Zum Inhalt springen

Liste der Stolpersteine in der Woiwodschaft Podlachien

Geodaten zu dieser Seite vorhanden
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Stolperstein in Łomża

Die Liste der Stolpersteine in der Woiwodschaft Podlachien enthält die Stolpersteine in der Woiwodschaft Podlachien, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die während der Zeit des Nationalsozialismus auf dem Gebiet der Woiwodschaft ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt.

Stolpersteine werden im Regelfall vor dem letzten freigewählten Wohnort des Opfers verlegt. Die erste Verlegung in Polen erfolgte am 12. Oktober 2008 in Wrocław. In der Woiwodschaft Podlachien wurden die ersten Stolpersteine am 29. Juli 2018 in Łomża und Raczki verlegt.

Verlegte Stolpersteine

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Białystok wurden fünf Stolpersteine an einer Adresse verlegt.

Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben
HIER WOHNTE
DAWID PISAR
GEB. 1899
HINGERICHTET 1942
IN DER NÄHE VON BIAŁYSTOK
ul. Dąbrowskiego 20
Białystok
Dawid Pisar
(1899–1942)
HIER WOHNTE
FRIEDA PISAR
GEB. 1933
SCHICKSAL UNBEKANNT
ul. Dąbrowskiego 20
Białystok
Frieda Pisar
(1933–1942/45)
HIER WOHNTE
HELENA PISAR
GEB. 1902
UMS LEBEN GEKOMMEN 1943
WÄHREND EINES TRANSPORTS
ul. Dąbrowskiego 20
Białystok
Helena Pisar
(1902–1943)
HIER WOHNTE
FEIGL
SUCHOWOLSKA
GEB. 1863
ERMORDET 1942
IN TREBLINKA
ul. Dąbrowskiego 20
Białystok
Feigl Suchowolska
(1863–1942)
HIER WOHNTE
ABRAHAM 'MEMEL'
SUCHOWOLSKI
GEB. 1900
ERMORDET 1943
IN TREBLINKA
ul. Dąbrowskiego 20
Białystok
Abraham Suchowolski
(1900–1943)

Als einziges Familienmitglied konnte Samuel Pisar (1929–2015), Sohn von Dawid und Helena Pisar, den Holocaust überleben. Er emigrierte in die USA, wurde Rechtsanwalt, heiratete zweimal und bekam drei Töchter. Er schrieb seine Memoiren und wurde von Frankreich und dem Vereinigten Königreich mit hohen Auszeichnungen bedacht. er starb 2015. Bei der Verlegungszeremonie anwesend waren Judith Pisar, die Witwe nach Samuel Pisar, zwei seiner Kinder und drei seiner Enkelkinder sowie der Botschafter der USA in Polen, Mark Brzezinski und der Oberrabbiner Polens, Michael Joseph Schudrich. Es gab eine Videobotschaft von US-Außenminister Antony Blinken.[1] Organisiert wurde die Verlegung vom Projekt Białystok Remembers!.

In der kreisfreien Stadt Łomża wurden von Gunter Demnig zwei Stolpersteine verlegt.

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben
HIER LEBTE
ROSE
KABAKERIS KATZ
ERMORDET 1941
IM GHETTO VON SŁONIM
Długa 22 Rose Kabakeris Katz wurde geboren. Ihre Eltern waren Beryl Kabaker (geboren 1861) und dessen Frau Leah geb. Rhinestein oder Ramstein. Sie hatte drei Brüder, Nathan (1899–1941), Leon, auch Leibich (um 1903–1977), Julius (1906–1995) und zwei Schwestern, Luba und Sonya. Sie heiratete Jacob Katz. Das Paar hatte zumindest eine Tochter, Fay, geboren am 17. Dezember 1911. Diese heiratete den Arzt Irving Israel Berwald (siehe unten, unter Raczki). Tochter und Schwiegersohn konnten 1938 in die Vereinigten Staaten emigrieren und so die Shoah überleben. Sie hatten drei Kinder, sieben Enkelkinder und zumindest elf Urenkel. Fay Katz Bergwald starb im Alter von 102 Jahren in St. Louis.[2]

Rose Katz und ihr Ehemann wurden beide vom Nazi-Regime ermordet, die Frau 1941 im Ghetto Słonim, der Mann 1943 im Warschauer Ghetto. Auch der Vater von Rose Kabakeris Katz und ihr ältester Bruder wurden im Rahmen der Shoah ermordet.[3] Die jüngeren Brüder konnten in die Vereinigten Staaten auswandern und so überleben. Das Schicksal der Mutter und der beiden Schwestern ist unbekannt.

HIER LEBTE
JACOB KATZ
JG. 1883
ERMORDET 1943
IM GHETTO VON WARSCHAU
Długa 22 Jacob Katz wurde 1883 geboren. Über ihn ist nur wenig bekannt. Er heiratete Rose geborene Kabakeris (siehe oben). Das Paar hatte eine Tochter, Fay, geboren 1911. Während die Tochter im Exil in den Vereinigten Staaten gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren Kindern überleben konnte, wurden die Eltern beide vom Nazi-Regime ermordet, Rose 1941 im Ghetto Słonim, Jacob 1943 im Warschauer Ghetto.[4]

In der podlachischen Gemeinde Raczki verlegte Gunter Demnig fünf Stolpersteine für Mitglieder der Familie Berwald. Die Initiative für die Verlegungen in Łomża und Raczki ging von Bruce Berwald aus, einem Nachfahren von Israel Berwald.

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben
HIER LEBTE
FANIA STREYEW
BERWALD
ERMORDET 1941
IM GHETTO VON SLONIM
Plac Kościuszki Fania Streyew Berwald, geborene Streyew, war verheiratet mit Mordocheusz Berwald. Das Paar hatte zumindest zwei Söhne, Joshua und Pawel. Die Familie Berwald betrieb ein Geschäft in Raczki. Fania Streyew Berwald wurde deportiert und 1941 im Ghetto Słonim ermordet.
HIER LEBTE
ISAAC
BERWALD
ERMORDET 1941
IM GHETTO VON SLONIM
Plac Kościuszki Isaac Berwald
HIER LEBTE
ISRAEL
BERWALD
GEBOREN 1911
EMIGRIERTE 1938
IN DIE VEREINIGTEN STAATEN
Plac Kościuszki Irving Israel Berwald wurde 1911 geboren. Er ging auf das Gymnasium in Suwałki und besuchte Schulen in Grodno und Vilnius. Er studierte Medizin in Frankreich und der Schweiz und heiratete im Jahr 1933 die ebenfalls 1911 geborene Fay geb. Katz, die Tochter von Jacob und Rose Katz (beide siehe oben unter Łomża). Nach der Hochzeit verbrachte das Paar Zeit in Italien. Dort beschloss er 1936 an der Universität Genua sein Medizinstudium. Danach lebte das Paar in Łomża und Vilnius. Israel musste verschiedene Jobs annehmen, ehe ihm als Jude erlaubt wurde als Arzt zu arbeiten. Fallweise besuchte er seine Eltern in Raczki. Nachdem es in Polen im Januar 1937 zu antisemitischen Ausschreitungen gekommen war, beschloss das junge Ehepaar zu emigrieren. Bereits 1938 konnten Irving und Fay Berwald in die Vereinigten Staaten einwandern (und so die Shoah überleben). Sie hatten drei Kinder, sieben Enkelkinder und zumindest elf Urenkel. Eines ihrer Kinder wurde David genannt. Irving Israel starb 2002 im Alter von 90 Jahren in St. Louis, Fay Katz Berwald mit 102 Jahren ebendort.[5][2][6][7]
HIER LEBTE
JOSHUA (ZEYDEL)
BERWALD
ERMORDET 1941
IM GHETTO VON SLONIM
Plac Kościuszki Joshua Berwald
HIER LEBTE
MINA
BERWALD
ERMORDET 1941
IM GHETTO VON SLONIM
Plac Kościuszki Mina Berwald
Commons: Stolpersteine in der Woiwodschaft Podlachien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Stolpersteine in Łomża – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Stolpersteine in Raczki – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer
  • Stolpersteine.eu, offizielle Website des Stolperstein-Projekts von Gunter Demnig

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. U.S, Mission Germany: Videobotschaft von US-Außenminister Antony J. Blinken, 21. August 2023
  2. a b legacy.com: Fay Katz Berwald, Obituary, abgerufen am 9. August 2018
  3. The Central Database of Shoah Victims’ Names: Natan Kabaker, abgerufen am 30. Juli 2018
  4. Hashimg: Photos and Videos about #demnig, abgerufen am 6. September 2018, mit einem Bild des Paares
  5. Obituaries of Miscellaneous Physicians - 2002, abgerufen am 3. September 2018
  6. FirstHandHistory: David Berwald: In His Own Words, abgerufen am 26. August 2018
  7. Marcin Halicki: Pamiętnik z Raczek – 1996, abgerufen am 26. August 2018