lit.Cologne

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Signet des Literaturfestivals

Die lit.Cologne (Eigenschreibweise: lit.COLOGNE) ist ein internationales Literaturfestival, das seit März 2001 jährlich im Frühjahr in Köln stattfindet. 2011 kam ein Festival für Kinder und Jugendliche hinzu, die lit.kid.Cologne. Neben dem Frühjahrsfestival organisieren die Macher der lit.Cologne seit 2011[1] in jedem Herbst ein lit.Cologne Spezial parallel zur Frankfurter Buchmesse und seit 2013 die phil.Cologne, die sich der Vermittlung von philosophischen Fragen widmet. Im Herbst 2017 erweiterte sich die lit.Cologne auch räumlich und organisierte im Ruhrgebiet die erste lit.Ruhr.

Bei Künstlern und Publikum konnte die lit.Cologne eine hohe Beliebtheit durch eine allgemein gute Stimmung und „Begeisterungsfähigkeit“ erlangen.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die lit.Cologne wurde im Jahr 2000 nach einer Idee von Werner Köhler gegründet, dem früheren Geschäftsführer eines Buchhandelsunternehmens, die er in einer Kölner Eisdiele mit seinem Freund Rainer Osnowski[3] entwickelte.[4] Der Buchbranchenkollege Edmund Labonté[5] stieß kurz darauf hinzu. Sie sind seither die Geschäftsführer des Festivals. Die erste lit.Cologne fand vom 21. bis zum 25. März 2001 statt und empfing bei 65 Veranstaltungen insgesamt 30.000 Besucher, 2012 waren es bereits 172 Veranstaltungen mit 84.000 Zuschauern.[6] Im März 2013 richtete die lit.Cologne 206 Veranstaltungen aus, zu denen 90.000 Besucher kamen.[7] Die Veranstaltungen der lit.Cologne finden mittlerweile (2017) in einem Zeitraum von elf Tagen statt und verteilen sich auf unterschiedliche Spielstätten und „ungewöhnlichen Orten“[4] im Kölner Stadtgebiet wie z. B. „in Kirchen, Museen, Hotels, Kinos und sogar ins Polizeipräsidium.“[2]

Die lit.Cologne endete anfangs[8] und beginnt mittlerweile mit der Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises bei einer festlichen Gala im Kölner WDR-Funkhaus.[9] Seit 2010 verleiht sie mit dem Silberschweinpreis einen Debütantenpreis, der mit 2.222 EUR dotiert ist.

Das Hörbuchlabel Random House Audio veröffentlicht seit 2007 eine lit.Cologne Edition, die Höhepunkte des Festivals zusammenfasst.[10]

Seit 2011 richtet sich ein Programmbereich speziell an Kinder und Jugendliche, die lit.kid.Cologne. In diesem Rahmen finden sogenannte Klasse-Buch-Lesungen statt, an denen Schulklassen zu ermäßigten Preisen teilnehmen können. Die Hälfte aller Lesungen der lit.Cologne sind seit 2013 für Kinder und Jugendliche bestimmt.[11] Dieses Programm wird von dem Trio Angela Maas, Christiane Labonté und Milena Mana de Costa geplant und vorbereitet.[12]

Im Herbst 2017 erweiterte sich die lit.Cologne auch räumlich und organisierte die erste lit.Ruhr (eigene Schreibweise: lit.RUHR) im Ruhrgebiet. Der Hauptspielort ist das Industriedenkmal Zeche Zollverein in Essen. Die Macher von lit.Cologne wurden dazu von Anneliese Rauhut eingeladen, der Vorsitzenden der Freunde Zollverein.[13] Viele Autoren und Künstler werden hier aus der zeitgleich stattfindenden lit.Cologne Spezial übernommen. Dies stieß auf den Unmut der regionalen Literaturszene, die nun weniger Fördermittel von privaten Sponsoren befürchten, obwohl die dortigen Literaturveranstaltungen bisher nur öffentlich subventioniert wurden.[14] Anfragen aus anderen Städten scheiterten regelmäßig am Autonomie-Wunsch der Programm-Macher bzw. am eingeforderten Mitspracherecht der Städte.[13]

Konzeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Motivation für dieses Literaturfestival war für Werner Köhler sein Ärger über die lieblose Behandlung von Autoren: « Keine Abholung vom Bahnhof, schlechtes Hotel, in der Buchhandlung heißt es dann: hinsetzen, lesen! Danach keine Betreuung. » „Das habe die ‚lit.Cologne‘ fundamental geändert: Sie setze ganz auf die Autoren und behandle diese wie Stars.“[2] Die Grundidee des Literaturfestivals ist nach Rainer Osnowski „die Begegnung großer Autoren mit Schauspielern, Künstlern.“[14] Dazu werden neben den Autorenlesungen auch dramaturgisch inszenierte Fassungen von Texten angeboten, die von Schauspielern, Rezitatoren und anderen Sprechern vor themenentsprechenden Bühnenbildern vorgetragen werden.

„Werner Köhler und ich wollten damals vor 16 Jahren ein kulturelles Angebot machen, kein rein literarisches. Wir wollten Literatur mit Musik, Kunst und verschiedenen Literaturformen kombinieren und die vorhandenen Gräben zwischen E und U zuschütten. In Deutschland muss Kultur ja tendenziell ernst sein. Was nicht ernst ist, ist Event.“

Rainer Osnowski, 2016.[15]

Nationale und internationale Autoren lesen aus ihren Büchern, in den vergangenen Jahren u. a. T.C. Boyle, Bret Easton Ellis, Julia Franck, Jonathan Franzen, John Irving, Daniel Kehlmann, Doris Lessing, Henning Mankell, Eva Menasse, Susan Sontag, Zadie Smith, Tomas Tranströmer, Martin Walser und Juli Zeh, außerdem Künstler wie Charles Aznavour, Herbert Grönemeyer, Karl Lagerfeld, Patti Smith sowie Politiker, z. B. Stéphane Hessel, Kofi Annan, Michail Gorbatschow und Garri Kasparow. Gelesen werden die deutschen Übersetzungen ihrer Texte von Schauspieler/innen wie zum Beispiel Mario Adorf, Senta Berger, Iris Berben, Matthias Brandt, Hannelore Hoger oder Christoph Waltz.

Neben der klassischen Autorenlesung arrangiert die lit.Cologne Begegnungen zwischen Autoren, Musikern, Künstlern und Schauspielern; so trafen sich z. B. im Programm von 2006 Robert Gernhardt mit Marcel Reich-Ranicki oder Elke Heidenreich mit dem Kölner Opernregisseur Christian Schuller auf einer Opern-Schifffahrt. Auch wird darauf Wert gelegt, dass unbekannte Autoren von bekannten Künstlern vorgestellt werden.[15]

Eine Besonderheit der lit.Cologne ist die Produktion literarischer Programme, in denen Schauspieler/innen und Moderatoren/innen sich in dramaturgischer Form literarischen Stoffen zuwenden, z. B. der Lüge (Roger Willemsen und Dieter Hildebrandt), der Hypochondrie (Cordula Stratmann, Gustav Peter Wöhler und Ingo Naujoks), der Masturbation (Hannelore Hoger, Richy Müller und Andreas Platthaus) oder dem Kitsch (Senta Berger, Jürgen Tarrach und Dieter Moor).

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Programmredaktion mit den drei Geschäftsführern und drei weiteren fest angestellten Mitarbeitern[15] beginnt mit der Lektüre und Auswahl von Büchern. Das wichtigste Auswahlkriterium ist das eigene Gefallen am jeweiligen Buch. Etwa ein Drittel der Autoren geht zurück auf das Frühjahrsprogramm der Verlage, ein weiteres Drittel behandelt aktuelle Themen. Ab 1. September fangen die Programmbesprechungen an, die bis zum Festival einmal in der Woche stattfinden.[16]

Die Organisationsplanung der Veranstaltungen wurde 2016 von 15 Mitarbeiterinnen übernommen,[15] dazu kommen weitere Mitarbeiterinnen für das Programm und die Pressearbeit.[17] Kurz vor dem Festival wurden etwa 50 bis 60 Lesungsbetreuer eingestellt, die sich um die eingeladenen Gäste kümmerten.[16] Die Produktionsbüros befinden sich während der Literaturtage im Kölner 5-Sterne-Hotel im Wasserturm, die auch für alle Autoren und Künstler offen sind, die ebenfalls in diesem Hotel logieren. Ein sogenannter Shuttle-Service holt die Autoren ab, seit 2017 besteht der Fahrzeugpark nur aus Elektro-Autos eines Sponsoren.[17]

Seit 2013 hat sich die lit.Cologne des Themas Soziale Inklusion angenommen, zahlreiche Veranstaltungen sind seitdem barrierefrei. Für Hörgeschädigte gibt es außerdem Gebärdendolmetscher und Induktionsschleifen.[16]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als privatwirtschaftliches Kulturereignis konzipiert, finanziert sich das Literaturfestival durch Eintrittskarten sowie durch die Unterstützung von Sponsoren und Partnern. Zu den Hauptsponsoren zählen (2013) die RheinEnergie AG, die Lanxess AG und Thalia Holding. Medienpartner sind der WDR und der Kölner Stadtanzeiger. Der Fuhrpark für den Gästetransport wurde 2017 von Renault gefördert.[17] Die Förderer der lit.kid.Cologne ist die Imhoff-Stiftung. Die Aktion Mensch und die Kämpgen Stiftung finanzierten 2017 die Gebärdendolmetscher und Tablet-Computer mit einer Sprach-Dolmetscher-Anwendung.[17]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2006: Guinness-Buch der Rekorde für die größte Deutschstunde der Welt in der ausverkauften Lanxess Arena
  • 2010: Kölner Kulturpreis für das Kulturereignis des Jahres 2009
  • 2012: Marketingpreis Germany at its best vom Wirtschaftsministerium NRW für das größte Literaturfestival Europas.[18]
  • 2013: Kölner Kulturpreis für das Kulturereignis des Jahres 2012.[19]
  • 2013: Ohrenorden der Bürgergesellschaft Köln.[20]
  • 2013: Belobigung der Stadt Köln im Rahmen des Kölner Innovationspreis Behindertenpolitik für die Bemühungen, die lit.Cologne barrierefrei zu gestalten.[21]
  • 2016: Kölner Kulturpreis für das Kulturereignis des Jahres 2015

   Quelle: [22]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lit.Cologne – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Rückblicke

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. dpa: «Lit.Cologne Spezial» feiert Premiere. In: Main-Echo, 5. September 2011.
  2. a b c Hannes Hintermeier: „lit.Cologne“: Das tollste aller Lesefeste. In: FAZ, 8. März 2006.
  3. Martin Oehlen: Lit.Cologne-Chef Osnowski: „Der Erfolg ist groß, der Erlös eher gering“. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 12. März 2014.
  4. a b Silke und Tobias Büscher: Der Festivalmacher: Werner Köhler im Porträt. In: Köln Reporter, 11. Februar 2016.
  5. Werner Köhler: Leute: Runde Geburtstage – Edmund Labonté (60). In: BuchMarkt, 24. Januar 2017.
  6. Litcologne: über 90.000 Besucher erwartet. Auftakt zum Literatur-Rausch. In: Buchreport, 6. März 2013.
  7. Max Florian Kühlem: „Sie müssten sehen, wie reibungslos alles läuft.“ In: Börsenblatt, 6. März 2013, Interview mit dem Lit.Cologne-Macher Rainer Osnowski.
  8. Verleihung des Deutschen Hörbuch Preises. In: tagesschau, 20. März 2005.
  9. Die Hörbuch-Gala 2012. In: Deutscher Hörbuchpreis, 14. Juni 2012.
  10. lit.Cologne. In: Verlagsgruppe Random House.
  11. Michael Melles: 22. Ohrenordensträger (2013). In: Bürgergesellschaft Köln, 4. Mai 2013.
  12. Doreen Reeck: Großes Lesefest für Kinder. In: Duda.news, Kindernachrichten, 7. März 2017.
  13. a b Guido Schweiss-Gerwin: Auftakt. „An Zollverein geht kein Weg vorbei.“ In: Zollverein. Das Magzin, Nr. 4, 2017, Interview mit Rainer Osnowski, (PDF; 4,4 MB).
  14. a b Christiane Hoffmans: Lesungen im Ruhrgebiet. Das Literaturfestival, das niemand wollte. In: Welt online, 3. Oktober 2017.
  15. a b c d Sabine Schwietert: Cool, Lit.Cologne! In: Börsenblatt, 13. März 2016, Interview mit Rainer Osnowski.
  16. a b c Martin Oehlen: Kultur in Köln. So entsteht das lit.Cologne-Festival 2015. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 5. März 2015.
  17. a b c d Uli Kreikebaum: lit.Cologne 2017: Ein Blick hinter die Kulissen von Europas größtem Literaturfestival. In: Kölner Stadt-Anzeiger, 9. März 2017.
  18. lit.Cologne: Europas größtes Literaturfestival. In: germanyatitsbest.de, 2012, aufgerufen am 18. September 2017.
  19. Rückblick Kölner Kulturpreis 2013. In: Kölner Kulturrat, Juni 2013.
  20. 22. Ohrenordensträger (2013). In: Bürgergesellschaft Köln, 4. Mai 2013; Jürgen Roters: Verleihung des Ohrenordens im Rahmen des 150-jährigen Bestehens der Bürgergesellschaft Köln von 1863 am 4. Mai 2013. In: Stadt Köln, 2013, (PDF; 18 kB).
  21. Nicole Trum: Kölner Innovationspreis Behindertenpolitik 2013. In: Stadt Köln, 3. Dezember 2013.
  22. Wir über uns. In: litcologne.de, aufgerufen am 18. September 2017.