Liste der Stolpersteine in der Woiwodschaft Podlachien

Die Liste der Stolpersteine in der Woiwodschaft Podlachien enthält die Stolpersteine in der Woiwodschaft Podlachien, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die während der Zeit des Nationalsozialismus auf dem Gebiet der Woiwodschaft ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt.
Stolpersteine werden im Regelfall vor dem letzten freigewählten Wohnort des Opfers verlegt. Die erste Verlegung in Polen erfolgte am 12. Oktober 2008 in Wrocław. In der Woiwodschaft Podlachien wurden die ersten Stolpersteine am 29. Juli 2018 in Łomża und Raczki verlegt.
Verlegte Stolpersteine
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Białystok
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Białystok wurden fünf Stolpersteine an einer Adresse verlegt.
| Stolperstein | Inschrift | Verlegeort | Name, Leben |
|---|---|---|---|
| HIER WOHNTE DAWID PISAR GEB. 1899 HINGERICHTET 1942 IN DER NÄHE VON BIAŁYSTOK |
ul. Dąbrowskiego 20 Białystok |
Dawid Pisar (1899–1942) | |
| HIER WOHNTE FRIEDA PISAR GEB. 1933 SCHICKSAL UNBEKANNT |
ul. Dąbrowskiego 20 Białystok |
Frieda Pisar (1933–1942/45) | |
| HIER WOHNTE HELENA PISAR GEB. 1902 UMS LEBEN GEKOMMEN 1943 WÄHREND EINES TRANSPORTS |
ul. Dąbrowskiego 20 Białystok |
Helena Pisar (1902–1943) | |
| HIER WOHNTE FEIGL SUCHOWOLSKA GEB. 1863 ERMORDET 1942 IN TREBLINKA |
ul. Dąbrowskiego 20 Białystok |
Feigl Suchowolska (1863–1942) | |
| HIER WOHNTE ABRAHAM 'MEMEL' SUCHOWOLSKI GEB. 1900 ERMORDET 1943 IN TREBLINKA |
ul. Dąbrowskiego 20 Białystok |
Abraham Suchowolski (1900–1943) |
Als einziges Familienmitglied konnte Samuel Pisar (1929–2015), Sohn von Dawid und Helena Pisar, den Holocaust überleben. Er emigrierte in die USA, wurde Rechtsanwalt, heiratete zweimal und bekam drei Töchter. Er schrieb seine Memoiren und wurde von Frankreich und dem Vereinigten Königreich mit hohen Auszeichnungen bedacht. er starb 2015. Bei der Verlegungszeremonie anwesend waren Judith Pisar, die Witwe nach Samuel Pisar, zwei seiner Kinder und drei seiner Enkelkinder sowie der Botschafter der USA in Polen, Mark Brzezinski und der Oberrabbiner Polens, Michael Joseph Schudrich. Es gab eine Videobotschaft von US-Außenminister Antony Blinken.[1] Organisiert wurde die Verlegung vom Projekt Białystok Remembers!.
Łomża
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der kreisfreien Stadt Łomża wurden von Gunter Demnig zwei Stolpersteine verlegt.
| Stolperstein | Übersetzung | Verlegeort | Name, Leben |
|---|---|---|---|
| HIER LEBTE ROSE KABAKERIS KATZ ERMORDET 1941 IM GHETTO VON SŁONIM |
Długa 22 | Rose Kabakeris Katz wurde geboren. Ihre Eltern waren Beryl Kabaker (geboren 1861) und dessen Frau Leah geb. Rhinestein oder Ramstein. Sie hatte drei Brüder, Nathan (1899–1941), Leon, auch Leibich (um 1903–1977), Julius (1906–1995) und zwei Schwestern, Luba und Sonya. Sie heiratete Jacob Katz. Das Paar hatte zumindest eine Tochter, Fay, geboren am 17. Dezember 1911. Diese heiratete den Arzt Irving Israel Berwald (siehe unten, unter Raczki). Tochter und Schwiegersohn konnten 1938 in die Vereinigten Staaten emigrieren und so die Shoah überleben. Sie hatten drei Kinder, sieben Enkelkinder und zumindest elf Urenkel. Fay Katz Bergwald starb im Alter von 102 Jahren in St. Louis.[2]
Rose Katz und ihr Ehemann wurden beide vom Nazi-Regime ermordet, die Frau 1941 im Ghetto Słonim, der Mann 1943 im Warschauer Ghetto. Auch der Vater von Rose Kabakeris Katz und ihr ältester Bruder wurden im Rahmen der Shoah ermordet.[3] Die jüngeren Brüder konnten in die Vereinigten Staaten auswandern und so überleben. Das Schicksal der Mutter und der beiden Schwestern ist unbekannt. | |
| HIER LEBTE JACOB KATZ JG. 1883 ERMORDET 1943 IM GHETTO VON WARSCHAU |
Długa 22 | Jacob Katz wurde 1883 geboren. Über ihn ist nur wenig bekannt. Er heiratete Rose geborene Kabakeris (siehe oben). Das Paar hatte eine Tochter, Fay, geboren 1911. Während die Tochter im Exil in den Vereinigten Staaten gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren Kindern überleben konnte, wurden die Eltern beide vom Nazi-Regime ermordet, Rose 1941 im Ghetto Słonim, Jacob 1943 im Warschauer Ghetto.[4] |
Raczki
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der podlachischen Gemeinde Raczki verlegte Gunter Demnig fünf Stolpersteine für Mitglieder der Familie Berwald. Die Initiative für die Verlegungen in Łomża und Raczki ging von Bruce Berwald aus, einem Nachfahren von Israel Berwald.
| Stolperstein | Übersetzung | Verlegeort | Name, Leben |
|---|---|---|---|
| HIER LEBTE FANIA STREYEW BERWALD ERMORDET 1941 IM GHETTO VON SLONIM |
Plac Kościuszki | Fania Streyew Berwald, geborene Streyew, war verheiratet mit Mordocheusz Berwald. Das Paar hatte zumindest zwei Söhne, Joshua und Pawel. Die Familie Berwald betrieb ein Geschäft in Raczki. Fania Streyew Berwald wurde deportiert und 1941 im Ghetto Słonim ermordet. | |
| HIER LEBTE ISAAC BERWALD ERMORDET 1941 IM GHETTO VON SLONIM |
Plac Kościuszki | Isaac Berwald | |
| HIER LEBTE ISRAEL BERWALD GEBOREN 1911 EMIGRIERTE 1938 IN DIE VEREINIGTEN STAATEN |
Plac Kościuszki | Irving Israel Berwald wurde 1911 geboren. Er ging auf das Gymnasium in Suwałki und besuchte Schulen in Grodno und Vilnius. Er studierte Medizin in Frankreich und der Schweiz und heiratete im Jahr 1933 die ebenfalls 1911 geborene Fay geb. Katz, die Tochter von Jacob und Rose Katz (beide siehe oben unter Łomża). Nach der Hochzeit verbrachte das Paar Zeit in Italien. Dort beschloss er 1936 an der Universität Genua sein Medizinstudium. Danach lebte das Paar in Łomża und Vilnius. Israel musste verschiedene Jobs annehmen, ehe ihm als Jude erlaubt wurde als Arzt zu arbeiten. Fallweise besuchte er seine Eltern in Raczki. Nachdem es in Polen im Januar 1937 zu antisemitischen Ausschreitungen gekommen war, beschloss das junge Ehepaar zu emigrieren. Bereits 1938 konnten Irving und Fay Berwald in die Vereinigten Staaten einwandern (und so die Shoah überleben). Sie hatten drei Kinder, sieben Enkelkinder und zumindest elf Urenkel. Eines ihrer Kinder wurde David genannt. Irving Israel starb 2002 im Alter von 90 Jahren in St. Louis, Fay Katz Berwald mit 102 Jahren ebendort.[5][2][6][7] | |
| HIER LEBTE JOSHUA (ZEYDEL) BERWALD ERMORDET 1941 IM GHETTO VON SLONIM |
Plac Kościuszki | Joshua Berwald | |
| HIER LEBTE MINA BERWALD ERMORDET 1941 IM GHETTO VON SLONIM |
Plac Kościuszki | Mina Berwald |
Verlegedaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer
- Stolpersteine.eu, offizielle Website des Stolperstein-Projekts von Gunter Demnig
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ U.S, Mission Germany: Videobotschaft von US-Außenminister Antony J. Blinken, 21. August 2023
- ↑ a b legacy.com: Fay Katz Berwald, Obituary, abgerufen am 9. August 2018
- ↑ The Central Database of Shoah Victims’ Names: Natan Kabaker, abgerufen am 30. Juli 2018
- ↑ Hashimg: Photos and Videos about #demnig, abgerufen am 6. September 2018, mit einem Bild des Paares
- ↑ Obituaries of Miscellaneous Physicians - 2002, abgerufen am 3. September 2018
- ↑ FirstHandHistory: David Berwald: In His Own Words, abgerufen am 26. August 2018
- ↑ Marcin Halicki: Pamiętnik z Raczek – 1996, abgerufen am 26. August 2018