Liste der raumfahrenden Staaten

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Staaten, die über eigene, raumfahrttaugliche Trägerraketen verfügen oder daran forschen

Als Raumfahrtnation oder raumfahrenden Staat bezeichnet man ein Land, das in der Lage ist, mit eigenen Trägerraketen eigene Satelliten in den Weltraum zu befördern. Zusätzlich werden hier Länder aufgeführt, die an Projekten eigener Trägerraketen arbeiten, jedoch bisher nicht erfolgreich waren (z. B. Brasilien).

Argentinien[Bearbeiten]

Die argentinische Weltraumbehörde CONAE entwickelt derzeit die zweistufige Trägerrakete Tronador 2. Sie soll einen Satelliten von 250 kg in die Erdumlaufbahn befördern können.[1]

Brasilien[Bearbeiten]

Auch Brasilien versucht im Weltraum Fuß zu fassen, bisher jedoch mit wenig Glück. 1997 stürzte die erste brasilianische Trägerrakete VLS-1 kurz nach dem Start in den Atlantik. 1999 musste eine Rakete kurz nach dem Abschuss zerstört werden und am 23. August 2003 forderte eine Explosion der Rakete VLS-1 auf dem Stützpunkt Alcântara im Bundesstaat Maranhão 21 Menschenleben.

China[Bearbeiten]

Seit längerem fördert die Volksrepublik China die Raumfahrt in verstärktem Maße. Am 15. Oktober 2003 hat es den ersten Taikonauten mit einem Shenzhou-Raumschiff in die Erdumlaufbahn geschickt. Neben Russland und den USA ist China somit als drittes Land in der Lage, bemannte Raumflüge durchzuführen. Der Schwerpunkt des Landes liegt momentan auf der weiteren Entwicklung des Shenzhou-Programms. Geplant sind auch eine eigene Raumstation, eine unbemannte Mondlandemission bis zum Jahr 2016 und eine bemannte Landemission bis zum Jahr 2024. Der erste Start einer unbemannten Mondsonde mit dem Namen Chang’e-1 fand am 24. Oktober 2007 statt.

Europäische Staaten im Verbund der ESA[Bearbeiten]

Siehe auch: ESA

Europa hat mit der Ariane-Rakete eine marktbeherrschende Stellung beim Transport von kommerziellen Satelliten in den Weltraum eingenommen, nachdem zuvor in den 1960er und 1970er Jahren die Entwicklung einer eigenen Trägerrakete Europa erfolglos blieb. Allerdings brachten in den 1960er und 1970er Jahren mehrere französische Raketen vom Typ Diamant und 1971 eine britische Rakete des Typs Black Arrow erfolgreich Satelliten in eine Erdumlaufbahn. Nachdem die ESA in den 1980er Jahren sehr eng mit den USA zusammenarbeitete, beispielsweise mit dem Spacelab-Projekt, ergaben sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs auch andere Kooperationsmöglichkeiten. Erste Schritte wurden durch den Besuch von europäischen Astronauten auf der Raumstation Mir vollzogen. Am Bau und Betrieb der Internationalen Raumstation (ISS) nimmt Europa mit eigens dafür entwickelten Elementen teil. Das Columbus-Modul ist ein Wissenschaftslabor, das am 11. Februar 2008 an der ISS montiert wurde. Das Automated Transfer Vehicle (ATV), ein komplett autonomer unbemannter Raumtransporter, wird mit der Ariane 5 gestartet und dockt selbstständig an der ISS an. Seine Hauptaufgabe ist der Transport von Treibstoffen, Wasser, Experimenten und anderer Versorgungsgüter zur ISS. Bei der anschließenden Müllentsorgung verglüht das ATV beladen mit Müll aus der ISS in der Erdatmosphäre.

Indien[Bearbeiten]

Auch Indien verstärkt seine Raumfahrtaktivitäten und kann bereits auf mehrere im eigenen Land gebaute Satelliten und Trägerraketen (ASLV, PSLV, GSLV) verweisen. Den ersten erfolgreichen Satellitenstart führte Indien am 18. Juli 1980 aus, die erste Mondsonde Chandrayaan-1 wurde am 22. Oktober 2008 auf den Weg gebracht. Triebfeder der Entwicklung war der ehemalige Staatspräsident A. P. J. Abdul Kalam, der früher für die Entwicklung des Raketen- und Raumfahrtprogramms des Landes zuständig war und neben Vikram Sarabhai als Vater der indischen Raumfahrt gilt. Langfristig verfolgt die indische Raumfahrtbehörde das Ziel eines bemannten Raumflugs.

Iran[Bearbeiten]

Am 2. Februar 2009 ist es dem Iran zum ersten Mal gelungen, einen Satelliten (Omid) ins Weltall zu befördern. Der Satellit umrundete iranischen Angaben zufolge 15 Mal täglich die Erde und nahm nicht näher spezifizierte Messungen vor.[2]

Israel[Bearbeiten]

Israel hat 1988 den ersten erfolgreichen Start seiner Trägerrakete Shavit durchgeführt. Seitdem erfolgten weitere Starts, meist mit mehreren Jahren Abstand. Die Nutzlast bestand aus militärischen Satelliten vom Typ Ofeq. Die Starts vom Startplatz Palmachim erfolgen ungewöhnlicherweise in westlicher Richtung, um in der Startphase nicht die östlichen Nachbarländer überfliegen zu müssen.

Japan[Bearbeiten]

In Japan werden ebenfalls eigene Trägerraketen, Satelliten und Raumsonden entwickelt. Daneben beteiligt sich Japan mit dem Kibō-Modul auch an der Internationalen Raumstation. Die sehr visionär ausgerichtete Weltraumpolitik konnte aber bisher nicht vollständig in die Praxis umgesetzt werden. Immer wieder führten Rückschläge und Finanzprobleme zu Verzögerungen, obwohl die Bevölkerung im Gegensatz zu den Europäern den Projekten aufgeschlossener gegenübersteht.

Nordkorea[Bearbeiten]

Das Raumfahrtprogramm von Nordkorea stützt sich auf die Interkontinentalrakete Taepodong-2 und steht somit in Spannung zur Resolution 1718 des UN-Sicherheitsrates von 2006, die Nordkorea den Start von ballistischen Raketen untersagt. Nordkorea beruft sich jedoch auf das Recht der Weltraumerforschung gemäß dem Weltraumvertrag.

Ein Start dieser Rakete fand am 5. April 2009 statt. Nordkorea behauptet, der Satellit Kwangmyŏngsŏng-2 habe die Umlaufbahn planmäßig erreicht, doch US-Radarstationen, die den Start verfolgten, meldeten, dass die Rakete die Umlaufbahn nicht erreicht habe und in den Pazifischen Ozean gestürzt sei.[3] Erfolgreich war dagegen ein Start am 12. Dezember 2012, bei dem ein Satellit in eine Erdumlaufbahn gebracht wurde.[4]

Sowjetunion und Russland[Bearbeiten]

Siehe auch: Roskosmos

Der sowjetischen Raumfahrt gelangen Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre viele Erstleistungen, vor allem der Start des ersten künstlichen Satelliten (Sputnik 1, 1957) und der erste bemannte Raumflug (Wostok 1, 1961). Das sowjetische bemannte Mondprogramm scheiterte jedoch, und nach der US-amerikanischen Mondlandung konzentrierte sich die sowjetische Raumfahrt auf Raumstationen in der Erdumlaufbahn und auf Langzeitflüge. Mit Buran sollte ein eigener Raumgleiter entwickelt werden, das Programm wurde aber nach nur einem unbemannten Testflug eingestellt.

Auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gehört Russland zu den führenden Raumfahrtnationen. Zur Besatzung der Internationalen Raumstation gehört immer mindestens ein russischer Raumfahrer, und die Sojus-Raumschiffe sind unverzichtbarer Teil des Betriebs, ebenso wie die unbemannten Progress-Transporter.

Auch in der unbemannten Raumfahrt spielt Russland eine starke bis führende Rolle. Nach wie vor werden die meisten Satellitenstarts mit russischen Raketen durchgeführt, vor allem mit den Typen Sojus und Proton.

Südkorea[Bearbeiten]

Seit 2002 plante Südkorea auf der Basis der eigenständig entwickelten Höhenforschungsrakete KSR eine eigene Trägerrakete mit der Bezeichnung „KSLV-I“ zu bauen, um kleine bis zu 100 Kilogramm wiegende Satelliten in den Weltraum transportieren zu können. Doch schon bald entschied die südkoreanische Regierung, dass Südkorea bis 2015 zu den zehn führenden Raumfahrtnationen gehören soll. Um die ehrgeizigen Pläne zu verwirklichen, war das ursprüngliche KSLV-Programm zu limitiert. Daraufhin wurde Ende 2004 russischen Raumfahrtunternehmen GKNPZ Chrunitschew mit der Entwicklung der ersten Stufe des KSLV-I beauftragt, die nun auf der weitaus größeren Angara basieren soll. Südkorea will die Entwicklung weiterführen, um dann die stärkeren Nachfolgemodelle „KSLV-2“ und „KSLV-3“ zu bauen.

Nach zwei Fehlstarts 2009 und 2010 glückte der dritte Start der KSLV-1 vom Naro Space Center am 30. Januar 2013. Da der Satellit STSAT-2C planmäßig die Erdumlaufbahn erreichte, gehört Südkorea somit auch zu den raumfahrenden Staaten.

USA[Bearbeiten]

Siehe auch: NASA

Die Geschichte der Raumfahrt in den USA begann unter dem Druck des Wettlaufs ins All offiziell mit dem am 29. Juli 1958 von Präsident Eisenhower unterzeichneten „National Aeronautics and Space Act“, der die Schaffung der NASA vorsah. Die neue Behörde nahm am 1. Oktober 1958 ihre Arbeit auf. Damals bestand sie aus vier Laboratorien und rund 8000 Mitarbeitern, die aus dem schon 43 Jahre alten National Advisory Committee for Aeronautics (NACA) stammten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Un lanzador de satélites se ensamblará en Punta Indio. Hrsg.: El Argentino, 26. September 2011, abgerufen am 10. Oktober 2011 (spanisch).
  2. Erster Satellit des Iran im All. Hrsg.: Der Standard, 3. Februar 2009, abgerufen am 11. Januar 2013.
  3. NORAD and USNORTHCOM monitor North Korean launch. Hrsg.: United States Northern Command, 5. April 2009, abgerufen am 6. Januar 2011 (englisch).
  4. Nordkoreanische Rakete bringt «Objekt» ins All. Hrsg.: Basler Zeitung, 12. Dezember 2012, abgerufen am 12. Dezember 2012.