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Liste geflügelter Worte/G

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Diese Liste enthält vollständige Sätze, die gegenwärtig allgemein gebräuchlich sind und ein historisches Zitat als Vorlage haben (keine Sprichwörter und Redewendungen!).

Gäbe es Gott nicht, so müsste man ihn erfinden.

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Dieses Zitat stammt aus der Epistel an den Verfasser des Buches von den drei Betrügern des französischen Philosophen Voltaire und lautet im Original:

« Si Dieu n’existait pas, il faudrait l’inventer. »

Erna Friedlaender schrieb in der Wochenzeitung Die Zeit zu diesem Zitat:[1]

„Das Wort Voltaires: ‚Gäbe es keinen Gott, so müßte man ihn erfinden‘ verletzt jeden Menschen, für den die Existenz Gottes niemals zweifelhaft gewesen ist.“

Der britische Zoologe Richard Dawkins meinte in einem Interview zum gleichen Thema:[2]

„Vielleicht hat er recht. Es scheint tatsächlich so, als kämen viele Menschen ohne Gott nicht aus. Die spannende Frage aber lautet, ob wir wirklich alle einen Gott brauchen. Ich glaube, nicht.“

Die biblische Erkenntnis nur „Gast auf Erden“ und damit sterblich zu sein, geht auf Psalm 119 Vers 19 (EU) zurück, in dem es heißt:

„Ich bin nur Gast auf Erden.“

Der Dichter und Pfarrer Paul Gerhardt nahm diese Worte als Anfang eines Kirchenliedes:

Ich bin ein Gast auf Erden
Und hab hier keinen Stand,
Der Himmel soll mir werden,
Da ist mein Vaterland.

Auch Goethe griff dieses Bild in seinem Gedicht Selige Sehnsucht auf:

Und solang du das nicht hast
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

Georg Thurmair dichtete 1935:

Wir sind nur Gast auf Erden
und wandern ohne Ruh
mit mancherlei Beschwerden
der ewigen Heimat zu.

Geben ist seliger denn Nehmen.

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Dieser Spruch geht auf die Apostelgeschichte (Apg 20,35 LUT) zurück, wo Paulus von Tarsus ihn als Jesu Wort an die Ältesten der Gemeinde von Ephesus weitergibt:

35 Ich habe es euch alles gezeigt, daß man also arbeiten müsse und die Schwachen aufnehmen und gedenken an das Wort des HERRN Jesus, daß er gesagt hat: ‚Geben ist seliger denn Nehmen!‘“[3]

Dieses Bibelzitat wird häufig zitiert und umgeformt:

Papst Johannes XXIII.
„Gebt, und es wird euch gegeben werden. Wer großherzig ist, wird immer Segen empfangen.“
Mutter Teresa
„Je mehr du gibst, desto mehr empfängst du. Und: Wer mit Freuden gibt, gibt am meisten.“

Scherzhaft gilt das Bibelzitat als Wahlspruch der Boxer.

Geben Sie Gedankenfreiheit!

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Das Zitat „Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire!“ stammt aus Schillers Drama Don Carlos, wo der Malteserritter Marquis von Posa die Forderung nach Gedankenfreiheit gegenüber dem spanischen König Philipp II. ausspricht:[4]

Ein Federzug von dieser Hand, und neu
Erschaffen wird die Erde. Geben Sie
Gedankenfreiheit.

In dem Vier-Augen-Gespräch zwischen dem Marquis von Posa und König Philipp sind wohl Schillers eigene Überzeugungen zu einigen politischen Fragen enthalten. Der König schöpft sofort Verdacht, der Marquis sei ein „Protestant“, was dieser aber zurückweist. Er sei ein „Bürger derer, welche kommen werden“, also eigentlich eine Gestalt des späten 18. Jahrhunderts, Schillers Gegenwart. Mit der Demokratie oder einer bürgerlichen Revolution habe er nichts im Sinn. Er träumt von einer Zeit, in der „Bürgerglück […] dann versöhnt mit Fürstengröße wandeln“ werde. „Von Millionen Königen ein König“ solle Philipp werden. Dazu müsse er nur seinen Untertanen „Gedankenfreiheit“ geben.

Als dieses Stück während der Zeit des „Dritten Reichs“ 1937 im Berliner Deutschen Theater gespielt wurde und der Schauspieler Ewald Balser als Marquis Posa auf die Knie fiel und rief: „Geben Sie Gedankenfreiheit!“, erntete er riesigen Beifall, der vier oder fünf Minuten lang anhielt. Dies wurde von vielen als Demonstration gegen das Dritte Reich betrachtet. Aber Joseph Goebbels und der oberste Theaterpolitiker Rainer Schlösser fragten:[5]

„Was ist denn los? Als der ‚Don Carlos‘ uraufgeführt wurde, hat man auch an dieser Stelle geklatscht. Was stört uns das, wenn die Leute immer an dieser Stelle klatschen? Weiterspielen lassen!“

Das Stück wurde daraufhin noch 39 Mal in Berlin aufgeführt und nicht, wie oft kolportiert wurde, gleich vom Spielplan abgesetzt.

Gedanken sind zollfrei.

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Das bereits von Martin Luther in seiner Schrift Von weltlicher Obrigkeit aufgeführte Sprichwort geht auf den römischen Juristen Domitius Ulpianus zurück, in dessen Digesten des Corpus Juris Civilis es heißt:[6]

“Cogitationis poenam nemo patitur.”

„Für seine Gedanken wird niemand bestraft.“

Im Römischen Recht selbst (und auch für die Juristen des Mittelalters, die sich mit der Ulpian-Stelle befassten) bestand allerdings keine Verbindung mit der Idee einer Gedankenfreiheit: Die Funktion dieses Fragments aus den Digesten beschränkte sich auf die strafrechtliche Versuchslehre und gab insbesondere Anlass, zwischen cogitare (Denken), agere (Handeln) und perficere (Vollenden) zu differenzieren.[7]

Gefährlich ist’s den Leu zu wecken.

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Friedrich Schiller thematisiert in seinem Lied von der Glocke die Französische Revolution von 1789 und kritisiert die unmenschlichen jakobinischen Exzesse,

Gefährlich ists den Leu zu wecken,
Verderblich ist des Tigers Zahn,
Jedoch der schrecklichste der Schrecken
Das ist der Mensch in seinem Wahn.

„Leu“ ist ein altes Wort für Löwe.

Schillers bekannter Satz wird oft parodiert wie zum Beispiel folgendermaßen:

„Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken, den Kopf in seinen Mund zu stecken.“

Oder:[8]

„Gefährlich ist’s den Leu zu wecken,
gefährlicher der Zahn der Zeit.“

Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Lob ist man machtlos.

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So zitierte Bundespräsident Johannes Rau in seiner Rede beim 52. Hochschulverbandstag in Koblenz am 8. April 2002[9] den Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud. Allerdings hatte dieser sich in seinem Brief an Marie Bonaparte vom 10. Mai 1926 ein wenig anders ausgedrückt:

„wenn mich jemand beschimpft, kann ich mich verteidigen; wenn mich aber jemand lobt, bin ich wehrlos.“[10]

Gegen Demokraten helfen nur Soldaten!

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„Gegen Demokraten helfen nur Soldaten“ sind die Schlussworte des Spottgedichts Die fünfte Zunft aus dem Revolutionsjahr 1848, das vollständig in dem Artikel über seinen Autor Wilhelm von Merckel wiedergegeben ist.

Geh aus mein Herz und suche Freud!

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Melodie und dreistimmiger Satz im Sonntagschulbuch für Evangelisch-Lutherische Gemeinden, Philadelphia 1876

Dies ist der Anfang des bald zum Volkslied gewordenen Sommergesangs des evangelischen Theologen und Kirchenlieddichters Paul Gerhardt:[11]

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
In dieser schönen Sommerzeit
An deines Gottes Gaben.
Schau an der schönen Gärten Zier
Und siehe, wie sie mir und dir
Sich ausgeschmücket haben.

Das Lied blieb auf den evangelischen Bereich beschränkt – obwohl es hierfür keinen theologischen Grund gibt. Freilich wird es mittlerweile auch von Katholiken gesungen, besonders bei Trauungen, die im Sommer stattfinden.[12]

Gehe nie zu deinem Ferscht, wenn du nicht gerufen werscht.

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Dieser Vers stand 1898 in einem Supplement zum Berliner Tageblatt, dem Illustrierten Wochenblatt für Humor und Satire:

„Gehe nicht zu einem Ferscht,
Wenn du nicht gerufen werscht.“

„Gehe nie zu deinem Fürst, wenn du nicht gerufen wirst.“

Der Satz wird auch heute noch als Mahnung zitiert, die Nähe des Vorgesetzten lieber zu meiden.

Geh’n Sie mit der Konjunktur!

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Mit dieser Aufforderung beginnt der Refrain des Konjunktur-Cha-Cha, der 1961 in Deutschland zur Zeit des Wirtschaftswunders in einer Aufnahme des Hazy-Osterwald-Sextetts als Schallplatte herauskam. Komponist war der französische Musiker Paul Durand (1907–1977); den Text schrieb Kurt Feltz.[13]

Geh’n Sie mit der Konjunktur (geh’n Se mit, geh’n Se mit!),
geh’n Sie mit auf diese Tour (geh’n Se mit, geh’n Se mit!),
nehm’n Sie sich
Ihr Teil, sonst schäm’n Sie sich,
und später geh’n Sie nich'
zum großen Festbankett.

Geld,
das ist auf dieser Welt
der einz’ge Kitt, der hält,
wenn man davon genügend hat.

Saturn-Logo mit Slogan

Geiz ist geil war ein Werbeslogan der Elektronikhandelskette Saturn in Deutschland und Österreich. Er wurde 2003 im Rahmen einer Werbekampagne in Printmedien, im Rundfunk und im Fernsehen eingesetzt. Geschaffen wurde der Slogan von Constantin Kaloff von der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt. Die Melodie des Werbesongs basiert auf dem Nummer-1-Hit Geil des britischen Popduos Bruce & Bongo aus dem Jahr 1986. Dieser beginnt mit den folgenden Worten:[14]

The discjockey’s geil g-g-g-g-geil the discjockey’s geil g-g-g-g-geil
I said the discjockey’s geil g-g-geil g-g-geil
everybody’s geil g-g-g-g-geil everybody’s geil g-g-g-g-geil
I said everybody’s geil g-g-geil g-g-geil

Obwohl die Werbung in Deutschland selbst nicht als ausgesprochen originell wahrgenommen wurde, erzielte sie große Aufmerksamkeit. Der Slogan wurde im Jahr 2004 zum Gegenstand öffentlicher Diskussion, da er einen Teil des deutschen Zeitgeistes widerspiegelte.<!- Nachweise für diese Angabe wären fein! --> Die Kampagne wurde in Deutschland im Oktober 2007 beendet; in Österreich wird der Slogan weiterhin verwendet.[15]

Geld regiert die Welt.

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Diese sprichwörtliche Redensart findet sich bereits in Georg Henischs 1616 gedrucktem Wörterbuch Teütsche Sprach und Weißheit und in ähnlicher Form in der Oper Margarete von Charles Gounod, wo es im Rondo vom goldenen Kalb heißt:[16]

Ja, das Gold regiert die Welt.
Sie baut Throne,
Gott zum Hohne,
der Macht, die sie gefesselt hält.

Geld schießt keine Tore.

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Mit diesen Worten übte der Fußballtrainer Otto Rehhagel Kritik an dem geplanten Transfer des Spielers Ciriaco Sforza:[17]

„Auch nachdem bekannt wurde, daß der italienische Erstligaklub bis zu 20 Millionen Mark für den Schweizer Nationalspieler bieten will, lehnte Otto Rehhagel kategorisch ab und sagte: ‚Geld schießt keine Tore. Sforza ist unser bester Spieler. Wenn am Ende der Saison einer sagt, er kann in Mailand auf seiner Lieblingsposition spielen, dann gratuliere ich ihm. Aber jetzt geht keiner.‘“

Geld stinkt nicht.

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„Geld stinkt nicht“ (Pecunia non olet) ist der bekannte Ausspruch des Kaisers Vespasian, als ihn sein Sohn Titus wegen einer auf Bedürfnisanstalten gelegten Steuer getadelt hatte.

Die Redewendung hat sich bis heute gehalten, um den Besitz oder Erwerb von Geld aus unsauberen Einnahmequellen zu rechtfertigen. Die öffentlichen Toiletten in Paris heißen noch heute „Vespasienne“.

Gelegenheit macht Diebe.

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Dieser Satz entspricht dem englischen „opportunity makes a thief“ in Francis Bacons Brief von 1598 an den Earl of Essex.[18]

In Goethes Westöstlichem Diwan beginnt Hatems Liebeswerbung um Suleika mit den Worten:[19]

Nicht Gelegenheit macht Diebe,
Sie selbst ist der größte Dieb;
Denn sie stahl den Rest der Liebe,
Die mir noch im Herzen blieb.

Gioachino Rossinis Operneinakter L’occasione fa il ladro nach Eugène Scribes Le prétendu par hasard, ou L’occasion fait le larron erlebte 1812 in Venedig ihre Uraufführung.

Oft wird dieser Satz auch in Abwandlungen verwendet, wie zum Beispiel:

  • „Gelegenheit macht Liebe.“
  • „Gelegenheit sucht Diebe.“

Geliebt wirst du einzig, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren.

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Dieser bekannte Aphorismus stammt aus den Minima Moralia des Philosophen Theodor W. Adorno,[20] der das „Menschenrecht, von der Geliebten geliebt zu werden“ einfordert.

Zu diesem Zitat schreibt Martin Blumentritt:[21]

„Die Zuordnung der Seite der Stärke zum Männlichen, die des Schwachen zum Weiblichen dürfte dem gesellschaftlichen Vorurteil entsprechen, allerdings läßt sich leicht erkennen, daß dies in der Liebe gerade durchbrochen wird.“

Gelobt sei, was hart macht.

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Diese Wendung stammt aus Friedrich Nietzsches Werk Also sprach Zarathustra, in dem sich der Prophet Zarathustra bei einem beschwerlichen Aufstieg mit diesen Worten Mut macht:[22]

„Als nun Zarathustra so den Berg hinanstieg, gedachte er unterwegs des vielen einsamen Wanderns von Jugend an, und wie viele Berge und Rücken und Gipfel er schon gestiegen sei. Ich bin ein Wanderer und ein Bergsteiger, sagte er zu seinem Herzen, ich liebe die Ebenen nicht, und es scheint, ich kann nicht lange still sitzen.“

Einige Absätze weiter unten heißt es dann:[22]

„Jetzt muss das Mildeste an dir noch zum Härtesten werden. Wer sich stets viel geschont hat, der kränkelt zuletzt an seiner vielen Schonung. Gelobt sei, was hart macht! Ich lobe das Land nicht, wo Butter und Honig – fließt!“

Verwendet man dieses Zitat heute im Alltagsgebrauch, will man oft zum Ausdruck bringen, dass es von Vorteil ist, sich belastenden Situationen auszusetzen.

Gemeinnutz geht vor Eigennutz.

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Diese Maxime stammt von dem französischen Staatstheoretiker Charles de Secondat, Baron de Montesquieu, der in seinem Hauptwerk Vom Geist der Gesetze schrieb:

« Le bien particulier doit céder au bien public. »

„Das Wohl des Einzelnen muss dem öffentlichen Wohl weichen.“

Der Slogan wurde auch von den Nationalsozialisten verwendet, die ihn 1920 in ihr Parteiprogramm aufnahmen. Gemeinnutz geht vor Eigennutz war ab 1933 auf Schauseiten oder dem Münzrand einiger Reichsmarkmünzen eingeprägt.

Genie ist ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Transpiration.

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In der US-Zeitschrift Harpers Monthly wird der Erfinder Thomas Alva Edison 1930 mit folgenden Worten zitiert:[23]

“Genius is one per cent inspiration, ninety-nine per cent perspiration.”

Im Englischen ist dieses Wortspiel deutlicher erkennbar, da im Deutschen das Wort Transpiration für „Schwitzen“ weniger gebräuchlich ist.

Dem deutschen Erfinder Rudolf Diesel wird die folgende Feststellung zugeschrieben:

„Von 100 Genies gehen 99 unentdeckt zu Grunde.“

Genie ist Fleiß.

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Diese Einsicht formulierte Theodor Fontane in seinem Distichon Unter ein Bildnis Adolf Menzels, das er dem Maler zu dessen 80. Geburtstag 1895 widmete:

Gaben, wer hätte sie nicht? Talente – Spielzeug für Kinder,
Erst der Ernst macht den Mann, erst der Fleiß das Genie.

Fontane und Menzel waren Mitglieder im literarischen Verein Tunnel über der Spree. Menzels typische Charaktereigenschaften waren Pflichtbewusstsein, Fleiß und Selbstdisziplin. Er besuchte für ein halbes Jahr die Berliner Akademie der Künste und bildete sich danach autodidaktisch weiter.

Genug des grausamen Spiels!

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In Friedrich Schillers Gedicht Der Taucher bittet die Königstochter ihren Vater, den Wagemut des tapferen Knappen nicht ein zweites Mal auf die Probe zu stellen:[24]

Das hörte die Tochter mit weichem Gefühl,
Und mit schmeichelndem Munde sie fleht:
Laßt Vater genug seyn das grausame Spiel,
Er hat euch bestanden, was keiner besteht,
Und könnt ihr des Herzens Gelüsten nicht zähmen,
So mögen die Ritter den Knappen beschämen.

Doch der König wirft den Becher abermals ins Wasser und führt dadurch den Tod des Tauchers herbei.

Gern hab ich die Frauen geküsst.

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Dies ist der Titel eines Schlagers, den Richard Tauber und Hubert von Goisern bekannt machten. Das Lied stammt aus der Operette Paganini von Franz Lehár, Text von Paul Knepler und Bela Jenbach. Der Refrain lautet folgendermaßen:[25]

Gern hab ich die Frau’n geküßt
hab nie gefragt
ob es gestattet ist
Dachte mir
nimm sie dir
Küss sie nur
dazu sind sie ja hier

Geschichte ist machbar.

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Im Jahr 1991 gab Jürgen Miermeister Texte von Rudi Dutschke heraus unter dem Titel Geschichte ist machbar. Texte über das herrschende Falsche und die Radikalität des Friedens.

Dutschke gilt als bekanntester Wortführer der westdeutschen und West-Berliner Studentenbewegung der 1960er Jahre.

Stefan Reinecke schrieb am 11. April 2008 in der tageszeitung unter der Überschrift Warum Dutschke überholt ist:[26]

„Vielleicht war 1968 das letzte Mal, dass viele in aller Unschuld an die große Erzählung glaubten, dass es ‚die Geschichte‘ gibt und dass sie machbar ist. 2008, nach dem Ende des Marxismus und seiner Derivate, sehen wir, dass die große Erzählung selbst Geschichte ist und es viele, parzellierte, kleinteilige, widersprüchliche Geschichten gibt. Utopie ist heute jedenfalls ein Wort für Sonntagsreden, nichts für den Hausgebrauch.“

Gesetze sind wie Würste, man sollte besser nicht dabei sein, wenn sie gemacht werden.

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Das Bonmot wird – auch in der Fassung: „Je weniger die Leute wissen, wie Würste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie!“ – gern Otto von Bismarck zugeschrieben. Es geht jedoch auf den amerikanischen Dichter John Godfrey Saxe (1816–1887) zurück und wird erst seit den 1930er Jahren mit Bismarck in Verbindung gebracht.[27]

Gestern hams an Willy derschlogn.

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Konstantin Wecker, 1986

Diese bayerischen Worte (Gestern haben sie den Willy erschlagen) sind der Anfang eines Lieds von Konstantin Wecker aus dem Jahr 1977, das in den späten 1970er Jahren zum Kultlied unter Jugendlichen wurde. Die Ballade behandelt die Konfrontation der 68er-Bewegung mit den Ewiggestrigen. Wecker erzählt von einem ruhigen Tag in einem Biergarten, der gestört wird durch einen Reaktionär, der das nationalsozialistische Horst-Wessel-Lied anstimmt, das dann auch noch von anderen mitgesungen wird. Willy hält es nicht mehr aus und er brüllt:

„Halts Mei, Faschist!“

„Halt’s Maul, Faschist!“

Willy darf sich nun die damals übliche Aufforderung anhören:[28]

„Geh doch in d’ Sowjetunion, Kommunist!“

Es folgt eine Schlägerei, bei der Willy getötet wird.

Der Kabarettist Willy Astor parodierte Weckers Ballade mit dem Lied für Morgenmuffel „Gestern hab ich mein Wecker daschlag’n“.

Geteilte Freud’ ist doppelte Freude.

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Diese Sentenz stammt aus einem Gedicht des Schriftstellers Christoph August Tiedge:

Sei hoch beseligt oder leide,
das Herz bedarf ein zweites Herz.
Geteilte Freud’ ist doppelte Freude,
geteilter Schmerz ist halber Schmerz.

Das Zitat wird auch oft ungenau Cicero oder Seneca zugeschrieben.

Bei Cicero heißt es auf Latein:[29]

“Et secundas res splendidiores facit amicitia et adversas partiens communicansque leviores.”

„Anteilnehmende Freundschaft macht das Glück strahlender und erleichtert das Unglück.“

Bei Seneca heißt es:[30]

“Nullius boni sine socio iucunda possessio est.”

„Ohne Genossen ist kein Glücksbesitz erfreulich.“

Getrennt marschieren, vereint schlagen

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Dieses Zitat geht auf den Militärtheoretiker und zuletzt Chef des Generalstabes Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke zurück. Moltke galt als genialer Stratege und war in leitender Verantwortung maßgeblich an der Ausarbeitung der Pläne für den Deutsch-Dänischen Krieg 1864, den Deutschen Krieg gegen Österreich, Sachsen, Hannover und Kurhessen (Preußisch-Österreichischer Krieg) 1866 und den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 beteiligt. Die einfache wie auch problematische Taktik wurde 1866 im Rahmen der entscheidenden Schlacht bei Königgrätz gegen Österreich angewendet und unter diesem Wortlaut populär.

Getretner Quark wird breit, nicht stark.

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Dieser Vers stammt aus dem Buch der Sprüche in Goethes Gedichtsammlung West-östlicher Divan:

Getretner Quark
Wird breit, nicht stark.
Schlägst du ihn aber mit Gewalt
In feste Form, er nimmt Gestalt.
Dergleichen Steine wirst du kennen,
Europäer Pisé sie nennen.

(Pisé, vom französischen Wort piser = stampfen, ist der archäologische Ausdruck für Stampflehm, das bevorzugte Baumaterial im alten Orient.)

Zugrunde liegt dem Zitat wohl das folgende tatarische Sprichwort:

„Wenn der Dreck getreten wird, verbreitet er sich.“

Goethe hat dies wohl aus der orientalen Literatur gekannt. Mit dem Zitat soll ausgedrückt werden, dass etwas, dem die Tiefe fehlt, auch durch großen Aufwand nicht auf ein höheres Niveau gebracht werden kann.

In einem Artikel der Wochenzeitung Die Zeit zum Thema Das Land der Dichter und Dackel heißt es unter der Überschrift Getret’ner Quark:[31]

„Ich habe nichts gegen small talk, bin jedoch dagegen, wenn dieser über ein halbes tausend Seiten ausgewalzt wird. Da sagt schon Goethe (von dem der Verfasser meint, er werde ‚erst durch Champagner erträglich‘): Getretner Quark wird breit, nicht stark.“

Gewalt geht vor Recht.

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Diese Klage gehört zu der Klage des Propheten Habakuk an Gott:[32]

„HERR, wie lange soll ich schreien, und du willst nicht hören? Wie lange soll ich zu dir rufen: »Frevel!«, und du willst nicht helfen? Warum lässt du mich Bosheit sehen und siehst dem Jammer zu? Raub und Frevel sind vor mir; es geht Gewalt vor Recht. Darum ist das Gesetz ohnmächtig, und die rechte Sache kann nie gewinnen; denn der Gottlose übervorteilt den Gerechten; darum ergehen verkehrte Urteile.“

Gib mir Keuschheit und Enthaltsamkeit – aber nicht sofort!

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Der Kirchenlehrer Augustinus von Hippo schrieb auf Lateinisch in seinen Confessiones (Bekenntnissen):[33]

“Da mihi castitatem et continentiam, sed noli modo.”

Das große moralische Dilemma des Augustinus war, dass er nicht enthaltsam leben konnte. Er lebte vor seiner Bekehrung 15 Jahre in wilder Ehe mit einer (nicht standesgemäßen) Konkubine, der Mutter seines Sohnes Adeodatus.

In seinen Bekenntnissen schrieb er:[34]

„Schon als Jüngling war ich elend, sehr elend; bei dem Beginn meiner Jünglingsjahre hatte ich dich um Keuschheit gebeten und gesagt: ‚Gib mir Keuschheit und Enthaltsamkeit, doch nicht sogleich!‘ Denn ich fürchtete, du möchtest mich allzu schnell erhören, mich allzu schnell heilen von der Krankheit meiner Lüste, die ich lieber bis zur Hefe genießen als erlöschen wollte. So wandelte ich auf schlimmen Pfaden in gottlosem Aberglauben, zwar nicht davon überzeugt aber ich zog ihn allem andern vor, was ich nicht mit Frömmigkeit suchte, sondern feindlich bekämpfte.“

Glotzt nicht so romantisch!

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„Glotzt nicht so romantisch!“ war ein Leitspruch des Dramatikers Bertolt Brecht. Es war eine Aufforderung an die Zuschauer, die Identifikation mit Schauspieler und Rolle zu durchbrechen. Zu diesem Zweck schuf Brecht auch den sogenannten Verfremdungseffekt, durch den die Handlung durch Kommentare oder Lieder so unterbrochen wird, dass beim Zuschauer die Illusion zerstört wird und er eine kritische Distanz zum Dargestellten einnehmen kann.

Bei der Uraufführung des Theaterstücks Trommeln in der Nacht um den Kriegsheimkehrer Kragler im Jahr 1922 ließ Brecht Szenenanweisungen durch Schauspieler Richtung Publikum halten; bei einer Liebesszene lautete sie: „Glotzt nicht so romantisch!“

Brecht wünschte sich kritische und nachdenkliche Zuschauer. Sie sollten weniger staunen und mehr die Welt begreifen. Für Romantik sah Brecht keinen Platz. Den Zuschauern sollte immer bewusst sein, dass sie ein Theaterstück und keine Realität betrachteten. Nicht die Gefühle der Protagonisten sollte im Mittelpunkt stehen, sondern die Handlung, denn Brecht verfolgte mit seinen Lehrstücken pädagogische Absichten. Er wollte nachdenklich machen.

Glück hat auf die Dauer nur der Tüchtige.

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Generalfeldmarschall Moltke

Dieses Zitat findet sich in Helmuth Graf von Moltkes Abhandlung über Strategie:[35]

„Über den Ruf eines Feldherrn freilich entscheidet vor allem der Erfolg. Wie viel daran sein wirkliches Verdienst ist, ist außerordentlich schwer zu bestimmen. An der unwiderstehlichen Gewalt der Verhältnisse scheitert selbst der beste Mann, und von ihr wird ebenso oft der mittelmäßige getragen. Aber Glück hat auf die Dauer doch zumeist wohl nur der Tüchtige.“

Glücklich ist, wer vergisst…

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Der Reim „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist!“ wurde als Refrain eines Trinklieds am Ende des ersten Akts der Operette Die Fledermaus von Johann Strauss (Sohn) weltbekannt. Siehe Trinke, Liebchen, trinke schnell.

God Save the Queen.

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God Save the Queen („Gott schütze die Königin!“) bzw. God Save the King („Gott schütze den König!“) ist seit Anfang des 19. Jahrhunderts die Nationalhymne des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Die Urheberschaft für die Melodie wurde vom Sohn Henry Careys für seinen Vater beansprucht. Während der Text durchaus von ihm stammen könnte, ist der Ursprung der Melodie unklar geblieben.

Original

God save our gracious Queen,
Long live our noble Queen,
God save the Queen!
Send her victorious,
Happy and glorious,
Long to reign over us;
God save the Queen!

Übersetzung

Gott schütze unsere gnädige Königin!
Lang lebe unsere edle Königin,
Gott schütze die Königin!
Mache sie siegreich,
Glücklich und ruhmreich,
Dass sie lang über uns herrsche!
Gott, schütze die Königin!

Die Punk-Band Sex Pistols änderten 1977 den Text folgendermaßen ab:

“God save the Queen, her fascist regime.”

„Gott erhalte die Königin, ihr faschistisches Regime.“

Daraufhin strich die BBC die Band aus ihrem Radioprogramm und erteilte den Sex Pistols Auftrittsverbot. Diese mieteten während der königlichen Feierlichkeiten ein Boot auf der Themse und gaben darauf in voller Lautstärke ein Live-Konzert, was dazu führte, dass die Wasserschutzpolizei eingriff.

Gold gab ich für Eisen.

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Das historische Schlagwort „Gold gab ich für Eisen.“ steht im Zusammenhang mit dem berühmten Aufruf „An mein Volk“ des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., der am 17. März 1813 zum Kampf gegen die napoleonische Herrschaft aufrief. In einer Welle patriotischer Begeisterung konnten die Truppen ausgerüstet und verstärkt werden. Das Motto dieser Spendenaktion war „Gold gab ich für Eisen“. Dieses Motiv klingt bereits in Schillers 1803 uraufgeführtem Drama Die Jungfrau von Orleans (1, 4) an. In diesem Theaterstück fordert Agnes Sorel, die Geliebte König Karls, den König auf:

Verwandle deinen Hofstaat in Soldaten,
Dein Gold in Eisen; alles, was du hast,
Wirf es entschlossen hin nach deiner Krone!

Der Ursprung dieses Ausdrucks ist allerdings schon im 16. Jahrhundert belegt. Unter diesem Motto wurden im Ersten Weltkrieg Kampagnen durchgeführt, bei der etwa goldene Eheringe gegen Ringe aus Eisen getauscht wurden, um den Krieg zu finanzieren.

Gold und Silber lieb ich sehr.

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Dieses Zitat stammt aus der ersten Strophe eines Gedichts von August Schnezler:

Gold und Silber preis ich sehr,
Könnt es auch wohl brauchen;
Hätt ich nur ein ganzes Meer,
Mich hineinzutauchen!

In deutschen Comics wird es gerne von Dagobert Duck und den Panzerknackern verwendet.

Gott ist immer mit den stärksten Bataillonen.

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Der preußische König Friedrich II. schrieb am 8. Mai 1760 in einem Brief an Herzogin Luise von Sachsen-Gotha auf Französisch:

« Dieu est pour les gros escadrons. »

Er greift dabei eine Formulierung des französischen Satirikers Roger de Bussy-Rabutin auf:

« Dieu est d’ordinaire pour les gros escadrons contre les petits. »

„Gott ist gewöhnlich für die größeren Bataillone gegen die kleinen.“

Mit dem Stichwort „Gott ist tot“ wird oft die Vorstellung verbunden, dass Friedrich Nietzsche den Tod Gottes beschworen oder herbeigewünscht habe. Tatsächlich trifft dies nur in einem gewissen Sinne zu. Liest man die Textstellen bei Nietzsche, so wird klar, dass er sich hier vielmehr als Beobachter verstand. Er analysierte seine Zeit, vor allem die seiner Auffassung nach inzwischen marode gewordene (christliche) Moral. Dies heißt allerdings nicht, dass er die Überwindung von Gottes- und Moralvorstellungen nicht begrüßt hätte.
Die bedeutendste und meistbeachtete Stelle zu diesem Thema ist der Aphorismus 125 aus der Fröhlichen Wissenschaft mit dem Titel „Der tolle Mensch“. Dem Sprecher darin graut vor der Aussicht, dass die zivilisierte Welt ihr bisheriges geistiges Fundament weitgehend zerstört hat:

„Wohin ist Gott? rief er, ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet, – ihr und ich! Wir alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir dies gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? […] Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder?“

Nietzsche war zudem nicht der Erste, der die Frage nach dem „Tod Gottes“ stellte. Hegel äußerte diesen Gedanken bereits 1802 und sprach von dem „unendlichen Schmerz“ als einem Gefühl, „worauf die Religion der neuen Zeit beruht – das Gefühl: Gott selbst ist tot“.

Gott schuf ihn, also lasst ihn für einen Menschen gelten.

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Henry Woods: Portia

Dieses Urteil fällt die reiche Porzia in William Shakespeares Schauspiel Der Kaufmann von Venedig über einen Herrn aus dem Kreise ihrer Freier. Im englischen Original sagt sie:[36]

„God made him, and therefore let him pass for a man.“

Nerissa
„Was sagt Ihr denn zu dem französischen Herrn, Monsieur le Bon?“
Porzia
„Gott schuf ihn, also laßt ihn für einen Menschen gelten. Im Ernst, ich weiß, daß es sündlich ist, ein Spötter zu sein; aber er! Ja doch, er hat ein besseres Pferd als der Neapolitaner; eine bessere schlechte Gewohnheit, die Stirn zu runzeln, als der Pfalzgraf; er ist jedermann und niemand. Wenn eine Drossel singt, so macht er gleich Luftsprünge; er ficht mit seinem eigenen Schatten. Wenn ich ihn nähme, so nähme ich zwanzig Männer; wenn er mich verachtete, so vergäbe ich es ihm: denn er möchte mich bis zur Tollheit lieben, ich werde es niemals erwidern.“[37]

Gott schütze mich vor meinen Freunden.

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Dieser paradox klingende Ausspruch geht vermutlich auf eine lateinische Sprichwörtersammlung des 16. Jahrhunderts zurück, wo vom makedonischen König Antigonos berichtet wird, dass er ein Opfer darbringen lässt, damit Gott ihn vor seinen Freunden behüte. Er erklärt dazu, vor seinen Feinden könne er sich selbst schützen.

Vom preußischen König Friedrich II. stammt ein ähnlicher Ausspruch:

„Gott schütze mich vor meinen Verwandten, vor meinen Feinden kann ich mich selbst schützen.“

Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei mit der Übeltäterei.

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Am Ende von seiner Bildergeschichte Max und Moritz lässt Wilhelm Busch das ganze Dorf mit diesen Worten aufatmen.

In der Filmkomödie Der Schuh des Manitu zitiert Winnetouch diesen Satz, als der Gangster Santa Maria in der Güllegrube versinkt.

Gott, sei mir Sünder gnädig!

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So spricht der Zöllner im Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner, das im Lukasevangelium erzählt wird:[38]

10Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. 11Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. 12Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich habe. 13Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Papst Urban II. predigt den Kreuzzug

Mit den Worten Deus lo vult (spätlateinisch für „Gott will es!“; französisch: „Dieu le veut!“) rief Papst Urban II. 1095 auf der Synode von Clermont zur Befreiung Jerusalems auf. Damit begründete er den Ersten Kreuzzug, der zur Befreiung der Heiligen Stätten beitragen sollte und den einzelnen Teilnehmern helfen sollte, ihre Sünden abzubüßen. Der Ausdruck gibt Zeugnis für ein religiöses Sendungsbewusstsein, das zur Erreichung seiner Ziele jegliche Form der Gewalt einzusetzen bereit war.

1095 ging es auf einer Versammlung im zentralfranzösischen Clermont eigentlich um innerkirchliche Angelegenheiten, doch in seiner Abschlussrede gibt Papst Urban dem Ganzen eine ganz eigene Richtung:[39]

„Mit ergreifenden Worten schildert der redegewandte Urban das Schicksal der christlichen Freunde in Byzanz, die unter dem aggressiven Islam zu leiden hätten, Kirchen und Klöster würden geschändet, brave Christenmenschen massakriert. Da müsse man zu Hilfe eilen. Die Begeisterung der Zuhörer ist so groß, dass einige Bischöfe gleich ‚das Kreuz nehmen‘. ‚Gott will es – Deus lo vult!‘ soll die Menge wie einen Schlachtruf skandiert haben. Es markiert den Beginn einer Epoche.“

Gott wird mir vergeben, das ist sein Beruf.

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Heinrich Heine auf seiner Matratzengruft

Dies soll Heinrich Heine auf dem Sterbebett zu einem Bekannten oder zu seiner Frau gesagt haben, die sich Sorgen um sein Seelenheil machten:[40]

« Dieu me pardonnera, c’est son métier. »

Gott würfelt nicht.

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Gott würfelt nicht! (engl.: „I cannot believe that God plays dice with the cosmos.“) ist ein Ausspruch, der dem Physiker Albert Einstein zugeschrieben wird. Genaugenommen schrieb er 1926 in einem Brief an Max Born:

„Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns doch nicht näher. Jedenfalls bin ich überzeugt davon, dass der nicht würfelt.“

Einstein glaubte, dass „der Alte“ (gemeint ist Gott) nicht würfle, denn er lehnte die stochastischen Erklärungen der Quantenmechanik ab. Dies war seine Antwort auf die Frage, was ihn an der damals aufkommenden Quantenphysik nicht behage, denn dort werden Zustände von Elementarteilchen nicht exakt, sondern mittels Aufenthaltswahrscheinlichkeiten beschrieben.

Gottes Mühlen mahlen langsam.

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Dieses Sprichwort ist der Anfang des Sinngedichtes Göttliche Rache von Friedrich von Logau. Der vollständige Text lautet:

Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein,
Ob aus Langmut er sich säumet, bringt mit Schärf er alles ein.

Logau hat den Grundgedanken wohl vom altgriechischen Arzt Sextus Empiricus übernommen, bei dem es heißt:

„Erst lange Zeit nachher mahlen der Götter Mühlen, doch mahlen sie Feinmehl.“

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie.

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Mit diesen Worten weist Mephistopheles in Goethes Drama Faust I in der Studierzimmerszene den Schüler auf die Unzulänglichkeit theoretischen Wissens hin.[41]

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,
Und grün des Lebens goldner Baum.

Greif nicht in ein Wespennest, doch wenn du greifst, so greife fest.

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Wespennest

Dieser Satz stammt aus der Sinnspruchsammlung Ein gülden ABC des Dichters Matthias Claudius.

In diesem Sinn zitiert sie der ehemalige Vorsitzende der konservativen Fraktion im Preußischen Abgeordnetenhaus, Moritz Karl Henning von Blanckenburg, in der Sitzung vom 16. Februar 1866.

Wespennester bestehen aus einer papierartigen Masse. Zur Abwehr eines Störenfriedes benutzen die Wespen ihren Stachel, der anders als bei den Bienen über keine Widerhaken verfügt. Deshalb können sie beliebig oft zustechen und dabei ihr Gift einspritzen.

Der Griff ins Wespennest ist eine oft gebrauchte Formulierung, wenn es darum geht, dass Unangenehmes angefasst wird, wie zum Beispiel in der folgenden Aussage mit Bezug auf die Verhältnisse in der Türkei:

„Der beherzte Griff ins Wespennest ist in diesem Falle also durchaus zu empfehlen.“

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.

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Diese sprichwörtliche Redensart stammt aus dem Gedicht Lochiel’s Warning (Lochiels Warnung) des schottischen Dichters Thomas Campbell. Dort heißt es, dass die tief stehende Sonne des Lebensabends seherische Kraft verleiht:

“And coming events cast their shadows before.”

„Und kommende Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.“

Mit dem Zitat kommentiert man heute die ersten Anzeichen einer bevorstehenden Veranstaltung.

Großer Gott, wir loben dich!

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Dies ist der Anfang des deutschen Te Deums, eines Lob- und Dankgesangs der katholischen Kirche, den der Legende nach die Heiligen Augustinus von Hippo und Ambrosius von Mailand gemeinsam komponiert haben sollen. Das lateinische Lied beginnt mit den folgenden Worten:

“Te Deum laudamus. Te Dominum confitemur.
Te aeternum patrem omnis terra veneratur.”

„Großer Gott, wir loben dich,
Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich
und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit,
so bleibst du in Ewigkeit.“

Gut Ding will Weile haben

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Gut Ding will Weile haben“ ist ein Zitat aus dem Roman Wilhelm Meisters Wanderjahre von Johann Wolfgang von Goethe, der 1821 erstmals erschien.

Gut gemeint ist das Gegenteil von gut.

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Diese Feststellung gibt es in verschiedenen Varianten.

Bei Gottfried Benn heißt es:[42]

„Es hat sich allmählich herumgesprochen, daß der Gegensatz von Kunst nicht Natur ist, sondern gut gemeint; …“

Kettcar wandeln das auf ihrem 2002 erschienenen Album Du und wieviel von deinen Freunden ab:

„Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.“

Einzelnachweise

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  1. Erna Friedlaender: Der neue Klassenkampf. In: Die Zeit, Nr. 38/1948, S. 1.
  2. Richard Dawkins in Der Stern auf stern.de
  3. Apostelgeschichte. 20,35. Zitiert nach bibel-online.net (Memento vom 14. Oktober 2008 im Internet Archive)
  4. Don Carlos. III,10
  5. https://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/fachbereich/ehrenpromotionen/reich-ranicki/festvortrag/index.html
  6. Domitius Ulpianus: Digesten des Corpus Juris Civilis XLVIII, 19,18
  7. Hans Peter Glöckner: Cogitationis poenam nemo patitur (D.48.19.18): Zu den Anfängen einer Versuchslehre in der Jurisprudenz der Glossatoren (= Studien zur Europäischen Rechtsgeschichte). Klostermann, Frankfurt am Main 1989, ISBN 978-3-465-01867-4 (Den Glossatoren war D. 48.19.18 im Zusammenhang mit einer der Grundfragen des Strafrechts geläufig: der Einstellung zur Strafbarkeit des Versuchs. Hierfür ist ausschlaggebend, worin man den Grund für eine Strafe überhaupt erblickt. Sieht man Strafe als Reaktion auf den bösen Willen des Täters, so ist auch der erfolglose (bloße) Versuch zu sanktionieren. Stellt man hingegen auf den missbilligten Erfolg ab, so kann der Versuch an sich keine Folgen nach sich ziehen. (laut Inhaltsangabe des Verlags)).
  8. klapphornclique.de (Memento vom 26. September 2008 im Internet Archive)
  9. bundespraesident.de
  10. Ernst und Lucie Freud (Hrsg.): Sigmund Freud, Briefe 1873–1939. S. Fischer Verlag, 1968, S. 383 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).; siehe auch https://www.freud-museum.at/de/zitate
  11. Zitiert nach volksliederarchiv.de
  12. Geh aus mein Herz und suche Freud. In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon
  13. discogs.com
  14. Zitiert nach musikguru.de
  15. Saturn Österreich: Homepage-Titel: „Saturn! Geiz ist geil!“ Geile Geräte zum geilsten Preis (Memento vom 14. Mai 2008 im Internet Archive)
  16. Charles Gounod: Margarete. 2. Akt
  17. Rehhagels Fazit: Geld schießt keine Tore. In: Die Welt, 2. November 1995.
  18. The Works of Francis Bacon in Ten Volumes, Vol. V, London 1803. S. 247.
  19. Zitiert nach deutsche-liebeslyrik.de
  20. Theodor W. Adorno: Minima Moralia, Aph. 122
  21. comlink.de
  22. 1 2 Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra. 3. Der Wanderer
  23. Thomas Alva Edison in Harpers Monthly, 1932
  24. Friedrich Schiller: Der Taucher. Zitiert nach Der Taucher auf Wikisource
  25. Zitiert nach musikguru.de
  26. taz.de
  27. wikiquote
  28. wecker.de (Memento vom 6. Oktober 2013 im Internet Archive)
  29. Cicero: Laelius. 6.22
  30. Seneca, Epistolae VI.
  31. Getret’ner Quark. In: Die Zeit, Nr. 36/1978
  32. (Hab 1,2–4 LUT)
  33. Augustinus von Hippo: Confessiones. 8,7
  34. Augustinus von Hippo: Bekenntnissen. 8,7. Zitiert nach ub.uni-freiburg.de
  35. Helmuth Graf von Moltke: Über Strategie. In: Kriegsgeschichtliche Einzelschriften, Heft 13 (1890)
  36. William Shakespeare: The Merchant of Venice. I,2
  37. William Shakespeare: Der Kaufmann von Venedig im Projekt Gutenberg-DE
  38. Evangelium nach Lukas. 18,13. Zitiert nach bibel-online.net (Memento vom 27. September 2008 im Internet Archive)
  39. focus.de
  40. de.wikiquote.org
  41. Johann Wolfgang von Goethe: Faust I. 2038 f.
  42. Roman des Phänotyp. Gesammelte Werke in vier Bänden. Band Prosa und Szenen. Limes, 1958, S. 161162.