bestattet wurde.[9]
Vater, Mutter und Schwester wurden 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet. |
Zgorzelec
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Grenzstadt Zgorzelec, vormals östliche Stadtteile von Görlitz, wurden drei Stolpersteine an einer Adresse verlegt.
Verlegedaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 12. Oktober 2008: Wrocław (ul. Nowowiejska 38)
- 2. Februar 2016: Wrocław (ul. Jedności Narodowej 95, ul. Świdnicka 39)
- Februar 2019: Wrocław (Zielińskiego/Swobodna)
- 4. März 2020: Wrocław (ul. General Romualda Traugutta 19/21)
- 5. November 2021: Zgorzelec
- 9. September 2023: Kąty Wrocławskie
- 19. Februar 2024: Wrocław (Plac Solny 4)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer
- Stolpersteine.eu, offizielle Website des Stolperstein-Projekts von Gunter Demnig
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Deutsche Welle: Nowe kamienie pamięci we Wrocławiu, 21. Februar 2019
- ↑ Reiner Wimmer: Edith Stein. In: Vier jüdische Philosophinnen. Leipzig 1996, S. 228
- ↑ Lukas Mihr: Ad maiora mala vitanda – Das Beispiel der Niederlande ( des vom 24. September 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (abgerufen am 23. Juni 2013)
- ↑ Gedenkfeier für Edith Stein in Auschwitz-Birkenau. Patronin Europas und Frauenrechtlerin. Interview mit Stefan Dartmann, SJ, anlässlich der Predigt von Kardinal Meisner zum 70. Todestag Edith Steins im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Domradio, 8. September 2012.
- ↑ In re Holocaust Victim Assets Litigation Case No. CV96-4849 Certified Denial, abgerufen am 16. März 2016
- ↑ Lars U. Scholl: Bernstein, Arnold. In: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Band 5. Wallstein, Göttingen 2010, ISBN 978-3-8353-0640-0, S. 48–50.
- ↑ New York Times: Deaths TRITELL, ANITA (NEE SORKOWITZ), 19. August 1998
- ↑ Gegen das Vergessen: Wir erinnern an Ehepaar Zorek, abgerufen am 16. März 2016
- ↑ Story of Survival: Warren Zorek ( vom 12. März 2016 im Webarchiv archive.today), abgerufen am 16. März 2016