Liste von Unternehmenszusammenbrüchen und -skandalen

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Die folgende Liste umfasst Unternehmenszusammenbrüche, die zum Zeitpunkt ihres Eintretens große wirtschaftliche oder politische Folgen hatten und teilweise aus wirtschaftlichen oder politischen Skandalen hervor- oder mit diesen einhergingen. Diese Liste soll keine vollständige Aufzählung von Insolvenzfällen enthalten, sondern Pleiten anführen, die aufgrund ihrer Begleitumstände und Auswirkungen zu ihrer Zeit in den Medien behandelt wurden und eine große öffentliche und überregionale Aufmerksamkeit erfuhren.

Unternehmenszusammenbrüche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Land Datum Geschäftsbereich Kurzbeschreibung
Banco Medici Florenz 1494 Banken Durch das Zusammenspiel mehrerer politischer Probleme und einer instabilen wirtschaftlichen Gesamtlage kam das Bankhaus der Medici-Familie, das einst als wirtschaftliche Stütze der Stadt Florenz diente und die päpstlichen Finanzen betreute, in eine finanzielle Schieflage und die Bank musste abgewickelt werden.
Niederländische Ostindien-Kompanie NiederlandeNiederlande Niederlande 31. Dez. 1799 Handel Die stark durch Korruption geprägte VOC erwirtschaftete gegen Ende des 18. Jahrhunderts Verluste aufgrund einer gesunkenen Nachfrage nach exotischen Gewürzen und des vierten Englisch-Niederländischen Krieges. Die bankrotte Gesellschaft musste ab 1798 aufgelöst werden, die verbliebene Vermögensmasse und die Schulden der VOC wurden durch die Batavische Republik verstaatlicht.
Ohio Life Insurance Company Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 24. Aug. 1857 Banken Die Wirtschaftskrise von 1857 gilt als eine der ersten Weltwirtschaftskrisen. Sie begann am 24. August 1857 in New York City, als die Bank Ohio Life Insurance Company ihre Zahlungen einstellen musste. Von dort ausgehend breitete die Krise sich in hoher Geschwindigkeit über die gesamte Welt aus und dauerte bis 1859. Die Finanzzentren Europas und Amerikas waren besonders stark betroffen, aber auch in den Kolonien waren die Auswirkungen der Krise zu spüren. In den USA kam es zur Pleite von über 5000 Firmen.
Overend, Gurney and Co. Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Aug. 1866 Banken Durch langfristige Investitionen in den Schienenverkehrssektor sank die Liquidität des Geldhauses unter ein kritisches Maß. Nach einem Börsengang 1865 fiel der Aktienwert infolge einer allgemeinen Baisse stark ab. Durch Kursrückgänge waren auch Anteilsscheine von Bahngesellschaften betroffen, in die Overend, Gurney and Co. investiert war. Da sich die Bank of England weigerte, das Unternehmen zu stützen, wurde Overend, Gurney and Co. 1866 zahlungsunfähig und löste somit den Schwarzen Freitag von 1866 aus.
Danatbank Deutsches ReichDeutsches Reich Deutsches Reich 13. Juli 1931 Banken Die ehemals zweitgrößte deutsche Bank geriet in eine Schieflage, als 1931 eine Vielzahl ausländischer Kunden ihre Einlagen abzogen und der Delmenhorster Nordwolle-Konzern in einen Bilanzfälschungsskandal verwickelt wurde. Aufgrund von Zahlungsausfällen des Kreditnehmers Nordwolle mussten 45 Millionen Reichsmark abgeschrieben werden. Die spätere Zahlungsunfähigkeit löste einen Bank Run aus.
Kahn-Konzern Deutsches ReichDeutsches Reich Deutsches Reich 1932 Industrieholding Die Beteiligungsgesellschaft Richard Kahn GmbH umfasste ehemals mehrere Unternehmen des deutschen Maschinenbaus. Eine hohe Verschuldung aufgrund einer aggressiven Expansionspolitik setzte das Konglomerat schon früh unter Druck. Die Unrentabilität mehrerer Konzerngesellschaften, die vorerst durch Gewinn- und Verlustbeteiligungen innerhalb des Konzerns ausgeglichen wurde, sorgte 1932 für den Bankrott des Konzerns und die Herauslösung eines Großteils der Tochtergesellschaften.
Borgward DeutschlandDeutschland Deutschland 1961 Automobilindustrie Der Automobilhersteller Borgward war ehemals ein wichtiger Arbeitgeber in der Stadt Bremen. Aufgrund einer zu großen Modellvielfalt und einer vernachlässigten betriebswirtschaftlichen Führung geriet das Unternehmen in finanzielle Nöte und war auf wiederholte Kreditaufnahmen angewiesen. Als die finanzielle Situation Borgwards öffentlich bekannt wurde, sah sich der Bremer Senat 1961 dazu gezwungen, eine Bürgschaft über einen Kredit in Höhe von 10 Millionen D-Mark zurückzuziehen. Die beteiligten Banken gaben daraufhin keine Gelder mehr frei. Im Februar 1961 stellte der Senat den Unternehmensgründer Carl Friedrich Wilhelm Borgward vor die Entscheidung, sein Unternehmen dem Land Bremen zu übereignen oder in den Konkurs zu gehen. Carl F. W. Borgward willigte ein und übertrug sein Unternehmen an das Land, die Fahrzeugwerke mussten später dennoch vollständig abgewickelt werden. Zwar konnten nach dem Zusammenbruch alle Gläubigeransprüche gedeckt werden, jedoch ging ein beträchtlicher Teil der Arbeitsplätze verloren.
Penn Central Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 21. Juni 1970 Schienenverkehr Mit der Fusion der Pennsylvania Railroad und der New York Central Railroad zur Penn Central Transportation 1968 entstand die größte Bahngesellschaft und das sechstgrößte Industrieunternehmen der Vereinigten Staaten. Die misslungene Fusion sowie das schwierige Umfeld führte innerhalb kürzester Zeit zu solch hohen Verlusten, dass die Banken nach rund 2 Jahren keine weiteren Liquiditätskredite vergaben und Konkurs angemeldet werden musste. Dies war der bis dahin größte Konkurs in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte. Es bestand die Gefahr, dass der Schienenverkehr im Nordosten der Vereinigten Staaten kollabierte, so dass 1976 die staatliche Auffanggesellschaft Conrail gegründet wurde.
Volksbank Oberkirch DeutschlandDeutschland Deutschland 1971 Banken Der eher kleinere Zusammenbruch der Volksbank Oberkirch 1971 hat insofern eine gewisse historische Bedeutung, weil er zum Fall Schlageter führte und damit zum ersten öffentlich bekannt gewordenen Bankenskandal der Bundesrepublik Deutschland wurde, bei dem die mangelnde Bankenaufsicht kritisiert wurde. Die Pforzheimer Unternehmerfamilie Schlageter verlor eine größere Menge Geld und machte Eingaben an den Landtag bzw. das Wirtschaftsministerium, die in letzter Konsequenz zu einer deutlicheren Wahrnehmung des Falles und seiner politischen Dimension in den Medien führte.
Herstatt-Bank DeutschlandDeutschland Deutschland 1971 Banken Devisenspekulationen der Bank brachten diese in Schwierigkeiten. Die falsche Annahme eines steigenden US-Dollars nach der Ölkrise 1973 bescherten Herstatt hohe Verluste, die das Eigenkapital bald deutlich überstiegen. Eine Überschuldung führte zum Einzug der Banklizenz und der Abwicklung des Bankinstituts. Der Zusammenbruch der Herstatt-Bank war zu ihrer Zeit die größte Bankenpleite in der Geschichte der Bundesrepublik.
Chicago, Rock Island and Pacific Railroad Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1975 Schienenverkehr Anfang der 1960er Jahre wollten die Chicago, Rock Island und Pacific Railroad und die Union Pacific Railroad fusionieren. Die Regulierungsbehörde Interstate Commerce Commission benötigte bis 1975 um die Fusion zu genehmigen. In der Zwischenzeit hatte die Rock Island kaum in den Erhalt der Bahninfrastruktur investiert, so dass sich die Union Pacific entschloss von der Fusion zurückzutreten. So musste unmittelbar nach der Entscheidung der ICC, die Bahngesellschaft Konkurs anmelden. 1980 entschied der Konkursrichter, dass die Gesellschaft nicht mehr zu retten sei und somit zerschlagen wurden.
Chicago, Milwaukee, St. Paul and Pacific Railroad Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 19. Dez. 1977 Schienenverkehr Die Bahngesellschaft fuhr in den 1970er Jahren aufgrund des gewachsenen Konkurrenzdrucks durch andere Bahngesellschaften und Verkehrsträger sowie von Fehlentscheidungen des Managements Verluste ein, so dass 1977 Konkurs beantragt werden musste. In der Folge wurde das Netz der Bahngesellschaft um mehr als die Hälfte (u. a. die transkontinentale Bahnstrecke) reduziert und schließlich 1985 an die Soo Line verkauft.
Goldin Tankbetriebe GmbH DeutschlandDeutschland Deutschland 28. Mai 1979 Tankstellenkette Die 1956 von Erhard Goldbach in Wanne-Eickel gegründete Tankstellenkette ging 1979 mit einer Steuerschuld von etwa 345 Millionen DM im bis dahin größten Steuerskandal der Bundesrepublik in Konkurs. Die Steuerbehörden hatten bereits 1974, als das Unternehmen schon nicht mehr rentabel war, Zweifel an der korrekten Buchführung, unternahmen aber nichts. So konnte die Steuerschuld durch ein Schneeballsystem, eine exessive Expansionspolitik und den Umstand, das die Mineralölsteuer um Monate verzögert abgeführt werden konnte, aufgetürmt werden. Noch 1977 erhielt Goldbach sogar eine Staatsbürgschaft um Kredite über 18 Mio. DM zu bekommen. Damit sollte angeblich Treibstoff für eine staatlich geforderte Pflichtreserve für Krisenzeiten gekauft werden.
Chemische Fabrik Stoltzenberg DeutschlandDeutschland Deutschland 6. Sep. 1979 Chemie Das 1923 von Hugo Stoltzenberg gegründete Hamburger Chemieunternehmen produzierte eine Vielzahl chemischer Kampfstoffe, ohne die nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz erforderlichen Genehmigungen dafür zu besitzen. Unter anderem wurden zu Testzwecken mehrere Kilogramm N-Lost an die Bundeswehr geliefert. Nachdem am 6. September 1979 ein Kind beim Spielen mit Chemikalien durch eine Explosion im Keller eines Wohnhauses zu Tode kam, wurde eine Untersuchung eingeleitet. Dabei wurde festgestellt, dass über Jahrzehnte Kinder in das unzureichend gesicherte Betriebsgelände eindringen konnten und wiederholt Material entwendeten. Teilweise lagerte die Chemische Fabrik Stoltzenberg Giftstoffe sogar unter freiem Himmel. Zu den sichergestellten Stoffen zählten unter anderem 35 Liter Tabun, vier Liter N-Lost, zwei Liter Thiophosgen, zwei Kilogramm Chlorpikrin, 12 Stahlflaschen mit Phosgen und Chlor, 50 Kilogramm Bromaceton und zehn Kilogramm weißer Phosphor. Das Unternehmen wurde 1979 aufgelöst, das Erdreich auf dem Fabrikgelände bis zu einer Tiefe von rund 2,5 Meter abgetragen.
Wienerwald DeutschlandDeutschland Deutschland 27. August 1982 Gastronomie Wienerwald war in den 1970er und 1980er Jahren die größte Restaurantkette Deutschlands und Europas, doch das Wachstum war großteils über Kredite finanziert. 1982 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung einen Artikel, in dem die Kreditwürdigkeit des Unternehmens angezweifelt wurde. Die Banken reagierten umgehend, indem sie die sofortige Rückzahlung der Kredite einforderten. Am 27. August 1982 mussten die Wienerwald-Holding AG und der Inhaber Friedrich Jahn Insolvenz anmelden.Zwar konnte sich das Unternehmen zunächst erholen, doch wenige Jahre später kam es zur Wienerwald-Affäre: Ende Juni 1986 erwarb Renate Thyssen den damals angeschlagenen Gastronomiekonzern von der Bayerischen Landesbank, der Dresdner Bank und zwei Schweizer Banken für 12 Millionen Franken statt der ursprünglich veranschlagten 40 Millionen DM. Thyssen fungierte hierbei als Strohmann für Jahn, da eine Option die spätere Übernahme durch Jahn vorsah. Zur politischen Affäre kam es, da der Finanzberater von Thyssen, Dieter Krautzig, in der Verwertungsgesellschaft sowohl die Interessen der Bayerischen Landesbank als auch Thyssens vertrat und weil der Landesbankpräsident Ludwig Huber zu dieser Zeit ein Verhältnis mit Thyssen hatte.
IBH-Holding DeutschlandDeutschland Deutschland 4. Nov. 1983 Baumaschinen Durch eine Reihe von Firmenzukäufen stieg die IBH-Holding in den 1970er Jahren zu einem der größten Baumaschinenhersteller der Welt auf. Zu den größten Übernahmen zählten die der Hanomag und die der GM-Baumaschinenmarke Terex 1980 und 1981. Durch ein verschlechtertes Marktumfeld und eine mangelhafte Integration der übernommenen Unternehmen geriet der verschuldete Konzern zusehends in eine Krise. Der Zusammenbruch folgte 1983 und löste seinerseits eine Krise bei der SMH-Bank aus.
Texaco Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 13. Apr. 1987 Erdöl Der Ölgigant Texaco ging 1987 Bankrott, nachdem zwei Jahre zuvor ein Rechtsstreit mit Pennzoil bezüglich der Übernahme von Getty Oil verlorengegangen war. Texaco wurde hierbei zu einer Zahlung von 10,53 Milliarden US-Dollar verurteilt. Das Unternehmen konnte später aus dem Insolvenzverfahren entlassen werden und bestand bis zur Übernahme durch Chevron weiter.
co op AG DeutschlandDeutschland Deutschland 1988 Einzelhandel Durch Bilanzmanipulationen und Vermögensverschiebungen wurde eine Verschuldung von fünf Milliarden Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: umgerechnet 4,5 Milliarden Euro) bekannt. In der Summe hatte der co op-Vorstand unter Bernd Otto mehrere Banken um zwei Milliarden Mark geprellt. Das Unternehmen wurde infolge des co op-Skandals, eines der seinerzeit größten Wirtschaftsskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte, zerschlagen.
Lincoln Savings and Loan Association Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1989 Banken Die US-Sparkasse brach als Teil der Savings-and-Loan-Krise zusammen und sorgte für einen Korruptionsskandal, als bekannt wurde, dass mutmaßlich mehrere Politiker das Unternehmen vor einer Untersuchung der Aufsichtsbehörde bewahrt hätten. Zu den beschuldigten Politikern zählten auch John McCain und John Glenn, diese wurden jedoch durch eine Ethik-Kommission des US-Senats freigesprochen.
Neue Heimat DeutschlandDeutschland Deutschland 1990 Immobilien Die Neue Heimat war eine gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft im Besitz des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Am 8. Februar 1982 wurde durch einen Spiegel-Artikel bekannt, dass sich die Unternehmensleitung um Albert Vietor persönlich bereichert hatte, indem sie durch Strohmänner eigene Unternehmen gründete und diesen Aufträge der Neuen Heimat zu überhöhten Preisen zuwies. Dieser Skandal wurde als Neue-Heimat-Affäre bekannt. Durch Missmanagement und persönliche Bereicherung wuchs die Schuldenlast der Neuen Heimat auf mehrere hundert Millionen Mark. Ein Gutachten kam später zu der Ansicht, dass Albert Vietor allein durch seine Privatgeschäfte für einen Verlust von 105 Millionen DM verantwortlich war. Die vorübergehende Übernahme der hoch verschuldeten Gesellschaft durch den Bäckerei-Unternehmer Horst Schiesser für eine symbolische Mark im September 1986 wurde bereits im November desselben Jahres rückabgewickelt, da die beteiligten Banken den Sanierungsplan Schiessers nicht akzeptierten. Bis 1990 wurden die Bestandsimmobilien verkauft und die Neue Heimat aufgelöst.
Bank of Credit and Commerce International Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 5. Juli 1991 Banken Dem Geldhaus mit Einlagen in Höhe von ca. 25 Milliarden US-Dollar konnten Beteiligungen an Geldwäsche, Bestechung, Waffenhandel und Terrorismusunterstützung nachgewiesen werden. Der Guardian bezeichnete die Vorgänge seinerzeit als den „größten Betrug der Weltgeschichte“.[1]
Balsam AG DeutschlandDeutschland Deutschland 1994 Sportbedarf Der einstige Weltmarktführer für Sportbodenbeläge betrieb eine unwirtschaftliche Politik mit Dumpingpreisen und unüberlegten Zukäufen. Diese Umstände sollten mit gefälschten Rechnungen vertuscht werden. Zum Zeitpunkt des Konkurses standen einem Firmenvermögen von ca. 10 Millionen Euro Forderungen im Wert von 1,98 Milliarden Euro gegenüber.
Barings Bank Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 26. Feb. 1995 Banken Die älteste Investmentbank des Vereinigten Königreichs fiel Verlusten von 1,4 Milliarden US-Dollar zum Opfer, die durch Spekulationen des Derivatehändlers Nick Leeson verursacht wurden. Barings wurde für einen symbolischen Preis von einem Pfund durch die ING Groep übernommen.
Dow Corning Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1995 Chemie Der Hersteller von Silikonprodukten produzierte bis 1992 auch Brustimplantate, die allerdings nur einen geringen Beitrag zum Gesamtumsatz leisteten. Im Zuge einer Sammelklage mehrerer hunderttausend Personen über gerissene Implantate kam es zu einem Vergleich in Milliardenhöhe. Das Unternehmen reichte 1995 einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts ein.[2] Das Joint Venture zwischen Dow Chemical und Corning konnte restrukturiert werden und wurde vollständig von Dow übernommen.
Bremer Vulkan DeutschlandDeutschland Deutschland 1996 Schiffsbau Der Bremer Vulkan war eine der wichtigsten Großwerften Deutschlands, die 1996 Insolvenz anmeldete und 1997 den Betrieb einstellte. Nach der Übernahme großer Teile der ostdeutschen Marineindustrie zu Beginn der 1990er Jahre kam der Vulkan bald in Liquiditätsschwierigkeiten. Durch die folgende Abwicklung des Unternehmens verloren rund 9000 der ehemals 23.000 Beschäftigten ihre Arbeitsplätze.[3] Nach dem Zusammenbruch befassten sich rechtliche Untersuchungen mit der Veruntreuung von rund 850 Millionen D-Mark europäischer Fördergelder, die ursprünglich für die Sanierung der ostdeutschen Werften vorgesehen waren.
Südmilch DeutschlandDeutschland Deutschland 1996 Molkerei Die Südmilch AG war Anfang der 1990er Jahre der größte deutsche Molkerei-Konzern, dann kam jedoch der Südmilch-Skandal um Manager Wolfgang Weber ins Rollen: 1990 war unter Führung der Südmilch AG die Sachsenmilch AG gegründet worden, deren Leitungsfunktionen weitgehend mit Personen aus dem Südmilch-Vorstand besetzt wurden. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeichneten sich bereits 1991 finanzielle Probleme bei der Umsetzung des Projekts ab. Weber betrog die Aktiengesellschaft um ca. 38 Millionen DM. Dieser Millionenbetrug gelang ihm über einen Manager (Mittäter) bei der Deutschen Bank, der dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der Südmilch AG, Friedrich Wilhelm Schnitzler, gefälschte Bankunterlagen (Bilanzen) vorlegte und weitere Beteiligte täuschte. Mehrere Südmilch-Manager wurden zu langen Haftstrafen verurteilt, die Südmilch AG meldete Konkurs an und wurde vom niederländischen FrieslandCampina-Konzern übernommen.
Bre-X KanadaKanada Kanada 8. Mai 1997 Bergbau Das kanadische Bergbauunternehmen behauptete, es habe in Indonesien eine der größten Goldlagerstätten der Welt entdeckt. Erst nach einer beträchtlichen Zeitspanne stellte sich heraus, dass so gut wie alle Probebohrungen im Explorationsgebiet noch vor Ort gefälscht worden waren. Statt ganzer Bohrkerne wurden nur gemahlene und verfälschte Gesteinsproben an unabhängige Labore geschickt. Zu seinen Hochzeiten zählte das Unternehmen zu den größten, an der TSX gelisteten Titeln.
Long-Term Capital Management Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 23. Sep. 1998 Investmentfonds Spekulationen in Rentenpapiere innerhalb eines instabilen Marktes (z. B. durch die Russlandkrise) sorgten für Verluste im Wert mehrerer Milliarden Dollar. Da starke negative Auswirkungen auf das internationale Finanzsystem befürchtet wurden, musste der Hedgefonds-Verwalter staatlich gestützt werden. Eine Abwicklung folgte im Jahr 2000.
FlowTex DeutschlandDeutschland Deutschland 2000 Baumaschinen Das Unternehmen FlowTex handelte mit Horizontalbohrmaschinen und beging Kreditbetrug, indem es nicht existente Maschinen über Sale-Lease-Back-Verträge verkaufte und sofort wieder zurückleaste. Dieses Ponzi-Schema erforderte eine immer weiter steigende Anzahl von Maschinenverkäufen, um die anfallenden Leasingraten zu decken. Es entstand ein finanzieller Schaden von ca. 5 Milliarden D-Mark.
Iridium Inc. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 2000 Telekommunikation Iridium Inc. war ein US-amerikanischer Kommunikationsnetzbetreiber, der 73 Satelliten für die Satellitenkommunikation unterhielt. Aufgrund schwerwiegender Fehlkalkulationen – die Nutzungskosten lagen bei rund 8 Dollar pro Minute, womit nur rund 55.000 Nutzer akquiriert werden konnten, statt der geplanten 2 Millionen – ging das Unternehmen im Jahr 2000 in die Insolvenz. Für die alten Investoren, darunter der Motorola-Konzern, gingen etwa 5 Milliarden US-Dollar verloren.[4] Mehrheitseigentümer Motorola plante zwischenzeitlich gar die gezielte Zerstörung aller 73 Satelliten des Unternehmens durch das Verglühen in der Erdatmosphäre. Diese Pläne wurden nicht umgesetzt, da das Kommunikationssystem Iridium noch im selben Jahr durch Boeing übernommen wurde.[5]
Pacific Gas and Electric Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 6. Apr. 2001 Versorger Ab Sommer 2000 sorgte die große Kalifornische Energiekrise dafür, dass PG&E Strom extern teurer zukaufen musste, als er aufgrund festgesetzter Endabnehmerpreise wieder verkauft werden konnte. PG&E musste Insolvenz nach Chapter 11 anmelden und konnte erst 2004 wieder aus dem Verfahren entlassen werden. Ein Hauptauslöser der Krise war die mangelhafte Durchführung der Deregulierung der Energiebranche in Kalifornien.
WorldCom Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 21. Juli 2001 Telekommunikation Um Verluste aus persönlichen Derivategeschäften zu decken, lieh sich Firmengründer und CEO Bernard Ebbers knapp 366 Millionen US-Dollar von seinem Unternehmen. Der Aufsichtsrat stimmte dem in der Hoffnung zu, Ebbers müsste dann keine eigenen Aktien verkaufen, was den Aktienkurs zu diesem Zeitpunkt weiter belastet hätte. Um die Sachlage zu vertuschen, wurden Bilanzen gefälscht und um bis zu 11 Milliarden Dollar aufgebläht. Der Fall führte mithin zum Erlass des Sarbanes-Oxley Act.
Lernout & Hauspie BelgienBelgien Belgien 25. Okt. 2001 Technologie Lernout & Hauspie hatte sich auf die Entwicklung von Software zur automatischen Spracherkennung spezialisiert. Zu Hochzeiten besaß das Unternehmen eine Marktkapitalisierung in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar. Behauptungen eines Goldman Sachs-Analysten bezüglich möglicher Bilanzfälschungen führten zu weiteren Recherchen, in deren Zuge im August 2000 Luftbuchungen und weitere Ungereimtheiten in der Buchführung aufgedeckt wurden. Die Unternehmensgründer wurden festgenommen und das Unternehmen schließlich vollständig abgewickelt.
Enron Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 28. Nov. 2001 Versorger Enron sorgte durch umfassende Bilanzfälschungen für einen der größten Wirtschaftsskandale der Vereinigten Staaten. Unter anderem wurden Erträge zu früh gebucht und Verluste wurden anderen Unternehmen zugeschoben, die zwar unter der Kontrolle Enrons standen, jedoch nicht in den Jahresabschluss einbezogen wurden. Auch Bestandsbewertungen wurden teilweise zu hoch angesetzt. Durch die Insolvenz wurde ein Börsenwert von rund 60 Milliarden US-Dollar vernichtet.
Comroad DeutschlandDeutschland Deutschland 2002 Telematik Comroad war eines der bekanntesten Unternehmen des Neuen Marktes und entwickelte nach eigenen Angaben Navigationssysteme für Kraftfahrzeuge. Im Jahr 2002 wurde durch Recherchen der Journalistin Renate Daum bekannt, dass das Unternehmen in großem Umfang Scheingeschäfte tätigte und rund 95 % der angegebenen Umsätze erfunden waren. Der Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzende Bodo Schnabel wurde wegen Kursbetrugs, Insiderhandels und gewerbsmäßigen Betrugs zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Kmart Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 22. Jan. 2002 Einzelhandel Die ehemals zweitgrößte Einzelhandelskette der USA konnte ab den 1990er Jahren nicht mehr im Preiskampf gegen Konkurrenten wie Walmart oder Target bestehen und wurde auch im Hinblick auf die Einführung von EDV-Systemen von diesen abgehängt. Im Januar 2002 wurde die Insolvenz verkündet, der Insolvenzschutz konnte jedoch im Mai 2003 wieder beendet werden. Im Jahr 2005 übernahm Kmart den Sears-Konzern, als Firma für die neue Muttergesellschaft wurde jedoch der Name des übernommenen Unternehmens, Sears, gewählt.[6]
Philipp Holzmann DeutschlandDeutschland Deutschland 21. März 2002 Bauindustrie Philipp Holzmann war ehemals eines der größten deutschen Bauunternehmen. Nach einem Wechsel des Vorstandsvorsitzenden 1997 wurden Schulden in Höhe von 3,2 Milliarden DM bekannt. 1999, im Jahr des 150. Unternehmensjubiläums, verkündete der neue Vorstandsvorsitzende eine Überschuldung aufgrund "vertuschter Altlasten". Es wurde 1999 ein Verlust von 2,4 Milliarden DM bekanntgegeben, der allerdings auch operative Verluste des abgeschlossenen Geschäftsjahres in Höhe von rund 1,1 Milliarden DM beinhaltete. Da erste Verhandlungen mit den Banken scheiterten, musste noch im November desselben Jahres ein Insolvenzantrag gestellt werden. Als Grund der Probleme galten weitgehende Managementfehler, verlustträchtige Großprojekte und ein allgemeiner konjunktureller Abschwung im Baugewerbe. Bilanzen wurden über einen längeren Zeitraum hinweg geschönt.[7] Auf Betreiben Gerhard Schröders konnten durch neue Verhandlungen Bankkredite in Höhe von einer Milliarde DM und eine Bundesbürgschaft über 250 Millionen  DM beschlossen werden. Diese lebenserhaltende Maßnahme erwies sich im März 2002 als nicht nachhaltig, als das Unternehmen nach neuerlichen Verlusten endgültig in die Insolvenz ging und abgewickelt werden musste.
Swissair SchweizSchweiz Schweiz 31. März 2002 Fluggesellschaft Die nationale Schweizer Fluggesellschaft musste Konkurs anmelden, nachdem das Management sie durch zu viele zu risikoreiche Ankäufe und Beteiligungen an anderen (teilweise selbst finanziell angeschlagenen) Fluggesellschaften und sonstiger Unternehmen heruntergewirtschaftet und überschuldet hatte. Weitere Faktoren, die dazu beitrugen, waren mangelnde Aufsicht durch Verwaltungsrat und Behörden sowie schließlich die Terroranschläge vom 11. September. Am 31. März 2002 musste die Swissair den Betrieb einstellen. Am 31. März 2006 erhob die für Wirtschaftsdelikte zuständige Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich nach fünfjähriger Ermittlung Anklage gegen 19 Personen, darunter alle Mitglieder des damaligen Verwaltungsrates, die Konzernchefs sowie weitere Mitglieder der Geschäftsleitung, unter anderem wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, Gläubigerbevorzugung, Gläubigerschädigung, Misswirtschaft, Falschbeurkundung und Urkundenfälschung. Alle Angeklagten wurden letztlich freigesprochen, was in der Bevölkerung auf Unverständnis stieß.
Kirch-Gruppe DeutschlandDeutschland Deutschland 8. Apr. 2002 Medien Der Kern des Medienkonzerns, zu dem unter anderem ProSiebenSat.1, Premiere World, DSF und eine große Beteiligung am Springer-Verlag gehörten, musste im April 2002 Insolvenz anmelden. In der Insolvenzmasse befanden sich zu diesem Zeitpunkt auch Übertragungsrechte für die deutsche Fußball-Bundesliga und die Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006. Zuvor wurde die Kreditwürdigkeit des Konzerns durch das Breuer-Interview mit dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf-Ernst Breuer, massiv geschädigt.[8] Die Deutsche Bank ging nach einem mehrjährigen Gerichtsprozess auf einen Vergleich in Höhe von rund 925 Millionen Euro ein. Die Deutsche Bank meldete daraufhin Regressforderungen gegenüber Breuer an, der persönlich jedoch nur für 3,2 Millionen Euro aufkam.
Arthur Andersen Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 15. Juni 2002 Wirtschaftsprüfung Zu den Klienten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen zählte unter anderem Enron. Das ehemalige Mitglied der Big Five der Prüfgesellschaften wurde verurteilt, weil es den Bilanzschwindel Enrons teilweise deckte und nachträglich Akten zu dem Fall schreddern ließ. Arthur Andersen wurde deshalb des Vergehens der Justizbehinderung schuldig gesprochen.[9]
Conseco Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 2002 Finanzdienstleister Conseco (heute: CNO Financial Group) war ein Finanzdienstleistungskonzern, der Versicherungsleistungen anbot und unter anderem Immobilienkredite vergab. Die Übernahme von Greentree Financial, einem Kreditgeber für die Finanzierung von mobile homes, für rund sechs Milliarden Dollar im Jahr 1998 sorgte für eine größer werdende Schuldenlast für Conseco. Im Jahr 2002 musste Conseco seine Insolvenz anmelden. Diese war zu diesem Zeitpunkt die größte Unternehmensinsolvenz nach denen von WorldCom und Enron in den Vereinigten Staaten. Im Jahr 2003 konnte das Insolvenzverfahren beendet werden. Die heutige CNO Financial Group fokussiert sich ausschließlich auf das Versicherungsgeschäft.[10]
Parmalat ItalienItalien Italien 24. Dez. 2003 Nahrungsmittel Das Molkereiunternehmen ging 2003 aufgrund von Zahlungsunfähigkeit in die Insolvenz. Über Jahre wurden die Bilanzen manipuliert und Gelder zu Gunsten anderer Unternehmen des Gründers Calisto Tanzi veruntreut.[11] Im Jahr 2004 wurde ein bilanzieller Fehlbetrag von 23 Milliarden Euro ermittelt. 2005 konnte das Insolvenzverfahren beendet werden.
Heros Unternehmensgruppe DeutschlandDeutschland Deutschland 20. Feb. 2006 Geldtransporte Die Heros-Gruppe aus Hannover war ein großer Anbieter von Geldtransportdienstleistungen in Deutschland. Nach dem Wegfall eines Großkunden mussten 27 Gesellschaften der Unternehmensgruppe Insolvenz beantragen. In nachfolgenden Untersuchungen wurde bekannt, dass das Management über 270 Millionen Euro aus den anvertrauten Barbeständen veruntreut hatte. Mit abgezweigten Geldern wurden kurzfristige Anlagen getätigt, mit deren Gewinnen der eigentliche Geschäftsbetrieb erst finanziert werden konnte.[12]
Göttinger Gruppe DeutschlandDeutschland Deutschland Juni 2007 Finanzdienstleister Der ehemalige Hauptsponsor des VfB Stuttgart verkaufte verschiedene Anlageprodukte, von denen Teile durch die Staatsanwaltschaft Braunschweig zu Beginn der 2000er Jahre für strafbar befunden wurden. Auch vermutete das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen ein betrügerisches Schneeballsystem hinter den Anlageprodukten der Gruppe. Folgende Ermittlungen wegen Kapitalanlagebetrugs, Untreue und Betrugs konnten diese Verdachtsmomente jedoch nicht bestätigen. Allerdings wurde durch die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anklage gegen zwei Vorstandsmitglieder wegen Insolvenzverschleppung und Untreue erhoben, da man feststellte, dass die Gruppe schon im Dezember 2005 zahlungsunfähig gewesen sei und dennoch Grundstücke verkauft worden seien, deren Erlös teilweise veruntreut worden wäre. Bereits 2001 musste das zur Göttinger Gruppe gehörende Bankhaus Partin abgewickelt und die Bankkunden über den Einlagensicherungsfonds entschädigt werden.
Northern Rock Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 22. Feb. 2008 Banken Northern Rock kam infolge der Subprime-Krise 2007 in Refinanzierungsschwierigkeiten. Spekulationen um die Stabilität des Bankinstituts lösten massenhafte Abzüge von Einlagen durch Privatanleger aus. Northern Rock wurde im Februar 2008 verstaatlicht und 2011 an Virgin Money veräußert.
Bear Stearns Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 14. März 2008 Banken Bear Stearns war eines der ersten amerikanischen Unternehmen des Finanzsektors, die im Zuge der Weltfinanzkrise vom Markt verschwanden. Bereits 2007 schrieben Fonds von Bear Stearns, die in faule Kreditderivate investiert hatten, hohe Verluste und mussten durch das Unternehmen gestützt werden. Auch durch Gerüchte über eine verschlechterte Liquidität bekam Bear Stearns Probleme mit dem Zugang zum Kreditmarkt und damit tatsächlich Liquiditätsengpässe. Im Angesicht dieser Lage stellten die Großbank JPMorgan Chase und die Fed einen Überbrückungskredit zur Verfügung. Am 30. Mai 2008 wurde Bear Stearns durch JPMorgan Chase übernommen.
Lehman Brothers Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 15. Sep. 2008 Banken Die Investmentbank Lehman Brothers schrieb im Zuge der Immobilienkrise 3,3 Milliarden US-Dollar ab und musste im April und im Juni 2008 Kapitalerhöhungen in Milliardenhöhe vollziehen. Am 15. September 2008 wurde Insolvenz angemeldet. Im Gegensatz zu den Fällen von Bear Stearns, Fannie Mae und Freddie Mac war die US-Bundesregierung, auch aufgrund des zunehmenden politischen Drucks, nicht mehr gewillt, Rettungsmaßnahmen zu vollziehen.
AIG Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 16. Sep. 2008 Versicherung Der Versicherer AIG musste während der Subprime-Krise Abschreibungen in Höhe von 11 Milliarden Dollar auf sein Kreditversicherungsportfolio hinnehmen. Im Zuge der größten finanziellen staatlichen Unterstützung für ein privates Unternehmen in der Geschichte der Vereinigten Staaten gewährte die Federal Reserve einen Kredit im Wert von 85 Milliarden Dollar, im Gegenzug gelangten 79,9 % der Unternehmensanteile in die Hand der Zentralbank.
Washington Mutual Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 26. Sep. 2008 Banken Auch Washington Mutual (WaMu) kam aufgrund von Investitionen am US-Hypothekenmarkt in Bedrängnis. Während der Krise zogen Kunden Einlagen in Höhe von 16,7 Milliarden US-Dollar ab und belasteten damit die Liquidität des Instituts. WaMu musste Insolvenz anmelden und wurde teilweise durch JP Morgan Chase übernommen. Gemessen am Einlagevolumen handelte es sich hierbei um die größte Bankenpleite in der Geschichte der USA.
Royal Bank of Scotland Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 13. Okt. 2008 Banken Milliardenverluste aufgrund der internationalen Finanzkrise und die unbedachte Übernahme von Teilen der ABN AMRO-Bank im Jahr zuvor machten 2008 staatliche Hilfen für die Royal Bank of Scotland nötig. Bis 2009 wurden hierbei 84 % der Unternehmensanteile durch das Vereinigte Königreich übernommen.
Bernard L. Madoff Investment Securities LLC Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Dez. 2008 Investmentfonds Der US-Amerikaner Bernard Madoff betrieb durch die Bernard L. Madoff Investment Securities LLC über mehrere Jahrzehnte einen Investmentfonds nach einem Ponzi-Schema. Der verursachte finanzielle Schaden lag bei mindestens 50 Milliarden US-Dollar. Wegen seines Anlagebetrugs wurde Madoff 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt.
Sanlu China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 24. Dez. 2008 Nahrungsmittel Der chinesische Hersteller von Milchprodukten, der zu 43 % von Fonterra und mehrheitlich durch den chinesischen Staat gehalten wurde, ging 2008 insolvent, nachdem im Zuge des Chinesischen Milchskandals sechs Säuglinge gestorben waren. Neben einigen anderen Erzeugern von Milchpulver mischte Sanlu Melamin in seine Produkte, um künstlich einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen. Im Fall von Sanlu waren die Auswirkungen besonders schwer, da der Melamingehalt höher war als bei anderen Konkurrenten und die Produkte Sanlus größtenteils für Säuglinge gedacht waren. Durch den Konsum erkrankten rund 300.000 Kleinkinder und mehrere Säuglinge erlitten Nierenversagen. Mehrere Verantwortliche wurden nach einer rechtlichen Aufarbeitung zum Tode verurteilt und hingerichtet.[13]
Nortel KanadaKanada Kanada 14. Jan. 2009 Technologie Die Pleite des Herstellers von Telekommunikationsausrüstung Nortel folgte direkt aus einem starken Auftragseinbruch von Telefongesellschaften aufgrund der Finanzkrise. Das ehemals börsennotierte Unternehmen war die erste große Gesellschaft außerhalb des Finanzsektors, die der weltweiten Krise ab 2007 zum Opfer fiel.
Arcandor DeutschlandDeutschland Deutschland 9. Juni 2009 Einzelhandel Im Jahr 2009 ließ Arcandor, ehemals KarstadtQuelle, ein Insolvenzverfahren eröffnen. Für besonderes Aufsehen sorgte die Verurteilung des vormaligen Arcandor-Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff wegen Untreue und Steuerhinterziehung.
Envio Recycling DeutschlandDeutschland Deutschland Okt. 2010 Umweltdienstleistungen Die Envio Recycling GmbH & Co. KG, eine Tochter der ehemaligen Envio AG, ging 2010 in die Insolvenz, nachdem eine Verseuchung des Werksgeländes in Dortmund und eine Kontaminierung der näheren Umgebung durch das Unternehmen mit Polychlorierte Biphenylen (PCB) publik geworden war. Envio gewann mit einem zugelassenen Verfahren Kupfer aus Großtransformatoren zurück, die mit PCBs verfüllt waren.[14] Die Transformatoren wurden teilweise eigens aus dem Endlager Herfa-Neurode wieder zu Tage befördert. Gerichtliche Verfahren gegenüber dem Geschäftsführer und dem Betriebsleiter aufgrund des Verdachts der mehrfachen Körperverletzung an den eigenen Mitarbeitern und wegen möglicher Verstöße gegen Umweltvorschriften mussten 2017 in Ermangelung an Beweisen eingestellt werden.[15]
Beluga Shipping DeutschlandDeutschland Deutschland 16. März 2011 Reederei Die Projekt- und Schwergut-Reederei Beluga Shipping mit Sitz in Bremen meldete im März 2011 Insolvenz an. Die Tochterunternehmen folgten. Gründer und Geschäftsführer der Reederei war Niels Stolberg. Abgesehen von den finanziellen Problemen fiel die Reederei auch dadurch auf, dass Schiffe der Reederei Waffen in mit einem Embargo belegte Länder transportierten. Dabei sah die Staatsanwaltschaft Bremen einen hinreichenden Tatverdacht, dass sich ein Mitarbeiter des BND der Beihilfe zum Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz strafbar gemacht hat, da er die Reederei entsprechend beraten habe, wie sie die Transporte abzuwickeln hätte, ohne sich strafbar zu machen.
Harles und Jentzsch DeutschlandDeutschland Deutschland Mai 2011 Futtermittel Der Hersteller von Futterfetten verarbeitete im Jahr 2010 zugelieferte Fettsäuren, die mit Dioxinen kontaminiert waren. Die hierdurch verursachte Belastung der erzeugten Futterfette für die Herstellung von Futtermitteln für die Tiermast war Harles und Jentzsch bekannt, dennoch beauftragte das Unternehmen die Lübbe Transport & Logistik GmbH mit der Vermischung und Auslieferung der Fette. Rund 4700 Mastbetriebe in Deutschland waren von Sperrungen betroffen.
Poly Implant Prothèse FrankreichFrankreich Frankreich 2011 Medizinprodukte Der französische Hersteller von Brustimplantaten lieferte mangelhafte Produkte, welche im eingesetzten Zustand reißen konnten, wodurch Silikongel im Körper ausdrang. Dem Unternehmensgründer Jean-Claude Mas wurde unter anderem die Verwendung von minderwertigem Silikon vorgeworfen. Mas wurde zu vier Jahren Haft, einer Geldstrafe von 75.000 Euro und einem Berufsverbot verurteilt.
MF Global Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Nov. 2011 Finanzdienstleister MF Global war ein bedeutender Derivate-Broker, der erst im Jahr 2007 aus der Man Group ausgegliedert und als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht wurde. Nach verlustreichen Spekulationen auf europäische Staatsanleihen wurde bekannt, dass das Unternehmen in großem Stil Kundengelder veruntreut hatte. Der Schaden der Kunden belief sich auf rund 1,6 Milliarden US-Dollar. Im November 2011 musste MF Global Insolvenz anmelden.
Schlecker DeutschlandDeutschland Deutschland 23. Jan. 2012 Einzelhandel Der Drogeriebetreiber Schlecker galt lange Zeit als größtes Unternehmen der Branche gemessen an der Anzahl der Läden, das Verhältnis von Umsatz und Gewinn zur Gesamtladenfläche rangierte jedoch im Wettbewerbsvergleich auf den hinteren Plätzen. Nach mehreren Verlustjahren in Folge kam Schlecker in einen Liquiditätsengpass und musste schließlich am 23. Januar 2012 Insolvenz einreichen. Die Tochter Ihr Platz gab ihre Insolvenz wenige Tage später bekannt. Nach der Insolvenz wurden Verfahren gegen mehrere Mitglieder der Familie Schlecker aufgrund des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott eingeleitet.
Müller-Brot DeutschlandDeutschland Deutschland 16. Feb. 2012 Nahrungsmittel Müller-Brot war über mehrere Jahre hinweg einer der größten Backwarenhersteller Europas. Wegen andauernden schwerwiegenden Hygienemängeln in der Produktion wurde durch das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ein Produktionsstopp verhängt. Unter anderem wurden Schaben, Motten und Käfer in den Backzutaten gefunden. Ein Umsatzeinbruch durch die stillgelegte Produktion und die Abwanderung von Großkunden und Verbrauchern machte einen Gang in die Insolvenz nötig.
S&K-Gruppe DeutschlandDeutschland Deutschland 2013 Finanzdienstleister Die S&K-Gruppe erstand Wohnimmobilien aus Zwangsversteigerungen und verkaufte sie zu einem späteren Zeitpunkt über dem Einstiegswert. Ab 2009 sammelte die Unternehmensgruppe Anlagen von Privatpersonen über eigene geschlossene Fonds ein. Durch Untersuchungen ab 2013 wurde ein Schneeballsystem offengelegt, durch welches Anleger ausbezahlt wurden. Statt durch erwirtschaftete Gewinne wurde das Geld für die Auszahlungen durch die Anlagen neuer Investoren beschafft. Insgesamt entstand ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe.[16]
Mt.Gox JapanJapan Japan 28. Feb. 2014 Finanzdienstleister Mt.Gox war eine Handelsplattform für Bitcoins. Im August 2013 wurden rund 60 % des weltweiten Handelsvolumens der Kryptowährung über Mt.Gox abgewickelt. Im Februar 2014 beantragte das Unternehmen Mt.Gox K.K. Gläubigerschutz und vermeldete, dass 750.000 Bitcoins aus Kundeneinlagen und 100.000 Bitcoins aus dem Vermögen des Unternehmens verloren gegangen seien. Die Gesamtschadenssumme belief sich damit auf über 800 Millionen US-Dollar. In den folgenden Wochen tauchten 200.000 Bitcoins wieder auf, der Restbetrag wurde aber vermutlich durch einen Insider unterschlagen.
Infinus DeutschlandDeutschland Deutschland Mai 2014 Finanzdienstleister Die Infinus AG vertrieb am Grauen Kapitalmarkt, meist wertlose, Genussrechte und Orderschuldverschreibungen. Der Vertrieb erfolgte nach einem Schneeballsystem. Insgesamt entstand den Anlegern ein Schaden von über 300 Millionen Euro.
Hypo Alpe Adria OsterreichÖsterreich Österreich 2014 Banken Nach einem Verkauf an die Bayerische Landesbank 2007 kam die Bank bis 2009 in finanzielle Schwierigkeiten und es drohte eine Insolvenz. Zum Jahresende 2009 wurde der Konzern vollständig durch den Staat Österreich übernommen. 2014 wurde die Hypo Alpe Adria zerschlagen.
Bankhaus Wölbern & Co. DeutschlandDeutschland Deutschland 12. Dez. 2014 Banken In Form gewerbsmäßiger Untreue wurden von 2011 bis 2013 rund 147 Millionen Euro aus 31 geschlossenen Immobilienfonds mit Vorsatz zweckwidrig verwendet. Der Anleger-Skandal hatte die Schließung des Hauses zur Folge.
Imtech NiederlandeNiederlande Niederlande 13. Aug. 2015 Gebäudetechnik Gegen die deutsche Tochter des niederländischen Unternehmens wurde wegen des Verdachts auf Untreue, Bestechung, Preisabsprachen und Bilanzfälschungen ermittelt. Imtech war unter anderem maßgeblich an der Installation der Rauchabzüge des Flughafens Berlin Brandenburg beteiligt und soll in vielen Fällen von der Verschleppung von Bautätigkeiten profitiert haben. Gravierende Baumängel des Flughafens, hauptsächlich in Bezug auf die Verlegung von Kabeltrassen und das Brandschutzsystem, wurden dem Unternehmen mit ehemals rund 22.200 Mitarbeitern vorgeworfen.[17] Laut Handelsblatt wurden durch interne Untersuchungen „bandenartige Strukturen“ im Management aufgedeckt, die durch Korruption und Untreue zu Schäden in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro geführt hätten.[18]
Maple Bank DeutschlandDeutschland Deutschland 10. Feb. 2016 Banken Die deutsche Bank mit kanadischen Eigentümern war in großem Ausmaße in Cum-Ex-Geschäften verwickelt, bei denen es zu mehrfachen Steuererstattungen für einmal gezahlte Steuern kam. Da die Steuer-Rückforderungen in dreistelliger Millionenhöhe das Eigenkapital der Bank weit überstiegen, stellte die BaFin aufgrund der drohenden Überschuldung einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.[19] Unter anderem wurden mehrere Führungskräfte der Bank wegen schwerer Steuerhinterziehung angeklagt. Das kanadische Mutterunternehmen der Bank war zu 28 % im Besitz eines Pensionsfonds für Lehrer in der Provinz Ontario und zu 25 % im Besitz der National Bank of Canada.[20]
Unister DeutschlandDeutschland Deutschland 18. Juli 2016 E-Business Der Leipziger Webportalbetreiber meldete am 18. Juli 2016 Insolvenz an. Dies geschah vier Tage nach dem mysteriösen Tod des Firmengründers Thomas Wagner. Der Freistaat Sachsen forderte danach 1,4 Millionen Euro zurück, die als Fördergelder vergeben worden waren.
Hanjin Shipping Korea SudSüdkorea Südkorea 31. Aug. 2016 Reederei Der südkoreanische Schiffseigner war zum Zeitpunkt seiner Insolvenz die weltweit siebtgrößte Reederei gemessen an der verfügbaren TEU-Kapazität aller Schiffe. Nach der Insolvenz durften 89 Schiffe des Unternehmens, die sich noch auf See befanden, keine Häfen mehr anlaufen, da man befürchtete, dass anfallende Hafengebühren nicht hätten bezahlt werden können. Gleichzeitig vermied Hanjin das Einlaufen, um Beschlagnahmungen der Schiffe durch Gläubiger zu verhindern. Während dieser Zeit konnte die Ladung auf den Schiffen nicht gelöscht werden und die Besatzung nicht versorgt werden.
P&R-Gruppe DeutschlandDeutschland Deutschland 2018 Finanzdienstleister Die Finanzanlage-Gesellschaft vermittelte Direktinvestitionen in Seecontainer, die durch die Unternehmensgruppe zurückgemietet wurden. Die deutschen Gesellschaften der Gruppe gingen im Frühjahr 2018 insolvent. Mindestens seit 2007 wird das Geschäftsmodell als Schneeballsystem eingeordnet. Seit diesem Zeitpunkt bestand auch eine wachsende Lücke im tatsächlichen Containerbestand. Gemäß Medienberichten wurden rund eine Million Container verkauft, die nicht existierten. Es entstand ein finanzieller Schaden von rund 2,5 Milliarden Euro.[21]
Theranos Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Sep. 2018 Biotechnologie Das Biotechnologieunternehmen Theranos behauptete, ein Verfahren entwickelt zu haben, mit welchem kleinste Mengen von Blut auf Krankheitserreger untersucht werden konnten. Entgegen eigener Darstellungen benutzte das Unternehmen seine eigenen Analysegeräte nur selten und untersuchte Blutproben, die zusätzlich verdünnt werden mussten, auf umgebauten Geräten von Siemens.[22] Unternehmensgründerin Elizabeth Holmes und das ehemalige Vorstandsmitglied Ramesh Balwani wurden wegen Betruges strafrechtlich verfolgt. In einer Auseinandersetzung mit dem SEC stimmte Holmes einer Strafzahlung von 500.000 US-Dollar zu.[23] Bis 2018 musste das operative Geschäft vollständig eingestellt werden.
Sears Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 15. Okt. 2018 Einzelhandel Nach mehreren Verlustjahren musste die Anzahl der stationären Läden unter dem Namen Sears bis 2017 von 4000 auf 510 reduziert werden, die Anzahl der Kmart-Geschäfte reduzierte sich von ehemals 1400 auf knapp über 570.[24] Die Sears Holding Corporation beantragte im Oktober 2018 Gläubigerschutz.
Pacific Gas and Electric Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 14. Jan. 2019 Versorger Nach dem Zusammenbruch im Jahr 2001 musste PG&E im Januar 2019 wiederholt Insolvenz beantragen. Grund für die neuerliche Insolvenz waren erwartete Schadenersatzforderungen, die aus der Verantwortlichkeit für das Camp Fire in Kalifornien resultierten. Es wurde festgestellt, dass die veraltete und marode Übertragungsinfrastruktur von PG&E Auslöser des Waldbrandes war. Die vermutete Haftungssumme von rund 30 Milliarden US-Dollar hätte das Eigenkapital um ein Vielfaches überstiegen.[25]
Purdue Pharma Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 16. Sep. 2019 Pharmazie Der US-Pharmakonzern Purdue Pharma L.P. war vor seiner Insolvenz vornehmlich für das Produkt Oxycontin, ein Analgetikum auf Basis von Oxycodon, bekannt. Wegen unzureichender Warnungen vor der Suchtgefahr durch das Präparat wurde das Unternehmen für die Opioid-Epidemie in den Vereinigten Staaten von Amerika mitverantwortlich gemacht. Aufgrund von Schadenersatzforderungen in Höhe mehrerer Milliarden US-Dollar meldete Purdue am 16. September 2019 Insolvenz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts an. Purdue Pharma soll in diesem Zuge in eine Stiftung der öffentlichen Hand überführt werden.
Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren DeutschlandDeutschland Deutschland 4. Okt. 2019 Fleischwaren Dem Wurstwaren-Produzenten aus Twistetal-Berndorf wurde im Oktober 2019 der Betrieb untersagt und die Produkte weltweit zurückgerufen, nachdem sich herausstellte, dass mit Listerien belastete Wurst des Unternehmens zu mehreren Todesfällen und insgesamt 37 Erkrankungen geführt hatten. Infolgedessen wurden eklatante Hygienemängel in der Produktion bekannt. Nachdem mehrere Klagen gegen die Betriebsuntersagung scheiterten, musste das Unternehmen am 4. Oktober 2019 Insolvenz anmelden[26] und wurde im Januar 2020 geschlossen. Zugleich nahm die Staatsanwaltschaft Kassel Ermittlungen gegen Verantwortliche des Unternehmens unter anderem wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und gewerbsmäßigen Betrugs auf.[27]
J. C. Penney Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 15. Mai 2020 Einzelhandel Nach zehn Verlustjahren in Folge musste J. C. Penney, ehemals einer der größten Einzelhändler der Vereinigten Staaten, im Mai 2020 Insolvenz anmelden. Die Insolvenz erfolgte in direktem Zusammenhang mit der weltweiten COVID-19-Pandemie. Im Zuge einer Restrukturierung wurden Ladenschließungen angekündigt.
Wirecard DeutschlandDeutschland Deutschland 25. Juni 2020 Finanzdienstleister Der DAX-Konzern musste zugeben, dass ausgewiesene Bankguthaben bei Banken auf den Philippinen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro mit großer Wahrscheinlichkeit nie existiert haben. Diese Summe entsprach rund 25 % der gesamten Bilanzsumme. Bereits im Frühjahr 2019 äußerte ein Autor der Financial Times in mehreren Berichten die Vermutung, dass Mitarbeiter Wirecards in Singapur Umsätze erfunden hätten, um Ertragsziele zu erreichen. Diese Vorwürfe wurden durch das Unternehmen dementiert. Zwischenzeitlich erließ die BaFin ein zweimonatiges Verbot für die Etablierung und Vergrößerung von Netto-Leerverkaufspositionen für Wirecard-Aktien. Am 18. Juni 2020 teilte der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young mit, dass er der Bilanz für das Geschäftsjahr 2019 das Testat verweigern werde.[28] Noch für den Jahresabschluss 2018 erteilte Ernst & Young einen Bestätigungsvermerk ohne das Fehlen von Saldenbestätigungen für rund eine Milliarde Euro an angeblichen Treuhandguthaben zu bemängeln.[29] Am 25. Juni stellte Wirecard einen Insolvenzantrag.
Commerzialbank Mattersburg OsterreichÖsterreich Österreich 14. Juli 2020 Banken Die österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) deckte Mitte Juli 2020 umfangreiche Bilanzfälschungen bei der burgenländischen Regionalbank auf und ordnete die sofortige Zwangsschließung an.[30] Die Bank war Hauptsponsor des Fußball-Bundesligisten SV Mattersburg. Vorstandsvorsitzender der Bank und gleichzeitig Präsident des SV Mattersburg war Martin Pucher, der mit Schließung der Bank von seinen Ämtern in Bank und Verein zurücktrat. Infolge der Schließung der Bank musste auch der SV Mattersburg einen Insolvenzantrag stellen. Damit verbunden war die Einstellung des Spielbetriebes und die Zurücklegung der Bundesligalizenz.[31] Der Skandal machte die Bank überregional bekannt. Nach ersten Angaben war die Bilanz des Geldhauses um rund 500 Millionen Euro frisiert worden. Entsprechende Guthaben der Bank bei anderen österreichischen Banken existierten nicht, die zugehörigen Belege waren gefälscht.[32] Am 27. Juli 2020 beantragte die FMA die Eröffnung des Insolvenzverfahrens.[33]

Wirtschaftsskandale ohne einhergehende Insolvenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Guardian: Accountants in BCCI net, abgerufen am 27. Dezember 2018
  2. Dow Corning’s Bankruptcy Filing : How and Why Did It Happen? What Now? LA Times; abgerufen am 11. September 2020
  3. Vor 20 Jahren: Vulkan-Werft muss schließen Weser Kurier; abgerufen am 4. August 2019
  4. The Rise and Fall and Rise of Iridium airspacemag.com; abgerufen am 3. August 2019
  5. Iridium Satellite nimmt Telekommunikationsdienste wieder auf Handelsblatt; abgerufen am 3. August 2019
  6. Kmart Files Bankruptcy, Largest Ever For a Retailer NY Times; abgerufen am 30. Dezember 2018
  7. Bauindustrie / Retter im Zwielicht. In: Der Spiegel. Nr. 19, 2001 (online).
  8. Kirch-Gruppe hat Insolvenzantrag gestellt Handelsblatt; abgerufen am 3. August 2019
  9. Andersen guilty in Enron case news.bbc.co.uk; abgerufen am 29. Dezember 2018
  10. Die zehn größten Pleiten der US-Geschichte boerse.ard.de; abgerufen am 26. Februar 2020
  11. Untreue bei Parmalat n-tv; abgerufen am 29. Dezember 2018
  12. Zehn Jahre nach dem Heros-Skandal mittelbayerische.de; abgerufen am 6. Juli 2019
  13. China richtet zwei Verantwortliche des Milchskandals hin Spiegel; abgerufen am 22. Juni 2019
  14. Teile der Giftfirma Envio sind insolvent Westfälische Rundschau; abgerufen am 29. Juni 2019
  15. Verfahren gegen Envio-Manager eingestellt welt.de; abgerufen am 29. Juni 2019
  16. S&K-Anleger sollen Geld zurückzahlen Handelsblatt; abgerufen am 16. Juli 2019
  17. Die unheimliche Firma Zeit Online; abgerufen am 12. Mai 2019
  18. Imtech vom eigenen Management ausgeraubt Handelsblatt; abgerufen am 12. Mai 2019
  19. BaFin stellt Entschädigungsfall für Maple Bank GmbH fest BaFin; abgerufen am 13. September 2020
  20. Maple-Bank-Eigentümer zahlen ihren Anteil der Beute zurück Süddeutsche Zeitung; abgerufen am 13. September 2020
  21. Bei P&R fehlen eine Million Container - Verdacht auf Betrug Manager Magazin; abgerufen am 14. Juli 2019
  22. Betrugs-Start-up macht dicht Tagesanzeiger; abgerufen am 28. April 2019
  23. Theranos, CEO Holmes, and Former President Balwani Charged With Massive Fraud SEC; abgerufen am 28. April 2019
  24. Why Sears’ Sales And Earnings Reports Make Me Cry Forbes; abgerufen am 30. Dezember 2018
  25. Former PG&E CEO Won’t Be Walking Away Totally Empty-Handed bloombergquint.com; abgerufen am 27. Oktober 2019
  26. Hessen: Wurst-Hersteller Wilke beantragt nach Todesfällen Insolvenz. In: Spiegel Online – Wirtschaft. Abgerufen am 22. März 2020.
  27. Kein Käufer für Wilke: Allen Mitarbeitern gekündigt. Abgerufen am 22. März 2020.
  28. Vorwürfe gegen Wirecard: Chronologie der Ereignisse. In: boerse.ard.de. Abgerufen am 25. Juni 2020.
  29. Wie konnte EY das übersehen? In: wiwo.de. Abgerufen am 25. Juni 2020.
  30. Mitteilung. Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA, abgerufen am 19. Juli 2020.
  31. Bundesliga: Mattersburg wirft endgültig das Handtuch. In: sport.orf.at. 5. August 2020, abgerufen am 5. August 2020.
  32. Wie die Commerzialbank Mattersburg Luftschlösser gebaut haben soll - derStandard.at. In: derStandard.at. 17. Juli 2020, abgerufen am 18. Juli 2020.
  33. FMA schickt Commerzialbank in Konkurs. In: burgenland.orf.at. 27. Juli 2020, abgerufen am 27. Juli 2020.
  34. Drtičku v Jihlavě staví rakouská nábytkářská firma načerno. Ale v dobré víře, tvrdí Česká televize; abgerufen am 11. September 2020
  35. Kronospan dostal pokutu. Životní prostředí jsme neohrozili, tvrdí firma iDNES.cz; abgerufen am 11. September 2020